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Jüdische Rundschau · 1914-10-30 · Heft 44 (30.10.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 44 (30.10.1914)
Date
1914-10-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44 RUIIDSCHAU Seite 407 Die zionistische Massen- Versammlung in Boston (Von unserem Berichterstatter.) Boston, 2. Oktober. Aus alten Teilen der Umgebung Bostons waren die Menschen herbeigestromt, um der Versammlung bci/uwolmcn, in der Dr. L e v i n und Louis I). B r a 11 deis sprachen. Es sind oft grolle Versammlungen in Boston abgehalten worden, aber niemals wurden Redner so aufgenommen wie Brandeis und Dr. Lcviu. Die jüdische Note, die Brandeis erklingen lieb, ergriff die Versammlung. Dr. Levin hielt eine glänzende Rede in jiddischer Sprache, ferner sprach Herr Jacob de Haas. Die Sammlungen ergaben <1100 Doli. Eine Wolffsohn - Gedächtnisfeier in New York Eine Gedächtnisfeier für David Wolffsohn, veranstaltet vom Zionistischen RaJ von Groll ■New York (Zionist Council of Grcater New York) fand in Keßlers Theater am 1, Oktober abends statt. Die Raume waren überfüllt. Dr. Sch mar ja Levin, Mitglied des Engeren Actions-Comites, hielt die Gediiehtnisrede, die die Bedeutung des verstorbenen Führers .für die zionistische Organisation in warmer und aufrichtiger Weise würdigte. Dr. Lcvin sagte, dall in Wirklichkeit Wolffsohn der erste zionistische Führer war. Herz! war kein Führer, sondern ein populärer Held, der Schöpfer einer Epoche, auf die man seit vielen Generationen gewartet hatte. Er war der Seher, der Prophet, welcher mit seiner Vision den Horizont umfaßte und den ganzen Schmerz des Volkes in der Verbannung in sicli aufnahm. Herzl schuf aus seiner großen, künstlerischen Seele heraus die zionistische Organisation, welche die einzige große Macht besitzt, die die Juden während ihres ganzen Exils gefühlt haben, die Macht, das ganze Volk zu vereinigen und zu führen. Es werden Generationen vergehen, bevor wieder ein Herzl geboren wird. Wolffsohn aber war der erste zionistische Führer. Er war der erste, der dem Volk die Deber- Zeugung gab, daß der Zionismus nicht mit Herzl ins Grab gesunken ist. Dr. Levin berührte mich seine Stellungnahme gegen Wolffsohn und begründete sie mit wichtigen Prinzipien, welche nichts Personliclics enthielten. Die Wohlfahrt der Bewegung nud der höchsten Interessen des Zionismus erforderten cs, daß gewisse Fragen erledigt werden mußten, und daß bestimmte Prinzipien, an welche Wolffsohn glaubte, geändert werden mußten. Dr. Lcvin schloß seine Rede mit der Bemerkung, daß der verstorbene Führer zu den Menschen gehörte, von denen man sagen kann, daß sie ״zu ihrem Volke versammelt wurden“. Weitere Pressestimmen zu Zangwills Aufruf Unser Budapcster Bruderbiatt ״Zsidö Szcmle“ beschäftigt sich in seiner jüngsten Nummer mit den! bekannten Aufruf Zangwills an die Juden der neufralen Länder und mit den voraussichtlichen Wirkimgen dieses Aufrufs auf die antizionistische Ito- Bewegung in Ungarn. Es heißt in der betreffenden Notiz u. a,: ״Der Zangwillschc Brief ist sehr niederdrückend. Welche Naivetüt gehört doch dazu, aus den Worten Grey« Hoffnung zu schöpfen auf eine Befreiung der russischen Judcnhcit, . . . Dieser offene Brief macht es geradezu zu einer Unmöglichkeit, daß Zangwill weiterhin der geistige Beweger einer ungarischen Vereinigung wie der ״Ungarischen Ito“ bleibe. Wir wollen ritterlich sein und von der ״Ungarischen Ho“ nicht fordern, daß sie jedes Band, das sie an ihren Urheber knüpft, zerreifk. Wir wollen die ״Ungarische Ito" nicht einmal fragen, ob sic im Hinblick auf die feindselige Haltung Portugals noch au der Erwerbung — Angolas fesfhält. Aber wir nageln die Tatsache fest, für den Zeitpunkt, wo die ״Ungarische ito“ etwa wieder versuchen sollte, den 1111 g n r i s e h e 11 Patriotismus ausschließlich für sich in Anspruch zu nehmen.“ * In der ״Jüdischen Presse“ (Berlin) schreibt Dr. Arthur Kahn u, a.: ״. . , Wir aber fragen uns, wir deutschen Juden und unmittelbare Nachbarn Rußlands, wie kann ein noch geistig intakter, wie kann überhaupt ein Jude lmd wie kann ein gebildeter, sittlich empfindender Mensch sich •unterfangen, zugunsten Rußlands Juden einfangen zu wollen?! Für einen Psychologen ist das so völlig unverständlich, daß man sich beinahe versucht fühlt, die Psychiatrie zu Hilfe zu nehmen, J ü E1) 1C L’ f: um hei einem gesvl; dien Men-.eben, für den wir Zangwill, trotz seiner ‘.pnm:׳!;;:ften und von kautischcr Logik durchaus nicht!!>/.ügdu׳n Geistesbeschaifenhcit immer noch hüllen, sulche Handlungsweisen erklären zu können. Mau suche das phantastische Gebnhren zu verstellen. Also (Irev, über den wir hier weiter nichts sagen wollen, als daß er gegenwärtig ein englisches Ministen mrtekuille inneliat, also ein ״wandelbarer“ ׳englischer Minister, macht Herrn Zangwill, einem englisch-jüdischen Schriftsteller, Zugeständnisse für die Zukunft in Rußland lebender Juden I . . . Das sind doch wenig׳ verlockende Versprechungen, die den zu neunzig Prozent russisch-amerikanischen Juden Sympathien ablocken könnten.“ In der größten jiddischen Tageszeitung New Yorks, der ״Jewish Gazette“, richtet J. L. Dolidansky einen offene a Brief an Mr. Zangwill, dem wir folgendes entnehmen: ״. . . England und Frankreich schicken ihre besten Söhne in den Krieg, um, wie Sie sagen, den deutschen Militarismus zu brechen . . . Mag׳ sein, in Deutschland ist Militarismus, aber in Deutschland sind auch Wissenschaft, Kunst, Literatur, Poesie, Philosophie zu Hause. 111 Rußland hingegen ist bloß der Militarismus zu Hause, ohne daß Wissenschaft, Kunst, Literatur, Poesie und Philosophie eine ruhige, sichere Heimstatte gefunden hätten, ln Wahrheit ist das ein Kampf, zu dem Zwecke, um Europa unter das Joch des Zaren zu bringen. Auch ich spreche vom Standpunkt eines Weltpatrioten, wenn ich behaupte, daß Europa f ii r den Fall eines siegreichen Rußland den größten Gefahren ausgcs c 17. t ist. Und Sie bitten uns, dem Dreiverbände und Rußland unsere Sympathien zu beweisen. Uns, die Kischincw und andere Pogrome miterlebt haben! Uns, die jüdischen Massen von New York, die Opfer des Zaren, die aus den russischen Schulen Ausgcschlosscnen, die aus den kleinen russischen Städten Ausgewiesenen, 1ms, die von den Henkern des Zaren Geschlagenen und Beraubten, uns, die wir durch den schändlichen Beiiis-Prozeß und andere ähnliche Prozesse so tief beschämt, in unserer Seele gekränkt und schwer beleidigt wurden. Uns alle bitten Sie, d a II w i r R u ß I a 11 d unsere S y m p a t h i c n erweisen m ö g e n. Glauben Sie mir, Mr. Zangwill, daß es bloß die große Achtung ist, die ich vor Ihnen als Dichter und als Manu des öffentlichen Lebens liege, die mir diese Worte diktiert. Als ich Ihren Brief an uns in der ״New York Times“ las, da hatte ich die Empfindung, daß ein großer Mann, an den ich geglaubt, .... in den Staub gestürzt ist. Solche Worte von Mr. Zangwill iiiiler/eidniet zu sehen, war die größte Enttäuschung meines Lebens," * Dieselbe Zeitung führt in einem Leitartikel aus: ״Wir haben gewiß Respekt vor der Zivilisation Englands und Frankreichs, aber uns fehlt der Glaube daran, daß die deutsche Zivilisation die Welt zerstören würde, und daß die Kosaken und Japaner sie retten müßte n. Aber Mr. Zangwill vertröstet uns auf bessere Zeiten in Rußland, weil Sir Edward ürey ihm das Versprechen gab, daß er nach dem Kriege seinen Einfluß darauf verwenden werde, daß Rußland die Juden besser behandle. Das sind jedoch für uns kalte, i 1111 a I l s 1 0 s e Worte. Erstens ist es sehr wahrscheinlich, daß Mr. Grey nach dem Kriege andere Dinge im Kopie haben wird, als den Willen, auf Rußland eiu/iiwirkeu . , , Und selbst wenn Mr. Grey ja plötzlich die Lust anwandcln sollte, sielt t'iir die Juden eiii/.usctzeii, so ist cs zumindest sehr zweifelhaft, ob man in Rußland seinem Rate auch folgen wird. Mr. Zangwill hatte wahrscheinlich die Absicht, das wieder giitziimachen, was er vor einigen Woci\e!1 verdorben hat, als er in der Londoner ״Times“ gegen, eine Verbindung Englands mit Rußland freimütig aufgetreten ist. Damals wurde er in der englischen Presse angegriffen. Sein Aufruf an die amerikanischen Juden isl, wie es scheint, gemacht worden, um den schlechten Eindruck, den sein nach englischer Auffasstmg taktloses Auftreten hervorgerufeu hat, abz.11schwächen. Es ist traurig, daß Mr. Zangwill nicht verstanden hat, vor zwei Wochen zu schweigen, wie man cs in England von ihm verlangt hat, er hätte sich damit seinen?.weiten Irrtum und seinen z.weitcn Fehltritt ersparen können. Es war nicht nötig, daß er als Engländer in der Kriegszeit gegen sein Vaterland auftretc, und er durfte noch viel weniger nachher die amerikanischen Juden auffordern, größere englisclie Patrioten zu werden, wie er selbst es vor wenigen Wochen gewesen ist.“ t jjjgl Wie der Kaiser dem religiösen Bedürfnis seiner im Fehle stehenden jüdischen Soldaten anläßlich des Jom-Kippur Rechnung getragen hat, geht aus einem Armeebefehl hervor, der auf Anordnung des Kaisers streng ausgeführt wurde. Danach mußten sich sämtliche israelitischen Soldaten, sofern sie sich nicht in der Fcuerlinic befanden und daher unabköiuntlich waren, unter Führung jüdischer Reserveoffiziere u «ul O f {i z i e r s t e I! vc r - treter bei den einzelnen Brigaden an einem bestimmten Punkt am Morgen des Versühmingstages eiiifiiulen, um dann eine hinter der Front belege ne Stadt auf/usuchen. Da in Nordfrniikreich nirgends %n;1gogen vorhanden waren, wurde der Gottesdienst für die jüdischen Soldaten der einzelnen Armeekorps in katholischen Kirchen abgehalten. (Vgl, auch den in \origer Nummer .־!!)gedruckten Feldposthrief eines auf dem westlichen ,Kriegsschauplatz befindlichen Gesinnungsgenossen,) Derselbe begann morgens um!;8׳ Uhr mul dauerte bis zum Eintritt der Dunkelheit. Die Fcldrabbiner predigten zweimal vormittags und abends, und stimmlich begabte Soldaten fungierten als Vorbeter. Die meisten Besuchcr der Gotteshäuser fasteten und hielten bis zum Schluß der Andacht aus. Daun erhielten sie aus eigens zu diesem Zwecke herbeigeschafften Feldküchen ein kräftiges Essen und kehrten in der Nacht noch zu ihren Regimentern zurück. Aus vielen Feldpostbriefeii, die jüdische Soldaten an ihre Angehörigen in 11er Heimat schrieben, geht hervor, daß die Betreffenden niemals einer so ergreifenden Andacht beigewohnt hätten, wie au jenem Tage in Frankreich. — Die gegen Rußland kämpfenden jüdischen Krieger waren am 30. September für den ganzen Tag beurlaubt und konnten den Feiertag in den Synagogen 'der Grenzstädte Ostpreußens begehen. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Nochmals bitten wir alle Gesinnungsgenossen, uns die Adressen im Felde stehender Freunde mitz.utcilen. Wir haben zahlreiche Feldpostbriefe er- Iialten, in denen uns Gesinnungsgenossen, denen wir die ,,Jüdische Rundschau“ ins Feld nachsenden, aufs herzlichste danken und versichern, mit welch großer Freude sie alle zionistischen Nachrichten empfangen. Zionistische Vereinigung für Deutschland, Aufruf! Oie Unterzeichneten haben die Herausgabe einer Sammlung von Kriegsbriefen deutscher und öslerrcichischcr Juden in Angriff genommen, die demnächst erscheinen soll. Obwohl eine große Anzahl von Briefen bereits vorhanden ist, wäre die Bereidimmg des Materials sehr erwünscht, Die Unterzeichneten bitten alle, die Originalbriefe, Auf/.eichniuißeii, auch photographische Aufnahmen und Hand- Zeichnungen besitzen, diese zur Verfügung zu stellen. Die Originale werden den Eigentümern nach kürzester Zeit z.urückerstattet und evtl. Auslagen vergütet. De r H e r a 11 s g e b e r: Dr. Engen Tamienbatim, Berlin W, 02, Bayrcuthcr Str, 21. Der Verlag: Jüdischer Verlag, G.iii.b. 11., Berlin W, 15, Sächsische Str, 8. Berlin. Folgende Gesinnungsgenossen haben in letzter Zeit das Eiserne Kreuz erhalten: Dr. Felix Th c i 111 abc r-Berlin, Rechtsanwalt Martin E x in e r - Berlin (K. J. V.), Moritz jaschkowitz aus Kempen (Posen), Dr. Harry M o s e s - Königsberg (K.J.V.), Reg,•Baumeister Alex Baerwald- Lichlerfelile (Mitglied der B. Z. V.), Dr. S. L e v y Hamburg, Dr. Isaak H o r 0 w i t z (K, J. V.). pr eine junge Österreicherin, 20 Jahre ult, die aus Lemberg hierher gellUehtct ist, wird ,Stellung als ׳ Buchhalterin und Korrespondentin gesucht.. Sie war lange Jahre in ithnlu'heu Stellungen tätig und ist mit allen Kontorarbolten vertraut. Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. ׳ist 1 i 111 1

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