Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 153 An unsere österr.-ungar. Freunde im Felde! Seit vielen Monaten senden wir die ״Jüdische Rundschau“ nicht nur an die deutschen Zionisten, die im Felde stehen, sondern auch an unsere Freunde und Gesinnungsgenossen aus Oesterreich-l liigarn, die ihren militärischen Pflichten nachkoinrnen. Von vielen Empfängern unseres Blatte■, erhielten wir einmal oder regelmäßig Dankbriefe, denen wir entnehmen konnten, daß unsere Zeitung ihren Bestimmungsort erreicht. Von vielen Freunden aber haben wir noch keine Mitteilung darüber erhalten, daß sie die ihnen zugehende ״J iid i s ch e Ru n ds c 11 a u“ wirklieh erhalten. In diesen Fällen ist es nicht ausgeschlossen, daß die uns mitgeteilten Adresssen nicht oder nicht mehr stimmen. Wir bitten daher jeden unserer Freunde, der die Rundschau erhält, uns davon jetzt sofort -- unter genauer Angabe seiner Adresse . Mitteilung zu machen, damit die Zustellung des Blattes keine Storung erleidet. Für die Angabe weiterer zionistischer Feldadressen sind wir dankbar. Unsere Freunde im Felde sollen durch die ״Jüdische Rundschau“ in ständiger Verbindung mit der zionistisclieri Organisation bleiben. Versäume niemand, die gewünschte Empfangsbestätigung uns sofort zu senden! R e d a k t i 0 11 u n d A d m i 11 i s t r a t i o » d e r ״ J ü d i s c h e n R u ndsc h a u“. Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Das Elend der polnischen Juden Die Schrecken der Verwüstung der polnischen Provinzen nehmen ständig zu. Hunderte von Dörfern, von denen viele hauptsächlich von Juden bewohnt sind, sind vom Erdboden verschwunden. Zehntausende Juden werden täglich aus Städten und Dörfern durch plötzliche Ver- Ordnung ausgewiesen und sind gezwungen auszuwandern, ohne m wissen wohin. Vor kurzem wurde von dem Untergang von 16 solcher Städte berichtet, aus denen ca. 30 000 Juden vertrieben wurden. Sie kamen alle nach Warschau und wurden dort fürs Erste in den verschiedenen Synagogen untergebracht. Diese unglücklichen Vertriebenen berichten schreckliche Geschichten über ihre furchtbaren Erlebnisse. Der Gouverneur von Kiew lehnte es ab, den vertriebenen polnischen Juden zu erlauben, sich dort anzusiedeln. Viele, die in Kiew׳ ankamen, wurden nach der Provinz Tchernigow weitertransportiert. Der ״Warszawski Dniewnik“ schildert die Verhältnisse in der Warschauer jüdischen Gemeinde als unerträglich. Er sagt, daß viele wohlhabende Juden durch den Krieg gänzlich verarmt sind und nicht imstande sind, soviel wie sonst für Wohltätigkeitszwecke zu geben, während die Not der Wohltätigkeitsinstitute taglieh steigt. Bloß im Laufe von drei Tagen kamen 7000 jüdische Vertriebene aus Zhirodov,Moranov und Visbitok nach Warschau. Diese Wanderungen und Austreibungen sind von den größten Grausamkeiten begleitet. Die Juden werden nachts aus den Betten geholt und ohne Verhör oder Verwarnung aufgehängt. Rabbiner Libart in Sobota und sein 15-jähriger Sohn wurden ohne irgend welche Veranlassung zusammen mit einer Anzahl angesehener Juden ins Gefängnis geworfen. Ihr Schicksal blieb ein paar Tage unbekannt, bis man sie im benachbarten Walde erhängt fand. Die Warschauer Jüdische Gem e i n d e sandte eine besondere Deputation nach Petersburg, um die Regierungsbehörden zu ersuchen, den jüdischen Verbannten zu gestatten, nach Orten außerhalb des Ansiedlungsrayons zu gehen, da die großen Städte im Ansiedlungsrayon bereits übervölkert und nicht in der Lage ”sind, den wachsenden Zuzug aufzunehmen. Es ist sehr zweifelhaft, ob diese Deputation Erfolg haben wird, da die Regierung bereits vielfach bewiesen hat, daß sie nicht geneigt ist, selbst in der gegenwärtigen Krisis irgend welche Ausnahmen zu erlauben. Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel 1913/14: Nürnberg-Fürth 20, . Schekel 1914/15: Königsberg i, Pr. 221,—, Trier Landesbeiträge: Halberstadt 20,—, Trier 1. . Propagandafonds: Allenstein: Louis Lewaki 5,--; Breslau: Rechtsainv. I)r. Littniaiin 10,--; Filehne: Sally Herzberg 5,; Hagen: Dr. Stargardter 10,; Hamburg: A. Calmann 1(1, Emil H. Lipstadt 5,; München: L. Davidson 20,--; Nürnberg: R.-A. Max Stern ü, -; Posen: Rechtsanw. Dr. Schmtil; Trier: Louis Stern 15, . Eingang v .111 29. April bis 5. Mai: Schekel um 11: 20, M.; Schekel 1014/15: 223, M.; L a n d e s b e i t r ii g e: 24, M.; Pro 1; ין g a 11 d a - to 11 u s: St), - M. Gesamteingang: S c h e k e 1 191! T I: 50'D, M.; Schekel 191-1/15: 1776, M.; Landesbeit r ä ge: 1362, M.; Propa g a 11 d a f o n d s: 5637,50 Mark. ß e r i t: 111 i g 11 n g. Die in voriger Nummer irrtümlich unter Schekel ausgew iesenen M. 20, aus Halberstadt sind als Laudesbeit rage gezahlt worden. Die Addition ändert sieh dementsprechend. Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina (Rechenschaftsbericht.) Trotzdem es in diesem Jahr unmöglich ist unsere Jahresabrechnungen an alle unsere Mitglieder gelangen zu lassen und trotzdem wir durch die Kriegsereignisse auch nur Weniges über unsere Tätigkeit in Palästina zu berichten haben, möchten u׳ir doch nicht versäumen, unsere Mitglieder durch einen kurzen Bericht über den Stand unserer Institutionen, soweit wir selber Bescheid wissen, zu unterrichten. Von der Herausgabe einer Mitgliederliste müssen wir leider in diesem Jahre absehen, da ein großer Teil der Namensverzeichnisse nicht eingclicn konnte. Die erfreuliche Entwicklung, die unsere Spitzen- Ateliers zu Beginn des Jahres genommen hatten, wurde schon im August durch den Ausbruch des europäischen Krieges jäh unterbrochen. Frl. Perlmann, die als Leiterin der Ateliers Jaffa, Safcd und Tiberias für uns aus Deutschland nach Palästina gegangen war, hat im August ihre Tätigkeit wieder aufgegeben, da sie sich der Unmöglichkeit bewußt wurde, in dein Maße zu arbeiten, wie sie es wünschte und es als ihre Pflicht ansah. Mit dem Ausbruch des Krieges wurde es auch unmöglich, soviel Geld nach Palästina zu schicken, wie es zur Aufrechterhaltung sämtlicher Ateliers nötig gewesen wäre. Die verfertigten Spitzen konnten nicht mehr aus Palästina ins Ausland versandt werden und zudem mußten wir hier, besonders in den ersten Kriegswochen, damit rechnen, daß auch der Verkauf dieser Luxusware ganz aufhören würde. Dazu kam noch, daß wir von einem großen Teil unserer Mitglieder durch \1en Krieg vollständig abgeschnitten wurden. Selbstverständlich können unsere Mitglieder in Rußland, England usw. keine Zahlungen an uns leisten und aus den, durch den Krieg besonders mitgenonimenen Gebieten, wie Galizien und Polen, können wir gewiß für lange Zeit hinaus auch keine Unterstiitzung erwarten. Wir hofften erst, durch Zuwendungen aus Amerika die Ateliers in Safed und Tiberias, die bis dahin der Fürsorge Moskaus oblagen, erhalten zu können; aber als auch die Türkei in den Krieg eingriff und die Beaufsichtigung der beiden Ateliers, die von Jaffa aus stets geschah, unmöglich wurde, mußten wir uns der Notwendigkeit fügen, und zu unserem großen Bedauern diese Ateliers schließen. Momentan arbeiten nur unsere Mädchen in Jaffa — nach den Berichten sind es ungefähr 26 — unter der Leitung von Frl. Schreiber. Frau Hoofien in Jaffa ן hat sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, | unsere Interessen zu vertreten. Die Arbeiten können natürlich jetzt nicht nach Europa geschickt werden, da die türkische Post keine Wert- und Einschreibe- Pakete annimmt, und bleiben daher bis auf Weiteres im Lande. Wir können nur die Spitzen verkaufen, die wir vor Ausbruch des Krieges bereits in Europa auf Lager batten. Da Ausstellungen und ähnliche Privatverkäufe nicht stattfinden, sind wir nur auf den Absatz durch Geschäfte angewiesen. Dieser Absatz nimmt aber trotz der schweren Zeiten in Deutschland und Oesterreich-Ungarn einen über Erwarten guten Verlauf. Das gibt uns die Hoffnung, daß wir später, wenn normale Zeiten wieder eingekehrt sein werden, mit einem neuen Aufschwung unserer Spitzenproduktion werden rechnen können. Ucber unsere M ä d c 11 e n f a r m in K i n e r e t h bekommen wir nur spärliche Berichte. Aus diesen ersehen wir aber, daß die Farm in der Lage ist, weiter zu existieren. Selbstverständlich mußten wir das Budget wesentlich einschränken. Nach dem letzten Bericht von Frau Dr. Maisel-Schodiat arbeiten in der Farm 14 Mädchen. Da ziemlich viel Gemüse gepflanzt worden war und auch F.ier und Milch auf der Farm vorhanden sind, ist die Lebensfülming nicht sehr kostspielig. Frau l)r. MaiscI schreibt uns, daß die Arbeit in diesem Jahr besser vorwärts gebt, da der Boden zum größten Teil von Ingill (Unkraut) gesäubert ist und ein Teil der Schüferinnen bereits im zweiten Lehrjahr steht, so daß sie die Arbeiten besser verstellen und ausfülircn. Wir hoffen zuversichtlich, die Farm auch weiter erhalten zu können. Frl. Bambus, die ein Jahr lang als zweite Lehrerin auf der Farm tätig war, hat im November Palästina verlassen, da sie seit dem Kriegsausbruch keine richtige Tätigkeit für sich im Fände mehr sah, Das K r a 11 k e n 11 a u s i!1 H a i f a mußte geschlossen werden, da sein Leiter, Herr Dr. Auerbach, als Militärarzt in I)eutsdiland Dienste tut. Mit dem Ausbruch des Krieges hat unsere Propagandatätigkeit fast ganz aufhöreii müssen. Wir hatten im Sommer Vorbereitungen für Propagandatourneen getroffen, die aber dann nicht mehr zur Ausführung kommen konnten. Mit besonderer Befriedigung möchten wir aber konstatieren, daß unsere Mitglieder, soweit wir mit ihnen in Verbindung sein können, zum größten Teil ihre Beiträge abgeführt haben und, daß sie trotz der großen Verpflichtungen, die der Krieg ihnen in ihrer nächsten Umgebung auferlegt, ihr Interesse unserer Arbeit in Palästina erhalten haben. Wir hoffen, daß dieses Interesse für unsere Arbeit auch Weiterhin lebendig bleibt und es uns ermöglichen wird, unsere Institutioiien die schwere Zeit überstehen zu lassen, damit wir, wenn auch mir zu einem kleinen Teil, dazu beitragen können, der Not, die durch deri Krieg in Palästina eingetreten ist, zu steuern. Dann wird es uns aucli in späteren friedlicher! Zeiten möglich sein, unser Programm zu verwirklichen und eine Besserung der sozialen Lage der Juden in Palästina mit herbeiführen zu helfen. Der Vorst a n d des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in P a lä s t i n a i. A.: Frau Professor W a r b u rg , Vorsitzende. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen Oberlehrer Myrtill B 1 o c h - Straßburg i. Eis. (K. J. V.) und Db. Walter S t e i n - Königsberg (K. J. V.) haben das Eiserne Kreuz erhalten. Unser Gesinnungsgenosse Unterarzt Siegfried N o ß b a um ־ Schlüchtern (K. J. V.) wurde leicht verwundet. Unser Gesinnungsgenosse Ludwig Franz Meyer- Gnesen (K. J.V.) ist am 3. Mai seinen am 1. Mai erhaltenen Verwundungen erlegen. Berlin. (Zionistischer Jugendverein.) Wanderung am Sonntag, den 9. Mai, 81/2 Uhr, Bahnhof Alcxanderplatz, mit Karten nach Baumschulen w eg. Nachzügler werden um 3 Uhr am Bahnhof Hirschgarten erwartet. Wanderung am Donnerstag, den 13. Mai, 80■ Uhr, Stettiner Vorortbahnhof, mit Karten nach Birkenvverdcr. Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltete Donnerstag, am 29. April, in den Wilhelms• hallen eine Mitgliederversammlung, in der mit der Organisatiüii des ״Hilfswerks• für Palästina“ in der Berliner Zionistischen Vereinigung begonnen wurde. Das Referat hielt Herr Kurt Blum e n f e 1 d, der über ״P a 1 ä s t i n a i 111 K r i e g e“ sprach. Auf Grund der dem Zionistischen Actiohs-Comite vorliegenden Berichte über die Vorgänge in Palästina unÜ über die jetzige Situation erstattete er ein Referat, das die große Zahl der anwesenden Zionisten eingehend informierte. Nürnberg - Fürth. (Zionistische O r t s - gruppe.) Am 14. April eröffuete der zweite Vorsitzende Herr R.-A. Stern der erste Vorsitzende Herr Zahnarzt Singer ist eingezogen — im Kaffee Zentral die Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsgruppe. Er gedachte in ehrenden Worten des Heimganges des jüdischen Dichters Perez. Nachdem er noch Grüße der im Kampfe stehenden Gesinnimgsenossen übermittelt und die Wichtigkeit der jüdischen resse in dieser schweren Zeit liervorgelioben hatte, gab er Herrn ü o r s k i das Wort zu seinem Referate über jüdische Z e i t f r a g e n. In lebendiger Schilderung streifte der Redner all die Fragen, die in dieser schicksalsschweren Zeit das jüdische Volk bewegen. Längere Betrachtung knüpfte der Redner an die Vorgänge bei der Versteigerung des Technikums in Haifa, das Verhalten der Antizionisten und ihre Auffassung vom ״Burgfrieden“, den Plan des jüdischen Kongresses usw. Alle diese Fragen wurden eingehend beleuchtet. Der Redner erntete hierfür den Beifall aller Zuhörer. Die Versammlung zeigte, daß trotz des Krieges das jüdische Interesse nicht erlahmt ist. Schluß des redaktionellen Teils.