Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 41-42 (16.10.1914)
- Date
- 1914-10-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 41/42 nur: dsc hau Seite 391 JU CI Gesucht: Chazek Koslowitsch aus Kolno; Meer Schklanewitsch nebst zwei Söhnen, aus Kolno; Frau Le ff, aus Kolno, Karlsbad, Hotel Spino; Jaiqtie Ootirowsky aus Wladikauknsc, Sind, des Polytechnikums in Lüttich; Adresse: Lüttich, <)1 Rue de Visc 01; Frau Hcnny Katz aus Pikein, zuletzt Berlin, bei M. Lewin, Mühlenstr., Eingang Florastr.; ' Rechtsanwalt Jakob Salschupin, seine Frau und Kinder, Bad Langcnschwalbach, Hotel Metropol; Isidor J os s e 10 w i t sch (36 Jahre alt) hat die letzten 4 Jahre in Memel gewohnt, von dort ausgewiesen und anscheinend nach Insel Rügen verschickt; Ikrnhard L u b k a katn aus Malmö, Schweden, nach Berlin, 30. Juli; M. Rabi no w i t sch, Frankfurt a. M., Erlenstraßc 10; Jakovv Grünberg aus Graewo, tätig in Stettin als Kaufmann (Fischhändler), Wohnung bei Herrn Mocs, Hagcnstr. 55, Stettin; Nucliim Dounajewski, Stud. d. Universität in Lüttich, Rue Tond-Pirette 130; Oerschon Machlin, Stud. der Universität in Lüttich, Rue Parlament 7; Die Brüder Natan und Meyer B c i s e r, Studenten des Polytechnikums in Lüttich; Frau Hetki Supnitzki aus Stabin, wurde operiert in der Klinik von Prf. Rassinski in Königsberg, Pulverstr. 7, vor der Kriegserklärung in der Königl. Medizin. Universitiits«• Polyklinik, Frummstr, 31; Nossel Rcwel, Johannisbad, Kronprinz Rudolf, Zimmer 20 oder Berlin, Winsstr. 62/63, NO. 55, bei Frau I. Rochclson; Boruch., Krupnik (25 Jahre alt), Berlin• Charlottenburg, Weimarer Str. 18, bei Weinberg; Herr Krupnik, Berlin-Charlottenburg, Waitzstr. 13; E. Sajontschik und Frau Schirka, Bad Nauheim; Itzek Baranowitsch aus Kolno; seine Frau Sara-Sima Koslowitsch, Kolno, p. Adr. Jaukel Koslowitsch, Kolno, üouv. Losr.schu. seine Frau Chajka Sdiklancwitsch, Kolno, Gouv, Lorasdia. A, A. Lc.'f, Kolno, Couv. Lomucha, seine Eltern aus Wladikaukase. Mowschc Kntz, Pikein, Gouv. Kow׳no. L. Salschupin, Warschau, Ögrodowa 5. Frau Josselcwitsch, Plotoiy (?), Gouverncni, Kowtio, seinen Bruder I. Lubka, Lodz, Postfach 367. seinen Bruder N, Rabinowitsch, Handelshaus, Mogilcw Podolsk. seinen Vater M. Grünberg, p. Adr. N. Schirmann, Bjalystok. seine Eltern. seine Ettern. ihre Eltern. ihren Mann und ihre Kinder, Stabin. ihren Mann. seinen Vater Jakow Krupnik aus Warschau, seinen Bruder Jakob Krupnik, Warschau. Esclika, seine Frau Seide Baranowitsch. Frau Lina Lipawski aus Kurschany, war in Karlsbad, Adr.: Hcnny Llpawski, Kurschany, Gouv, Kowno. I. Steffel, Haus Deutsche Flotte Nr. 121, Fischern bei Karlsbad (Oesterreich); Moses Birg er aus Bjalystok und sein Sohn Lasar? Mowschc Birger, Bjalystok, Oouv. Grodno, Haus E, Dobcrski, Masowetzkaja Ul., für Mowschc Birger. Mitteilungen nimmt entgegen; Das Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15. RUNDSCHAU DER PRESSE Die Zertrümmerung Rußlands Einem im ״Berliner Tageblatt“ erschienenen Aufsatz von Prof. Jastrow entnehmen wir folf;enden interessanten Absatz: ״Wenn dieser Krieg irgendein anderes Ende hätte, als daß das russische Weltreich zu existieren aufhört, dann waren Ströme Blutes vergebens geflossen. Auch Westeuropa ist einst ein Weltreich gewesen und zerfällt heute in mehrere Staaten, Die natürliche Ent- Wicklung muß in Osteuropa dasselbe Ziel haben. Wenn man im Falle der Besiegung Rußlands von diesem nichts anderes verlangte, als Finnland und Polen abzutreten, so würde das heißen, durch Befrciimg von diesen gefährlichen Anhängseln die Macht des Weltreiches sogar noch zu stärken, Europa hat eingesehen, daß es die Dynastie der Romanows nicht vertragen kann; ebensowenig wie die von ihr unterjochten Völker sie ertragen können. Nur wenn nach 'der Verjagung der Romanows auf dem Boden Ostcuropas ebenso mehrere Staaten errichtet werden, wie sie auf den! Boden Westeuropas bestehen, kann ein Friede als verbürgt gelten. (Wir halten ein Ein* gellen auf die Form, in der die absolut notwendige nachdrückliche Schwächung Rußlands zu erfolgen hat, allerdings noch für verfrüht, glauben aber auch, daß das Ziel des Krieges sein muß, Rußland möglichst weit aus Europa heraus und von den deutschen Gienzen abzudrängen. Die Redaktion.) Jeder andere Ausweg verbürgt die Fortsetzung der Ausdchnmigspolitik, die das innere Prinzip jedes Weltreiches ist. Seihst wenn den Waffen unserer wackeren Ostarmee weiterer Erfolg besehieden ist, so steht dennoch fest, daß schließlich ein Feldzug in Rußland nicht militärisch, sondern politisch entschieden wird, das heißt durch die politisch widerstrebenden Elemente im Reiche selbst. Dadurch, daß die ersten Nachrichten über vereinzelte revolutionäre Erhebungen sich als unrichtig herausgcstcllt haben, hat die irrige Meinung Platz gegriffen, als ob auf Revolutionen in Rußland nicht zu rechnen sei. Aber trotz der erfolgreichen Nachrichtenabspcrrung besteht kein Zweifel, daß nicht bloß in Polen und Finnland, sondern namentlich in dem ukrainischen Teile Südruülands — und zwar hier bereits in organisierten Formen — die revolutionäre Propaganda am Werke ist und auf unsere Heere als Befreier wartet, Der Feldzug kann nicht anders entschieden werden, als im Einvernehmen mit Revolutioniireu in allen Teile» Rußlands. Und da es unmöglich ist, im Falle eines Sieges unsere Helfer den Henkern des russischen Weltreichs ans Messer zu liefern, so folgt schon daraus mit Notwendigkeit, daß der Krieg nur ein Ende haben kann, wenn an Stelle des russisehen Weltreichs die verlangten selbständigen Staaten treten, 11 •״ I 4־ tmi 4 Ui U1 iI i %«,?״|IA unter russischen rM VvüLT >1 ua £Ggcfangcncn Aus der Rulilebcner Rennbahn bei Berlin, die zu einem Lager für russische Zivilkriegsgefangene eingerichtet worden ist, wird verschiedenen deutschen Zeitungen folgender bezeichnender Vorfall berichtet: Im ganzen sind ungefähr 1400 Personen auf der Rennbahn in Ruh leben uutergebraeht, für die eine verhältnismäßig kleine Bewachung vorhanden und auch nur nötig ist, da die Gefangenen sich selbst zu bcaufsichtigen haben. Sic sind in Gruppen von 10 bis 20 Personen Ungeteilt, über die ein intelligenter Zivil- Kriegsgefangener gesetzt ist. Dieser hat auf strengste Ordnung und Reinlichkeit zu sehen, und seinen An- Ordnungen ist unbedingt Folge zu leisten. Anfangs kamen Reibereien und Uiihotmäßigkcitcii vor, die sofort streng bestraft wurden. Es stellte sich bei der Untersuchung her;«!:;, daß Juden zu Maiuischaftsführen! ernannt worden waren. Diese wollten die Russen nicht als Vorgesetzte anerkennen, und sic glaubten in Deulschlaml ebenso mit den Juden ver; fahren zu könne« wie in ihrer Heimat. Erst ־ die Erklärung, daß sie sich bei weiterer Gchorsamsver- Weigerung schwere Strafen zuzögen, stellte die Ruhe wieder her. Israel Zangwills neuer Kurs Deutsche und ü;tcrrc;cnischc Blätter haben aus*, führ!!die Berichte über die neueste jüdisch-politische Betätigung des Herrn Z a n g w i 11 gebracht. Zarigwill erhofft das Heil für die Juden von einem Siege Rußlands und der Ententemächte. Er fordert die Juden der ganzen Welt -- mit Ausnahme der deutschen Juden — auf, ihre Sympathien Rußland und seinen Verbündeten ziizuwenden. Er ließ sich auch von — Sir Edward Grey die Erweiterung der Rechte der Juden in Rußland versprechen. Die neueste politische Aktion dieses ״Träumers des Ghetto“ ist ebenso naiv und wirklichkeitsfremd wie seine bisherige langjährige Landsuche in allen :innerdeutschen Territorien. Wie wenig Zangwill selbst von den Juden in englisch sprechenden Ländern ernst genommen wird, zeigt folgende Notiz der soeben eingetroffenen Nutnnter des jiddischen Witzblattes ״The Big Stick“ (Der Groisscr Kundcs), New York; ״Israel Zangwill erhielt heute von Zar Nikolaus einen ,Dankbrief für seinen letzten Aufruf an die Juden, daß sie im jetzigen Kriege zu Rußland stehen. Als Belohnung verspricht der Zar Herrn Zangwill ein Territorium in Sibirien, wohin er nach dem Kriege alle Territoriaiistcn seines Landes verschicken wird.“ ZIONISTISCHE BEWEGUNG Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Zur Nachahmung empfohlen Fräulein Louise Treu aus Düsseldorf übersandte uns *dieser Tage 10 M. für unseren Propaganda-Fonds mit dem Bemerken, daß sie diesen Beitrag von jetzt ab monatlich leisten würde, um die Organisation in der gegenwärtigen schwierigen Zeit nach ihren Kräften zu unterstützen. * Berlin. Folgende Zionisten haben in letzter Zeit das Eiserne Kreuz erhalten; Unterarzt Erich Jaruslawsky, Mitglied des K. J. V. (V. J. St. lvria. Gesinnungsgenosse Jaruslawsky ist zugleich zum Unteroffizier befördert worden; Siegfried Rosenbäum, Mitglied des K. J. V. (V. J. St. Königsberg); Fritz Meyer, Mitglied der Zionistischen Ortsgruppe Stettin (ist zugleich zum -Unteroffizier ernannt worden). , Berlin. Wie wir erfahren, sind noch folgende Gesinnungsgenossen im Felde verwundet worden: Max H i r 8 c h Charlottcnburg, Rcchtsanw. Manne• berg-Oppcln, "Alfons R ics c n f e 1 d -Ostrowo, Meinhold Nussbaum -Hanau a. M., Fritz Olascr. Ferner wird Gesinnungsgenosse Leo Kami nsky vermißt. Wir bitten alle unsere Freunde, die von privater Seite aus Palästina Briefe erhalten, sic uns zur Einsichtnahmc zur Verfügung zu stellen. Da auch jetzt' noch der Postverkehr mit Palästina unregelmäßig funktioniert, ist es für uns von Nutzen, wenn wir unsere Informationen über die Lage in Palästina durch private Berichte ergänzen können. Wir werden selbstverständlich jeden uns zur Verfügung gestellten Brief sofort nach Einsichtnahme retournieren. Zionistisches Zentralbureau, Berlin W, 15, Sächsische Str. 8. * Berlin. Unser geschützter Kollege, Herr Dr. Julius Becker, Mitglied des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der frühere Redakteur der ״Jüdischen Rundschau‘ und der ״Weit“, ist durch das Ableben seines Vaters, unseres treuen Gcsinnungsgenossen Herrn Louis Becker in Breslau, in tiefe Trauer versetzt worden. Wir sprechen Herrn Dr. Becker unser tiefgefühltes Beileid aus. Budapest. Die zionistische Organisation Ungarns hat einen ticfschmerzlichcn Verlust erlitten. Einer ihrer Besten und Tätigsten, Rechtsanwalt Dr. Ludwig D ö tu £ n y aus Budapest, früherer Leiter der ungarischen Landcssammelsteile des J. N. F. und Mitglied des zionistischen Lamleskomitccs, ist auf dein nördlichen Kriegs- Schauplatz gefallen. Döinöny war einer der ersten Vorkämpfer unserer Bewegung in Ungarn und zeichnete sich durch außerordentliche organisatorische Fähigkeiten und rastlosen Arbeitseifer aus. Er war auch Begründer der nationaljüdischen Wanderbewegung in Ungarn und Kommandant des Wanderbundes ״Kadimah“. Ehre seinem Andenken! I