Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1915)
- Date
- 1915-01-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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GERMANIA ]Ul)M< A r I I I I I Abonnements auf die wöchentlich am Freitag erscheinende ״Jüdische Rundschau“ kosten bei der Expedition und bei allen Postämtern vierteljährlich 1,50 M., außerhalb Deutschlands und Oesterreich-Ungams M.j für Mitglieder jüdischer Vereine im Sammelbezug durch den Verein 1,— M, Jüdische Randachau, G. m, b. H. BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868. Postschedekonto? Berlin Nr. 17392. 3U€DISCH€ RUNDSCHAU Anzeigen kosten für die sechsgespaltene Petit- *eile oder deren Raum 40 Pf.; Stellen- Angebote und -Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen* O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto bei liegt, stets zurückgesandt. Redaktionsschluß: Mittwoch vormittag*. ן Redaktion Jüdische Rundschau j ן BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. j ן Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868. I ■ Postscheckkonto: Berlin Nr.17392. i ALLG6M6IN6 9UCDISCHC Z€ITUNC Nummer 5 Berlin, den 29. Januar 1915 14. Sch’bat 5675 XX. Jahrgang. Ausweis Schekel 1914: Hannover 50, , Homburg 2, . Landesbeitrage 1914: Hannover 50, , Ratibor (außerordentl. Beitrag) 49, , Zwickau 00,- . Schekel 1915: Berlin 1, , Breslau 50, , Düsseidorf 26,—. Graudenz 1,--, Homburg 2,Holzmindeti 5, , München 1, , Penkun 1, , Ratibor 60,-—, Stuttgart 4,—. Landesbeiträge 1915: Bcuthen 150, , Breslau 100,—, Dresden 20,--. Düsseldorf 78, , Ratibor 60—. Propagandafonds 1915: Berlin: Dr. Bradt 10,--, A. Pollak 5,—, Dr. Isak Straus 10; Breslau: Dr. H. Falk 10, , Ignaz Fürst 10,—, L. Laqueur 10,—; Graudenz: Frau J. Herrmann (erhöhter Beitrag) 20,—; Holzminden: H. Dangilaicez 3. , S. Sandelowsky 5,—; Königsberg: Dr. Hoppe 10,—; München: (Einzelbeitrag) 3, , j. Schachno (erhöhter Beitrag) 15,—; Penkun: Bernhard Baum 5,--; Stolp: Rabb. Dr. M. Joseph 10,; Straßburg: Berthold Feiwel (erhöhter Beitrag) 20,—; — Dr. Max Wolf- Berlin, z. Zt, im Felde, 10,— Vizewachtmeister David- Metz 10r , Dr. R. Benjamin, z. Zt. im Felde, 5,—, Feldunterarzt Dr. Silberstein 5,—. Eingang vom 18. bis 26, Januar 1915: Sehekel 1014: 52,— M.; L a n d e s b e i t r ä g e 1014: 150,- M. - Schekel 1015: 151,- M.; Landesbeitrage 1915: 408,— M.; Propagandafonds 1015: 176, - M. Gesamteingang: Schekel 1014: 4421,— M.; Landesbeiträge 1014 : 6903,00 M. — Schekel 1915: 216,— M.j L a n d e sb e i t r ä g e 1015: 623,— Mark; Propagandafonds 1015: 3194,50 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Ver- Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W 56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Zur Judenfrage in Russisch־Polen Die Krakauer Tageszeitung ״Glos Narodu“ veröffentlicht am 17, Januar unter dem Titel ״Die Juden im Königreiche Polen“ einen Aufsatz über die russisch-polnische Judenfrage. Nach einer Einieitung, in welcher der Verfasser bedauert, daß selbst der entsetzliche Krieg die Landesbewohner vcrschiedener Abstammung einander nicht näher gebracht habe, heißt es, daß an dem unseligen Verhältnisse zwischen den Polen und Juden eigentlich — die russische fortschrittliche Partei, die Kadetten, schuld seien. Denn die Kadetten seien von den Juden beeinflußt, sie stellten den Russen gegenüber die jüdische Denkungsart und die jüdischen Bestrebungen dar. Und nun hätten die Kadetten die Kriegszcit dazu benutzt, vor allem die Anerkennung der jüdischen Nationalität bei den Polen zu erzwingen, u. zw. als gleichberechtigt in allen politischen Beziehungen. Die Presse der Kadetten — heißt es weiter — sei voller Artikel über den Kampf der Polen gegen die Juden und erhebe schwere Anklagen gegen die Polen. Bei der Verteilung der für die Opfer des Krieges gesammelten Gaben, die von der russischen Bevölkerung ohne Unterschied der Nationalität gespendet wurden, sollen die Juden von den Polen beiseite geschoben worden sein. Demgegenüber behaupten die Polen, die polnische Bügerschaft und die Spitzen der polnischen Aristokratie hätten ^große Summen gespendet und auch sonst Opfer für die Juden gebracht und trotzdem nähmen die Klagen der Juden über den Antisemitismus kein Ende, ja sic fänden sogar Eingang in die jüdische Presse des Auslandes, was zur Erbitterung der Polen gegen die Juden nicht wenig beigetragen habe. Zur Verschärfung des jüdischen Problems in Polen — heißt es weiter im ״Glos Narodu“ — habe die Einmengung der russischen fortschrittlichen Partei in die inneren Angelegenheiten des ״Königreiches“ in hohen! Malle beigetragen. Das Vorgehen der russisehen Fortschrittler, die die Rolle des Schiedsrichters in der polnisch-jüdischen Frage spielen wollen, fordere die [,ölen zum energischen Protest heraus. So habe auch ein Aufsatz in der polnischen Monatsschrift ״Kraj“, worin gegen die Einmischung der Russen ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina." Baseler Programm. Verwahrung eingelegt wird, in der polnischen Presse großen Widerhall gefunden. So weit der ״Glos Narodu“. Die Julienfrage beschäftigt jedoch nicht allein die polnischen Kreise, sie hat auch das Interesse der fortschrittlichen russischen Gesellschaft erweckt und es werden zahlreiche Vorträge über dieses Thema veranstaltet, denen sich lebhafte Erörterungen in der russischen Presse anschlicßen. Besonders bemerkenswert sind die Vorträge einer Frau Kuskovva, und des bekannten polnischen Publizisten L e d n i c k i in Moskau. Die russische fortschrittliche Presse befaßt sich ausführlich mit diesen Vorträgen und die Blätter ״Utro Rossji“, ,,Den“, ״Rjetsch“ und ״Russkoje Slowo“ besprechen sie an leitender Stelle. Nach dem Vorschlag der Frau Kuskowa sollten die Polen als ,,Herren des Landes“ sich mit den Juden bezüglich des Anteils, den diese an den von Rußland zu gewährenden, nationalen und politischen Rechten zu erhalten wünschen, verständigen. Lednicki teilt die polnischen Juden in drei Gruppen ein: in polnische Assiinilanten, Nationaljuden und Russen- An bpdejj #letfgenanpten Gruppen wirft er Undankbarkeit gegen das polnische Volk vor. Das Organ der Kadetten ״Rjetsch“ bespricht in einem Leitartikel den Vortrag Lednickis und erklärt, daß man die Existenz einer jüdischen Gruppe, die als Ziel die Rtissilizierung Polens anstrebe oder die auch nur überhaupt russenfreundlich wäre, in Abrede stellen müsse. Nach weiteren Ausführungen gelangt der ״Rjetsch“ zum Schlüsse: ״Die Juden in Po-len biFehendi:ezwei te.JM a-.t ionirti Lande, der dieselben Rechte gebühren wie den Pole 11.“ Der ״Rjetsch“ wirft ferner den Polen vor, daß sre sich stets auf die Seite der Feinde des jüdischen Volkes stellen und zur Verteidigung ihrer Haltung gegen die Juden niemals positive Gründe allführen können. In ihren unsinnigen, gegen die Juden ausgestreuten Verleumdungen widersprechen sie sich selber, und ihre ganze Haltung sei kulturwidrig und unwürdig. Der Krieg und die amerikanische Einwanderungsfrage Einem Artikel, den Max J. Köhler in der New York Times veröffentlicht, entnehmen wir folgende interessante Einzelheiten: Die Ansicht, daß nach Beendigung des jetzigen Krieges eine noch nie dagewesene große Einwanderung nach den Vereinigten Staaten zu erwarten sei, ist weit verbreitet und wird besonders durch das Kongreßmitglied Burnett vertreten, der sich bemiiht, die Annahme der B u r n e 11 ־ D i 11 i n g 11 a m Bill zu sichern, welche den Bildungsnachweis und andere einschränkende Bestimmungen enthält. Ein genaueres Studium der Verhältnisse zeigt jedoch, daß diese Ansicht eine Täuschung ist. ־ Die Einwandemngsgegner malten dieses Schreckbild an die Wand, um der augenscheinlichen Tatsuche entgegenzuwirken, daß die Einwanderung infolge des Krieges momentan aufgehört hat, und daß daher jetzt weitere überzeugende Gründe bestehen, den Bildurigsnachweis, der von den Präsidenten Clcveiand und Ta ft abgelehnt wurde, und den auch Präsident Wilson während der letzten Regierungs■ periode mißbilligt hatte, nicht in Kraft treten zu lassen. Zweifellos werden auch nach Beendigung des Krieges wichtige Faktoren, welche die Einwanderung zuiveil beschränken, weiter wirksam sein. Vor allem besteht der eigentliche Kern der Einwanderung in der Klasse der militärpflichtigen J u - g e 11 d , deren Zahl durch den Krieg ganz bedeutend vermindert wird. Tod, Verwundungen und Krankbeiten lichten ilire Reihen. Nun waren z. B. während des letzten fiskalischen Jahres, das am 30. Juni 1013 schloß, weniger als 6 ״ ״ der zu gelassenen E i n w a n derer ü b e r 15 J a h re a 11. Die in unseren gewerblichen Betrieben bestehenden strengen gesundheitlichen Vorschriften schließen diese Altersklasse nahezu von jeder Erwerbsmöglichkeit aus, abgesehen von der Tatsache, daß ältere Leute im allgemeinen nicht geneigt sind, in neue Länder zu wandern. Eine Verminderung in der Zahl der erwachsenen Männer unter 45 Jahren, die herüberkommen, vermindert naturgemäß auch stark die Anzahl der Frauen und minderjährigen Kinder, sowie der bejahrten Eltern und Großeltern, die sie gewöhnlich begleiten oder in der Lage sind, später nachzukommen. Man muß auch die Tatsache in Betracht ziehen, daß die Einwanderer sich im allgemeinen nicht aus den in wirtschaftlicher Beziehung am tiefsten stehenden Schichten zusammensetzen, wie die Einvvanderungskommission dies behauptet. Ein relativ beträchtlicher Geldbetrag ist unbedingt notwendig, um die Kosten der IJeberfahrt zu bestreiten und bei der Ankunft Arbeitsgelegenheit finden zu können. Durch den Krieg ist aber die Mehrzahl der in Frage kommenden Bevölkerungsklassen so stark verarmt, daß es ihnen unmöglich sein dürfte, auszuwandern. Hierzu kommt der Umstand, daß eine große Anzahl von Einwanderern unter den gegenwärtig hier herrsehenden ungünstigen Wirtschaftsverhältnissen nicht den Mut haben wird, gestützt auf hier lebende Verwandte und Freunde, unser Land aufzusuchen. So z. B. verursachte die ökonomische Krisis von 1907 eine Abnahme der jährlichen Einwandererzahl von 1 285 349 auf 782 870. Ueberdies werden die Verwundeten, die Witwen und Waisen, die W die Gesamtheit eine Last wären, natürlich durch die Maßnahme des neuen Gesetzes ausgeschlossen sein. Wenn ferner die Versprechungen, die man jetzt, den Leuten macht, welche früher aus religiösen oder politischen Gründen auswanderten, zum Teil verwirklicht werden sollten, so würde einer der Hauptantriebe fiir die Einwanderung fortfallen. . Wenn wir die historischen Präzedenzfälle nachprüfen, seitdem unsere Regierung eine Statistik über die Einwanderung führt, also seit 1820, so finden wir diese Erwägungen bestätigt. Zwei europäische Kriege fanden seitdem statt, die unsere Einwanderung stark beeinflußt haben: der Krimkrieg (1853—56) und der deutsch-französische Krieg 1870/71. Was den ersteren betrifft, so setzt Stanley C. Johnson in seiner vortrefflichen ״Geschichte der Auswanderung aus den Vereinigten Königreichen nach Nordamerika“ auseinander, daß der Krimkrieg die britische Auswanderung tatsächlich verminderte, anstatt sie zu erhöhen. Er stellt die Ziffern des Jahres 1852, das dem Krieg vorherging, mit 255 015 denen des Jahres 1857, nach seiner Beendigung, mit 200 154 gegenüber. Unsere eignen amerikanischen Zahlen für die fraglichen beiden Jahre zeigen das gleicht' Ergebnis und stellen einen Rückgang von 371 603 im Jahre 1852 auf '251 306 für 1857 und nur 123 216 für 1858 dar. Was den deutschfranzösischen Krieg betrifft, so sank die Einwandererzahl von 352 768 im Jahre 1860 auf 321 350 im Jahre 1871. Der Kommissar Howe von Eliis Island hat die oben erwähnten Faktoren für eine Abnahme der Einwanderung noch wie folgt ergänzt: Der Reiz Amerikas auf die Einwanderer wird weniger stark sein, verglichen mit der sofortigen Gelegenheit, die sich zu Hause bietet. Wenn der Krieg vorbei ist, so wird jedes Land heroische Anstrengungen machen, die ungeheueren Verluste wieder einzubringen, umigrößere Vergünstigungen als je werden geboten werden, da die großen Staaten, die jetzt am Kriege beteiligt sind, sobald dieser beendet ist, alle Energie aiifwenden werden, um jedem Bürger innerhalb ihrer Grenzen