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Jüdische Rundschau · 1915-05-28 · Heft 22 (28.5.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 22 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seile 178 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 22 Aufruf an die deutschen Zionisten Deutsche Zionisten! Eurer Organisation ist wie schon oft auch jetzt in dieser Zeit, die alle Verbindungen erschwer!, vor den anderen Verbänden der zionistischen Weltorganisation eine grolle Aufgabe zugcfallen. Die Zionistische Vereinigung für Deutsch- Land muß in vorderster Reihe durch feste Organisation, durch Aufrechterhaltung ihrer Arbeitsmöglichkeitcn und Stärkung ihres Einflusses für die Durchsetzung der zionistischen Idee bürgen, deren Form unel Instrument die Zionistische Organisation ist. Deutsche Zionisten! Von Eurer Pflichterfülhing niingt es ab, ob die Zionistische Vereinigung für Deutschland ihren Aufgaben gerecht wird. Zahlet den Landesbeitrag, zahlet den Beitrag zum Propagandafonds der Zionistischen Vereinigung für Deutschland! Zionistische Vereinigung für Deutschland. Die Kriegslandspende Wir haben schon darüber berichtet, daß die Nationalfondssammelstelle in Wien die Organisierung einer Kriegslandspende des Jüdischen Nationalfonds begonnen hat. Die Anregung hierzu kam aus den Kreisen der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien; besonders Herr Dr. Gerson Zipper ist für diesen Plan eingetreten. Wir veröffentlichen im nachfolgenden den Aufruf. An die österreichische Judenschaft! Wir alle hoffen und glauben zuversichtlich, daß es unseren braven Truppen bald gelingen wird, auch das Kronland Galizien von der russischen Invasion zu befreien. Wir alle sind von der Uebcrzcugung durchdrungen, daß die Hohe Regierung die Zusage unseres geliebten Kaisers einlösen und nach Abschluß eines ehrenvollen Friedens nicht ermangeln wird, die Kriegsopfer des Ostens in entsprechender Weise zu entschädigen. Nichtsdestoweniger ist zu befürchten, daß eine große Zahl jüdischer Familien vor die harte Frage gestellt sein wird: in welcher Weise ihre durch den Weltkrieg zerstörte Existenz neu aufgebaut, für die Zukunft dauernd gesichert werden soll. Die während des Krieges geschaffenen Fürsorgeaktionen, so gerne ihre Verdienstlichkeit anerkannt sei, waren von vorncher nur dazu bestimmt, eine vorübergehende Wirkung eben während des Krieges zu zeitigen. Eine d a u e r n d e Wirkung kann nur eine Aktion hervorrufen, welche darauf ausgeht, den jüdischen Kriegsopfern aus dem Osten Existenzmöglichkeiten für die Dauer zu verschaffen, sei es hierzulande, sei es für jene, welche sich zur Auswanderung bestimmt fühlen, außer Landes. Eine Aktion zu diesem Zwecke wurde nun von den Vereinen ,,Keren Kajemeth Lejisroel“ in Lemberg und in Wien gemeinschaftlich eingeleitet. Unter dem Namen ״K riegslandspend e“ werden Kapitalien gesammelt, deren Zweckbestimmung ist: Grund und Boden in Palästina zu e r w e r b c n u n d d e n selbe n i m Wege der Erbpacht (für die Datier von 49 Jahren) jüdischen Kriegsopfern aus dem Osten zur Benützung zu überlassen. Der Durch• schnittspreis eines Dunams (ungefähr 1. ־feil Jo<־h) beträgt in Palästina 50 Kr. Wer nur einen oder mehrere Dunam Land spendet, der schafft eine wirtschaftliche Grundlage zur Anstellung jüdischer Kriegs- Opfer aus dem Osten. 1 )ein Spender steht überdies das Recht zu, eine ihm werte Person namhaft zu machen, zu deren Ehrung die Spende geleistet wurde; dpr dank seiner Spende gekaufte Boden wird niitnlieh für immerwährende Zeiten den Namen jener Person tragen. Auch kleinere Spenden sind zulässig. Die Wichtigkeit und Nützlichkeit der eingeleiteten Aktion ist so groß und klar, daß sie einer näheren Begründung nicht bedarf. Es ergeht somit an alle Juden in Oesterreich die dringende Bitte, sich an unserer Aktion der ״Kriegs-Landspende“ mit warmherzigem Eifer zu beteiligen, selbst nach Kräften zu spenden und andere zur Mitwirkung anzuspornen. Alle Spenden sind ehetunlichst an untenstehende Adresse abzuführen. Sie werden allwöchentlich in der ebendort erscheinenden ״Jüdischen Zeitung“ veröffentlicht werden. Mit vereinter Kraft wollen wir ein Werk aufrichten, welches der österreichischen Judenschaft zur Ehre und unseren unglücklichen Brüdern, den jüdischen Kriegsopfern aus dem Osten, zu Heil und Segen gereichen soll! Mit vorzüglicher Hochachtung und treu jüdischem Gruß für den Verein ,,Keren Kajemeth Lejisroel“, Wien II, Zirkusgasse 33, Postsparkassenkonto Nr. 100 208. Dr. O e r s o n Zip p e r. Dr. Egon Zwei g. Dr. Wilhelm Beige 1. AUS ALLER WELT Aus Holland. Ende April tagte im Haag der Internationale Frauen-Friedcnskoiigreß. Unter den Delegierten befand sich eine nicht geringe Anzahl Jüdinnen, unter ihnen die ״Ungarin“, Frau Rosika Schwimnier, die als Rednerin wohl den stärksten Einfluß auf die Kongreßbesudier ausgeübt hat. Mußte man es also vom nationaljüdiseheu Gesichtspunkte aus bedauern, daß fast alle jüdischen Teilnehmerinnen des Kongresses gewissermaßen unter fremder Flagge segelten, so war es um so erfreulicher, daß beim Punkte der Tagesordnung ״Förderung des guten Ein- Vernehmens zwischen den Völkern“ eine Nationalj ü d i n, Fräulein B:1la Birnbaum aus Antwerpen- Scheven ingen, als Vertreterin eines zionistischen Frauenvereins Gelegenheit erhielt, die beispiellos traurige Lage der jüdischen Volksmassen vor und während des Krieges ergreifend zu schildern und die Notwendigkeit einer radikalen Lösung des Judenproblems im nationalen Sinne auch vorn internationalen und rein menschlichen Standpunkte aus überzeugend darzulegcn. Die von Begeisterung getragenen Ausführungen der jugendlichen Rednerin wurden von den Delegierten beifällig aufgenommen. Aus Amerika. Sonntag, den 18. April, wurde eine Konferenz der jüdischen Arbeiter abgehalten, um einen Plan zur Sicherstellung der politischen und bürgerliehen Rechte der Juden in den kriegführenden Ländern auszuarbeiten. Beteiligt haben sich daran die verschiedenen Arbeiterparteien. Man hatte geglaubt, daß, wo es sich um eine Frage des ganzen jüdischen Volkes handelt, selbst die ״Genossen“ Hand in Hand mit den Nationaljuden gehen werden. Die Erfahrung hat leider das Gegenteil bewiesen; denn alle Vorschläge, die von den Poalc. Zion kamen, wurden abgelehnt. Der Vorschlag des Herrn B. Zuckermann, ein Executivkomitee zu ütählen, Tag«serfnung abgesetzt. Eine Res«- lution der poale'-'z Po nistischen Mitglieder, gegen die antisemitischen Hetzereien der Polen zu protestieren, wurde nicht angenommen. Hierauf verließen die poale-zionistischen Delegierten die Konferenz. * Die 6. Jah resversa mmlu ng der grollen New Yorker Gemeind e, die vom 25. 27, April tagte, verhandelte u. a. über die Einberufung eines j ü - dischen Kongresses. Ein endgültiger Beschluß wurde jedoch nicht gefaßt. Man beschloß, eine «euerliehe Einberufung der Versammlung nach Ablauf von 4 Wochen zum Zwecke einer genauen und bindenden Besprechung dieser Frage. Inzwischen wird das ״American Jewish Committee“ eine Konferenz der Vertreter der verschiedenen jüdischen Orden und anderen nationalen Organisationen einberufen, um die allgemeine jüdische Lage zu betrachten. * Mr. Robert L e n sing, beratendes Mitglied des ״S t a t e -1) e p a r t m e n t“ in Washington hat mitgeteilt, daß die amerikanische Regierung beschlossen hat, nicht nur die Rolle der Polen bei den Judenverfolgungen in Russisch- Polen zu untersuchen, sondern auch die der russischen Regierung. Es ist ferner beschlossen worden, sieh noch einmal an den amerikanischen Konsul in Warsclt a 11 zu wenden, um von ihm einen aus e i g e n e r Anschauung gewonnenen Bericht über die Lage der Juden in Polen zu erhalten. Sobald der Bericht ankommt, wird die Washingtoner Regierung an ihren G e s a n d t e 11 in P e t e r s b u r g Anweisungen schicken, er solle nachforschen, welchen Teil die r u s s i s c 11 e Polizei und das russische Militäm an den Pogromen hatten. Aus Rußland. Aus Riga meldet die ״Rjetsch“: Am 13. Mai ist der Ausweisungsbefehl für alle J u - d e n in Kurland veröffentlicht worden. Die Juden reisen in größter Eile ab. Die Stadt ist aus diesem Grunde in einer ganz ungewöhnlichen Weise belebt. Die Juden bringen all ihr Hab und Gut auf Dampfern und auf Wagen nach Riga und von dort ab weiter. In ihrer Heimat dürfen nur Sehwerkranke bleiben. Wohlhabende jüdische Bürger von Riga haben ein Hilfskomitee für die Flüchtlinge gebildet. Infolge der Ausweisungen halten sich jetzt in Riga eine große Anzahl von Juden auf, die in die ihnen zugewiesenen Wohnorte in nächster Zeit abfahren werden. Größtenteils werden sie in die Gouvernements Mogilew, Tschernigovv, Poltawa, Jckatcrinoslaw und Taurien gesandt. Das Hilfskomitee arbeitet ohne Aufhör. Es sorgt in mustergültiger Weise für Wohnung, Beköstigung und ärztliche Hilfe für die Fliiehtlinge die häufig sehr arm sind. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen, Dr. Sich 1■ 1- Chemnitz (K.J. V.) und Moritz Sachs-Posen haben das Eise r ne Kr e u z erhalten, außerdem wurde der letztere zum l hiteroffizier befördert. Unser Gesinnungsgenosse, Leutnant Alfred Romb e r g , wurde v e r w׳ u 11 d e t. Unsere Gesinnungsgenossen Friedrich Löwen- 1 h a 1 - Berlin (K. J. V.), Arthur Schweizer- Glogau (K. J. V.) und Fritz M ii h 1 m a 11 n - Cliarlottenlnirg (K. J.V.), sind gefallen. Wien. Es wurden ausgezeichnet unsere Gesinntirigsgenossen, Regimentsarzt Dr. Hugo Stö Iller (A. H. der jüd. akad. FcrialVerbindung Achiwah, Urig. Hradisch)-durch Verteilung des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone am Band der Tapfcrkeitsmedaille, Fähnrich Hugo Brief (A. H. der Achiwah, Uug. Hradisch) durch Verteilung der Silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse, Fähnrich Arthur H ochst ä dt er (A. H. des Vereins jüd. Hochschüler aus Galizien Bar Kochba in Wien), durch Verteilung der großen Silbernen Tapferkeitsmedaille, Leutnant Richard Koch (jüd. akad. Verbindung I v r i a , Wien), durch Verteilung des Signum laudis. Unser Gesinnungsgenosse M e 111 e r (Hakoah, Wien), ist im Feld einer Krankheit erlegen. Berlin. Unser Gesinnungsgenosse Adolf P o 11 a k, geschäftlicher Leiter der ״w e 11“, wurde durch den Tod seines in Wien lebenden Vaters in Trauer;versetzt. Wir sprechen unserem Kollegen unser herzlichstes Beileid zu seinen! Verluste aus. Berlin. Der Jüdische Turnverein Bar Kochba, Berlin, macht besonders darauf aufmerksam, daß das Schau tur 11 c n am kommenden Sonnta g, nachmittags 1;.4 Uhr, in der städtischen Turnhalle Gormannstr. 4 (Bhf. Börse), stattfindet. Das Programm, an dessen Ausführung alle Turnabteilungen des Vereins beteiligt sind, ist außerordentlich vielseitig und dürfte einen umfassenden Ueberblick über die turnerische Arbeit des Bar Kochba ermöglichen. Die Begrüßungsrede halt der Vorsitzende des Vereins, Herr Georg Kareski; nach den turnerischen Darbietungen wird Herr Rechtsanwalt Dr. Klee eine Ansprache halten. Der Reinertrag der Veranstaltung wird dem Hilfskomite der galizischen und palästincnsischcn Juden zugeführt. Eintrittskarten zu 30 lind 50 Pfg. sind im Vereinsbüro, Bleibtreustr. 25 und auf allen Turnböden erhältlich. Straßburg. Anläßlich der Heimkehr ihres Vorsitzenden, Prof. Dreyfuß, nach neunmonatiieher Feld- Tätigkeit traf sich die hiesige Ortsgruppe zum enftfen- Male wieder seit Kriegsbeginn am 15. Mai. Es wurde mit Rücksicht darauf, daß der größte Teil der aktiven Mitglieder zurzeit im Felde steht, beschlossen, alle 14 Tage, Sonnabends, im Kaiser-Cafe eine gemütliehe Zusammenkunft abzuhalten. Eine Betätigung nach außen ist zurzeit hier im Festungsgebiet nicht möglich, ebensowenig auf dem Lande wegen der strengen Paßvorschriften. Bielitz. Am 15. Mai d. J. veranstalteten die zionistischen Vereine von Bielitz-Biala einen P e r e z- Abend. Die im jüdischen Gemeindehaussaale äußerst zahlreich erschienenen Anwesenden folgten voll Interesse uen Ausführungen des Herrn Dr. M. B e r k o w i c z über die jüdische Doppellitcratur im Osten und J. L. Per e z. Dem Vortrage schlossen sich Rezitationen aus Perez’ Novellcnschatz durch Frl. Martha Schn a b e 1 und Herrn Artur R a - binowitz an. Oie ״Hatikwah“ beschloß den Abend. R.-A. Riga. In Riga ist Dr. Juda Leib Kantor, der Begründer der ersten hebräischen Tageszeitung, gestorben. Diese Zeitung, Hajo ni, wurde in Petersbürg herausgegeben. Dr. Kantor war ein hervorragender hebräischer Publizist, in seiner Jugend war er Mitarbeiter Smolenskis in dessen Haschachar. Sein Begräbnis fand am 12. Mai in Riga unter der Beteiligung aller jüdischen Vereine und vieler tausender Leidtragenden statt. Schluß des redaktionellen Teils. Jüdische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst) Freitag, den 28. Mai, abends: in allen Synagogen 7(5 Uhr. Sonnab e 11 d, d c n 29. Mai, vormittags: in der Alten Synagoge 8(2 •Uhr; in der Kaiserstr-, und Rykestr.-Synagoge 9 Uhr, in den anderen Synagogen: Frühgottesdienst 7' 2 Uhr, Hauptg o 11 e s d i e n s t 10 Uhr. - Predigten: Neue Synagoge: Rabb. Dr. Weiße, Synagoge Fasanenstralle: Rabb. Dr. Bergmann. ■- Jugendgottesdienst: nachmittags 4 Uhr. Alte Synagoge: Rabb. Dr. Petuchowski, Synagoge L'indenstraße: Rabb. Dr. Blumenthal, Synagoge Levetzowstraße: Rabb. Dr. Lewkowitz. Aben dgottesdienst (Sabbatausgang): 9 Uhr, 11 Minuten. Gottesdienst an den Wochentagen: Morgens: in der Alten, Kaiserstr.- und Rykestrallen-Synagoge 6!צ Uhr, in den anderen Synagogen 7 Uhr. — Abends: in allen Synagogen 7 Uhr.

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