Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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fcO I-Of 1׳־ H»Mr!tf;ek an titaahichta dan Jud«ntam» של - ig I I I I I I 1 I Abonnements ן auf die wöchentlich am Freitag erscheinende ״Jüdische Rundschau'^!! kosten bei der Expedition und beifj allen Postämtern vierteljahelidi 1,50 M.| außerhalb Deutschland« und OesterJj reidi-Ungarns M.; für Mitgliedef jüdischer Vereine im Sammelbezug! durch den Verein 1,— M״ | j JlidUch* Rundichau, G. m. b. Hi 1 | BERLIN W. 15, SSchsiicbe Straße 8.י I Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868,1 1 Postscheckkonto ־ Berlin Nr. 17392. | i.——---J DU6DISCH6 RUNDSCHAU r I I I 1 Anzeigen kosten für die •echsgespaltene Petit• *eile oder deren Raum 40 Pf.; Stellen- Angebote und •Gesuche sowie Vereins* Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen*1 Ö O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto beiliegt, stets surückgesandb Redaktionsschluß: Mittwoch vormittag». Redaktion ]fidischa Rnndachan BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. ZJ ALLG6MCINC 3UCDISCHC Z€ITUNC Nummer 1 Berlin, den 1. Januar 1915 15. Tebeth 5675 XI Jahrgang. Der Angriff Kautskys auf den Zbnismus*) V. Wir hätten wahrlich Lud. uns in weit ausführlicherem Maße mit der geschichtstheoretisehen Grundlagen m befasse;, auf denen Kautsky jedes seiner Werke und alr:> auch seine Ausführungen über Gegenwart'!nd Zukunft Israels aufbaut, weil wir ja glauben, daß der historische Materialismus jeden Wahrheissucher durch seine scheinbar blendende Klarhit von vornherein immer n ach von neuem packei wird. Wir müssen uns aber, um nicht allzu seir vom Thema abzuschweifen, mit den ׳Andeutungen begnügen, Tat denen wir die Kautskysuc Geschichtsphilosophie gestreift haben. W.ren allerdings alle geschulte Historiker, so würden wir überhaupt kein solches Gewicht daran ׳ gelegt haben, bei dieser Gelegenheit noch einnal die Unzulänglichkeit der materialistischen Geschichtsauffassung zu diskutieren. r So aber mußten wir wenigstens em Fragment vwwr .' TuiJ mocutui uu folgenden noch darauf hinwijsen, wozu die tendenziöse Voreingenommenheil für ein bestimmtes Prinzip im neuesten Werke 011 Katitskv führt. Zum Beweise der entsendenden Rassenmischung bei den Juden 1 nif• sich Kautsky auf ihre Proselytenmachereil: obwohl es außer allem Zweifel steht, tlyß die Juden auf diesem Wege sich am wenigsten nri den anderen Völkern vermengt haben. Kautsjy beruft sich dabei nicht etwa auf die Chazare: scheinlich ein gewisser Teil '■ im südrussischen Judentum affgegangeii ist, sondern auf die Periode, welche,der Geburt Gliristi vorangegangen war und naclgefolgt ist. Nun ist es bekannt, daß diese Zeit im Grunde die einzige gewesen ist, in der liylen für die Ausbreitung des Judentums arttcr den anderen Völkern im grollen p r a k t. s c h e P r o p a - g a 11 d a betrieben haben. Damals fanden sich zahlreiche Judäer, Vielehe zu Men Heiden gingen lind ihnen den Jahrhundert! hindurch in ihrer Mitte gelehrten Monotheismu und die endlich von ihnen selbst anerkannten irophetischen Ideen der menschlichen Gleichheit tmd des ew igen Friedens verkündeten. Kautsky Juchte entsprechend seiner ständigen Richtung naturgemäß sofort nach den materiellen Motiver, welche die Juden zu dieser Proselyteiunachcrei gedrängt und fand gar bald solche, die für ihn den Charakter der Ausschließlichkeit annahmen, Zerstreut, wie sie über die ganze alte Welt gewesen seien, hätten die Juden nicht einmal an ihrem eigenen Staate eine Stütze gehabt und sich in ihrer gefährdeten Lage danach gesehnt, die Zahl der Religionsgenossen so stark als mögt! •11 werden zu lassen. zeit, in der wahr- Clia/arenvolkes Eine ändert* Erklärung f •einsetzende fanatische Pri re I igi öse 11 U ehe rzeugu n ge 1 den Juden nicht. Daß eine einer einzigen Idee schließlich die Menschen auch ohne Rücksichten auf ihri materiellen Vorteile und. Bedürfnisse zu einer,begeisterten Agitation ׳■ die in jener Zeit >aganda der eigenen findet Kautsky bei 111 se ndjä lt rige P red i gt *) Vgl. die Artikel in N'rn. 4$ und 31 der ״Jüdischen Rundschau“. ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schäftung einer öffenilieh-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. und zu einer Anspannung aller Kräfte für diese Idee bringen kann, hält Kautsky für ausgeschlossen. Er kennt nur die ihm einzig annehmbar erscheinende Erklärung, daß die Juden, um den Verfolgungen ihrer Nachbarn zu entgehen, sich plötzlich auf die gewaltige Propaganda gestürzt haben. Es war demgemäß bei den Juden eine Proselytenmacherei der äußeren Schwäche, nicht der inneren Stärke, es war ein Ausfluß der Verzweiflung an der eigenen Daseinsmöglichkeit, nicht das überwältigende Bewußtsein einer ewigen Wahrheit, deren anserwählte Träger sie wären. Nun entsteht aber unwillkürlich folgende Frage: Warum bricht dieser Prozeß mit dem Untergang des jüdischen Staates ab? Waren die Juden nach der zweiten Zerstörung Jertisalems, als sif ln weit höherem Maße zerstreut wurden, nichf auch weit mehr darauf angewiesen, durcÄ "Gewinnung neuer Adepten de«• jaueiuums i״ren 'scuieekiicnen verrolgungen zu entgehen? Exklusivität der Rasse leugnet Kautsky aufs entschiedenste bei den Juden. Wie kommt es nun, daß die Abneigung der Juden gegen jedes Proselytentum in den nächsten Jahrhundert ten einen solch schroffen Ausdruck findet, daß schon der Talmud eine verdammende Form für die dahin gehenden Volksempfindungen enthält? Da wird der historische Materialist vielleicht den Spieß umdrehen und die teilweise zutreffende Erklärung geben, daß die Juden gerade wegen der blutigen und unmenschlichen Verfolgungen, denen sie ausgesetzt waren, das Proselytentum verabscheut haben. Allein mit dieser Antithese zur früheren Behauptung wäre ja schon der historische Materialist sich selbst untreu geworden, da der durch solche Stimmungen hervorgerufene Abscheu vor dem Proselytentum in ein ganz anderes Gebiet fällt. Sicher ist in unserem Fall das ganze Gebände, welches Kautsky als Grundlage der jüdiseben Geschichte aufbaut, absolut falsch, und gerade das Gegenteil dürfte wahr sein, daß die materiellen Motive bei der Propaganda des Judentums eine untergeordnete Rolle gespielt haben, daß sie nur insoweit von maßgeblicher Bedeutung waren, als sie die Propaganda des Judentums e r m ö g 1 i c 11 e n konnten. Solange nämlich der jüdische Staat existierte und die Juden noch ein starkes Bewußtsein ihrer eigenen Größe besaßen, solange ihr nationales!.eben ein konsolidiertes Zentrum hatte und nicht die geringste Gefahr des nationalen Untergangs vorhariden war, konnte die jüdische Nation darauf ausgehen, weitere Anhänger für ihren Gottesglauben und ihren Moralkomplex zu suchen und zu gewinnen. Die Nation saß in jenen Tagen in ihrer Majorität in Palästina selbst, hatte neuhebräische Formeln und mannigfaltige nationale Zentren. Zu jener Zeit konnte niemand auf den Gedanken kommen, daß die Heranziehung anderer Valksmassen an den jüdischen Glauben den Bestand der jüdischen Nation untergraben würde. Ganz anders war es hingegen nach der Zerstörung Jerusalems und der Sprengütig aller jüdischnationalen Bande. Da wurde die Religion nicht nur als Ideal an sich, sondern auch zugleich als nationales Erbteil, als einziges großes Mittel zur Zusammenfassung der Juden überall von besonderer Bedeutung. Eine erfolgreiche Propaganda des jüdischen Glaubens hätte wohl die Position der Juden in der Welt erleichtert und sie vor Verfolgungen teilweise geschützt, die jüdische Nation jedoch wäre damit vermutlich untergegangen, sie hätte sich in der Religion nicht theoretisch, sondern praktisch aufgelöst. Da kam die harte Verurteilung aller Proselytenmacherei, da kam die Verschiebung dieses Prozesses auf den Zeitpunkt, in dem der ersehnte Messias erscheinen werde. Es kam somit die neue Synthese zwischen dem Weiterbestand der jüdischen Nation und der sonst so verlockenden Ausbreitung der jüdischen Lehre unter den Völkern auf. Nicht heute, nicht jetzt, nicht zur Zeit der Entwürdigung Israels werden die Völker die jüdische Lehre annehtnen. Wohl werde in ferner Zukunft der Zeitpunkt kommen, an dem das Prophetentum zur Wirklichkeit werden würde, nur müsse zuvörderst das jüdische Volk selbst als solches erlöst werden. Deshalb ist der Messias mit einer doppelten Mission ausgestattet: Er muß das jüdische Reich restaurieren ten. Dies ist die wahre Auffassung, welche das Judentum im Laufe von 1800 Jahren von seiner Zukunft gehabt hat. Denn was im neunzehnten Jahrhundert westeuropäische Rabbiner als jüdisclie Mission hingestellt und abstrakt vertreten haben, ist völlig unhistorisch und hat auch tatsächlich zu keinen positiven Konsequenzen, zu keinen Aktionen ernster Natur geführt. Ist nun die Auffassung, welche das Judentum fast ausnalunslos vom Altertum ab bis zur modernen Zeit vom Proselytismus gehabt und gehegt hat, nicht wirkliche Exklusivität der Rasse .׳־ Wiederum ist es auffällig, daß Kautsky diesen Punkt gerade an der Stelle umgeht, die für ihn verwundbar ist. Weshalb berücksichtigt er nur die Zeit, in der uns ganz vage Angaben über angeblich bedeutende Mischungen zu Gebote stehen sollen, in der jedenfalls ein wirkliches Streben nach Proselytismus sich feststellen läßt, und vernachlässigt die darauf folgende Zeit, die seine •Voraussetzungen über den Haufen wirft? Ueberhaupt ist gerade dieses Kapitel aus der Zeit um Christi Geburt ein recht heikler Punkt für die gati/e Theorie Kautsky-־. Kautsky stellt in seinem Kampfe gegen den Zionismus in einem Atemzug zwei Behauptungen auf: erstens könne aus solchen kleinen Siedelimgeu wie die gegenwärtige.u nimmermehr ein jüdisches Gemeinwesen erstehen, zweitens würde ein solches ji'1disches Gemeinwesen die Juden selbst nicht an•־ ן ziehen, da ja im Altertum bereits das Gegenteil I erwiesen worden sei. Denn nicht nur habe damais der größere Teil der Judenheit außerhalb der Grenzen Palästinas gewohnt, sondern der Staat selbst sei völlig bedeutungslos gewesen.. Nun hat aber das Altertum tatsächlich beide Behauptungen Kautskys widerlegt: 1. Aus ganz kleinen Gruppen, welche unter Esra und Nehemia nach Palästina wanderten, entstand ein jüdisches Jahrhunderte existiert hat auch weiter existiert hätte, dem Staaten vernichtenden worden wäre. Gemeinwesen, dt und wahrscheinlic wenn es nicht vc Rom zertriimrm־