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Jüdische Rundschau · 1915-04-30 · Heft 18 (30.4.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 18 (30.4.1915)
Date
1915-04-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnements auf die wöchentlich am Freitag׳ erscheinende ״Jüdische Rundschau** kosten bei der Expedition und bei allen Postämtern vierteljährlich M- 1,60 innerhalb Deutschlands, in Oesterreich- Ungarn M. 2,50, im Ausland M. 3,—. Jüdische Rundschau, C. m, b. H. BERLIN W. 15, Sächsisch« Straße 8. Telephon: Amt Uhland 845, 846, Postscheckkonto: Berlio Nr. 17392. I_ üucdischc RUHDSCHAU Anzeigen kosten für die sechsgespaltene Petit- *eile oder deren Raum 40 Pf.; Steifen- Angebote und -Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen* O O 0 O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto beiitegi, stets zurückgesandt. Redaktionsschluß: Mittwoch vormittags, Redaktion Jüdische Rundschau BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. Telephon: Amt Uhland 845, 846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. ...ד..--* ALLG6M6IN6 3U€DISCH€ Nummer 18 Berlin, den 30. April 1915 16 —־. Ijar 5675 2CITUWC j! XX. Jahrgang. Ausweis Schekel 1913 14: Cöln 22, , ,,I faschadiar“ 061» 42, . Schekel 1914 15: Berliner Zion. Vereinigung DOO, , Halberstadt 20, , Heilbronn 1, , Koschmin V , Festeriber״!, , llol/mirulen I, . Landesbeiträge: Festenberg 2, . Propagandafonds: Allenstein: R.-A, Wistinetzky 20. : Bamberg: Julius Strauß 5,; Berlin: Siegf'ried Engel 10, , Rosa Holde 10, , Anton Lewin 100, , l)r. Rud. Les/ynskv-tiriuiewald 10, , Frau V Rosenthal 5, , Zahnarzt Schragenheini 5, , I)r. I:. Tiiubler 20, , Dr. Warschauer 15, , Georg Wolff 4, : Breslau: Dr. Kurl Weiß 5,; Emden: Edgar Meyer 45,; Heilbrmm: W. Landsberger 5,; Königsberg: Arthur Cohn 100,; Leipzig: Dr. Raphael Ohami/.er 20,; Molsheim i. E.: Ref. E. VC׳'ei 11 10, . Eingang vom 22. bis 28. April 1915: S c h ekel 191114: 64; M,; Schekel 1914 15: 611־, M : Ia n d e s h e i t r ä g e: '2, M.; 4’ 1־ o p a g a 11 d a - ionds: '160, 1M. Gesamteingang: Schekel 1QI3 14: 5013, M.; Schekel 191415: 1571,-- M.; Landest) eiträge: 1 '118, M.; Pr o p a g andufonds: 5551,50 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, B e r 1 i n W 15. Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Die Erhaltung des Bestehenden In der allgemeinen Presse werden in kurzen Abständen Notizen wiedergegeben, in denen die Zionistische Organisation umworben wird. Politische Kreise in allen Ländern machen der! Versuch, u(ns durch Versprechungen auf ihre Seite /u ziehe,n. In dieser Zeit der Versprechungen ist das politische Denken der meisten so ausgefüllt mit Kombinationen über die zukünftige Oestalturig der europäischen Landkarte, daß der Blick für die einfachen ,Wirklichkeiten des Lebens getrübt ist. Unsere palästinensischen Hoffnungen sind in weit geringerem Grade, als es das Heer der politischen Konstrukteure glauben machen will, von Versprechungen abhängig. I,n mühseliger, hingebender Arbeit von mehr als dreißig Jahren sind die Kolonien und das jüdische Leben Palästinas erstanden. Die nationalcn Kräfte des Judentums der übrigen Länder der Welt sind im Zusammenhang mit unserer Siedlung in Erez Israel zur einheitlichen Bewegu,ng geworden. Unsere Kolonien wurden für uns zum Mittelpunkt der jüdischen Welt, das Judentum Palästinas der Quell ewig neuer An- 1egu,ngen und Hoffnungen. Der gesteigerte Fortschritt unserer Arbeit, die schnelle Kraft des zionistischen Gedankens, werden sich nach dem Kriege der Welt nur dann in voller Größe offenbaren können, wenn unser Gemeinwesen in Palästina, der Anfang wahrhaft erneuten, schöpferischen jüdischen Lebens, unversehrt aus dieser furchtbar schweren Zeit herumgeht. Unsere vornehmste Aufgabe mußte daher darin bestehen, den palästinensischen Juden in wirtschaftlichen Nöten zu helfen und für ihre Sicherheit im Lande zu sorgen. Die Gefahr für die persönliche Sicherheit lag darin, daß den׳ größte Teil des neuen Jischub aus Rußland eingewandert war, und daß diese russischen Untertauen im Augenblick des Kriegsausbruches /wischen Rußland und der Türkei womöglich die- ״Der Zionismus erstrebt Air das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. selbe Behandlung hätten erfahren können, wie sie vielfach in den europäischen Kulturländern Untertanen feindlicher Staaten zuteil geworden ist. Unsere loyale Haltung der Türkei gegenüber, die wir bei allen Gelegenheiten, insbesondere auf unseren Kongressen, immer wieder betont haben, hat jetzt ihre Früchte getragen. Den russischen Juden wurde die Möglichkeit zur sofertigen Naturalisation unter günstigen Bedingütigen gegeben, lieber '20000 Juden haben von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht. Daß etwa 7000, die sich nicht naturalisieren lassen wollten, das Land verlassen mußten, ist für uns gewiß ein harter Schlag, aber wenn wir daran denken, daß man in allen europäischen Ländern viele Untertanen feindlicher Staaten in Konzentrationsläget־ interniert, und daß, trotzdem nach dem Vorbild der kriegführenden Mächte auch die Türkei solche Lager eingerichtet hat, allein den Juden die Möglichkeit freier, ungehinderter Abreise gegeben worden ist, so haben wir kaum ein Recht, uns über diese Maßnahme besonders zu beklagen. Wiederholt hat in diesem Krieg die türkische Zentralregierung uns gegenüber Zeichen ihres Wohlwollens gegeben. Eine neue Bewegung stößt naturgemäß vielfach auf Unverstand und Mißtrauen. Auch in der Türkei gibt es selbstverständlich Elemente, die uns noch nicht genügend kennen und die Bedeutung der jüdischen Siedlung für das türkische Reich falsch eiuschätzen. IJm so wertvoller war für uns die Stellungnahme der Zentralregierung. Sie hat die Naturalisation ermöglicht, sie hat bei Schwierigkeiten, die sich im einzelnen Falle ergaben, durch immer erneute Verlängerung des ursprünglich festgesetzten Termins, durch Herabsetzung und teilweisen Erlaß der Gebühren, durch Mißbi’lli,gung antizionistischer Maßnahmen ein- /.einer Beamter, uns wiederholt ihre wohlwollende Haltung bekundet. Hervorgehoben sei besonders, daß fast ausschließlich städtische Elemente von dem Recht, ottomanische Staatsbürger zu werden, keinen Gebrauch gemacht haben und in die Notlage versetzt worden sind, abzureisen. Die mit der Scholle Verbundenen lassen sich nicht mehr vom Lande loslösen. Das Entgegenkommen der Regierung bei der Einbürgerung der jüdischen Bevölkerung hat uns die Möglichkeit gegeben, wirksam für die materielle Sicherung des Bestehenden arbeiten zu können. Von schweren wirtschaftlichen Schlägen ist Palästina heimgesucht worden. Bei unseren Bemühungen, der Bevölkerung bei der Sorge um das tägliche Brot beizustehen, haben wir wiederum in entscheidenden Fragen verständnisvolles Entgegenkommen gefunden. Unsere Bank, ein Institut englischer! Rechts, sollte liquidiert werden. Diese Liquidation hätte die schwersten Folgen gehabt. Jetzt steht zu erwarten, daß die Bank, die bald nach Kriegsausbruch geschlossen wurde, wieder eröffnet wird und ungestört ihre Arbeiten wieder aufnelimen darf. Ein besonders erfreuliches Symptom war es, daß nach der Schließung der Bank auch das Vertrauen der zahlreichen arabischen Depositengläubiger in keiner Weise erschüttert worden ist. Hervorgehoben sei auch, daß die hebräischen Schulen ungestört in gewohnter Weise ihr Erziehungswerk fortset/en konnten. Die Mädchenschule in Jaffa, eine Gründung des Odessaer Comitecs, die als einzige Anstalt geschlossen war, ist seit dem 22. April wiederum eröffnet. Das bisher in der Arbeit langer Jahre Geschaffene ist so bedeutend und in innerer Ent- Wicklung so reif geworden, daß sein Verlust uns wahrscheinlich um Jahrzehnte in unserer Arbeit zurückwerfen würde. Die einzige nichtjüdische Macht, von der die Erhaltung der bestehenden jüdischen Werte abhängt, ist die Regierung des ottomanischen Reiches. In der Zionistischen Organisation ist in! Laufe der Jahre die Anschauung herrschend geworden, daß die Größe des jüdischen Palästina der Gradmesser für die Entwicklung der zionisitischen Arbeit ist. Alle unsere gemeinschaftsbildenden Hoffnungen hängen davon ab, daß wir neue Juden in das Land unserer Väter führen, daß dort in zusammenhängender, ständig wachsender Siedlung das Leben erwächst, von dem das gesamte jüdische Volk die Kraft zur Erneuerung seines Wesens erhält. Wir werden immer so stark sein, wie wir Land und Menschen in Patfetina besitzen. Oer Glaube, daß durch Versprechungen und Hilfe von außenher dem jüdischen Volke ein Leben seiner Art geschaffen werden kann, ist heute nicht weniger trügerisch als sonst. Nur wer stark ist, dem wird von anderen gegeben werden; stark ist aber nur, wer im Lande sitzt uhd die Scholle bearbeitet. Es gilt für uns, die Anfänge unserer Kraft in schwerer Zeit zu erhalten, auf daß wir weiter bauen können und immer stärker werden durch eigene Arbeit, ln allen Ländern der Welt müssen wir heute wie immer die Wahrheit des zionistischen Gedankens verkünden und jüdische und nichtjüdische Kreise durch Einführung in die Welt unserer Idee von der Großartigkeit des begonnenen Werkes überzeugen, um so, von wohlwollender Zustimmung begleitet, unsere friedliche Arbeit in Palästina fortsetzen zu können. Im ottomanischen Reich wird, je weiter die Kenntnis von unserer Arbeit und unserer Art dringt, in steigendem Maß der Nutzen unserer Siedlung anerkannt werden. Unsere Bemühungen müssen auf die Er- Haltung und den Ausbau des Geschaffenen gerichtet sein. Natürliches Gefühl und klare Erkenntnis der Wirklichkeiten weisen uns den gleichen Weg. M a a r a b i. II I־־ _ ־ «־■ I 1< ll־~״ UV> — ־11■ ־ u־l*l ‘ * ‘ m 1 Durch den Krieg sind unsere Brüder in Palästina großer Rat preisgegeben. Die opferreiche Arbeit oon 20 Jahren ist י in Gefahr, oernichtet zu roerden. Unsere Organisation muf; alles aufbieten, um zu helfen. €s ist dringende Pflicht jedes Zionisten, sich an diesem Hilfsroerk durch Spende und Sammlung zu beteiligen!

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