Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Abonnements I auf die wöchentlich am Freitag־ er- | scheinende ״Jüdische Rundschau‘* | kosten bei der Expedition und bei jj allen Postämtern vierteljährlich I,5ÖM., ■ außerhalb Deutschlands und Oester- ■ reich-Ungarns M,; für Mitglieder | jüdischer Vereine im Sammelbezug I durch den Verein 1,— M. I JUdische Rund«chauy G. tu. b. H. BERLIN W.lf, Sächsische Straße 8. Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868. Postscheckkonto• Berlin Nr, 17392. CU6DISCH6 RUNDSCHAU Anzeigen kosten für die seclisgespalteiiC Petitzeile oder deren Raum 40 Pf.; Stellen- Angebote und -Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen“ O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Portobeiliegt, stets zurückgesandt. Redaktionsschluß: Mittwoch vormittags. - Redaktion Jüdische Rundschau J BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. [ Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392. ALLC6M6INC 9U6DISCHC ZSITUNC Nummer 9 Berlin, den 26. Februar 1915 — 12. Adar 5675 XX. Jahrgang. Ausweis Schekel 1914: Berlin: Verbindum! I lehronin Hl, , Elberfeld 8, , Messingwerk 0, . Landesbeiträge 1914: Berlin: Verbindung Hebrtmia 11, , Königsberg 50, , Messingwerk I i, . Schekel 1915: Dresden 30, , Elberfeld 5, . Frankfurt a. M. 10, , Nenstettin I, . Landesbeiträge 1915: Berlin: Eln/elbeiirag 3, , Frankfurt a. M. 24, Propagandafonds 1915: Berlin: Assessor Conrad Kaiser 5, , Max Heyinami <),; Elberfeld: Dr. Aaron 20, , Alfred Adler 20, , Siegm. Adler 30, -, N. Adlerstein 5, , R.-A, Bernstein 30, , Alfred Bernstein 10, , Drevfnl) 10, , Eiehengnm 5, , Paul Epstein 10, , Dr. Oriineberg 50, , l)r. 1 Jeimann 50, , Leo Tisch 25, , Dagob. Walter 15, , S. Ziukcrmaiin 10, , M. Löw-Barmen 5, , 1 >r. Strauli- Solingen (1. Rate 0,; Main/: L. Friedmann 5, Nürnberg: Max Jacobe 5, , S. Heinenianii 0,; K.itibor: Hugo Marcus 10,; Seliör.lanke: El. Bocliner 10,; aus dem Felde: L. Fr. Meyer-('niesen 10, , eich. Stabsar/t Dr. (ioldberg (Berlin-Neuenahr von Feldunterar/t Silberbach (K. J.V. 10, . Eingang vom 18. bis 23. Februar 1915: Seheke! 1914: 23, Al.; L a n d e s b e i t rii g e 1911: 77, M.; S e h e k e I 1915: 52, M.; L a 11 desb e i t r ii g e 1915: 27, M.: P r o p a st a 11 d a f o 11 d s 1915: 40t, M. - Gesamteingang: Schekel 1914: 405-1, M.; L a 11 d e s b e i 11־ ii g e HM 1. 731 1, M.: Schekel 1915: 545, M.; L a n d e s b e i t r ii g e HM5: 881, Mark; Pro p a g a n d a f o n d s 1915: 4204,50 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W 56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Ein offener Brief an den russischen Minister Aeußern Sassonow Wien, 18. Februar. I )er osterreichische Rcichsrats-Abgeordnete Heinrich Reizes veröffentlicht den folgenden offenen Brief an den russischen Minister des Aeußern Sassonow: ״An Sc. Exzellenz Herrn Sasso- 11 o w , kaiserlich russischen Minister <1 e s A e 11 ß e r n. Den Juden ist eine große Ehre zuteil ge- ■worden. In der Rede, in welcher Eure Exzellenz die Duma ״wahrheitsgetreu'‘ über die durch den Krieg geschaffene Lage informieren wollten, widmeten Sie einen Absatz den Juden. Hierbei erklärten Sie mit einer vielsagenden Verbeugung gegen den in der Diplomatenloge anwesenden Botschafter der Vereinigten Staaten, die Nachrichten über die seitens der Russen an eiert Juden begangenen Greuel und Pogrome seien unwahr, und von der deutschen Regierung, bezieliungsweise deren Washingtoner Botschafter tenderir/iös erfunden; die jüdische Bevölkerung, sagten Sie, habe bloß in den zum Kriegsschauplatz gehörenden Ortschaften gelitten und nicht mehr, als nicht zu vermeiden war. Fürwahr, die Ehre, inmitten der großen Er- «ignisse der Weltgeschichte von seiten des kaiserlieh russischen Minister des Aeußern einer besonderen Erwähnung gewürdigt zu werden, ist eine sehr große, und die Juden müßten darüber Freude und Befriedigung empfinden, wenn bei diesen armen, gepeinigten und mit ausgesuchten Torturen geplagten Menschen ein solches Gefühl aufkommeu könnte. Freilich würde auch in diesem Falle der Gedanke störend wirken. ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilieh-rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina." Baseler Programm. gepeitscht sind, hat Ihre Regierung die niedrigsten Elemente der Bevölkerung zu Mord und Raub an den Juden aufgehetzt in einer Weise, welche alles bisher Bekannte Überboten hat. 9. Dort ordnete auch Ihre Regierung an, daß auf ein Troiiitnel/eichen;die Juden sich an einem bestimmten Orte zu versammelt! haben. Als die Juden in mehreren Städten auf ein solches Signal sich stellten, wurde ihnen befohlen, binnen drei Stunden die Stadt zu verlassen, da die U11gehorsamen als Spione vom Militärgericht bestraft würden. Natürlich gab es keine Ungehorsamen. Tausende und Abertausende wurden unter Eskorte von Soldaten von ihren Wohnstatten, ihrem Hab und Gut, weggeschleppt und durch Reitschenschläge von den unmenschlichen Soldaten zu immer größerer Eile angetrieben. Der Anblick dieser sich hinschleppenden Männer, Frauen, Greise und Kinder soll herzbrechend gewesen sein. Bloß ihre Henker kannten kein Mitleid. Als aber das Ziel der Wanderung erreicht war das Dorf, in welchem die Unglückliehen bis zum Schlüsse des Krieges zu verbleiben haben da fehlte oft die Flälfte der Wanderer; sie war auf dem Wege vor Hunger, Kälte, Ermattung und Krankheit oder unter den Schlägen der wilden Begleitmannschaft zua 1 n r 11 u»gebro ch c n. 10. Was im Innern Rußlands an den Juden verbrochen wird, dies dringt jetzt während des Krieges nur sehr schwach über die Grenze, aber die Pogrome hören fast nicht auf und noch dumpfer ist der furchtbare Druck, welcher auf den armen Juden lastet. Wie unmenschlich, wahnsinnig unmenschlich, ist es, daß jüdische Mütter und Frauen zu ihren in der Armee dieneuden, verwundeten oder schwer kranken Söhneu und Männern nicht zugelassen werden, weil die Militärspitäler außerhalb des Ansiedlungsrayons liegen! Wie herzlos ist dies gegenüber den armen Kranken, welche sich ihre Leiden im Dienste des Staates geholt haben. Eine halbe Million Juden zum Waffendienste zu zwingen und sie so wie ihre Allernächsten dann als Rechtlose und Aussätzige zu behandeln, das ist echt russisch. Wenn es wahr ist, daß die Weltgeschichte das Weltgericht ist, dann, Herr Minister, wird das Urteil über Rußland und seine Helfershelfer furchtbar Ausfallen. Aber wie immer es sein wird, sprechen Sie, Herr Minister, in Ihren Reden nicht von den Juden. Scheinheiligkeit gehört seit jeher zu den Requisiten der russischen Minister. Aber in der Judenfrage ist jeder Versuch Rußlands, sich reinziiwasehen, vergeblich und lächerlich. Wenn es eine öffentliche Meinung gibt, welche sieh durch Gerechtigkeit und Frciheitsliebe leiten läßt, wenn diese öffentliche Meinung Einfluß auf die Haltung der neutralen Staaten haben wird, so wird deren Platz niemals auf seiten Rußlands sein. Von der großen nordamerikanischen Union sollte man dies mit Bestimmtheit Voraussagen können. Das Land Washingtons und Lincoins wird sieh durch das Reich Plehwes und lgnatiews, durch das Land der kontinuierlichen Massenmorde nicht betören lassen. Wien, am 16. Februar 1915. Heinrich Reizes, Abgeordneter des österreichischen Parlaments. des daß nicht Menschlichkeit oder Gcrechtigkeitsgefiihl Sie veranlaßt habe, sich mit den Juden zu beschäftigen, sondern die Absicht, vor Ihren Verbündeten, den ״gottesfürchtigen“ Engländern, die Barbarei Ihres Landes zu verhüllen, noch mehr aber, die öffentliche Meinung .Amerikas, dieses wahren Landes der Freiheit, zu beruhigen. Es muß zwar der Versuch eigentümlich anmuten, wennSie, der Minister des Reiches der Peter-Pauls- Zitadelle des Reiches der Henker Murawiew, Kaulbars 0 tutti quanti des Reiches der Kisehenewer und Kiewor Blutbäder, das Volk der Dichter und Denker als Barbaren und sich als Hort der Freiheit hinstellen; aber nicht Polemik, sondern Richtigstellung von bewußten Unwahrbeiten ist der Zweck dieser Zeilen, der Unwahrheit, weiche Sie mit dem Ableugnen der im Kriege von den Russen an den Juden verübten Greuel begangen haben. Zu dieser Richtigste!- lung und zu der Aufklärung der öffentlichen Meinung Amerikas fühle ich mich als Jude und Volksvertreter verpflichtet und berufen. Naturlieh ist hier nicht der Platz, das ganze gesammelte Material vorzulegen; dazu wird nach dem Kriege Zeit sein, wenn eine allgemeine!1eherschau vorgenommeu werden wird. Hier bloß einige wenige Tatsachen. 1. Wo immer Ihre gegen Wehrlose sehr tapferen Soldaten in Galizien und in der Bukovvina einrückten, war ihre erste Frage nach den Judeiiliäuseru (Jewrej), um über sie herzufallen und sie aiis/urauben. 2. So oft Juden sich über an ihnen begangenen Raub bei den russischen Offizieren beklagten, lehnten diese ein Einschreiten ab mit der Begründung, es sei nicht wert, eines Juden wegen einen russischen Soldaten, und wäre es auch ein Räuber, zu bestrafen. 3. Die Fälle der Schändung jüdischer Frauen und Mädchen durch russische Soldaten aufzuzählen, erforderte Folianten. 4. Juden, welche noch vor der russischen Invasion ihre Liebe zum angestammten Herrscherhause betätigten, wurden in unzähligen Fällen den raffiniertesten Torturen seitens der Russen ausgesetzt. 5. In Gebieten, in welchen die Russen auch nur kurze Zeit hausten, blieb kein einziges jüdisches Vermögen unbeschädigt. 6. In Lemberg־, dem gewiß nur vorübergehenden Sitze eines Generalgouverneurs, veranstalteten die Russen unter dessen Augen zur Zeit der hohen jüdischen Feiertage einen blutigen Pogrom, dem Hunderte von Unschuldigen zum Opfer fielen. Aus Gewehren wurde auf die ganz Wehrlosen geschossen, als wären sie nicht Mensehen, sondern wilde Tiere. Das Gebet am Vorabend des Versöhnungsfestes konnte nicht abgehalten werden. 7. Aus der vor kurzem befreiten Bukowina meldet man, daß den Juden für requirierte Sachen nicht nur nichts bezahlt, sondern auch mit Einäscherung der Häuser gedroht wurde. Diese Drohung wurde auch in vielen Fällen verwirklicht. 8. In Russisch-Polen, in welchem die Leidenschäften durch die Kriegsfurie aufs äußerste auf¬