Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r־ I Abonnements j auf die wöchentlich am Freitag■ erscheinende ״jüdische Rundschau" kosten bei der Expedition und bei ollen Postämtern vierteljährlich M. 3,60 inntrhalb Deutschlands, in Oesterreich- Ungarn M. 2,50, im Ausland M. 8»—. JUdlsche Rundschau, G. nt* b. H. | BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. | Telephon: Amt Uhlsnd 845, 846. | Postschedekonto: Berlin Nr. 17392. | _I 3U6DISCH6 RUNDSCHAU r I Anzeigen ee^jl 1 I I I I kosten für die sechsgeapaltene Petit- *eile oder deren Raum 40 Pf. 5 Steilen- Angebote und *Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen״ O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto beiliegt, stets zurüdkgesandi Redaktionsachiuß: Mittwoch vormittags. ן Redaktion Jüdische Ruadachaa! BERLIN W. 15, Sächsische Straß« S. ■ Telephon: Amt Uhtand 845, 846,! Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. ALLGEMEINE 3UEDISCHC ZEITUNC Nummer 23 Berlin, den 4. Juni 1915 22. Ssiwan 5675 ij XX. Jahrgang. Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel 1913 14: Kattowitz 100,—. Landesbeitrilge 1914: Kattowitz 150.—, Königsberg 75,—. Schekel 1914/15: Bamberg 9,—, Nauheim (durch Nachum Goldmann) 40,- , Halle 2,—, Jarotschin 20,--, Oels 1,—, Schönsee lr . Straßburg i. Eis. 32, , aus dem Felde 4, .! Landesbeiträge 1915: Bamberg 12,—, Berliner Zionistische Vereinigung IS,—, Beuthen 50, -״, Cö!n 100,—, Darmstadt 3,־ , Jarotschin 55,—, Ocls (Einzel• beitrag) 4,—, Rybnik 3, , Straßburg i. E. 128,— aus dem Felde 1,—. Propagandafonds 1915: Bamberg: Julius Strauß 5,-•, Pli. Adler 5,-■; Berlin, Dr. J. Löwenheim 20,-״, R.-A. Dr. Münz 10,; Düsseldorf: Dr. Otto Jonas 20,—; Frankfurt a. O.: J. Nathan 5, -; ,Halle: durch L. Hofmann: Müller-Göttingen 5,—, Dipl.-Ing, Löwenberg (2. Rate) 6,—, Dipl'-Ing. Ladischewski (2. Rate) 6,-; Hamburg: Berl Weißberg 25,-; Hontbürg: Dr. Rosenthal 5,—; Nicolai: Amtsrichter Dr. Poznansky 10,—; Pforzheim: B. Spira 6,״; Straßbürg i. E.: Prof. Dreyfuß (2. Qu.) 10,—, Edgar Dreyfuß 5,—; Tarnowitz: Oskar Ansbach 5.; aus dem Felde: Kantor Baer-Posen 5,—, Unteroff. Löwenthal-Halle 6,—, Vizewachtm. Joseph-Halle 18,—, Dr. A. Jacobsohn-Lüneburg (erhöhter Beitrag) 60,—, Musk. Warburg 5,—, Offiz.-Stellvcrtr. Alfred Wöllstein- Berlin (2. Rate) 15,—, San.-Unteroff. Max Rosenberg-Memel 5,—. Verschiedene Spenden: Aus dem Felde 5,—, tiesg! 3-־־־־־_.־'־"־.־־־־'־ ■״׳--־r : Sc¥ kel 1913/14: 100,— M.; Landesbeiträge 1914: 225,- M.; Schekel 1914/15: 109,- M,; Landesbeitrage 1915: 374,— M.; Propagandafonds 1915: 270,- M. Gesamteingang: Schekel 1913/14: 5333,— M.; L a n des b e i t räg e 1914: 7697,— M.; Schekel 1914/15: 1743,— M.; L a n d e s b c i t r ä g e 1915: 1689,— M.; P r 0 p a g a n d a f o n d s 1915: 4106,- M. Berichtigung. Folgende vor einiger Zeit für 1914/15 ausgewiesene Schekel waren für 1913/14 nachgezahlt: Gnesen 3,—; Elberfeld 47, —; Königsberg 150,— M. Die Addition ist dementsprechend geändert worden. Das bittere Galuth Das Zionistische Actions-Comite hat vor vielen Wochen schon die verschiedenen zionistisehen Organisationen aufgefordert, ihre Treue zur zionistischen Bewegung und ihre Hingabe an den nationalen Erneuerungsgedanken trotz aller durch den Weltkrieg heraufbeschworenen Schwierigkeiten durch die unermüdliche Fortsetzung ihrer Arbeit zu bekunden. Der Aufruf der Leitung der zionistischen Bewegung hat gefruchtet. Ueberall geht die zionistische Arbeit ihren Gang weiter. Die Gefühle, die Gedanken und der nationale Wille konzentrieren sich heute wie immer auf Erhaltung und Entwicklung unseres kostbarsten Gutes, des palästinensischen Zentrums. In den schlimmsten Zeiten hat sich die Lebenskraft der zionistischen Organisation — das kann man jetzt, nach zehn blutigen Kriegsmonaten, mit zuversichtlicher Ruhe bezeugen bewährt. Die Zionisten haben das Gefühl für die besonderen Aufgaben, die uns allen diese Zeit stellt, und sie wissen ihre besten Kräfte hinzugeben, wenn es sich um die Erhaltung der Grundlagen unserer nationalen Zukunft handelt. Die zionistische Arbeit schöpft aus den erschütternden Erlebnissen der Gegenwart immer wieder neue Anregung, kräftige Belebung. Denn wenn der Zionismus geboren ist aus dem Gefühl, daß wir unter den Leiden des Galuth unsere v »Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechllich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. jüdische Art und unser bestes Menschentum nicht entfalten können, so zeigt uns jede Erfahrung dieser blut- und haßerfüllten Gegenwart, daß die Hingabe, der Idealismus, der menschliche Wert, der im jüdischen Volk lebt, unerschöpflich ist und daß wir unsere nationale Zukunft auf festen Grund bauen, wenn wir sie durch die Betätigung und Entfaltung der konzentrierten jüdischen Volkskräfte auf dem Neuland Palästinas aufzubauen bemüht sind. Die griechischen Zionisten haben an ihre Freunde und Gesinnungsgenossen, der Anregung des Zionistischen Actionscomitees folgend, den Aufruf zur energischen Schekclsammlung gerichtet. Sie folgen damit allen anderen zionistisehen Landesorganisationen, ln diesem griecliischen Schekelaufruf wird die eindringliche Mahnung an die Juden Griechenlands gerichtet, die Organisationsarbeit nicht gering zu schätzen; denn sie ist es in erster Reihe, die das zerstreute Galuth — t« s«pov־pc«L06D—und für die nationale Erneuerung in Palästina eint. Diese zionistische Organisationsarbeit vor allem also die unermüdliche Befestigung der zionistischen Organisation durch die in dem bewährten Geiste des Zionismus geführte Sehekelpropaganda — dauert überall fort, ja sie wird und muß gerade jetzt verstärkt und ausgebreitet werden. Und ist es schwer, für diese Arbeit Kraft und Bestätigung aus jeder Nachricht über jüdischc Schicksale zu holen? In Rußland und Pole n leiden die Juden grauenvolleres Schicksal, als jemals einem Volke beschieden war. ln Lo n - don und in Mailand stürmt der Pöbel die Läden der ,,Deutschen“ und doch tragen die Opfer der barbarischen Ausschreitungen meist jüdische Namen und kennen schon aus ihrer Vergangenheit das Gebrüll des Pöbels, de! unter der wohlwollenden Duldung der Behörden Pogrome veranstaltet. Ueberall leiden die Juden unter dem bitterer! G a 1 u t h und ihr Gefühl für die Notwendigkeit des Zionismus wrird geschärft. Das jüdische Volk wird auch diese schwere Katastrophe überdauern. Auch der zionistischen Organisation kann sie nicht bleibenden Schaden zufügen. Aber alle Kräfte müssen angespannt werden, um das Werk der nationalen Wiedergehurt fortzusetzen und zu vollenden. Deshalb verstanden die griechischen Zionisten don Ruf der zionistischen Leitung gar wohl, als sie die griechischen Juden aufforderten, gerade jetzt hingebungsvoil sich der Schekelarbeit zu widmen, und als sie ihre Mahnung mit dem starken Hinweis auf die Schwere des bitteren Galut 11 verbanden. Gibt es nationale Juden, die in dieser Zeit und auf solche Mahnung hin die Pflicht vergessen, die sie der zionistischen Organisatiou und dem ganzen jüdischen Volk gegenüber zu erfüllen haben? Die Entwicklung der zionistischen Arbeit wird und muß darauf antworten. Wie können Sie schweigen? Ein offener Brief an Henryk Sienkiewiecz Von Hermann Bernstein. Hermann Bernstein, der Herausgeber des ״T :1 g‘‘, hat ebenso wie Georg Brandes durch Anführung von Tat- Sachen erhärtete Anklagen gegen die Polen wegen ihres Verhaltens gegen die Juden erhoben. Vor kurzem ging der nachfolgende ״offene Brief“ durch die amerikanische Presse. Polen liegt in Trümmern, ist verwüstet, mit Blut getränkt. Die Polen haben ihr Leben in Schlachten auf dem ״Felde der Ehre“ hingegeben. Polen schlachten einander in den sich gegenüberstellenden Heeren ab. Sie sterben auf den Schlachtfeldern und sie sterben zu Hause Hungers. Niemand hat Polens tragischen Zusammenbruch eindringlicher geschildert als Sie, Polens erster Dichter. Das wahnsinnige europäische Schlachten kann nicht immer so weiter gehen. Das Blut der Männer und die Tränen der Weiber und Kinder, die zum Himmel schreien, können nicht aufhören, wenn die teuflischen Mächte der Zer- Störung sich erschöpft haben. Inzwischen morden die Menschen einander, erregt durch den Anblick des Blutes, in der Leidenschaft und Hitze der Schlachten, wild und schrecklich; aber der Tag der Abrechnung ist nicht fern und bald wird ruhiges, strenges und nüchternes Urteil den Platz der blinden Leidenschaft einnehmen. Polen ist der Mittelpunkt des Aufruhrs im gegenwärtigen Krieg. Aber die Polen hoffen, aus den Ruinen ihre Zukunft erbauen zu können; aus dem Tollhaus des Blutbads erwarten die Polen ihre Freiheit, ihre nationale Wiedergeburt und Unabhängigkeit. Als der vornehmste Schöpfer der modernen polnischen Literatur, die die Seele ihres Volkes ist, können Sie als der wirkliche Vertreter der heutigen polnischen Nation betrachtet werden. Daher richte ich diese Zeilen an Sie. Unter Ihrem Volk lebt ein anderes Volk, etw?a 3 Millionen J u d e n. Auch sie werden auf dein ״Felde der Ehre“ abgesehlaciitet und der russischeZensor unterdrückt oft die Namen von Juden, die sich im Kriege ausgezeichnet haben, denn es gibt mehr jüdische Helden, als dem Zensor gefällt. Die Juden kämpfen auch für ihre Länder; sie sind auch an Konflikten beteiligt, wo sie in den feindlichen Armeen auf ihre Brüder treffen. Auch sie tränken den Boden Polens mit ihrem Blut. Auch ihre Väter, Mütter, Weiber, Schwestern und Kinder tränken den polnischen Boden mit ihren Tränen, weil sie zu Hause Hungers sterben oder weil sie von Haus und Hof vertrieben werden. Ihre Landsleute bewähren sich als tapfer in der Schlacht. Dies tun auch die Juden. Ihr Volk ist zurzeit ein Volk ohne Heimat. So geht es auch den Juden. Ihr Volk geht in Qualen unter durch den Krieg, es hat kein Dach über dem Kopf und keine Nahrungsmittel. So geht es auch den Juden. Nur hat Ihr Volk die Hoffnung, bei Schluß des Krieges befreit zu sein; Ihr Volk hat ein Versprechen, eine- Heimat zu erhalten, während die Juden ohne Heimat und ohne Hoffnung sind.