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Jüdische Rundschau · 1915-05-07 · Heft 19 (7.5.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 19 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnements auf die wöchentlich am Freitag erscheinende ״Jüdische Rundschau“ kosten bei der Expedition und bei allen Postämtern vierteljährlich M. 1,60 innerhalb Deutschlands, in Oesterreich- Ungarn M. 2,50, im Ausland M. 8,—, Jüdisch« Randschau. G. m. b. H. BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. Telephon: Amt Uhland 845, 846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, DU6DISCH6 RUNDSCHAU Anzeigen kosten für die sechsyespaHene Petit- *eile oder deren Raum 40 Pf.; Stellen- Angebote und -Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen* O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto beiliegt, stets 7 urückgesandt. Redaktionsschluö: Mittwoch vormittag•• Redaktion Jüdische Randschaa BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. Telephon: Amt Uhland 845, 846, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 :-J ALLC6M6INC 9U6DISCHC Z€ITUNG Nummer 19 | I Berlin, den 7. Mai 1915 — 23. Ijar 5675 XX. Jahrgang. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung־ einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina . ״Baseler Programm‘' AUFRUF Das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation veröffentlicht in der jüdischen Presse aller europäischen Länder einen Aufruf zugunsten eines allgemeinen jüdischen Hilfswerkes zur Linderung der Notlage der jüdischen Bevölkerung Palästinas. Wir bringen diesen Aufruf nachstehend zur Kenntnis unserer Leser. Das von der Zionistischen Organisation, Bureau Kopenhagen, gewünschte allgemeine Hilfswerk wird für Deutschland durch das ״Hilfswerk für Palästina“ repräsentiert, das wir gemeinsam mit dem ״Bezalel“, dem .Esra“, der .Gesellschaft für Palästinaforschung“, der ״Jüdischen Gesellschaft für sanitäre Interessen in Palästina״, dem ״Brgslauer Palästinakomitee“ und dem ״Verein zur Förderung jüdischer Ackerbaukolonien in Palästina und Syrien, Köln“, ins Leben gerufen haben. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Brüder, Palästinafreunde! Die furchtbare Katastrophe, von der die Welt betroffen ist, erschüttert auch den Bau, an dem das Judentum aller Länder seit Jahrzehnten in Palästina mit außerordentlicher Liebe und Opferwilligkeit gearbeitet hat, und droht das historische Werk zu zerstören'. Von der Welt fast ab geschnitten ist die in den i )■״■»v.•,. j(,ii1k1 Städten Palästinas lebende und arbeiten! . jüd*ecbe n«s*..^1k׳c1׳uug. Die Landeserzeugnisse, die in den letzten Jahren die Existenz der aufblühenden jüdischen Kolonien ermöglicht und teilweise gesichert haben, können infolge des unterbundenen Verkehrs keinen Absatz finden. Beinahe unverwertet bleibt die ganze Orangen ernte und muß zum großen Teil verfaulen, und auch der .W ein, der sich nach langjährigen Bemühungen und unter schweren Opfern seinen gesicherten Markt erobert hatte, findet jetzt nur wenige Abnehmer und muß für spätere Zeiten aufbewahrt werden. (iefährdet sind alle Institute, welche durch jüdische Zähigkeit und jüdische Intelligenz entstanden sind. Selbst das große Werk des hebräischen Schul netzes kann nur dadurch erhalten werden, daß die Pioniere, die Lehrer, sich noch größere Opfer auferlegen. Alle die Wunder, die der jüdische Idealismus in dem noch vor einer Generation verödeten Lande zutage gefördert hat, werden durch die Schrecken des Krieges aufs schwerste betroffen. Voll Sorge fragt man sich, was aus der dem Regenerationsprozeß sich immer mehr anschlie- Benden jüdischen Stadtbevölkerung־ Palästinas, was aus den ländlichen Ansiedlungen, aus den etwa 100 ganz- und lialbhebräischen Schulen des Landes, aus den verschiedenartigen kulturellen und sozialwirtschaftlichen Anstalten und Unternehmungen unter den Kriegszuständen werden wird. Noch wissen wir nicht, was die Zukunft für die Judenheit Palästinas und damit auch für das gesamte Judentum in sich birgt. Indes schon der Augenblick erheischt ein aktives Handein von jedem, der retten will, was jüdischer Geist und jüdische Seele im alten Heimatlande geschaffen. Verpflichtet dazu sind alle Juden, unbeschadet ihrer Parteianschautingen. War für die einen die Arbeit in Palästina ein Baustein zur Lösung der Judenfrage, so war sie für die anderen ein kostbarer Schatz jüdischer Werte und jüdischer Erlebnisse. Welcher selbstbew ußte Jude hat nicht an dem Echo jüdischer Hoffnungen und jüdischer Sehnsucht nach einem ganzen und ungehemmten Leben des jüdischen Volkstums seine Freude gehabt! Dem Elend Palästinas zu steuern, haben die amerikanischen Juden bereits seit Monaten begönnen. Sie haben als erste die Gefahr erkannt und unter dem Protektorat amerikanischer Regierungsbehörden eine Aktion zugunsten der Bedrängten eingeleitet und bereits große Mt.-•! Ul 1 fgehranKt... Si«,*-V».־*<' &fifaeי ■aatdB&daBw des Krieges aus den mannigfaltigen Gruppen in Palästina ein Exekutivkomitee einsetzten und diesem nacheinander Geld- und Nahrungsmittel in großer Menge zuführten. Den amerikanischen Juden nachgefolgt ist vor einiger Zeit der Jüdische Nationalfonds, dessen Zentralsitz seit Ausbrach des Krieges sich im Haag befindet; er hat es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, Notstandsarbeiten in Palästina vorzunehmen, tun die Arbeitslosen an Wege- und Häuserbauten und arideren Unternehmungen zu beschäftigen. Diese beiden Faktoren reichen jedoch bei weitem nicht aus, urn den wirtschaftlichen Ruin der palästinensischen Judenheit auch fürderhin zu vorhindem. Es ist festgestellt, daß das palästinensische Judentum, um dem Aeu Bersten zu entgehen, einen monatlichen Zuschuß von mindestens 200 000 Mk. erhalten muß eine Summe, die nur durch die vereinten Kräfte der Juden aufgebracht werden kann. Andererseits sind noch die größten Teile des Judentums an der Hilfsarbeit für Palästina unbeteiligt, und noch besitzen die Judenmassen außerhalb Amerikas, die gedanklich und seelisch an Palästina hängen, auch nicht die erforderliehen Organisationen, die auf die Not der pa- ( lästinensischen Juden ihr Augenmerk richteten. >, Zur Schaffung solcher Organisationen fordert die Zionistische Organisation die Juden aller Länder aufs dringendste auf. Es gilt sowohl die direkte Not zu lindern als die kulturellen, die gesellschaftlichen Institute, die Schulen, Berufs- Organisationen, die geistigen Unternehmungen aufrechtzuerhalten und zu stützen.;Wir wenden uns an alle Juden, die den Gedanken erfaßt haben, daß es niemand unter ihnen geben kann, der nicht Pflichten hätte gegenüber Palästina, gegenüber jenen, die die Wiedergeburt Israels und Palästinas erstreben, gegenüber jenen, die vor keinem Opfer zurückschrecken. Darum erfüllet alle Eure Pflicht, tragt Eure Schuld ab, greifet ein, helft schnell und gründlich! Henry Morgenthau E i n e p s y c 11 o I o g i s c h e S k i z z e. Der Mann, der gegenwärtig die Vereinigten Staaten von Amerika als Botschafter in Konstantinopel vertritt, wurde im Jahre 1850 in Mannheim geboren. Er stammt aus einer jüdischen Familie Süddeutschlands, kam im Alter von neun Jahren nach New York, besuchte die öffentliche Schule und wandte sich dann dem juristischen Studium zu. Zunächst Advokat, später Geschäftsmann, mit sicherem Blick für eile Entwicklung New Yorks begabt und durch diese riesenhafte Entwicklung selbst emporgetragen, erwarb er sich an der Spitze großer Grundstücksgesellschäften ein bedeutendes Vermögen. Er wurde in das Präsidium einer Bank berufen, beschäftigte sich dabei mit Fragen der öffentlichen Wohlfahrt und nahm insbesondere an jüdischen Wohltätigkeitsbestrebungen lebhaften Anteil. An der Seite einer gütigen Frau, als zärtlicher Gatte und Vater ein überaus glückliches Familienleben genießend, ein angesehener Bürger und tr '־'aie Schwelle des fünfzigsten Lebensjahres.' " ׳T־! In verhältnismäßig späten Jahren erst trat er der Politik näher. Er gehörte zwar seit langem der demokratischen Partei an, doch spielte diese bis zur letzten Präsidentenwahl in New York keine bedeutende Rolle. Als aber Woodrow Wilson zum Gouverneur von New-Yersey gewählt wurde, war Henry Morgenthau unter den allerersten, die seine Bedeutung erkannten. Er gehörte einem Komitee von 7 Personen an, das in der demokratischen Partei die Aufstellung Wilsons zum Präsidentschaftskandidaten durchsetzte und seine Wahl zum glücklichen Ende führte. Seit dieser Zeit ist Morgenthau mit Wilson in enger Freundschaft verbunden. Als ihm der Bots'chafterposten in Konstantinope! angeboten wurde, zögerte er. Sein Instinkt weckte in ihm Bedenken, ob er gut daran j tue, als ״Outsider“ in die Welt der Diplomatie einzutreten. Aber auf Zureden seiner Freunde entschloß er sich, die Probe zu wagen . und sie gelang. Sie gelang weit besser als er selbst, als seine Freunde, als vor allem -־ seine Kollegen vom diplomatischen Korps erwartet haben mochten. * Der äußere Werdegang eines bedeutenden Mannes erklärt manche seiner Eigenschaften, weist vielleicht auf manches seelische Element hin, vermag aber nicht, die innere Struktur seines Charakters zu enthüllen. Um zu zeigen, wie es kam, daß dieser oder jener hervorragende Mann zu seiner Leistung gelangte, bedarf es neben der Darstellung der äußeren Umstände auch einer psychologischen Analyse der Persönlichkeit. Wer Sinn für seelische Feinheiten hat, wird im Umgang mit Menschen sehr rasch oft beim ersten Anblick, beim ersten Gespräch das Wesentliche herausfühlen und aus dem Charakter das Schicksal begreifen. Der hier skizzierte Lcbens-Iauf Morgenthaus läßt erkennen, daß er in hohem Maße das besitzt, was man eine ״glückliche Hand“ nennt. Er kommt ais Knabe nach Amerika, tritt ins Leben ein, lind wo er zugreift, blüht ihm der Zionistische Organisation, Bureau Kopenhagen.

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