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Jüdische Rundschau · 1914-11-20 · Heft 47 (20.11.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 47 (20.11.1914)
Date
1914-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr, 47 Seile 431 JUED1SÜUE KUH DSC HAU besondere Gäbe habe /uleil werden lassen. Man müsse mit den An!׳eluiiljjeii (remder Nationen ihre größten!■'reudcii und ihr größtes Leid zu teilen virstellen. Die wichtigste Aufgabe werde jedoch fiir Deutschland erst kommen, wenn die voraussichtliche M i 11 c 1 e u r o)> ii i s c 11 e Konf öd e r a t i 11 ״ über das Lehen der zahlreichen Völkerschaften, die in Mitteleuropa wohnen, zu bestimmen haben werde. Da dann Deutschland als der größten und mailichen» den Nation eine auIJerordentliehe Kulturmission zu« fallen müsse, so werde es von ihrem Verhalten ab- Idingen, wie weit die Entwickelung, das Zusammen' leben und Zusammenwirken aller dieser Nationen auf wirklicher Menschlichkeit beruhen werde. Es war von hohem Interesse, die Stimmung der l iebe mitzticrlebcn, die in den Worten L a m p rechts gegenüber den nationalen Organismen ihren schönen Ausdruck fajjd. Der Mann, für den das nationale Deutschtum das Dreigestirn L u t h c r - O o e 111 c Kant verkörpert, wehrte sich gegen jeden Hochmut oberflächlicher Geister. Man bekam die Ucberzctigung, daß L a 111 p re c 111 die nationale Idee durch ein ganzes Leben hindurch innerlich vertieft hat; sonst wäre er nicht jetzt zu solch radikalen Grundsätzen und zu solch ethischem Pathos gelangt. Mau empfand ,daß er jede Niederhaltung einer Na« iion, und sei sie seihst die kleinste, als ein Vcrbrechen gegen die Kultur und die Schätze der mcnscliliehen Gesittung verurteilt. Für uns sind solche Gesittnungen wichtig ,weil sicherlich die Zeit nicht fern ist, in der jedes nationale Problem auf die Tagesordnung der Weltgeschichte kommen und gelöst werden wird. Und es ist von entscheidender Bedeutung, ob diejenigen das Wort haben werden, die für Gleichheit und Ebenbürtigkeit aller Nationen eintreten. Dali ein Matm wie L.amprccht zu ihnen gehört, ist ein erfreuliches Prognostikon. a. 1, Aus dem österreichischen Heere Wieder erhielten mehrere Zionisten, die im Heere dienen, Auszeichnungen. Einjährig-Frciw. mcd. Wilhelm Kd 1 in kn, a. B, der ״ivria“ in Wien, erhielt die Silberne Tapfcrkcitsincdaille II. Klasse. — Unter den österreichischen Offizieren, die sielt, im Westen vor allem mit den österreichischen Motorbatterien, die bewundernde Anerkennung der deutschen Bundesgenossen errungen haben, sind zahlreiche Zionisten. Wiederum haben von ihnen zwei Gesinnungsgenossen das Eiserne Kreuz erhalten: K. u. K. Fähnrich im Festungsartillcrieregimcnt 10 F. Tut t man 11, i. a. B, der zionistischen Studentenkorporation ״Ivria“ in Wien und Jakob O r e n s t e i 11, Leutnant im K. u. K. Eisenbahnregiment, Vorturner des I. Wiener Turn- Vereins. Aber aucli die Verlustliste enthält die Namen mancher unserer wackeren Freunde. Es fielen auf dem Felde der Ehre: K. u. K. Fähnridi der Res. Paul U i c re r, i. a. B. der Makkahiia in Wien; K. ti. K. Leutnant der Res, Dr. David H aas, A, H. der ״Hcssiana“ in Mährisch-Ostrau; K, u. K. Leutnant der Res. Architekt Ernst Lam p I, A, H. der ״Makkabäa" in Wien; K. u, K. Fähnrich Otto G u 11 m a n tt, i. a. B. der ״Eimmali“ in Hielitz. Der Volksverein ,,,Zion" in Jiigerndorf teilt mit, dall sein treuer mul eifriger Mitarbeiter Gg. Dr. Siegfried G r 0 h s 1 i c h t den auf dem nördlichen Kriegsschauplatz erhaltenen schweren Verwundungen erlegen ist. ,,In Jägerndorf hat der Tod dieses überaus tiitigen und wertvollen Zionisten die tiefste Trauer und Teilnahme hervorgerufeii, denn seinem Eifer war es zu verdanken, dall hier ein jemenitenhaus gespendet und daß im letzten Jahre die Einnahmen des N. F. verdoppelt wurden. Die gesamte jüdische BevöSkerung und insbesondere die Zionisten Jägerndorfs werden dem von allen geliebten und charaktervollen Mitarbeiter in der jüdischen Volkssache ein treues Gedenken bewahren," Leutnant. Robert Zweig, Adjutant des Land- Sturmregimentes 13 (Olmütz), wurde in Russisch- Polen durch einen Granatschuß getötet. Er war Fabrikant in Proßnitz und seit Jahren Ausschußmitglicd des dortigen ״Zion" und wurde bei den letzten Kultuswahlen als zionistischer Parteigänger in den Kultusvorstand gewählt. Die zionistische FcrialVerbindung ״H a t i k w a h“ in Lundenburg teilt mit: Unser Obmann mcd. Viktor Weiniger, der ats Kadett im Inf.-Rcg. Nr. 09 die Schlacht bei Samos mitmachte, wurde durch einen Lungenschuß vcrwundet. Bei der Erstürmung eines Friedhofes hatte er sich derart ausgezeichnet, daß er zur g 0 I d c n e 11 Tapfe rkcitsmedaille vorgcschlagen wurde. Nach einem siebentägigen Aufenthalte im Satnoscr Spital, wo er zufällig mit einem Gg. zusammenkam, wurde er bei der Wiedereroberung dieses Ortes durch die Russen gefangen genommen und befindet sieh jetzt in M i n s k. Er hat schon mehrere Karten aus seiner Gefangenschaft geschrieben. »י יי■׳ ' «_•(■ ״ lillMLGG!;..! >•■. , , , '׳* 1# 'ן! וז ן *׳ ־ f — *;ך-י*!*■* *- ■ <-. ׳ - ־ f fi ti! k k' '•> ״. i 4. ׳ * # i k I l׳־Wi lk׳*׳ Im Scj1U':i1!,1T 11,1!, wie d.1;.:־;:L milprU'ilt winde, das pretilli.'.eiie Krirvami'.istc.'iusii i.alts Rabbiner zur Ausübung dir ins leide vciV-'lüedcnei! Aimeen übmvic.vii. Se,tl;er •d;;<l dabr.ycri che mul das sächsische dem Beispiel des preußischen gefol;;t und mich das (k׳neralk01nm.11־uk> des badischen Armeekorps hm einen Rabbiner zum Feldgeistlichen; jetzt sind insgesamt 10 Rabbiner im beide. Die Rabbiner sind jetzt folgendermaßen verteilt: der 1. Armee zugewiesen ist Dr. B a e c k * Berlin, der II. Dr. Emil Le v y - Cbarliittenburg, der III. Dr. Reinhold L e w i n Leipzig, der IV. Dr. Wilde- Magdeburg, der V. Dr. Sa!/, b e r g e r - Frankfurt a. M., der VI. Dr. Li a e r w a Ul ־ München, der VII. Dr. 11 a I i c 11 e r- Darmstadt und außerdem insbebesonders dem badischen (XIV.) Armeekorps Dr. C11 o 11 c Konstanz, der VI11. Dr. Sonderling- Hamburg und der IX, Dr. Arthur L c v y - Schöneborg. Nach allen ׳ Berichten gestatten die Verhältnisse trotz der Bereitwilligkeit der Kommandostellen nur selten die Abhaltung von Gottesdiensten. Immerhin konnte an mehreren;'wellen zum Versöhmmgsfcst — sowohl am Vorabend wie am Vormittag und am Schhißnbeiul und ebenfalls zum Laubhüttenfest Gottesdienst gehalten werden, sowie gelegentlieh am Sabbaih, Die Gottesdienste sind von den Kommaudostdleii vorher angeordnet oder wenigstens angekündigt worden; sie wurden verschiedentlich in katholischen Kirchen abgehalten. Nach dem Fall Antwerpens hat in Brüssel ein auf Anregung des anwesenden Rabbiners von der Kommandantur befohlener Gottesdienst in einem Raume des belgischen Kricgsminisleriums Rtattgeftmden. —- Vielfach werden die vom Verbände der Deutschen Juden licrausgcgcbcncn Feldgebetbüchcr hierbei benutzt, die nach den Mitteilungen der Rabbiner von den Soldaten als eine willkommene Gabe begrüßt werden. Zweiter fertr״^ in! Zyklus ״Zion LikfJiw Tagcoiragen“ (Die politischen Ziele der Juden Oesterreichs,) 111 das Labyrinth der österreichischen Nationalitälenkämpfe führte der Vortrag von Leo Herrmann ״Die politischen Ziele der Juden Oesterreichs". Herrin,׳um schilderte der sehr zahlreich besuchten Versammlung die historische Entwicklung, die das deutsch-zentralistische Oesterreich der joscphinischen Zeit bis zum heutigen Nationalitätenstaat dtirclißc- I macht hat. Die Nation ist in Oesterreich kein verfassuiigsreehtlich anerkanntes Kollektivum. Die Versuche zur Konstituimmg der Nationen und zur Sieherimg ihrer Holieltsreclite sind der Inhalt der osterreicliischen Nationalitiitenkämpfe. Die Juden haben in ihnen eine ganz besondere Stellung eingenommen. Sie propagierten seit dem Jahre 1818 den Gedanken der deutschen I'ültruttg in Oesterreich. Und noch als dieser Gedanke durch die unaufhaltsame Eilt- Wicklung der ein/eluett Nationen, die Gestaltung der politischen Maditverlililtnlsse und die Gesetzgebung selbst überholt war, hingen sie zähe den Tendenzen des ״deutschen Liberalismus" an, der seit dem Jahre 1870 nicht mehr das herrschende Prinzip des Reiches und der Dynastie sein konnte. Diese Verfechtung deutsch-zentralistischer Grundsätze trug den Juden die Gegnerschaft der niehtdeutscheii Völker Oesterrcichs ein. Die Deutschen aber entwickelten, nach dein Scheitern der Versuche des Juden Adolf Fischhoff, eine völkerverbrüdernde Demokratie zu schaffen, einen zielbcwußten Antisemitismus, der als deutsch-völkische Bewegung in den Alpen- und Sudetenliinderii, als christlich-soziale Bürgerpartei in Wien auftrat. Das Bestreben, die scharfen nationalen Gegensät/e atiszugleicheii, hat den österreichischen Staat in die Richtung des Föderalismus gedrängt. Das Prinzip der österreichischen Staatskunst muß es aber sein, unter Sicherung der Staatseinheit die Rechte der einzelnen Nationen und ihren Anteil am Gesamtstaate festzustellen und zu sichern. Diesem Gedanken will vor allem die zuerst von Renner formulierte ״nationalc Autonomie" dienen. Der 'Vortragende erörterte das Wesen der nationalen Autonomie, die auf dem Personalitätsprinzip aufgebaut, dennoch das Bestehen geschlossener Siedlungsgebiete bei einzelnen Nationen voraussetzt und den nationalen Körper auf die Zusammenschließung der national geschlossenen Selbst- Verwaltungen der Kreise stützt. Die nationale Autonomie ist in Oesterreich noch nicht durchgeführt; es gibt aber Ansätze zu ihr in den nationalen Kurien Mährens und der Bukowina. Die Vorzüge, Mängel und Gefahren der nationalen Autonomie für die Juden bedürfen einer eingehenden Untersuchung, da die Eigenart der jüdische» Verhältnisse eine Schematische Uebcrnahmc der für die anderen Völker ein* gerichteten nationalen Autonomie nicht wünschen«• wert erscheinen läßt. Die iiatiunaljüdisihen Bestrebungen, die |x>litischen und kulturellen. Rechte der österreichischen Juden zu wahren, sind noch verhältnismäßig jung. Sie traten nach au Ile 11 hin zuerst bei den ersten Wahlen auf Grumt des allgemeinen Wahlrechts (f(K)7) in Erscheinung. Damals wurden vier jüdisch-nationale Rcidisratsahgcurdnctc in das Parlament entsendet, die den jüdischen Klub bildeten. 111 den Wahlen des Jahres 1011 verlor der Jüdische Klub die Mehrzahl seiner Mandate infolge der bekannten galizischen Wablniillbräiichc. Trotzdem hat die jüdisch-nationale Politik Oesterreichs nichts von ihrer Existcnzbercch* tigung verloren, weil ihre Grundgedanken den Lebensbeilitigiingcn des österreichischen Judentums entspringen. Die österreichische Regierung, die sich besonders im gegenwärtigen Zeitpunkt von der Loyalität und unerschütterlichen Treue der jüdischen Nation in Oesterreich überzeugt hat, steht den jüdisch-nationalen Bestrebungen viel freundlicher gegenüber als gewisse Kreise des österreichischen Judentums, die für ihre Sondcriiitercssen fürchten, wenn es dem jüdischen Volke gelingt, die Sicherung seiner nationalen Eigenart durchzusetzen. Die Möglichkeit einer Wahrung der jüdischen Volksrechte im Rahmen des Gegenwartsprogramnies liegt in der Schaffung eines jü-* discheti Wahlkatasters und in einer Reichsorganisation der jüdischen Kultusgemeinden. Diese sind heute noch zum größten Teile von assimilatorischen Tendenzen beherrscht, können und müssen aber nationalisiert und demokratisiert werden. Wenn die nationalen Juden in dem schon von Theodor Herzl geforderten Kampf um die jüdischen Gemeinden sich durchsetzen, können die Kultusgcmcinden lebenskräftige Zellen eines jüdischen Volksorganismus in Oesterreich werden. E, Rbg. * Der nächste Vortrag des Zyklus findet Die nstag den 1. Dezember, abends 9 Uhr, im kleinen Saal der Prachtsäle des Westens, Spichcrnstr. 3, statt. Es spricht Herr Kurt Blumenfeld über: ״Die Juden politik der Mächte“. Zutritt haben nur Mitglieder der Zionistischen Organisation. Solche Gesinnungsgenossen, die erst von jetzt ab an dem Zyklus tcilnchmcn, erhalten für die noch folgenden vier Vorträge Karten zum Preise von 1 M. Die Karten sind erhältlich bei dem Kassierer der B. Z. V., Herrn Dr. Schwarz, Tempelhof, Berlinerstr. 74 und an der Abendkasse. Es werden noch sprechen: Herr Kurt Blumenfcld: Die ludcnpolitik der Mächte; Herr Leo Motzkin; Die Juden in Rußland; Herr Nahum So ko low: Die polnischen Juden; Herr Richard L i c h t h e i m: Die Juden im Orient, Eine jiddische Tageszeitung ln New York Seit Anfang November erscheint in New York unter der Redaktion des bekannten jiddischen Publizisten Hermann Bernstein eine neue jiddische■ Tageszeitung ״Der Tag". Unter den Mitarbeitern der neuen Zeitung befinden sielt auch eine Anzahl bekannter Zionisten wie l)r, J, L. Magncs und Louis D. Brand eis, ״Der Tag" wird allwöcltent« lieh ein englisches Beiblatt hcrausgcgcbeii, das insbesondere den Bedürfnissen der Jugend angepaßt sein wird, RÜBDSCHflU DER PRESSE ln den ״Grenzboten“ veröffentlicht Adolf F r i e d c m a n 11 einen Artikel ״Israel Z a n g w i 11 an die Neutrale 11", in dem er Zangwills Eintreten für die englisch-russische Politik der Kritik unterzieht. Es heißt in diesem Aufsatz: ״Wir Juden erinnern uns an einen Mann, der in zahllosen Ver- Sammlungen Westeuropas Worte von erbittertster Erregung, von blutigstem Hohne über das Zarentum an der Newa sprach, der alle Völker aufzustachcln versuchte gegen das Verbrechen der Kosakenregierung. Ein ganzes Leben hat dieser Mensch daran gesetzt, die Acrmstcn unter den geknechteten Völkern aus dem glühenden Ofen zu holen, in dem sic schmachten — und er löscht seine ganze Lebensarbeit aus mit einem Federstrich.“ Der Aufsatz schließt: ״Nein, wirklich ein ganz einfacher, schlichter, unpolitischer Jude in Lodz oder Berdytschew kamt nicht glauben, daß ein siegreiches Rußland den Juden Freiheit geben werde, die es ihnen nicht einmal jetzt in der höchsten Gefahr des Landes zubilligt. Sir Edward Grey möge zunächst bei seinem glorreichen Verbündeten an der Newa, der ihm im Kampfe für die Menschheit bei* steht, ,vorstellig werden, daß die Pogroms aufhören, daß man nicht eine größere Prozentzahl von Juden als von Christen zum Dienst für die Sache der eigenen Bedrücker preßt, daß man sie nicht in die vordersten Reihen als Kanonenfutter stellt, wie in Przcmysl . . . Glücklicherweise sind die amerikanisehen Juden klüger und weniger vergeblich als Herr Zangwili, und so hat er denn auch bisher in Amerika nur Zurückweisungen erfahren. Herr Zangwili schrieb von den Kindern des Ghetto ein schönes Buch. Er hat ן I

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