Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel: Ascherslt-heii 2, , Berlin 3, , Elberfeld 47,--, Gnesen 9,--, Herxheim 1,—, Stettin 5,—, aus dem Felde 1, . Landesbeiträge: Ascliersleben 8, , Berliner Zion. Vereinigung <1. , tinesen 3, , Herxheim 2, Nordhausen 31, . Propagandafonds: Berlin: Hugo Fraenkel 10,—, Baumeister A, Kaliski 5, , Dr. Kirsehner- Nikoiasee 5,-■-, Dr. M. Michael, z. Zt. Braunlage, 5, —, J. 14. Wagner 3,; Breslau: Ludwig Tockuß 10,—; Chemnitz: Zahnarzt Schönberger (2. Rate) 10,; Danzig: Apotheker Heinricli-Neufalmvasser 6, —; Gnesen: Rechtsantv. Nemann 5, , Eugen Oelsner 5,—; Königsberg: Reehtsamva't Berlowitz 10,—; Leipzig: Rudolf Schick 20,—; Mannheim: Fritz Kauffmann 20,—; Obertshausen: Dr. J. Wolff (erhöhter Beitrag) 30,—; Piplin: Betty Demant 5,; Posen: R.-A. Dr. Schmu! 20,-■-, Simon Scherek 10,; Solingen: Dr. Albert Strauß (3. Rate) 6,—; aus dem Felde: Feldimterarzt Pcyser 5, , Dr. Is. Landau- Danzig 7,—. Eingang vom 5. bis 11. Mai 1915: Schekel. 68,- - M.; L a n d e s b e i t r ä g e: 53, — M.; P r o p a - g a n d a f o n d s: 190,— M. Gesamteingang: Schekel: 18M, M.; Landesbeiträge: 1315,— M.; P r 0 p a gandafonds: 5836,50 M. Eine Fireundesstfnime Von Moses Calvary Wir Zionisten, dünkt uns, arbeiten mit unserem Werk, so gut wir können, an einer Erlösung des Judentums. Es ist eine vorbereitende Arbeit. Eine Bereitung des Landes, eine Bereitung der Seelen. Mitten in die Arbeit hinein erschallt eine Stimme von außen, ein teilnehmender Zuruf, der freudig betont, was wir bisher geschaffen haben, und der noch Bedeutenderes erwartet. Ich rede von Alfons Paquets Buch: ״In Palästina“. Im Grunde ist es meinem Gefühl nach zu früh, davon zu sprechen: es gehört zu den Büchern, die Zeit, vielleicht Geschichte brauchen, um verstanden zu werden. Aber es ist Pflicht, in Zionistenkreisen auf das Werk hinzmveisen. Ein Dichter hat es geschrieben. Voll eines neuen Weltgefühls, mit der Gabe eindringender Beobachtung und visionären Schauens, Beobachter und Prophet. (Prophet im alten Sinne des Nabi, der Gottsucher und Politiker in eins war.) Das Buch bringt wundervolle Dichtungen, Träume, Betrachtungen, eine Geschichte der Templer, dazwischen und daneben eine eingehende Besprechung des Zionismus. Daß das, was wir bisher in Palästina äußerlieh erreicht haben, liier überaus hoch gewertet wird, das wollen wir nicht besonders betonen, so wertvoll uns die Anerkennung ist und so sehr sie vor allein außerhalb des Zionismus bekannt werden sollte. Wir freuen uns dessen, aber wir wissen ja selbst am besten, wie vieles noch fehlt. Für Paquct selbst sind die äußeren Leistungen nicht das wesentliche — er macht den Templern zum Vorwurf, über diesen wichtigeres vernachlässigt oder vergessen zu haben, er versucht, die tieferen Bezüge des Zionismus als einer geistigen Bewegung darzulegen. Und damit müssen wir uns auseinandersetzen. Wieder einmal ringen in der Gegenwart jene beiden Kräfte miteinander, sehnsüchtig, sich zu vereinigen, die vor zweitausend Jahren an dem neuen Gesicht Europas geformt haben: Hellas ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilieh-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina." Baseler Programm. und Orient. Ein Hingen, das schon im frühen Hellenentum begonnen und es so fruchtbar gemacht hat. Es begegnet häufig genug, daß gute Europäer, des Scheidewassers hellenischen Geistes müde, in diesem Ringen zur Erkenntnis kommen, Europa sei doch nur eine Halbinsel Asiens, und sich nun in die Ganzheit und Ungebrochenheit orientalischer Weltanschauung z.u rtftfen suchen. Paquet wird sich, indem er Elemente orientalischer Wesensart, Weltweite und Kontemplationskraft, in sich au fge 11-0111 men hat, einer Art Einheit europäisch-morgen ländischen Wesens bewußt. Doch so, daß Europa, in Hingabe an den Orient, die führende bleibt. Ein Teil der Europäisierung des Orients heißt ihm: Zionismus. Seine Weltanschauung ist bestimmt durch solche Riehtätigen der europäischen Geistesgeschichte, die ein ewiges Erbe des Orients sind: den Gedanken von einem Reiche Gottes, von einer gemeinsamen Bewegung zu eitlem geistigen Ziel im Welt- ,ganzen. (Fs muß woW. £e־׳:!gt werden, daß das Buch vor dem Kriege geschrieben ist; aber nur äußerlichste Betrachtung kann wähnen, diese Gedanküngänge seien durch den Krieg ״widerlegt“.) Ein Teil dieser Bewegung ist ihm der Zionismus, sowohl die Zionsgriindtmgen der deutschen Templer, wie der Zionismus der Juden: ״Die Einheitsidee wird wieder in der Welt lebendig und die Juden zeigen es an. Es ist wie ein Erwachen, dieses Besinnen auf ein lebendiges, wenn auch tausendfach zersplittertes Volkstum“. Es ist wahr, die Sehnsucht nach einem neuen, einem erneuerten Mens c h e n , eine Sehnsucht, die auf ein rationalistisches, liberales, von einem oberflächlichen und selbstklugen Entwicklungsgedanken beherrschtes Zeitalter folgte, hat viele der besten Juden ergriffen. Diese Sehnsucht ist nicht der Zionismus Martin Buber macht sogar einmal auf ihren Gegensatz zu dem Ideal eines Normalsiedlers im eigenen Lande aufmerksam —, wohl aber ist sie eine der Quellen, die den Strom des Zionismus bilden helfen. Zunächst ist doch wohl stärker und unmittelbarer die Selmsucht nach der Ganzheit eines äußeren und geistigen nationalen Daseins Grundlage des Zionismus. Immerhin mögen wir gern glauben, daß hinter diesem unmittelbaren nationalen Verlangen jenes andere, Persönlichkeit weckende, verborgen ist, daß ein dumpfes Ahnen, erst Volkheit könne eine wahrhaft im Menschlich-religiösen gegriindete ,Persönlichkeit wecken, zum Zionismus geführt hat. In Paquets Darstellung ist der Gegensatz beider Strömungen stark betont. Ja, er nennt eine Beschäftigung mit dem Zionismus für den Christen nicht der Miihe für wert, wenn man den tiefen Kampf, der im Zionismus zwischen den freien und den gebundensten Geistern Europas geführt wird, durch den zeitweis so billigen Gedanken des Volkstums verkleistern wollte. Die Wichtigkeit jenes Kampfes unbedingt zugegeben, ist er doch ein Kampf im Zionismus, nicht um der! Zionismus. Paquet vergleicht ihn glücklich mit dem Kampf zwischen den! Pharisäertum und den Arn-Haarez, und weist als sein Ziel die Umwandlung und Befreiung des Ostjudentunis durch den Geist des Westens. Dieser Kampf aber findet doch auch außerhalb des Zionismus im Judentum statt, ja, der Geist des Westens ist es, der einen großen Teil des Ostjudentunis von uns fernhält und ins Lager der Entjudeten geführt hat. Es ist eben nur der Gedanke des Volkstums imstande, die Gegensätze in eine höhere Einheit aufzulösen, und nur in Palästina. Denn es braucht die gleichzeitige Verwurzelung mit Boden, Stammestum und geistigem Leben, um überhaupt ein eigenes Dasein führen zu können. Und erst ein eigenes Dasein kann ein Dasein sein, das der Gemein- Schaft der Völker sich fruchtbar einordnet. Man darf nicht glauben, daß Paquet das nicht sieht. Wenn dein so wäre, so hätte er sein Augenmerk nicht besonders auf den Zionismus gerichtet, eine Europäisierung der Juden ist ja wohl auch sonst vorhanden. Aber seiner Auffassung scheint das historische Werden als soldies belanglos, es ist ihm nicht eigentlich daran gelegen, die letzten geschichtlichen Kräfte dieses Werdens zu erfassen, sondern vielmehr eine Art übergeschichtliches Dasein der Idee, die sich in dein zionistischen Geschehen darstellt. Wir aber sind Handelnde und bedürfen des Volkstums. Das •ist kein Verzicht auf freies Geistesleben, es ist die einzige nach unserer geschiehtliehen Auffassung mögliche Vorbedingung. Und als solche wird es Paquet auch ansehen. Ihn ergreift der Gedanke, daß ein Volk gleichsam zur Funktion des Wartens der ganzen Menschheit auf eine Geistesoffenbanmg, die noch bevorsteht, geworden sei. Wir fänden es ein wenig hochmütig, wenn wir das sagten, und haben den Gedanken einer Mission des Judentums darum oft zurückgewiesen; aber selbst, daß andere so.empfinden können, ist doch nur möglich, seitdem der Gedanke des einheitlichen Volkstums uns ergriffen hat und seitdem wir bestrebt sind, zunächst diesem Gedanken zu leben. Und dieser Gedanke des Volkstums ist ja auch ein Erzeugnis des schöpferischen, eurupäisclien Geistes, den Paquet im Zionismus wirken sieht. Er sieht ihn wirken im Kampfe um Schule und Universität, in dem Willen zu einer Vertiefung des religiösen Lebens, einer geistigen Umkehr des Menschen, in den Versuchen, auch die Anfänge des Christentums als Geschichte des jüdischen Geisteslebens zu erfassen: er vermißt ihn in der Befangenheit der Juden gegenüber dein Christentum. (Schade, daß er sich bei dieser Gelegenheit einen bereits widerlegten philologischen Irrtum Harnacks zu eigen macht.) Es ist wahr: unser persönlicher Anteil an den christlichen Stätten Palästinas geht wirklich nicht sehr tief, seihst wenn wir die Predigt der Evangelien als einen wichtigen Bestnndteii jüdischer Geistesgcschichte empfinden. (Und nicht etwa bloß darum, weil wir beim Betreten dieser Stätten in Gefahr kommen, tatlieh angegriffen zu werden.) .Aber könnte es anders sein? Wohl half mir die einsame Größe judäisehen Berglandes zum Verständnis des israelitischen Proplietentums, wie die zarteren Hügel Galiläas die Geschichten der Evangelien begreifen ließen: heroische Predigt und Idylle! Eine solche Verknüpfung der Landschaft und der Seele der Bibel erlebt wahrlich auch der Jude, auch am See Kineret, aber um sich der Schönheit Nazareths oder Bethaniens mit ihrem Lcgeiidengeranke I nicht nur genießend, sondern in religiöser An-