Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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S ‘ V j w לי" / u*<F* » ■«׳.» %*t _ s«*# Klslew 5Ä XIX. Jahrgang. Den Dienern des Volkes. Aus dem Hebräischen des Ch. n. BI a 11 h. Uebertragen von Ernst (Hüller (Blallfc-Bedichte, :Jüdischer Verlag). ״Der Zionfsmiw erfireM für das jüdische Volk die Schaffung einer Sffcnt« lieh •rechtlich!)cslchcricn lielrmiliile In Palästina." Baseler Programm. Umgürtet mit (Dacht, schreitet aus mit (Dacht In?eisenhöhlen, in dichtem 6esträuch Einst ballte sich der Hasmonäer Schar, mit Schwerterklirren und Psalmenbraus Durchhallend die Stille von Wald und 6ebirg. In bergenden Büschen, in Höhlennacht Reifte das mächtige Heil — Und wir schwaches, kurzatmiges, elendes Volk, Casst uns erhörten der Rinder Herzl Das Wort des Herrn sei uns Säule der Tat, Der Hammer, der alles zersprengtl Hoch ist uns're Rraft nicht in Schmach gestürzt, Bei Sott uns’re (Dacht. Zu Hilfe dem Volkl zu Hilfe dem Volkl Womit? Wie wir es finden. Und wer? Prüft nichtl Wer sein Herzblut weiht, — Wem die Hot des Volkes das Herz noch . trifft! - Sammelt das Heer und scheidet nichtl liieht heute prüfen, am Tag der Sefahrl Jedes Guten Rest, jeden funken von kraft, Jedes Eicht, das im innern Herzen noch lebt, Wir sammeln in eins und gürten uns, Wir heben’s im Rampf zum Triumphe empor. Jetzt strömt es herbei von Ost und West In mächtigen Scharen, zu Hilfe dem Volk. Enthüllt das Cichtl Offenbaret das Eicht! Wenn 5chattendüster uns dicht umgarnt, Hoch ist nicht erloschen das letzte Sprühn. Aus dem Dunkel noch schlagen wir lohende Blut, Aus felsenspalten funkelgestein. Am Boden des Volks, seines Wesens Brunde, Doch strahlt und blitzt sein ׳göttliches Butl AufI Sammelt euch alle zum mächtigen Werkl Oeffnet das Dunkel, öffnet es tiefl Weitet, weitet die fluten des Eiehts, (Dakabbisöhne, Aufrichtet das Volk, erhöht das Geschlecht, Enthüllet, enthüllet das Cichtl GSSD Eins Kriegs« and i׳aE2!&''l'״ss:s־ad1tung Feldpostbrief von Dr. Paul Michaelis. im Lazarett in Z. Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, im Oktober dieses Jahres nach Palästina übersiedeln wollte, im August aber durch die Kriegserklärung überrascht wurde und statt nach Palästina, als Kriegsfreiwilliger auf den Kriegs- Schauplatz eilte, der macht sich, anläßlich dieser Veränderung seiner Lebenslage, besondere Oedanken über Zionismus, Krieg und Vaterlandsliebe. Im Schützengraben, in der Kampfespause, wenn die Kugeln über die Köpfe geflogen und die Schrapnells sausend und zischend cingcschlagen sind, wenn man dem Tode stündlich, nein: in jeder Minute ins Auge gesehen hat, drängt sich dem deutschen Zionisten, wenn er des Elternhauses und all der Lieben duheim, zugleich aber Erez Israels und seiner Stainmesbriider in allen Ländern der Zerstreuung gedenkt, die Hauptfrage auf: Jetzt, wo ich bereit bin, für das deutsche Vaterland mein Leben zu opfern, gerate ich nicht in Widerspruch mit meiner zionistischen Lebensanschauung? Niemand ist wohl geeigneter, diese «niste Frage zu beantworten als wir jungen Zionisten, die wir ohne Zaudern und Zagen ins Feld gezogen sind. Trotz Kugelregen und Kanonendonner, trotz der höchsten Gefahren, in denen wir für die deutsche Sache geschwebt haben und schweben, glauben wir weiter felscnfest an das Fortieben und Fortbestehen unserer Zionsidee, unserer nationaljüdischcn Bcstrebungen. Uns war es in jenen denkwürdigen Augusttagen selbstverständlich, daß wir zu den Fahnen eilten. Unsere zionistische Weltanschauung hat uns immer vor Einseitigkeit geschützt. Wir haben unser nationales Judentum und seine Entwicklung in den einzelnen Jahrhunderten des ,Gallith stets im Zusammenhänge mit der allgemeinen Welt- und Kulturgeschichte betrachtet. Und hat uns nicht Herzl in seinem Romane ״A11 n eu 1 a n d“ gezeigt, daß das aufblüliende jüdische Palästina der Zukunft, das wir mit der ganzen Inbrunst unserer Seele ersehnen, seine kulturellen, wissenschaftlichen und technischen Wurzeln in den Kulturländern des Westens, also insbesondere auch in Deutschland und Oesterreich hat? Seitdem die Mauern des sichtbaren Ghettos für uns deutsche Juden gefallen sind, also seit etwa 1750, dem Beginne der Blütezeit deutscher Literatur, sind die verschiedenen Generationell von Juden mit den deutschen Dichtern und Denkern groll geworden: mit Goethe und Schiller, Kleist und G r i I i p a rzc r, Ka nt mul Fichte. Und die Besten unter uns sind auch in der priizionistischcn Zeit nie einseitiß־ gewesen, sich so der Umwelt zu assimilicrcn, daß sie darüber ihr Judentum vergaßen. So ist cs ja überall in Deutschland: Die nicht die Waffen tragen können, vor allem also die ältere Generation, halten die Friedensgüter hoch, fördern Künste und Wissenschaften, sind, besonders in dieser Kriegszeit, für soziale OrganisationCn tätig. So wird unsere ältere zionistische Generation neben den allgemein humanitär-sozialen Bestrebungen — man denke an das eigens für diesen Krieg ins Leben gerufene Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland — für unsere Idee weiter arbeiten, während wir Jungen im Felde sind. ״Und wenn Ihr Jungen wiederkommt aus diesem furchtbaren Kriege, werdet Ihr noch dieselben sein in Euren Gesinnungen?‘‘, so hat manch einer uns hämisch gefragt und dabei in seinem kurzsichtigen Unverstand ״triumphiert“. Wir antworten allen diesen törichten Fragestellern entschieden und zuversichtlich: ״Ja.“ Wir alle, die wir auf den Schlachtfeldern einem ungewissen Schicksal entgegengehen, werden, wenn wir aus diesem Kriege vviederkehren, unserer heiligen Pflichten gegen unseren über alles geliebten Volksstamm niemals vergessen. ״In deutschen Dingen deutsch!“ das ist jetzt unsere Losung. ״In jüdischen Dingen jüdisch“, das wird unsere Losung sein, wenn wieder Friede herrschen wird. Der deutsche Zionist, als Angehöriger eines der ersten Kultur- Staaten der Erde, wird, wenn er als Kulturpionier nach Palästina geht, deutsche Errungenschaften des Geistes und der Technik mitnehmen, um sic im Lande Israels nutzbar zu verwerten. Er wird als Jude ins Land der Väter gehen. Sein deutsches Land wird er aber auch dort nie vergessen. Auch darin ist uns Herd der große Lehrmeister, der in seinem ״Juden- Staat“ so trefflich sagt: ״Wir wollen aber den Juden eine Heimat geben. Nicht, indem wir sie gewaltsam aus ihrem Erdreich herausreißen. Nein, indem wir sie mit ihrem ganzen Wurzelwerk vorsichtig ausheben und in einen besseren Boden übersetzen. So wie wir im Wirtschaft* liehen und Politischen neue Verhältnisse schaffen wollen, so gedenken wir im Gemütlichen alles Alte heilig zu halten.“ Uns drängt sich anläßlich des Chantikahfestes ein Vergleich auf: Wir feiern unser Chanukahfest zur Erinnerung an den Heldcnkampf und Heldensieg der Makkabäer gegen eine vielfache Uebermacht, Ist’s nicht heute ebenso? Führt Deutschland nicht einen Heldcnkampf gegen viele und zahlreiche Gegner? Aus unserer Geschichte wissen wir, daß auch an Zahl geringerc Truppen siegen, wenn eine gerechte Sache sic den Krieg führen läßt, und wenn echter Heldenmut sie begeistert. Wir deutsche Zionisten unter den deutschen Fahnen kämpfen für die Freiheit des deutschen Vaterlandes, für Kultur und Gesittung gegen moskowitische Barbarci und für den Frieden und die Ruhe unserer Lieben daheim. Aus unserer Geschichte aber wissen wir auch, daß es. ein starkes jüdisches Geschlecht gegeben hat, die Makkabäer, deren Nachkommen noch heute leben und tapfer auf allen europäischen Kriegsschau* platzen kämpfen. Und unsere ruhmreiche Geschichte, das Chanukahfest und die 12 Millionen lebender Juden lehren uns, daß wir für die Er- Haltung und für die Wiedergeburt des jüdischen Volksstammes kämpfen müssen und wollen, wenn das große Völkerringen beendet sein wird.