Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 JUEDISCHE RUNDSCHAU müssen.“ Die JAK bringt in ihrer ersten Nummer Berichte über Judenverfolgungen in Rußland, Berichte aus Amerika usw. Aus Amerika. (Eine Aktion des jüdischen Proletariats fürdicjüdischenRechte.) JAK. Unter dem jüdischen Proletariat der Vereinigten Staaten und Englands begann in den letzten Monaten gleichzeitig eine Bewegung zugunsten der Emanzipation der Juden Osttutopas. Die Initiative zu dieser Bewegung gaben die Mitglieder des Verbandsbureaus des Albvgltiichen Jüdischen Sozialistischen Arbeiterverbandes Poale Zion, die in New York und London sich jede erdenkliche Mühe geben, die Vertreter der gesamten politisch-gewerkschaftlichen und auf versicherungsgenossenschaftlicher Grundlage organisierten jüdischen Arbeiterschaft für eine durch die gegenwärtigen geschichtüchen Ereignisse gebotene gemeinsame Aktion zu gewinnen. Zu diesem Zwecke wurden in New York und London Konferenzen der verschiedenen jüdischen Arbeiterorganisationen einberufen. Die New Yorker Konferenz fand am 18. April statt und war zahlreich beschickt. Es wurde beschlossen, eine große Aktion für die bürgerliche, politische und nationalc Gleichberechtigung der Juden einzuleiten. Die Oeffentlichkeit in Amerika und das intcrnationale sozialistische Proletariat sollen in diesem Sinne beeinflußt werdejj, ln London wurde ein provisorisehes Komitee eingesetzt, das Vertreter der verschiedencn jüdischen Gewerkschaften, des Arbeiterringes (Versicherungsorden) und der sozialistischen Partei Poale Zion umfaßt und zu dem auch Vertreter des englischen Proletariats zugezogen wurden. Eine öffentliche. Delegiertenkonferenz soll demnächst stattfinden. Das provisorische Komitee veröffentlicht fol- ״ende Resolution: ,,Das jüdische Proletariat als Teil eines Volkes, das durch Kriege am wenigsten zu gewinnen und am meisten zu verlieren hat, ist von dem brennenden Wunsche beseelt, dal) dieses große Blutvergießen ׳ehestens beendet sein möge. Das jüdische Proletariat sehnt die baldige Wiederherstellung der sozialistischen Internationale aus tiefstem Herzen herbei, deren große Mission es ist, im Sinne der Völkerverbrüderung und einer demokratischen Lösung des europäischen Konfliktes zu wirken. Die Westmäclite, di e a 11 g e b 1 i c 11 e i 11 e!1 Kampf zur Niederringung des ,,preuß i s c 11 e 11 Militarismus“ führe n , g e 11 e n H a n d in H a n d mit Rußland, der r e a k - tionärsten Macht Europas. Es ist daher die heiligste Pflicht der betreffenden Völker, ihre Regierungen dahin zu bringen, daß sie darauf achten, daß die russische Regierung die elementarsten Grundsätze des Völkerrechtes und der Menschlichkeit in dem vom russischen Heere okkupierten Gebiete nicht verletze, daß sie die eigene Bevölkerung der verschiedenen Nationalitäten nicht unterdrücke und mißhandle, und daß sie insbesondere mit den Verfolgungen und Pogromen gegen die J u - d e n aufhöre. Es ist ferner die Prlicht der ,Völker, ihre Regierungen zu veranlassen, daß sie die nationalen Fragen, die den Weltkrieg mit verursacht haben, auf eine demokratische Weise, im Sinne der Gewährleistung und der Inschutznahme der Rechte aller unterdrückten Nationalitäten und nationalen Minderheiter! ohne Ausnahme lösen. In Konsequenz hiervon fordern wir die volle Emanzipation der ׳ J u d c n R u ß I a 11 d s und aller Lii nder, wo sie nicht im vollen Besitze ihrer R e c 111 e sind.“ Aus Rußland. Die A u s w e i s u 11 g d er Jude 11 a n s d e n polnischen Grenzgebieten hat manche Schwierigkeit gezeitigt. In den Ostseeprovinzen, wo die Juden große Wä!der in ihren Besitz hatten, sind diese Wähler jetzt ohne Bewachung und es besteht daher Gefahr, daß sie von der Bevölkerung ausgeraubt werden; grolle, von Juden geleitete Fabriken mußten schließen und dadurch wurden tausende von Arbeitern brotlos; die Notwendigkeit, die von diesen Fabriken hergestellte Ware von auswärts einzuführen, mußte die ohnehin schon ungünstige wirtschaftliche Lage noch verschlimmern. Es bildeten sich nun Komitees, um diesen Uebclständen abztihelfen. Sie wandten sich an die Regierung■ mit der Bitte, Männer, die aus den obenerwähnten Gründen für das wirtschaftliche Leben ihres Heimatbezirkes von großer Bedeutung sind, in ihren Wohnorten zu lassen, aber alle diese Bemühungen haben nichts gefruchtet. Nach wie vor werden die Ausweisungen mit gleicher Strenge durchgeführt. Ob dabei das eigene Wirtschaftsleben zugrunde geht — die Juden haben zu leiden und das genügt den Beamten des russischen Zarenreiches. « Die so unendlich traurige Leidensgeschichte der Juden in Polen ist um ein neues Kapitel bereichert. All den Ausweisungen, von denen wir bisher soviel gehört haben, ist eine neue gefolgt, die aus dem Gouvernement Kowno. Viele Tausende von Juden werden wie Vieh auf den Eisenbahnen verfrachtet und in die verschiedensten Gegenden des ״heiligen“ russischen Reiches verschickt. Die meisten T ransporte gehen nach M g I i n, Ssurasli, S t a - rodub, Ssimferopol und Poltavva. In den kleineren Städten werden sie freundlich empfangen, da die Bevölkerung dort von der antisemitischen Hetzarbeit noch nicht in der Weise beeinflußt ist, wie es bei den größeren Städten der Fall ist. Sehr traurig ist es, daß ein Teil von ihnen nach ßessarabien ge¬ Seite 193 bracht wird, nach einem Lande, das die Juden von den Massakres der siebenziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nicht gerade in bester Erinnerung haben, da die Bevölkerung in dieser Zeit nicht die Gelegenheit dazu hatte, von ihrer alten Art zu lassen. Gemildert wird jedoch das harte Los dieser Flüchtlinge durch die treue und hingebende Fürsorge, die die Juden des ganzen Reiches an ihnen atisüben. Zu Beginn des Jahres gab es in Berdits c h e w Ausbildungskurse für Kranken- Schwestern. An diesen Kursen nahmen etwa 100 junge Mädchen teil, größtenteils Jüdinnen. Die Leitung der Kurse bemühte sich, von der Regierung die Berechtigung zu erhalten, auch den j ü - dischen Teilnehmerinnen Zeugnisse ausstellen zu dürfen. Diesem Gesuch wurde stattgegeben, jedoch mit der Einschränkung, nur solche dürften Zeugnisse bekommen, die zum Roten Kreuz zugelassen sind. Dies ist jedoch, wie die Dinge heute liegen, so gut wie unmöglich; somit verliert natürlich auch die erteilte Erlaubnis jeden praktischen Wert. * Nach einer Meldung des amerikanischen ״Jevvish Exponent“ soll die Zahl jüdischer Soldaten im russisehen Heere, die für Tapferkeit mit dem St. Georgsorden dekoriert wurden, jetzt 300 betragen. In einem Fall habe ein junger Rekrut, Marko witsch, alle vier Klassen des Ordens erhalten. Diese Mitteifung erinnert an die Meldung, daß russische Zeitungen die Namen der ausgezeichneten jüdischen Soldaten nicht veröffentlichen dürfen! Aus England. Die Ausschreitungen, die sich in London und anderen englischen Städten gegen Deutsche nach dem Untergang der ״Lusitania“ ereigneten, haben jüdischem Eigentum vielen Schaden verursacht. Mit größter Wut gingen die Unruhstifter im Ostend vor, wo die Juden den größeren Teil der Bevölkerung bilden. Der Pöbel griff viele jüdische Geschäftshiiuser an und zerstörte jüdisches Besitztum. Viele russische Juden, die durch die Plünderungen gelitten haben, wandten sich an den Londoner Stadtrat, um Entschädigung für den ihnen zugefügten Schaden zu erhalten. Auch in Johannis bürg in Südafrika kam cs zu antideutschen Ausschreitungen. Die Büros des jüdischen Barons George A1 b u wurden vom Pöbel angegriffen und die Einrichtung wurde zerstört. Unter den Deutschen und Oesterreichem, die man in die Konzentrationslager brachte, befinden sich sehr v i c 1 e J u d e n. Der Jewish Board of Depnties wurde bei der Regierung wegen der Internierung vieler dieser Leute vorstellig, die diese Körperschaft unter ihre Aufsicht zu nehmen beabsichtigt. Sie will jedenfalls jenen Internierten, die rituell leben, die Möglichkeit schaffen, ihren religiösen Bedürfnissen zu entsprechen. Aus Frankreich. Die französische Regierung verbot die Herausgabe des ״Eclaire“, einer Zeitschrift, die in Nizza erschien, angeblich weil darin kürzlich eine Reihe antisemitischer Artikel veröffentlicht wurde. Aus Griechenland. Bei den letzten Parlamentswahlen wurden vier Juden gewählt. Nachrichten Berlin. Folgende Gesinnungsgenossen haben das Eiserne Kreuz erhalten: Dr. Elias A u e r b a c 11 - Haifa (K.J.V.), Dr. Max T s c h e r n i a k - Königsborg (K. J.V.), Max I s ra e 1 - Hamburg (K. J. V.), Ludwig B a e r - Posen (K. j. V.), Früz Wein b e rg- Frankfurt a. M. (K. J. V.), Max Hirsch- Charlottenbürg (K. J.V.), Benedikt N u ß b a 11 m - München (K. J. V.), Dipl.-Ing, Joseph J u 1 i 11 s b 11 r g e r ־ Schöneberg (K. J. V.), Dr. Joseph R o s e n b e r g - Rosenthal (K. J. V.) (Eiserne Kreuz II. Klasse und Oldenburger Großherzog Friedrich-Kreuz), Isidor Spitzer- Charlottenburg (K.J. V.), Dr. Sally Blumenthal- Breslau (K. j. V.) und LIeinz B i e b e r - Halensee (K.J.V.), Befördert wurden folgende (iesinnungsgcnossen: Dr. Leo K 1 a u b e r-Forbach (K. J. V.) zum Adjutanten des Generaloberarztes, Dr. Walter Pin- 11er- Berlin (K. J. V.) zum Offizierstellvertreter, Dipl,- Ing. Richard Michel- Lissa (K. j. V.) zum Vize— Wachtmeister, Julius Alban (K.J. V.) zum Leutnant, Max P appenheimer - Mergentheim (K. J. V.) zum Leutnant, Referendar Alfred Katzenstein - Hamein (K. j. V.) zum Vizefeldwebel, Dr. Max Rosenberg- Johannisburg/Ostpr. (K. J. V.) zum Offizier- Stellvertreter. Unser Gesinnungsgenosse Walter Katschkc- Berlin (K. J.V.) ist vor Przemysl verwundet vorden. Unsere Gesinnungsgenossen Georg Hecht-Poseit, Carl H e 11 s ch e 1 - Berlin (Ruderclub lvria), Hans P i n n e r - Berlin (Ruderclub lvria) sind gefall e 11. Unser als ,,vermißt“ gemeldeter Gesinnungsgenossc M. E p p e 11 s t e i n - Berlin, befindet sich in G efangenschaf t. Bei dem als ,,vermißt“ gemeldeten Gesinnuugsgenossen Walt e r Saul handelt es sieh!1 i c 111 um das Mitglied des Herzl-Klubs Saul. Berlin. Unser Gesinnungsgenosse Felix Rosenb 1 ü t!1, Mitglied des Zentralkomitees der Zionistisehen Vereinigung, derzeit im Felde, wurde durch die Geburt eines Sohnes erfreut. Wir sprechen ihm und seiner Frau unseren besten Glückwunsch aus. Berlin. (Ein Le b enszci c 11 e 11 aus s i b 1 - rischer ü e i a n g e n s c 11 a f t.) Folgender Brief wurde uns /!!gestellt: Irkutsk (Sibirien), den 8. April 1015. Wir nachstehend Unterzeichneten ersuchen Sie hiermit, Frau Sara Probst, Stryj (Galizien), Kilinskigasse 0, mitteilen zu wollen, daß wir 1ms hier als Kriegsgefangene befinden, und daß es uns hier nicht schlecht gellt. Mit Dank und Gruß: Mendel Probst. ־ Israel Feuer. Natan Sternbacii. Gecel Hubel. Berlin. (Jüdischer Ruderklub lvria׳.) Wir erhielten die tieftraurige Nachricht, daß unsere Klubkameradeil Karl He lisch el und Hans ]'inner, Kriegsfreiwillige im 3. Ulanenreg., au einem Tage im Osten gefallen sind, lieber den neuen Verlust kann uns nur eins trösten: Der Wille׳, unsere Sache durchzulialten bis zum äußersten. Schluß des redaktionellen Teils. Jüdische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst) Freitag, den 11. Juni abends: in allen Synagogen 7w> Uhr. Sonnabend, den 12. Juni vormittags: in der Alten Synagoge SD Uhr, in der Kaiserstr.- und Rykestr.-Synagüge () Uhr; in den anderen Synagogen: Frühgottesdienst 7'׳ Uhr, Hauptgottesdienst 10 Uhr. — Pred igten: Synagoge Kaiser- Straße; Rabb. Dr. Eschelbacher; Synagoge Levetzowstr.: Rabb. Dr. Lewkowitz. ■— Jugendgottesdienst nachmittags 1 Uhr. Synagoge 'Kaiserstr.: Rabb. Dr. Warschauer; Synagoge Liitzowstr.: Rabb. Dr. Weisse. Abendgottesdienst (Sabbatausgang): 0 Uhr 29 Min. Mincha in der Alten Synagoge 5 Uhr, in den anderen Synagogen 1/2 Stunde vor Sabbatausgang. Gottesdienst a n d e 11 W ochen tagen: Morgens: in der Alten, Kaiserstr.- 11. Rykestr.- Synagoge 6! , Uhr, in den anderen Synagogen 7 Uhr. Abends: in allen Synagogen 7 Uhr. Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Deutschland Oel1ls1׳mlun;<f׳n sind aussclilipsslirh zu rirhtfn an Herrn Max Wollgteiner, Charlaltenburg, Roscher-StraBe 5. Der heutige Ausweis enthält die Ergebnisse unserer Staimiolsammlung: 111 etwa einem Jahre s'nd ca. 375 Mark /tisamniengekomiiicii. Diese Summe ist an sieh gewiß erfreulich, steht aber doch in keinem Verhältnis zu dem, was wir erwarten durften und was in anderen Verbänden durch solche Sammhingen tatsächlich erreicht wird. Wir können nur von neuem auf die P e a 11 -Brock e 11 s a 111 m I u n g und die K r i e g e r v e r e i 11 e v erw eisen, die jährlieh Tausende von Mark auf diesem Wege erzielen. Es macht dem Einzelnen doch gewiß keine Mühe, Zigarrenabschnitte, Korken und Stanniol zu sammeln, und jeder ka •n, wenn er nur genügend Liebe;zu unserer Sache;•ad etwas guten Vf'illen besitzt, unsere Ziele durch derartige Sammlungen erfreulich fördern. Es empfiehlt sich jetzt im K1 iege besonders, Stanniol zu sammeln, da dies augenblicklich recht gut bezahlt wird. ' \ Wir richten datier an alle Freunde des Jiidischen Nationalfonds die dringende Bitte, unsere Arbeit durch eifriges Sammeln besonders von Stanniol zu unterstützen. * M. Erlös der deutschen Sam nielstelle f. Materialien pro 1914 372,05 Vizcwaciitm. David als Dank f. d. Peßachgaben d. Z. V, f. 1).5, -- Unteroff. Simon Durlaeli grüßt s. Vetter Vizefeldvv. Myrtill Bloch 1, , 11. grüßt s. Freund Ass.-Ar/t Dr. R. Weill 1, ... 2, N. N., Frankfurt a. M.5, - Bettv Franke 11 stein grat. Farn. Rosenb I ii t h .1, - Max W o 11 s t e i 11 e r kond. Adolf P o! 1;1 k 1, - Dr. Drese 1 u. Frau, z. Zt. Holiensalza, kond. R.-A. Dr. Moses, Mariemverder, 1, , u. grüßen 11. danken nacht rägl. Margarete St einert 1,--..2,— Aus d. Münchener Spendenbuch: Dr. J. Schöne m a n n anl. d. Geburt eines Söhnehens 10, — Dr. Berthold Weiß anl, s. Vermählung . . 10,-- Dr. Ludwig Wassermann anl. d. Todes s. Vaters .. . 50,— Martha Braun anl. ihrer Verlobung . . 10,—