Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 J U E DI SCH E RUNDSCHAU Seite 161 pessflCH-feieR zur Zeit des grofjen Krieges 5 t, Q u e n t i n 29. und 50. ITlärz 1915 (14. und 15. Ilisan 5675) 1. Sederabend €ier mit Salztuasser Suppe mit niazzeklöfjen Rinderbraten mit Kartoffelbrei Kaffee — Torfe 2. Sederabend Eier mit Salztuasser Rinderbraten mit Kartoffelbrei Gemüsebeilage ITlazzehlöfje mit Backobst Kaffee ZIONISTISCHE BEWEGUNG Bosnien. Der Krieg hat natürlich seinen starken Einfluß geltend gemacht. Durch die Mobilisierung wurden unsere besten Kräfte zum Kriegsdienste einberufen. Unser geistiger Leiter, Dr. Licht, rückte ein und dadurch war unser Parteiblatt, die ״Zidovska Smotra“, gezwungen, sein Erscheinen einzustellen. Seitdem haben sowohl die kroatischen als auch die bosnischen Gesinnungsgenossen gewissermaßen den Zusammenhang verloren. Ich bemühe mich, zu erzielen, daß die Nationalfondssammelsteile periodische Sanurielausweise veröffentlicht, um durch diese Mitteilungen nicht nur die Sammeltätigkeit günstig zu becinflussen, sondern auch um durch Berichte aus der Bewegung, offizielle Mitteilungen der Organisation gewissermaßen oder einigermaßen das Parteiblatt zu ersetzen, lieber die Notwendigkeit und Wichtigkeit eines Parteiblattes ist wohl nicht zu reden. Die tätigste, erfolgreichst arbeitende B a n j a - l u k a e r Gruppe wurde durch den Krieg sofort im Kern zersplittert. Herr Thau, der stille und beharrliche Säemann zionistischen Geistes, bekam von der Regierung die frei gewordene Leitung eines großen politischen Verwaltungsbezirkes. Prof. Dr. Goldstein, Ingenieur Spingarn, Richter Levi mußten ins Feld, so daß unser guter Freund ׳Herr Rabbiner Keller beinahe allein blieb. Daß die Kadimah in Banja-Luka die schwere Zeit überstellen wird, wird größtenteils sein Verdienst bleiben. Daß Dr. Goldstein den Heldentod fand, nachdem er durch Tapferkeit sich ׳einigemal die allerhöchste Aus- Zeichnung erwerben konnte, hat die ״Jüdische Rundschau“ schon berichtet. Unsere Bewegung hat an diesem prächtigen Menschen viel verloren. Er war berufen, für uns Großes zu leisten. S a r a j e v o verlor zwei seiner tätigen Mitarbeiter. Herr D. F c n y v e s starb, kaum 27 Jahre alt, an Typhus, wohl auch ein Opfer dieses Krieges. Er war Nationalfonds-Kommissär, immer fleißig tätig, mit ganzer Liehe unserer Sache ergeben. Er hätte in Sarajevo, diesem guten, aber nicht gut bearbeiteten Felde unserer Tätigkeit, gute Erfolge erzielen können. Herr Albert O z m o, einer unserer ältesten Parteiangehörigen, Ausschußmitglied der Organisation, der zuhause oder unterwegs immer für uns tätig war, leistet Kriegsdienst. Aus Sarajevo, wie aus so vielen sonst Lebens- Zeichen gebenden Orten, höre ich gar nichts. Versturnmt ist die Harfe, wie mir unlängst unser Gg. Dr. W. O r 1 i k, der als Oberarzt bei den;Balkan- Streitkräften unserer Armee tätig ist, schreibt. Ich bin überzeugt: nicht für immer. Weil wir Juden in diesem Kriege auch als Juden leiden, dürfen wir unserer Pflicht gegen unser Volk nicht vergessen, müssen wir arbeiten mehr als je. Der Krieg wird vorüber gehen, die Judenfrage, das Judenelerid wird bleiben, große Arbeit bleibt. Gustav S e i d c m a n n, Prijedor. Dänemark. Die für Pfingsten in Aussicht genommene Landeskonferenz der skandinavischen Zionisten ist bis zum Herbst verschoben worden. In der Landesorganisation der skandinavischen Zionisten wird rege gearbeitet. In Göteborg, Trondhjem, Kristiania und Malmö werden Versammlungen vorbereitet. Am 2. Mai sprach Herr Leo M o t z k i n zugunsten der Allgemeinen jüdischen Hilfsaktion in Stockholm über das Thema: ״Palästina-Rückblicke und Ausblicke“. Rußland. Kürzlich verhandelte der russische Senat den Kassationsantrag des Prozesses gegen die Brüder G o 1 d b e r g, D r u j a n o w, Grün bäum und W o 1 o w e 1 s k i wegen Gründung eines russischen Zionistischen Zentralkomitees in Wilna. Der Proz e ß gegen diese führenden russischen Zionisten endete 1914 mit ihrer Verurteilung zu Gefängnisstrafen von 40 Tagen bis 1 Monaten. Der Senat hat ,nun die Revision verworfen. So werden die zionistischen Führer für die vor vielen Jahren stattgefundene Gründung des Wilna er Komitees jetzt bestraft. Der Senat begründete sein Urteil mit dem Hinweis auf die durch die H e I s i 11 g f o r s c r Be- Schlüsse zum Programmpunkt der russischen Zionisten erhobene ״Arbeit für die Gleichberechtigung der Juden in Rußland“. AUS ALLER WELT Aus Oesterreich. Anläßlich des Besuches des Thronfolgers E r z 11 e r z o g Karl Franz Josef in K o 1 o in e a empfing der Erzherzog auch eine Deputation der dartigen Israelitischen kultusgemeinde unter Führung ihres Vorstandes, des Kaiserl. Rates S c h i 11 c r. Auf die Frage des Erzherzogs, wie sich gegenwärtig die Lage der jüdischen Gemeinde verhalte, schilderte Kais. Rat Schiller die Verfolgungen, denen die Juden zur Zeit der Russenherrschaft in der Stadt ausgesetzt gewesen waren. Jetzt, wo wieder österreichische Truppen die Befreiung der Stadt durchgeführt haben, seien die Juden Kolomcas glücklich, ihrem Patriotismus Ausdruck geben zu dürfen. Zugleich erinnerte der Redner daran, daß zahlreiche Juden der Gemeinde, die von den Russen als österreichische Spione verdächtigt worden waren, von 'fhnen als Geiseln fortgeschleppt wurden. Erzherzog Karl Franz Josef erwiderte: ״Wir haben immer vorausgesetzt, daß die Juden treue Bürger des Staates sind, und haben uns davon jetzt während des Krieges auch überzeugt. Was die aus Kolomea verschleppten Geiseln betrifft, so hoffen wir, sie im Wege des Austausches bald zurückziibekonuneii. Jetzt,“ so schloß der Thronfolsger seine Worte, ,,Kopf hoch! Es wird alles gut werden!“ Wir haben schon i!1 einer früheren Nummer erwähnt, daß sieh der österreichisch-ungarische Thronfolger in gleichem Sinne zu dem Präsidenten der Czernowitzcr Kultusgemeinde, unserem Gesitiniingsgenossen Dr. Neumann-Wender, ausgesprochen hat. Es ist jedenfalls klar, daß man an maßgebender Stelle in Oesterreich-Ungarn die patriotische Haitung der Juden kennt. Hoffentlich werden die Juden Oesterreich-Ungarns nicht versagen, wenn es gilt, die eigene nationale Zukunft zu sichern. Aus Dänemark. Sonntag, den 2. Mai, ist hier ein Abend zugunsten der notleidenden Juden in den vom Kriege betroffenen Ländern veranstaltet worden. Der Abend war stark besucht. Der Reinertrag war ungefähr 1000 M. Aus Aegypten. Der amerikanische Regierungsdampfer ״V u 1 - kau“, der mit einer Ladung von ungefähr 1000 Tonnen Lebensmitteln vom Amerikanischen Jüdischen Hilfskomitee und dem Provisorischen Zionistischen Exekutivkomitee nach Palästina entsendet wurde, ist über Aegypten gefahren und hat in A 1 e x a n d r i a größere Vorräte (Reis, Zucker, Kartoffeln usw.) an Bord genommen. Ausnahmsweise gaben die englischen Behörden die Erlaubnis, diese für Jaffa bestimmten Produkte durch den amerikanischen Dampfer zu exportieren. Aus Rußland. Vor einigen Wochen hat, wie der ״Hajnt“ berichtet, die Stadtverwaltung von Smolensk den Beschluß gefaßt, sieh für die Abschaffung sämtlicher Beschränkungen der Juden eiiizusetzen. Die städtische Duma von Ssaratow ist jetzt diesem Beispiel gefolgt. Die Vorschläge, sich dem Beispiel von Smolensk anzuschlicßcn, wurden von den Stadtverordneten S s i r o t i 11 i n und A 1 m a s o w erstattet und einstimmig angenommen. * Der Warschauer Bevollmächtigte des russischen Städteverbandes hat vor einiger Zeit dem j ii - d i s c h e n Sanitätskomitee mitgeteilt, daß der Verband beschlossen habe, eine Hilfsaktion für die Juden, die durch den Krieg gelitten haben, zu organisieren. Vorläufig wurde die Einrichtung billiger Volksküchen für 4000—5000 Personen vorgeschlagen. Zugleich ist der Scmstwo• Verband jetzt dazu geschritten, seinem vor einiger Zeit gefaßten Beschlüsse gemäß den jüdischen Flüchtlingen kostenlose ärztliehe Hilfe angedeihen zu lassen. Zur Verbesserung ihres bisher außerordentlich schlechten Gesundheitszustandes hat der Semstwo-Verband auch eine Badeanstalt eröffnet. * ln Anbetracht der kritischen Lage der polnischen Juden hat eine jüdische Deputation dem Generalgouverneur Polens eine Petition eingereicht, um die Verhältnisse zu verbessern. Fürst Engalitschew sagte seine Unterstützung zu, riet jedoch den Delegierten, die Sache in Petersburg vorzubringen. Daraufhin empfing der Premierminister Goremykin den Baron G i n s b u r g, den Advokaten S 1 i o s - berg und einige polnisch-jüdische Notablen, und der Minister des Innern und der Kriegs- sowie der Finanzminister gewährten den Abgeordneten Friedmann und Bomascli Unterredungen. Die Minister versicherten den Delegierten, daß die Regierung an den Verhältnissen in Polen Interesse nähme, und versprachen Verbesserungsmaßnahmen. Wie der Warschauer ״llajnt" meldet, wurde der Gouverneur von Warschau von polnischer Seite gebeten, die jüdischen Flüchtlinge ans Warschau anszmveiseii. Begründet wurde dies Gesuch mit der Behauptung, 1[ie Juden gefährden den Gesundheit«- Zustand der Stadt. Die jüdische Gemeinde hat hierauf eine Abordnung von jüdischen Acr/teu zu dem Gouverneur geschickt, die darlegten, wie unbegründet alle derartigen Befürchtungen seien. Diese Abordinnig hatte jedoch keinen Erfolg. Donnerstag, »len 22. April, ist mit der L v a k u i e r 11 11 g W a r s e h a 11 s begonnen worden, 9 Trotz der glänzenden Leistungen der jüdischen Militärpflegcriiinen haben die Leiter des Roten Kreuzes sieh entschlossen, jüdische Pflegerinnen in den Militarliospitülern mehl mehr auiziinehiiieii. * Der Militärgoiivei neitr von Kiew hat, der 11״ a ze - firah“ zufolge, 1.erboten, im Bezirk Kiew Bücher in hebräischen Schrift/eidicii zu drucken. * 111 Rußland herrschen, einer Meldung der Warschauer jüdischen Blätter zufolge, jetzt große Ueberschwemmuiigen. Abgesehen von Kiew und Südrußland haben namentlich Minsk und Hornel durch das Hochwasser außerordentlich gelitten. In den beiden letztgenannten Städten ist es hauptsäcblieh jüdisches Eigentum, das am meisten gelitten hat. In Minsk wird der Schaden auf 200 000 Rubel veranschlagt, in Hornel ist er wohl nicht geringer. * In Odessa ist die Einrichtung eines jüdischen Museums und einer jüdischen Bibliothek in Angriff genommen worden. Die vorbereitenden Schritte sind bereits getan. * Während einer Sabbatpredigt ist der ürodttoc r Rabbiner Rabinobitsch auf der Kanzel an einem Herzschlag gestorben. P Älllli fi י'ת־ אח3מ ג׳^בר־יתיכמ י<" iÄTTNC cu«e CWWMi. a'WH־ uhcrveHÄtcuciN Hu***u*f ev* UNO U1wr<t SUCH 1% OAV 4.ÄNO mtm Gedenkblatt zur Erinnerung an gefallene jüdische Krieger. Ui der Originalgröße. Vcrgl. das Inserat des Jüdischen Verlags int Anzeigenteil. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen, Feldunterarzt Heinz Bicher- Halensee (K. J. V.), Arnold Strauß- Gelnhausen, Siegfried B 1 a n k e 11 f e 1 d - Hamburg (Bar Kochha), Professor I> r e y f 11 ß - Straßbürg (K. J. V.), Dr. Arno P o d s c 11 u b $ k i - Guben (K. J. V.) wurden durch das Eiserne Kreuz geschmückt. Unser Gg. Siegfried Marcus- Rees (K. J. V.) wurde zum Vizefeldwebel, Leo Los nt a n 11 -Hamburg (Bar Kochba) zum Vi/ewachtineister befördert. Unser Gg., Referendar Felix Roscnblüth- Berlin (K. J. V.) wurde verwundet. Unser Gg., Siegfried Baer-Posen, ist seiner V e r w u n d 11 n g e r 1 e g e n , nachdem er einige Tage vorher das Eiserne Kreuz erhalten hatte; unser Gg. Arthur H i rs c h f e 1 d - Charlottenburg (Ivria), ist seinen in Polen erhaltenen Verletzungen erlegen. Wir sind in der Lage, über das Schicksal des Kriegsfreiwilligen Dragoner Walter Saul- Berlin (Herzl-Klub) (östlicher Kriegsschauplatz), Auskunft zu erteilen. Wien. Unser Gesinnungsgenosse Bruno Stein, Fähnrich im bosn.-herz. Infanterieregiment, wurde in der Osterschlacht bei V i r a v a verwunde t. Unser Gesinnungsgenosse, Kadett Heinz Koch (Präses der Jüdischen Verbindung Neure Jehuda, Wien), ist in den Karpathengefallen. 0