Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1914)
- Date
- 1914-12-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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MüMilMh 9 ן Abonnements j!•ul di« wfidmntlidt •m Froltug cr. | »dielncnd• ״JUdladie Rundtdiau" | 1 koitan bei der F.»|«1lillun ״״,! t,cl | allen Poalämt«״! vierteljährlich 1,80m., 1 außerhalb DcuUebtanda und Oerlrr- * reicb Unlarn• 2,— M,t für Mitglieder I jüdiadre» Vereine Im Semmelbeiug 1 durch des Verain I,— M. | 2 JUdladia Kundacbau, G. m. b, II. |! BERLIN V.lf, Slchalache Straße 8. ’ ן Telephon! Amt Uhland 845, 815, 858.! Puiletbeiikunto׳ Berlin Nr. 17392. •־«I /T—\ I i ' ־ < ״X f ץ־י״־י^ ץייי י' “־p %־*“־־־*־/ \ '׳ Anzeigen k«tt#n für di• ■*•ch«2><*«p*H®ne Prill• *eil« oder deren Raum 40 Pf,ן StelUournd »Geaudie •owie Verein•• Mitteilungen Und *Klein• Anzeige#* O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuikripia werden, wenn Porto bellttft, »ieU «urDtkgraandt Rediiktloouchluftt Mittwoch vormittag». ן R»«t*ltUoa jQdiicb• SandidiM I BERLIN w. IS, Slchslache Straß« I, י Telephons Amt IftiUnd 845, 846, 868, Poatachackkootot Berlin Nr. 17392■ 1 ח, n /*ד״״׳־ Nummer 52 XIX. Jahrgang. Die vorliegende Nummer der ״Jüdischen Rundschau״ ist die letzte des Jahrgangs 1014, Wir bitten unsere verehrlichcn Bezieher, ihr Abonnement aufdenneuenjahrgang recht• zeitig aufzugeben, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Unsere Zeitung ist jetzt das einzige zionistische Wochenblatt, das am Sitze der zionistischen Leitung erscheint und so in der Lage ist, über die Ereignisse in Palästina sowie über die Vorgänge im zionistischen Leben aller Länder rasch und zuverlässig zu berichten. Die ״Jüdische Rundschau“ wird gegenwärtig an mehr als 1000 Gesinnungsgenossen im Felde versandt, und es gehen uns fortgesetzt Feldpostbriefe zu, in denen die Empfänger der ״Rundschau“ uns versichern, daß unser Blatt auch von ihren nichtzionistischen Kämeraden gern und eifrig gelesen wird. Wir bitten daher wiederholt alle Gesinnungsgenossen, uns die Adressen im Felde stehender Freunde mitzutcilen. Verlag ״Jüdische Rundschau“. Nochmals ״Jerusalems dritte Zerstörung“ Von einem Misrachisten Der in dieseii Blättern vor einigen Wochen erschienene Artikel von Leo Rose nbe rg ״Je» rusalcms dritte Zerstörung“ findet ein merkwürdiges Echo im ״Israelit.“ Neben unbedingter Anerkennung werden leidenschaftlich erregte Töne angeschlagen, die dem objektiven Leser des Artikels unerklärlich erscheinen und sicherlich geeignet sind, die von dem Artikel- Schreiber empfohlene, in Palästina gemeinsam zu unternehmende Arbeit zu erschweren, wenn nicht gänzlicli in Frage zu stellen. Wir finden bei aufmerksamer Lektüre, wie gesagt, keinerlei Anlaß zu einer solchen Erregung und können sie nur aus der allgemeinen Nervosität unserer Zeit erklären. Was liegt vor? Rosenberg bespricht in Anlehnung an einen in einem amerikanischen Blatte erschienenen Aufsatz, der denselben Titel führt, die gegenwärtigen Verhältnisse in Palästina. In der uns Zionisten geläufigen Art teilt er die dortige Bevölkerung in zwei Gruppen: in die des alten und des neuen Jischuw. Man ist voln zionistischen Standpunkte aus mit Recht gewöhnt, in der unsystematischen, bisher lediglich auf Unterstützung gerichteten Arbeit der Chainkah gegenüber den zielbewußtcn, auf dem Prinzip der Selbsthilfe beruhenden Bestrebungen der Zionisten etwas Minderwertiges zu erblicken, aber der Verfasser berührt diesen prinzipiellen Gegensatz nur beiläufig und stellt einfach eine Tatsache fest. Er befindet sich durchaus in Ucbercin- . Stimmung mit der Anschauung aller derer, die Palästina und seine Bewohner lieben, daß gerade der alte Jischuw in dieser schweren Zeit am meisten gefährdet ist. In einem geradezu liebevollen Tone, der die innere Anteilnahme nicht ״Der Zionfimui erzirebt fßr das jOfltelie Volk Ms SeünLTxip, einer öffentlich-rcühii'ch jjcalclierlcn I־leln*.1»SMe ■ In PalüiiliiR»" Bäicler Programm. verbirgt, zählt er die Ursachen für diese Gefahren auf und bekennt sich ausdrücklich zu der Pflicht, diesen Aermsten zu helfen. Wäre er in der Tat von der ״Verächtlichkeit des alten Jischuw“ überzeugt, dann würde er ihn doch kaum für befähigt halten, eine produktive Landarbeit, wie sie ihm vorschwebt, ־zu leisten und cr würde sicherlich nicht vorschlagen, die Jugend des alten Jischuw dazu heranzuziehen. Verständlich wäre das Urteil, das der ״Israclit“ über die wahren Ansichten des Verfassers äußert, wenn dieser von vornherein den alten Jischuw als einen störenden Faktor, der für die ziclbcwußte Palästinaarbeit gar nicht in Frage käme, betrachtete. Keinen anderen Beweis jedoch für diesen Vorwurf der Herabsetzung und Verächtlichmachung weiß der ״Israelit“ anzuführen als den seiner Ansicht nach ״tendenziös übertriebenen Charakter der Zahlen“. Das Thema ״Chalukah“ ist so häufig, auch in der J ü d ische n Ru 11/1־ schau, erörtert .worden, daß es einer neuen Auseinandersetzung kaum bcdarf. Die Zahl der Chalukahcmfyfüngdr mag in der Tat zu hoch gegriffen sein, aber Irrtümcr kehren erfahrungsgemäß gerade bei Statistiken häufig wieder. Es kommt zudem gar nicht darauf an, daß die Unterstützungsgeldcr der Chalukah, soweit sie auf den Einzelnen entfallen, für ein Leben in einer einigermaßen behaglichen Form nicht ausreichend sind. Gerade der Hinweis auf die ״Virtuosen des Elends und Hungers“ klärt den Zusammenhang in den Gedankengängen des Verfassers mit der Bemerkung, daß die Leute des alten Jischuw ״von der Clialuka leben“. Im Sinne dieser Unglücklichen heißt eben auch dies ״leben“. An der prinzipiellen Bewertung des bisherigen Systems der Chalukah ändert der Um• stand rein gar nichts, daß in den meisten Kolelim die Chalukah des Einzelnen in der Tat nur einen ״Zuschuß“ darstellen mag. Es kommt eben auf die Unterscheidung grundsätz• 1 i c 11 e r Anschauungen an, und es ist wohl am Platze, aucli bei der Beurteilung des äugen• blickliehen Notstandes die Prinzipien der Selbsthilfe und des Almosen-Gebens und -Empfangens einander gegenübcrzustcllen und in ihrem Werte abzuwägen. Auch der neue Jischuw ist zum Teil vor• läufig nicht imstande, sich ohne materielle Förderung aus Europa zu erhalten. Die Rothschildschen Pflanzungs-Kolonien haben jahrelang des Zuschusses ihrer Begründer nicht entbehren können, aber sic sind selbständig geworden. Die eigentlichen Ackerbau kolonicn in Galiläa usw., die zum großen Teil von zionistis ciien Organisationen und Gesellschaften bcbriindet worden sind, erhalten nicht nur sich selber aus eigener Kraft, sondern haben sich gerade in der gegenwärtigen Krisis durch Abgabe ihrer Getreidevorräte an die jüdische Bevölkerung der Städte auch als Stütze des alten Jischuw erwiesen. Mit Sicherheit ist zu erwarten, daß in absehbarer Zeit sämtliche zionLfischen Palästina- Institutionen vom Auslände materiell unabhängig sein werden, soweit nicht außergewöhnliche Ereignisse, wie der unselige Krieg, die ruhige Ent- Wicklung ln verhängnisvoller Weise stören. Eine solche Hoffnung ist bei den Chalukah-Empfängern in keiner Weise begründet. De von der deutsch-holländischen Chalukah-Verwaltung unternommenen Versuche einer Beschäftigung in Industrien werden bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Palästina dauernde Erfolge kaum zeitigen, und es bedarf keiner großen volkswirtschaftlichen Uebcrlcgung, um zu erkennen, daß nach Lage der Dinge die einzige Möglichkeit einer wirklichen dauernden Hilfe in der Heran- Ziehung der arbeitsfähigen Elemente zur planmäßigen Bearbeitung des Bodens besteht. Wir wüßten nicht, inwiefern diese Anschauungen sich von den uralten Schnsuchtshoffnungen des jüdischcn Volkes entfernen. Die politischen Bc- Strebungen sind letzten Endes nur Mittel zum Zweck. Nur in diesem Sinne ist die Bemerkung des Verfassers zu verstehen, daß das ״rein menschliehe Gefühl des Mitleids uns nicht davon abhalten sollte, die Dinge von einem höheren, über die Sorge um die Augenblicksnot erhabenen Gesichtspunkt zu betrachten,“ Soll diese Anschauung einen Vorwurf begründen, so wollen wir Zionisten ilm gern auf uns laden, denn wir bemühen uns redlich um eine glückhafte Zukunft der Gesamtheit unseres Volkes. Aber kein Zionist — das dürfen wir kühnlich behaupten ־— entzieht sich den Aufgaben des Augenblicks und würde in dem leidenschädlichen Drange zu helfen, etwa Halt machen wollen vor Spitälern, Waisenhäusern, Jeschiboth oder Thora-Gelehrten. Kein Wort des fraglichen Artikels dürfte eine solche Meinung stützen. Der ״Israelit“ behauptet, daß bis zum heutigen Tage die führenden Männer des neuen Jischuw nicht Gelegenheit genommen hätten, die Mitglieder des alten Jischuw zur Landarbeit heranzuzichcn, trotzdem Geneigtheit auf Seiten des Letzteren dazu wohl bestanden hätte. ״Besprcchungen hätten zu keinem Resultat geführt, und cs wäre an Stelle dessen nur Demütigung lind Enttäuschung getreten.“ Er hat ohne Zweifel die Bestrebungen des Misrachi in! Auge, weleher sich zur Aufgabe gesetzt hatte, die Verbindung des alten mit dem neuen Jischuw auf diesem Wege herzustellen. Allerdings haben diese Versuche bisher zu einem endgültigen Resultat nicht geführt, wenn sie ihm auch nahe sind. Die Ursache dafür lag durchaus nicht an einer grundsätzlichen Ablehnung seitens der Führer des neuen Jischuw, sondern an der verhältnismäßig schwachen Position des Misrachi. Die meines Erachtens unrichtige Taktik der früheren Misraclii-Leitung, bei der positive Arbeit nicht gedeihen wollte, und der heftige Kampf des ״Israelit“ gegen Zionismus und Misrachi haben die Ausführung dieser wichtigen Aufgaben in so bedauerlicher Weise verzögert. Es war eben nicht möglich, weitere traditionelle Kreise für die ״Erziehung zu produktiver Arbeit“ zu gewinnen und es ist doch ohne weiteres klar, daß zunächst die Kapitalkraft der Gesetzestreuen Europas interessiert werden müßte. Man spricht von ״Geneigtheit der Mitglieder des alten Jischuw“ — wo wäre die nichtzionistisehe Organisation, die diese Geneigtheit hätte nützen wollen fürdas jetzt als richtig anerkannte Ziel? Die Erkenntnis scheint doch auch jenen Kreisen aufzudämmern, daß der Kernpunkt der zionistisehen Bewegung trotz allem wirtschaftlicher