Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 6 (15.2.1915)
- Date
- 1915-02-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I RVMN1A JU1!A.!( 1A Abonnements I I I I I I auf die wöchentlich am Freitag er- | scheinende ״Jüdische Rundschau" | kosten bei der Expedition und bei | alten Postämtern vierteljährlich 7,50 M., ■ außerhalb Deutschlands und Oester-! reich-Ungarns M.; für Mitglieder ■ jüdischer Vereine im Sammelbezug I durch den Verein 1,— M. I Jüdische Rundschau« G. m. b. H. BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. ן Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868. 5 I Postscheckkonto ז Berlin Nr. 17 392. j ■י■■■■• ■יי■■■■■ h■«■ mmmmmmmm oucdischc RUNDSCHAU Anzeigen kosten für die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf.; Stellen- Angebote und -Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen“ O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto beiliegt, stets zurückgesnndt. Redaktionsschluß: Mittwoch vormittags. Redaktion Jüdische Rundschau J BERLIN W. 15, Sächsisch« Straße 8, i Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868. i Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. ן יי\■ •mb mm mm ■m *— — — mm mm mmmm mm mJr ALLG6M6IN6 3UCDISCHG ZCITUNC Nummer 6 Berlin, den 5. Februar 1915 21. Sch’bat 5675 XX. Jahrgang. Ausweis Landesbeiträge 1914: Königsberg 50, Schekel 1915: Aachen 2, Berlin 4, , Beutlien 2, , Hohensalza 2,«», Holzminden 4, , München 20, , Schönlanke 17■ Stuttgart 1, , aus dem Felde 8, . Landesbeiträge 1915: München 12, , Schönlanke 31. Propagandafonds 1915: Berlin: K. ü. 5,; »Beutlien: Hans Kirscliner 20,; Bamberg: Julius Strauß 10,; Düsseldorf: Luise Treu (Februar10 ־,—; Essen: Rechtsanwalt Dr. Westfeld 5,; Dtseh. Eylau: R.-A. Lewin 10,; Dr. Goldberg (Heddernheim■ 10,-־; Hamburg: L. M. Michael 13,; Hohensalza: J. Markowitz 10,; Holzminden: Mumres 3,—, Nachmannsohu 3,; Posen: Bernhard Fuchs 10, , F. Bernstein 10,; Ratibor: Zahnarzt Block 10,—, Siegfrieil Fröhlich 10, , Isidor Weißkopf 10, , IJngenannt 5,; Rybnik: (Einzelbeitragt 4, -; Stuttgart: Dr. A. Schlesinger 9׳,-■; aus dem Felde: Offizier- Stellvertreter Alfred Wollstein 30, , Dr. Lewin (Nürnberg■ 5, , Unterarzt Ivar Weißbrem (Hamburg) 10, , Vizefeldwebel Felix Rasenbliith (Berlin! 50,—, Dr. W. Brünn (f. 1. Quartal 1915■ 20 , Oefr. Kr.-Fr. Theo Berger 10, , Kr.-Fr. Gefr. Schloß 4,--, Siegfr. Bacr 3, , Arthur Rothschild (/, Zt. Lazarett Dillenbürg 3,-, Karl H. Baer (Frankfurt a. M.) 10, . Eingang vom 27. Januar bis 4. Februar 1915: L a 11 d e s h e i t r ä g e 1014: 50 M.; Schekel 1915: 60 M.; Landesheit r ä g e 1915: 63 M.; P r o p a ־ g a 11 d a f o n d s 1015: 314 M. Gesamteingang: L a n d e s b e i t r ä g e. 1914: 0953,90 M.; S cn e k .* I 1916: 270 M.; L « »1 u e r i> 0 ׳ ו träge 1915: 68t) M.; Propagandafonds 1915: 3370*50 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinlgung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Die Einheit des Judentums Durch die Tagespresse gehen immer wieder Nachrichten über die Bedrückungen und Verfolgungen, denen die Juden im Osten ausgesetzt sind. Wir haben vor! Anfang an gewußt und geschildert, wieviel jüdisches Elend diesen Krieg begleitet. Mit der Flucht und der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus Antwerpen setzte es ein; mit der Flucht und der Bedrückung der Juden Galiziens und der Bukowina in dem von den Russen besetzten Gebiet ging es weiter; und die Leiden der Juden Russisch-Polens sind noch ununterbrochen im Wachsen. So hat sich die jüdische Frage uns allen wieder einmal so dargestellt, daß unser Wille, ihr die Lösung zu finden, fester und unbeugsamer geworden ist denn je. Und das Bewußtsein, daß jeder Jude berufen und verpflichtet ist, zu seinem Teil an der Lösung der Judenfrage mitzuarbeiten, ist denn auch bei allen Juden, die sich überhaupt noch als Glieder der jüdischen Gemeinschaft fühlen, wacher geworden, als es jemals war. Sie fühlen das Judentum in sich als eine unvergängliche Kraft, die sie mit allen ihren Brüdern zu einer Einheit zusammenschließt, deren Leid das Leid jedes Einzelnen, deren Schicksal ihr Schicksal ist. Und in dieser Zeit lesen wir in der ״AUgemeinen Zeitung des Judentums“ in einem Artikel von Ludwig Geiger, ״Krieg und Kultur“, folgende an die Nachrichten über fürchterliche Pogrome in Rußland anknüpf ende Auslassungen: ״G e w i ß t r a u e r n w i r d a rüb e r, a b e r w e r d e n w i r j e w i e d e r i n d e r L a g e sein, o d e r a u c h n ur den Wille n 11 a b e n, d en Gl a u b e 11 s b r ii dem im Ost c n z. u ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilieh-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina." Baseler Programm. h e 1 f e n? Wir d uns, w i e vv i r h offen, d e r e 11 d gültige Sieg b 0 s c h i e d e 11, sollen dann wirklich wieder Millio n e n n a c 11 Rußland f 1 i e 15 e n , n ach de m F e i n d e s I a 11 d e , u in die W u n d e n z u h eilen, die Neid und Haß uns e r e n Glaube nsbrüdern g e s c 111 a g e n?“ Wir bedauern die Gesinnung, die sich in diesen Sätzen kund gibt. Rücksicht auf den Burgfrieden zwingt uns, sie bloß festzustellen, ohne uns über sie in eine polemische Auseinandersetzung einzulassen. Ganz ohne Zurückweisung können wir aber solche Betrachtungen doch nicht lassen, tun nicht den Eindruck bestehen zu lassen, daß sie auf die stillschweigende Billigung nur eines größeren Teiles der deutschen Judenheit rechnen können. Wir wollen gar nicht davon sprechen, daß es deutschen Interessen durchaus abträglich sein muß, wenn Aetißcnmgen dieser Art im Ausland bettsnnr w eamn. «•.נ .-,.•:.נ .1 ..״- ziemlichen Wert darauf, sich im neutralen Ausland gewisse Sympathien /:u erhaben, die bei der Isolierung, in der die verbündeten Mächte stehen, in wichtigen Beziehungen nur nützlich sein können. Die Verhältnisse in Amerika müssen nicht erst auseinandergesetzt werden. Welchen Eindruck muß es etwa in Amerika hervormfen, wenn man dort lesen sollte, daß deutsche Juden erklären, sie hätten kaum mehr den Willen, den von den Russen bedrückten Volksgenossen im Osten (Geiger sagt; Glaubensgenossen), jetzt oder später beizustehen? Könnte man, wenn solche Sätze ernst genommen würden, noch an den ehrlichen •Willen Deutschlands selbst glauben, den von Rußland bedrückten Völkern, vor allem seinen ärmsten Opfern, den Juden, zur Freiheit zu helfen? Es soll Ludwig Geiger gegenüber nicht auf den Widersinn hingewiesen werden, der die unglücklichen Opfer der russischen Bedrückung die Strafe für die russische Politik abbüßen lassen will. Darüber mag sich Herr Geiger Aufklärung bei den leitenden deutschen Stellen holen, die im Gegensatz zu seiner ״jüdischen“ Politik mehrnials kundgetan haben, daß sie sich aus politischen und menschlichen Gründen für die Erleichterung des Schicksals der Ostjuden mit ganzer Kraft einsetzen. Wir Zionisten bedauern und verurteilen die Gesinnung, die sich in solchen Aeußerungen kund gibt, weil wir es für selbstverständlich halten, daß gerade in einer solchen, für das Judentum so schweren Zeit, an der Einheit desju den- 111 m s nicht in leichtfertiger Weise gerüttelt werden soll. Das müssen und können wir feststellen, weil wir jetzt vor einer mißverständlichen und böswilligen Ausdeutung־ unseres Bekenntnisses zur Einheit des Judentums doch schon sicher sein zu dürfen glauben. Darum erinnern wir die deutschen Juden an ihre Pflichten dem Gesaintjudentum gegenüber und weisen vor allem die geradezu verletzende Art zurück, mit der von einem angeblichen Wortführer des deutsehen Judentums das Schicksal von Millionen jüdischer Brüder ins Belieben des russischen Staates gestellt wird. Wir wissen heute noch nicht, in welchem Maß uns in Zukunft die Möglichkeiten, unseren ostjüdischen Volksgenossen beizustehen, offen sein w erden. Aber der Wille, sie als Volksgenossen zu betrachten, mit ihnen zu hoffen und für sie zu arbeiten, wird uns nicht fehlen, wie er unsere jungen Freunde entflammt hat, die unter Deutschlands Fahnen gegen Rußland zogen. Das ganze deutsche Judentum wird, so hoffen wir, gerade durch den Krieg und seine Begleitumstände reif geworden sein, zu verstehen, worin die jüdische Frage besteht und wie sie gelost werden kann. Die Leiden der Juden in Polen Zweiter offener Brief an ״The American Hebrew“ Von Fcldrabbiner Dr. Arthur Levy*) Lodz, den 25. Januar 1915. Ich sende Ihnen heute nach meinem ersten einen zweiten offenen Brief ein und will Ihnen abermals Zeugnisse über die Greueltaten vorlegen, die hierzulande geschehen und dir so himmelschreiend sind, daß man sie nicht glauben möchte, wenn man sie nicht /.um Teil aus dem Wunde derer hören würde, die sie miterb •** •׳ 4-־«־uitangeseheu haben. ICH SpraCft il> diese»! 1 aj;.. ־1 ....... ״...״•< .. . .Wann, er war zu mir gekommen, sich mit mir auszusprechen und bu mir Rat und Trost m holen. Ich konnte ihn nicht trösten, sein Unglück ist zu groß, aber ich hoffe, ihm helfen zu können. Seine Geschichte ist folgende: Mendel Janowski war Gutsbesitzer in Russisch-Polen, wo er im Dorfe Chozew bei Widawa sein Besitztum hatte. Im Anfang des Krieges kamen die Deutschen ins Dorf, und acht Offiziere bezogen auf seinem Gut Quartier. Als 8 Tage später die Russen zurückkamen, denunzierten die Bauern den Juden bei den Kosaken, die ihn als ״Spion“ einsperrten, bis er nach 14 Tagen von den wieder einrückenden Deutschen freigelassen wurde. Als er in sein Dorf zurückkehrte, drohten ihm die Bauern, wenn die Kosaken wiederkämen, würde er auf ge hängt und sein Gut an die Bauern a 11 f g e t e i I t werden. Janowski hatte unter diesen Umständen nicht den Mut, im Dorfe zu bleiben und zog fort von dort, seinen 27 jährigen Sohn auf dem Gute ztirücklassend. Als am 24./11. die Russen wiederkanien, nahmen die Kosaken diesen Sohn gefangen und erschossen ihn, nachdem die Bauern ihn als deutschen Spion denunziert hatten. Das Haus wurde ausgeraubt und ausgeplündert, dann in Brand gesteckt. Nicht einmal die Leiche des Erschossenen gaben die Russen heraus, sondern ließen es zu, daß sie von den Bauern aufgespieflt und ins F euer des brennenden Hauses g e w orfc n wurde. Der Töle hinterläßt Frau und vier kleine Kinder, denen nichts geblieben ist als die Kleider, die sie auf dem Leihe tragen. In S 1 ti p c i erschienen eines Tages die Russen auf dem Gute des Besitzers Hoffman und nahmen dort alles fort, was sie vorfanden, Pferde, Wagen, Getreide, Hab und Out. Als sie mit dem Plündern fertig waren, fragten sie den Besitzer, was sie sonst noch haben könnten. Dieser, für sein Leben fürchtend, *) Die ״Jüdische Rundschau“ hat in ihrer Nummer 2 vom 8. Januar d. j. einen offenen Brief unseres Gesinnungsgenossen Dr. Arthur Levy, Feldrabbiners heim Gouvernement Lodz, veröffentlicht. Dieser offene Brief hat große Beachtung in der Presse gefunden. Nun sendet Herr Dr. Levy seinen zweiten Brief in die Oeffentlichkeit. Erschütternde Tatsachen werden hier berichtet. Sie zeigen, welches schwere Schicksal über den Juden des Ostens lastet, wie sie von russischen Soldaten behandelt werden. Daß gegen unsere armen Volksgenossen auch von seiten der Polen in der gewohnten Weise vorgegangen wird, haben wir erst in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ dargestellt. Die Redaktion.