Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Seite 185 seit mehreren Monaten in Amerika aufhalt. Herr Jacob H. Schiff hat dem Provisional Exeeutiv Committee in dieser Sache große Dienste geleistet. Andere, die daran teilhaben, sind Julius Kosenwald, Chicago, Samuel Fels, Philadelphia, Adolf L e w i s o h n und Daniel G u g g e n 11 c i m, New York. Ein Unterkomitee hat diese besondere Arbeit übernominen. Sein Vorsitzender ist Richter Julian W. Mack, Schatzmeister Julius G o Id n! a 11, Schriftführer Maurice Wert he im. Weitere Mitglieder des Komitees sind Louis D. Brandeis, Boston, und Lewin-Epstein, New York. Die obengenannten Herren tun alles Mögliche, um Palästina in dieser Hinsicht zu helfen, und für ihre vortreffliche Arbeit ist ihnen sowohl der neue Jischub wie auch die Zionistische Organisation von Herzx'11 dankbar. Der Darlehnsfonds allein jedoch ist noch keine genügende Hilfe. Die Orangenpflanzungeu müssen bewässert werden und diese Arbeit erfordert Fetrolcum ztun Antrieb der Motoren. Unglücklicherweise ist Petroleum in Palästina knapp, und um ein genügendes Quantum Petroleum für den dortigen B-cdarf zu bekommen, ist es notwendig, die spezielle Erlaubnis von den verschiedenen Regierungen zu bekommen. Hierzu sind die erforderlichen Schritte unternommen. Trotz der vielen Schwierigkeiten, die zu überwinden sind, hofft das Provisional Exeeutiv Committee doch, die Zustimmung der verschiedenen Regierungen zu erhalten, um Petroleum nach Palästina zu senden. Der Bericht erwähnt den Konkurs des Tee 11 - nikums und verurteilt das Vorgehen des Hilfs- Vereins auf das schärfste. Schweden. Am 9. Mai fand in Malmö unter dem Vorsitz des Herrn Kamras im Saal des Hotels Standard eine große jüdische Versammlung statt, in der die Mitglieder des Kopenbagener Bureaus der Zionistischeu Organisation, die Herren Motzkin und Dr. Bernstein, Referate hielten. Dr. Bernstein sprach über ״Die gegenwärtigen nationalen Aufgaben des Judentums“, Herr Motzkin über ״Palästina, das Land unserer Zukunft“. Das Publikum folgte den Reden mit tiefen! Interesse. Nach kurzer Diskussion entrichteten 40 Personen den Schekel und konstituierten sich als ״Z i o n i s t i s c h e O r t s g r u p p e M a 1 m ö“. Ein Vorstand aus 7 Mitgliedern und eine Nationalfonds-Kommission von 4 Mitgliedern, darunter zwei Damen, wurden gewählt. Es ist beabsichtigt, auch in anderen Städten Schwedens Zionistische Ortsgruppen ins Leben zu rufen. Außer den genannten Mitgliedern des Kopenhagener Bureaus hat auch Herr M. Großmann, Mitglied des Zentralkomitees des ״Hechawer“ und Redakteur des in Kopenhagen erscheinenden Tageblattes ״Die Jüdische Volkszeitung“ seine Hilfe in den Dienst dieser Propagandaarbeit gestellt. Griechenland. Der Zionistische Verein P o a 1 e Zion in Volo versendet als Arbeitsausschuß der griechischen Zionisten ein griechisches Flugblatt, das die Stellung der Juden zu den Problemen des Weltkriegs behandelt und zu unentwegter zionistischer Arbeit auffordert. Es heißt in diesem Aufruf: npixst ן« ■/.dH tpdxov. m anihmi, vd £וני/דןו»;uv vä 31»from£v :/ ד /; pova51xr,; ׳= :)/ד1י7׳ך': —J־v ־/.C1tc1310i33(!);. Ilpiiu! v׳z 1rpd?niu.iv ~1 <׳räv '׳'va Itwaji'jfyjaiiijuv 0׳/i v'.v X3׳<v p«; h ~.o׳.r,0־<,v *ivTpov 3uv2׳ftpo:3so1;. p!av toiadv/jv 3xi־r,v, u!01v to׳.d׳j3y(v *01 vyjv rsnolZa.•׳ Den Schluß bildet die Aufforderung zur Schekel- Propaganda unter den Juden Griechenlands. Argentinien. Das zionistische O r g a!1 in A 1־ g e n - t i 11 i e n, die jiddische Monatsschrift ״Die jiidi sc he Hoffnung“, die seit einiger Zeit nicht mehr erschien, hat ihr Erscheinen w i e d e r a u f - g e 11 o m tn e 11. England. Die E!1 g 1 i s h Zionist F e d e r a t i o n hat den 25. Juli als Schekeltag für das Jahr 1915 festgesetzt. Herr Josef Co wen hat Propagandaver- Sammlungen in Dublin für den 30. Mai und in Belfast für den 2. Juni anberaumt. Rußland. Der New Yorker Wochenschrift ״Das jüdische Volk“ wird aus Rußland berichtet: Die durch den Krieg bewirkte Katastrophe, die alle Teile der russisehen Bevölkerung getroffen hat, ain meisten aber die Jude 11, hat dem Zionismus in Rußland, der infolge des Verbots der Regierung schon lange in eine kritische Lage gekommen war, das Arbeiten noch schwieriger gemacht. Das neue Unglück und die neuen Leiden verlangen schnellste Hilfe und Linderung.. Die Zionisten sahen sich zeitweilig gezwungen, ihre eifrige direkte zionistische Arbeit in den Hintergrund zu stellen. Das bedeutet aber durchaus nicht, daß sie die Hände in den Schoß legten. Zionisten können nicht untätig bleiben. Sie beschäftigen sich mit Sammlung von H i 1 f s g e 1 d e r n für die Juden, die durch den Krieg gelitten haben — in Rußland selbst und in Palästina. Diese letztere Arbeit ist sehr schwierig, da die Opfer zahlreich und Not und Elend ungeheuer sind. Dazu muß man noch diese unschuldige und philanthropische Arbeit für die eigenen Brüder, unter den eigenen Brüdern, häufig im geheimen betreiben, da die Verwaltung des betreffenden Ortes es nicht gestattet, für jüdische Zwecke Geld zu sammeln. Diese Arbeit tun die russischen Zionisten mit der gleichen Energie und Opferwilligkeit, die sie bei ihrer zionistischen Tätigkeit auszeichnet, ln vielen Städten sind sie in der Tat die einzigen Urheber der Hilfsaktionen für die unglücklichen Opfer dieses schreckliehen Krieges. * Die Petersburger zionistische Wochenschrift ״N o w y i Wos’c h o 11“ ist für die Dauer des Krieges verboten worden. Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Das Zionistische Zentralburcau, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, teilt den Eltern des Herrn Dr. Moritz Bienenstock, deren derzeitige Adresse nicht bekannt ist, auf diesem Wege mit, daß es von dein in Valjevvo kriegsgefangenen Dr. Bienenstock Nachricht über sein Wohlbefinden erhalten hat. Die Eltern werden um Angäbe ihrer Adresse gebeten. Herr Oberrabbiner Isaac B. Th um i in in Husi (Rumänien) erklärt sich zur Vermittlung zulässiger persönlicher Nachrichten ins feindliehe und okkupierte Gebiet, gegen Ersatz der Portospesen durch internationale Marken, bereit. * Wir sind in der Lage, eine günstige Niederlassungsmöglichkeit für einen T i e r a r z t in einer kleinen Stadt der Provinz Posen nachzuweisen. Es handelt sich um die IJebernahme einer guten, alten Praxis. * Wir sind ferner in der Lage, einem Zahna r zt oder einer Za h ti ä r z t i n die selbständige Leitung einer Praxis nachzuweisen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. AUS ALLER WELT Aus der Schweiz. Im Züricher ״Israelitischen Wochenb 1 a 11“ wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Pariser .,Le Journal“ in Nummer 8174 unter den! Titel ״Äpres le passage de Bar bare“ ein Bild bringt, das darstellt, wie ein unglücklicher russischer Soldat, der verwundet heimkehrt, seine Frau und seine Kinder ermordet, sein Hab und Gut ruiniert vorfindet. Das Bild rührt aber aus dem Pinsel des jüdischen Künstlers Maimon her, das den jüdischen Märtyrern zugeeignet ist, die aus dem japanischen Kriege zurückgekchrt, ihre Familie als Pogromopfer vorfanden. So werden die ״Pogrome“ noch jetzt zu einer Aktion für die russische Regierung verwendet. Aus England. ״J e w i s h C 1! 1־ o n i c I e“ konstatiert ״mit IJeberraschung“, daß die ״T i m e s“ während der letzten Zeit häufig die Juden in unfreundlicher Weise erwähnt. Im Verlauf ihres Streites mit Herrn B a 11 i 11 hält sie es für notwendig, diesen Herrn in durchsichtig antisemitischer Absicht als ״den bedeutendsten j ü - d i s c h e n Geschäftsmann Deutschlands“ hinzustellen. Ferner sei in der ״Times“ berichtet worden, daß ״V:> der L i b a 11 e r Geschäftsleute d e 111 s c 11 e J u d e 11 sind“, welche ״beträchtliche Hoffnung haben, daß sie nicht allzuviel erdulden werden, wenn die Deutschen einrückeu sollten“. Aus diesen und ahnliehen Fällen schließt ״J e w i s h C h r 0!1 i c 1 e“, daß die ״T imes“ jedenfalls a n t i s e■in i t is c h e S t rö - in u n g tn in England zu wecken und zu stärken suche. Dies sei besonders in der letzten Zeit zutage getreten, da während der antideutschen Demonstrationeu in England, vor allein in Liverpool, viele Fälle vorgekommen sind, in denen die Opfer der Ueberfälle und Plünderungen Juden russischen Ursprungs waren. ״Jewish Chroniäe“ wirft der ״Times“ vor, daß sie durch ihre ״Aiistacheluiig der schlimmen Masseninstinkte nicht nur überhaupt an den Ausschreitungen, ״dieser verbrecherischen Tollheit“, sondern auch insbesondere an den Vergewaltigungen jüdischer Personen und der Vernichtung jüdischen Besitzes Schuld trage“. Aus Rußland. Die Börsenkonferenz. (Von unserem Korrespondenten.) Die Petersburger Börsenkonferenz sprach sich mit großer Mehrheit gegen die den Juden im Handel auferlegten Beschrankung e 11 aus. Die Konferenz drückte u. a. den Wunsch aus, daß jüdische Handlmigsreisende das Recht haben sollten, außerhalb des Ansiedlungsrayons zu reisen, daß die Juden nicht in dem Recht beschränkt sein sollten, geschlossene Gesellschaften zu bilden-, und daß die t e c 1111 i s c 11 e'n Schule!1 ihnen offeiistehen sollten. Merkwürdigerweise ordnete der neue Handelsminister, der die Veranstaltung ebenfalls begrüßt hatte, gleich nach der Entscheidung der Konferenz an, daß die Prozent norm für die Juden auf allen tech- 11 i s c 11 e 11 S e 11 111 e 11 str e 11 g e i n g e 11 a 11 e 11 werden solle. Dagegen machte der Unterrichtsminister, Graf Ignatieff, es in seinem eigeneu, von ihm beeinflußten Bereich, den Juden zwei weitere Konzessionen, nämlich daß den Juden, die einmal zu einer Universität zugelassen waren, erlaubt sei, in jede gewünschte Fakultät ohne Rücksicht auf die Zahl der bereitsdarin vorhandenen Juden einzutreten, und ferner, daß sein Befehl, das B a I o 11 i e r u n g s s y s t e m für Juden, welche von den Vorbereitungsaiistalten zu höheren Klassen übergehen wollen, a ufzuhebe 11, der für Kiew bestand, auch auf alle Schulen zweiten Ranges ausgedehnt werden solle. * Eine polnische Hetz e. Es ist bekannt, daß vor einiger Zeit eine englischt* Ab o 1־ d 11 u 11 g Polen bereiste, um den durch den Krieg verursachten Schaden cinschätz-en zu können und in England eine Hilfsaktion in die Wege zu leiten. Natürlich blieb dieser Ab- Ordnung das u 11 g e 11 e u re Elen d der jüdischen B e v ö 1 k e r u!1 g nicht verborgen mul sie bestimmte, wie es die Gerechtigkeit verlangt, für sie einen Teil der ihnen zur Verfügung stellenden Gelder. Diesen Akt selbstverständlicher Menschenliebe konnten jedoch die Polen nicht vertragen. Sofort begann in der p o 111 i s c 11 e 11 Press e eine 14 c t z k a ni p a g n e gegen die englische Abordnung, wie sie häßlicher und abstoßender gar nicht gedacht werden kann. Da die Polen nicht das Glück hatten, unter den Mitgliedern dieser Abordnung einen Juden finden zu können, brachten sie das alte Märchen aufs Tapet, jene seien durch die Juden bestochen, sie seien nur gekommen, um den Juden zu helfen u. dgl. m. Diese Hetzkampagne war selbst den Russen zuviel, die doch an Verleumdungen der Jude 11 gewiß recht Beträchtliches leisten und so lesen wir in der ״Rjetsch“ folgendes: . ״Wir haben geglaubt, ein Slawe könnte nie so weit kommen, seinen Wohltäter zu verleumden und anzugreifen. Wir sehen jedoch, daß in manchen Teilen der slawischen Rasse und noch dazu in solchen, die zu einen! Volke gehören, welches seit alters her sich seiner Ritterlichkeit gerühmt hat, ein solcher Plan wohl gefaßt werden kann, sobald es sieb um das verhaßte jüdische Volk handelt. Ich spreche von den Beschimpfungen, mit denen die Zeitung ״Dwa Grosze“ die Fürstin B a r j a t i 11 s k a j a überhäuft hat. Man hat mir genau davon berichtet, wie das Komitee ״Großbritannien für die Polen“ gearbeitet hat: In den vierzehn größten Städten Eng* lands mußte man spezielle Besprechungen abhalten, mußte man die verschiedensten Plakate und Reklamen ersinnen, urn das gesteckte Ziel zu erreichen: und ich habe mich davon überzeugen können, daß dazu die ganze Energie notwendig war, zu der nur die Fürstin Barjatinskaja und ihre Freunde befähigt waren. Aber endlich ist es ihnen gelungen, das Mitgefiihl der Engländer für Polen und Galizien zu .wecken und jene Tausende Pfund Sterling auf/.utreibeii, die sie nach Polen brachten . . . Zuerst war das alles dem Häufchen der polnischen Chauvinisten durchaus begreiflich mul die Abordnung wurde mit offenen Armen empfangen. Doch plötzlich kam etwas Unerwartetes. Die Engländer, die alles neue, das in ihren Horizont kommt, genau betrachten, haben sich nicht nur das angesehen, was man ihnen gezeigt hat, sondern auch das, wohin man sie nicht gebeten hat. Sie sahen sich einmal die ärmsten jüdischen Viert e 1 an . . . Es wurde beschlossen, einen kleine 11 Teil der Summen, die für!,ölen bestimmt waren, auch diesen Unglücklichen zu gehen. Man beriet die Sache mit den Vertretern der tatkräftigsten w o 111 t ä t i g e n Organisation des heutigen Krieges, mit dem S e 111 s t w o - Verband. Dieser schloß sich der Ansicht der Abgesandten völlig an und bot ihnen seine Dienste zur Ausführung dieses guten Anfanges an und in drei Tagen wurde bereits f ii r d i e a r 111 e 11 j ii d i s c!1 e n Kinder eine 11 11 e n t g e 111 i c 11 e K ii c h e geschaffen. Das genügte, um die Führer der ״Dwa- Grosz e“-Partei völlig ihrer Sinne zu berauben und die letzten Liehtstreifen ihres Gewissens zu trüben. Und mit Beschimpfungen, die der bösesten Marktfrau würdig wären, stürzten sie sich auf die ihnen zu hülfe gekommenen Kommissionen. ״Ob die Fürstin Barjati 11 s k a j a und ihre Freunde in der Tat eine ״englische Abordnung“ darstellen, wissen wir vorläufig nicht,“ so heulen in Nr. 110 des Blattes ״Dwa Grosze“ die Nachkommen des ritterlichen Volkes. ,,Aber aus ihrem Verhalten in Warschau ist zu schließen, daß sie sich selbst zu Abgeordneten dieses Königreichs gewählt haben. Wir haben natürlich nichts dagegen, daß den polnischen Juden Engländer und andere Juden Besuche abstatten; wir beneiden sie durchaus nicht um das ihnen zugeworfene Almosen und unseretwegeii auch die Hilfe sämtlicher Völker der Erde; doch wir wünschen es nicht, daß unter dem Namen ״für Polen und für die Polen“ in England oder sonst irgendwo für sie gesammelt wird, denn Gott sei dank gehören die Juden vorläufig nicht zu den Polen. Am besten wäre es ja, den Dingen ihren wahren Namen zu geben, zum Beispiel: ״England für die Juden“.