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Jüdische Rundschau · 1915-01-15 · Heft 3 (15.1.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 3 (15.1.1915)
Date
1915-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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r I I I Abonnements auf die wöchentlich am Freitag er• scheinende ״Jüdische Rundschau" kosten bei der Expedition und bei allen Postämtern vierteljährlich 1,50 M., außerhalb Deutschlands und Oesterreich-Ungaros M.; für Mitglieder jüdischer Vereine im Sammelbezug durch den Verein 1,— M. Jüdische Randschau, G. m. b. H. BERLIN W. lf, Sächsische Straße 8. Telephon; Amt Uhiand 845, 846, 868. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. jUcDISCHC RUNDSCHAU Anzeigen kosten für die sechsgespaltene Petitseile oder deren Raum 40 Pf.; Stellen- Angebote und -Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen“ O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto befliegt, stets zurückgesandt. Redaktionsschluß: Mittwoch vormittags, Redaktion Jüdische Rundschau BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. Telephon; Amt Uhland 845, 846, 868. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. ALLG6M6INC 3U6DISCHC Z€ITUNG Nummer 3 Berlin, den IS. Januar 1915 — 29. Tebeth 5675 XX. Jahrgang. Organisation im j'ungen Palästina T e I A w i w , November 1011. Meine liebe Rose! Ja, Du hast es leid:!, uns von der deutschen Ordnung־ zu schreiben, deren wunderbare Gewalt das ganze Land mit einem Schlage kriegsbereit gemacht hat. Auch ich bin stolz auf dieses Deutschland und sein willensstarkes Volk, das sidh der ehernen Disziplin beugt, um durch sie zum Siege zu schreiten. Da haben also die ganzen Generationen von Soldaten und Beamten, die dem Volke den Stempel ihres Wesens aufdrückten, nicht umsonst gelebt Aber glaube mir, Liebe, ich habe in diesen Tagen in Palästina, d. 11. in unserem, dem neuen Palästina etwas erlebt, was wahrhaftig auch bewundernswert ist. Wenn drüben ein einiges, einheitliches Volk, das seit mehreren Generahonen die gleiche nationale Willensrichtung gehegt hat, in der Sekunde des Heicinbrechens der Gefahr geordnet, organisiert, als ein einziger Mechanismus mit Millionen tätiger Rädchen dasteht, so ist das der Bewunderung wert. Wenn aber hier ein Häuflein Menschen, die nicht hinger als seit einem Menschenalter dieses Land als ihre Heimat betrachten, die aus allen Weltecken hierher gewirbelt wurden, aus den ver sdhiedensten Beweggründen herüberkamen, versdtiedene Sprachen reden und allesamt Keime der Assimilation an ganz verschiedene Volkskulturell in sich tragen, wenn dieses Häuflein sich plötzlich in einen festgefügten Gemeinsdiaftskörper verwandelt, der von einem einheitlichen Willen bewegt wird, dann - meine ich —- sollte man auch mit der Anerkennung nidit kargen. Du weißt, ich bin nicht allzu optimistisch veranlagt; Du weißt, ich leide unter vielem, was ich hier sehe. Aber die Kraft zum Zusammenschluß, zur Disziplin, die ich seit Ausbruch des Krieges hier im Lande beobachtet habe, hat mich wirklieh ergriffen. Von den ersten Kriegstagen an war man hier bemüht, Ordnung in das Durcheinander von Mensehen, Menschensinnen und Menschenwünschen zu bringen, und der Erfolg erscheint uns über Erwarten gut. War bisher unser Kolonisationswerk eine Häufung verschiedenartiger Versuche, so sieht man, daß diese einzelnen ,,Versuchs- Stationen“ jetzt alle unter einander verbuuden sind. Ein großer Teil zur Schaffung dieser Organisation ist freilicli durch die Bestimmungen des amerikanischen Hilfsfonds geleistet worden, der bekanntlich die Fürsorge für das ganze ״jüdische“ Palästina in die Hände eines kleinen Komites legte, dem in jedem Kreise Distriktskomites untergeordnet sind, in die sich wiederum die Komites jeder einzelnen Stadt, Kolonie, Siedlung einfügen. Durch diese Bestimmung ist von vornherein dafür gesorgt, daß heute alle jüdischen Wohnorte in Palästina zu einer Art von Konsumverein zusammengeschlüssen sind, dessen einzelne Zweige von einer Zentralstelle aus ihren Bedarf angewiesen erhalten, ebenso wie sie auch in der Regelung ihrer Arbeitsbesdhäftigung von dieser Hauptstelle abhängig sind. Auf diese Weise ist auch sofort der Austausch von Lebensmitteln: Getreide aus Galiläa fiir Judäa, Orangen aus Judäa für die Städte, usw., anstatt in willkürlicher Weise zu erfolgen, in die Hände einiger weniger, mit der gehörigen Uebersicht ausgestatteter Männer gelegt worden. ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. Daß nun in allen Ortschaften nach den gleidien Fürsorgegrundsät/en gearbeitet wird, daß in der Art der errichteten Institute: Suppenkiiehen, Darlehenskassen, billige Lebensmittel- Verkäufe usw. eine gewisse Einheitlichkeit herrscht und der Variation nur so weit Spielraum gelassen ist, als für die Eigenart jeder einzelnen Siedlung notw endig auch das ist zum Teil den Bestimmungen des amerikanischen Fonds zu danken. Aber nur zürn Teil. Denn hätten die einzelnen, die ,,Honoratioren“ in den Städten und Kolonien nicht das Verständnis für die Organisation, den Willen zu ihrer Schaffung besessen - der Plan wäre nie ausgeführt worden. Wie sehr die Leute schon diesen Hang zur Disziplin im Blute hatten, das zeigte sich bereits in den Tagen,■bevor Amerika seine Hilfe gesandt hatte. ln Jaffa und anderen Orten hatte gleich in den ersten Tagen des Moratoriums, als jeder einzelne unter dem Geldmangel empfindlich litt, eine Sclustbesteueruug begonnen, als deren Produkt Volksküche® und Läden zum Verkauf von Lebensmitteln zum Selbstkostenpreise errichtet werden konnten. Wer erweckte da in den jungen Russinnen und Palästinenserinnen, di« niemals den Begriff ״soziale Arbeit“ praktisch kennen gelernt, den Wunsch, ihre ganze freie Zeit zu opfern und in glühender Hitze in der Küche am Suppenkessel zu stehen oder den schwitzenden, ungewaschenen Jemeniten und Arbeitslosen den Tee zu kredenzen, Tag für Tag? War es nicht ein ungeahnt starkes Pflichtgefühl gegenüber der Gemeinschaft? Auch hierin lag dieser soziale Sinn klar zu läge, daß die Hausfrauen, selbst die, welche noch reichlich Geld in Händen hatten, sofort ihren Lebensmittelgebrauch stark einschränkten. Ob man sich in Berlin und Leipzig ebenso schnell daran gewöhnt hätte, den Tee ohne Zucker zu trinken, des Morgens auf das Weizenbrot zu verzichten, damit die Armen nicht zu darben brauchen? Ein anderes Beispiel: mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen haben die Kaufleute es vermieden, übergroßen Nutzen aus der hohen Konjunktur zu ziehen und haben ihre Ware ohne andre als angemessene Preisaufschläge verkauft schon vor der Zeit, da ihnen der Boykott drohte. Und was hätte der ״Boykott“ der Gernei.ndeältesten genützt, wenn das kaufende Publikum ihn nicht unterstützt hätte? Ferner: hätte jede Gemeinschaft europäischer Bürger es sich gefallen lassen, daß man ihnen nicht fnelir gestattete, ihre Blumengärten m bewässern, als man einen Mangel an Petroleuin zur Speisung der Wasserwerke fürchtete? Sein Blumengärtchen ist der größte Stolz manches Kolonisten, aber jeder fügte sich willig den Anordnungen des Kolonie-״Waads“. Meint Ihr drüben, es sei leicht gewesen, als wir, in banger Erwartung noch unbekannter Gefahren, einen Verein für Krankenpflege bildeten? Als wir zu den Frauen und Mädchen in Jaffa hingingen und sie zur Mitarbeit bewegten? Als wir ungeahnte technische und persönliehe Widerstände überstanden, um uns von den Aerzten unterweisen zu lassen? Auch darin zeigte sich das Verständnis für das Organisieren der vorhandenen Kräfte, daß - schon lange, bevor die Regierung mit ihren Aus- Weisungsbedrohungen Ernst machte darüber beraten wurde, in welcher Weise die Zurückbleibenden das Eigentum der Ausgewiesenen verwalten sollten. Und dabei saßen bei einer jener Sitzungen um den Tisch deutsche, österreichisehe, russische, amerikanische, spanische, englischt1, rumänische und vielleicht noch andre Staatsangehörige, und der Sprachen waren so viele, daß man sich kaum verständigen konnte. Alles, aber auch alles, was heute in unsere m Palästina geschieht, ist so geartet, daß es die junge jüdische Gemeinschaft doch zu einem organisch fein gegliederten Körper verschmilzt; jeder einzelne richtet heute seine Existenz darauf ein, allen anderen zu nützen oder mindestens nicht zu schaden. Und dieser Geist der Ordnung erregt die Bewunderung des gesamten Landes, auch solcher jüdischer Kreise, denen bisher jeglieber sozialer Sinn mangelte und die nun sehen, welche großen Vorteile, auch für sie selbst, aus dieser Geschlossenheit des Willens erblühen. Die türkischen Behörden aber sehen, daß, wie hoch sich auch unsere Siedlungen weit ins einsame Land ־vorgeschoben haben, sie geschützt sind durch das gesamte zionistische Ko-״ lonisationsgefiige, daß mit Wiilkürlichkeiten an diesem oder jenem Ort nichts zu machen ist, daß es jetzt nur eine Alternative gibt: das gesamte zionistische Werk zu beja- 11 en oder es zu verneinen. Was das Schicksal mit unseren Schöpfungen vor hat, das weiß Gott allein; aber innerlieh hat der neue Jischub sich der Prüfung gewachsen gezeigt, hat sich als geschlossene Macht bekundet. Freut Dich das? Sei gegrüßt von!.)einer H e 1 e n e H a n n a C o h n. Der Konkurs des Jüdischen Technikums Wir bringen in unserem Inseratenteil eine Mitteilung zur Kenntnis unserer Leser, der zufolge der Termin für den Verkauf des Grund- Stücks des ״J ü d i s c h e n Instituts für technische E r z i e 11 u 11 g in P a 1 ä s 1 i n a (hervorgegangen aus der Wolff-Wissotzky-Stiftung des Hilfsvereins der deutschen Juden) E. V. in Berlin“ mit allen dazugehörigen in Haifa befindlichen Ländereien, Bauten usw. auf den 1. März 1015 festgesetzt ist. An diesem Tage soll also das Jüdische Technikum freihändig verkauft werden. Es ist zum erstenmal, daß eine gemeinn ü t z i g e jüdische Institution und erst recht von solcher Art, wie das Jüdische Technikum -- zum Konkurse schreitet. Zum erstenmal, daß die Ausbietung solcher Verkaufsobjekte erfolgt. Der Geschäftsführende Ausschuß des Jüdisehen Instituts für technische Erziehung in Palästina hat die Gründe für die Konkurseröffnung bisher nicht angegeben. Wir wollen unsererseits heute eine publizistische Behandlung der Angelegenheit unterlassen. Betont muß nur werden, daß das Jüdische Institut für technische Erziehung in Palästina eine vom Gesamt-

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