Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1914)
- Date
- 1914-09-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 •JUEDISCHD RUNDSCHAU Seite 375 An unsere Leser! Wir bringen hierdurch unseren geehrten Abonnenten zur Kenntnis, daß auch im vierten Quartal 1914 ״Die Welt“ infolge der kriegerischen Ercignisse nicht erscheinen kann. Die Bc-; :her unseres Blattes, die den Abonnementbetrag für das vierte Quartal bereits entrichtet haben, erhalten anstelle der ״Welt“ die ,Jüdische Rundschau“ bis zum Abonnementsablauf zugeschickt. Gleichzeitig laden wir die Abonnenten unseres Blattes, deren Bezugszeit am 30. September oder früher abgelaufen war, zum Abonnement der ,Jüdischen Rundschau“ ein. Die Bezugspreise sind die gleichen wie für ״Die Welt“, nämlich für Oesterreich-Ungarn . . . M. 2,50 für alle übrigen Länder . . . M. 3,40 pro Quartal. Sämtliche Abonnenten erhalten auch die in vier Wochen erscheinende Sondernummer der ״Welt“, die dem Andenken David Wolffsohns gewidmet sein wird, kostenlos zugestellt. Da ein grosser Teil unserer Leser infolge des Krieges ihren Aufenthaltsort wechseln mußte, so bitten wir unsere Gesinnungsgenossen, soweit sie dazu in der Lage sind, uns die jetzigen Adressen von Zionisten aufzugeben, die die Zustellung der ,Jüdischen Rundschau“ wünschen. Wir hoffen, daß alle unsere Gesinnungsgenossen die ״Jüdische Rundschau“ abonnieren werden, um in dieser ernsten Zeit mit uns in ständiger Verbindung zu bleiben. Verlag ״Die Welt“. flOS ALLER WELT Hervorragende Waffentaten eines jüdischen Soldaten in Oesterreich Der Infanterist Julius Reif des 31. Infanterie• regiments (ein Handelsgehilfe aus Mährisch-Schönberg) hat sich durch eine Reihe von Heldentaten hervorgetan. Am 24. August eilte er im Gefecht bei Suchodo! allein der 3. Kompagnie voraus, entfernte die feindlichen Distanzpflöckc und nahm an der Spitze seiner Kameraden im Sturm die feindlichen Stellungen. Er wurde sofort zum Korporal ernannt. Am 27. August hielt Rejf allein mit zwölf Mann im heftigsten Feindesfeuer aus. Atu nächsten Tage führte er, mit einem Zugskommando betraut, den Zug taktisch richtig gegen die feindliche Stellung und trug wesentlich zur Zuriickdränguug des Feindes bei. Mit siebzig Mann griff er hundert Russen an, stach erst den feindlichen Kommandanten nieder und jagte die Hälfte des Feindes in die Flucht, nachdem er die übrigen getötet hatte. Später ging er auf eine Anhöhe vor, wo vier feindliche Maschinengewehr-Abteilungen aufgestclit waren, nahm deren Bedeckung gefangen und erbeutete die Maschinengewehre. Reif wurde zum Feldwebel befördert und für die höchste Auszeichnung für Unteroffiziere vorgeschlagen. Jüdische Flüchtlinge aus Galizien in Westösterreich Wir lesen in der ״Oesterrcichischen Wochenschrift“: ״Große Teile von Mähren, Ungarn und die Residenzstadt Wien haben zahlreiche Scharen von neuen Einwohnern erhalten. Kleine und stille Städte Ungarns sind von ihnen erfüllt, am Wiener Südbahnhof kampieren sie in Eisenbahnzügen auf einem Nebengeleise, und die Judengemeinden Mährens müssen alle ihre Mittel bcreitstclien, um diesen Flüchtlingen aus den nordöstlichen Teilen unserer Monarchie Nahrung und Unterstand bieten zu können. Wenn ■eine Katastrophe der NaUirciemcnte »tätigefundet! hätte, vor welcher diese Unglücklichen gewichen wären, r״ wäre in ganz Europa Mitleid und Hilfe für sie zu finden gewesen. Nun aber heißt dir Unglück Schicksal, tu Klagen ist jetzt keine Zeit, denn die Erde ist aus den Fugen , . . ■ Allerdings geschiebt von Seite der Behörde alles Mögliche für die Flüchtlinge und das Notwendige wird für sie nach Kräften hcrheigeschafft. Es ist aber besonders viel notig geworden. Denn die Masse dieser vor den Kosaken und Kanonen geflohenen Leute gebürt dem jüdischen Proletariat an, stammt aus den ärmsten Bezirken Galiziens, und wenn es sich auch für die Flucht hätte vorbereite״ können, so ist nichts Nennenswertes zum Mitnelunen dagewesen. Auch von jenen, die zu Hause ihr Dasein hätten ohne große Sorgen fristen können, sind die meisten auf «las öffentliche Mitleid und die Beihilfe des Staates angewiesen, Denn sic konnten nur die geringsten 1 eile ihrer Habe mitiiclimen, Handel und Wandel stockten schon lang mul so sehen sie bang ihrer Zukunft entgegen. Es ist zu hoffen, daß die Tapferkeit ihrer Armeen ihnen allen bald wieder den Rückweg in die Heimat erlaubt und sic der größten Sorgen enthebt. Auf jeden Fall jedoch werden sie grau- Same Zerstörungen vorfimleu und es wird sehr lange dauern, bis sich die Gesellschaft und ihre Ordnung wieder zu&ammcnfindct.“ * * Der Wiener ״Hilfsverein für die jüdische Bcvölkcruiig Galiziens“ hat den Betrag von fünfzigtausend Kronen mit der Bestimmung gespendet, daß hiervon die durch die Kriegsercignisse in Oalizicn brotlos gewordenen jüdischen Familien unterstützt werden. ״Der Verband der östlichen Juden in Wien" hat ebenfalls eine Hilfsaktion eingeleitet und zu diesem Zwecke ein Komitee eingesetzt. Russische Gewalttaten gegen die Juden in Galizien Das ״Prager Tageblatt“ erfährt; Verläßliche Nachrichten aus Galizien stimmen darin überein, daß die Russen überall in Galizien, wo sie Ortschaften besetzen, mit systematischer Brutalität gegen die jüdischen Einwohner vorgehen, die ruthenische Bauernbevölkerung gegen die Juden aufhetzen und jüdisches Eigentum sowie «Ins Eigentum der zumeist geflüchteten polnischen Gutsbesitzer ruthcnischen Bauern überantworten. Die von den Russen an jüdischen Einwohnern verübten Gewalttaten nehmen immer größeren Umfang an. Russische Juden als deutsche Kriegsfreiwillige die Beerdigung verstorbener Soldaten jüdischem Glauhe 11s ebenso stattfimlet, wie die der andern Militär-!eichen, auf Wunsch aber auf jüdischen Begräbnis- )Litzen erfolgen kann. In solchem Falle wird die -eiche bis zu dem bezeichnten Platze gebracht und dort der jüdischen Gemeinde übergeben. Auf das Ruiulscbreiben an die Gemeinden sind bereits verschiedene interessante Fälle gemeldet worden, in denen Gelegenheit geboten wurde, für unsere verwundeten und lieimgcgangcnen Brüder die letzte Fürsorge zu üben. Berlin. Der Dcutsch-lsraclitischc Gcmcindcbund ist bemüht, solchen Beamtenfamilien, die durch den Ausbruch des Krieges in schwere Not geraten sind, insbesondere denjenigen, deren Ernährer im Fehle stehen, einmalig Beihilfen zu gewahren. Zunächst hat er dem Verbände der Synagogcn-Gcmeindcn Ost- Preußens, der sich zur Milderung der Not der jüdischen kcligionslehrer jener beklagenswerten Provinz an alle Gemeinden gewendet hat, den Betrag von 500 M. bewilligt. Auch wird die Gemeinde-Unterstüt/iings-Kommission selbstverständlich für die Zeit der Unterbrechung des Unterrichts den Gemeinden die Unterstützungen weiter gewähren, damit die Lehrer in ihren Bezügen nicht verkürzt werden, ln gleicher Weise wird überall, wo der Unterricht durch Einbcrufuug der Lehrer verwaist ist, die Subvention weiter gezahlt. Familien von Gemeindebeamten, die in der oben geschilderten Lage sich befinden, können Gesuche bis zu in 15. Oktober beim Deutsch-Israelitischen ücmciiidcbund, Berlin, Steglitzer Str. 85, ein. reiclicn. Berlin. Dem Assistenzarzt im 3. bayerischen Armeekorps, Dr. Max Kirs ebner (München-Ilerlin), der im Westen steht, ist das Eiserne Kreuz verliehen wurden. Köln. Am hiesigen jüdischen Lehrerseminar fand unter Vorsitz, des Königlichen Provinzial-Schulrats Volk in er für diejenigen Schüler des oberen Kurses, die entweder schon eiiigc/ogcn sind, oder sich als Kriegsfreiwillige gestellt haben und als militärtauglich befunden worden sind, die Notcnllässungsprüning statt. Von 11 Zöglingen nahmen 9 an ihr teil, die alle mit gutem Erfolg bestanden. Stuttgart. Unser Gesinnungsgenosse Herr Oskar W e i 11 s c 11 e 1, in Firma Wcinsmcl fV Katz, hat durch Vermittlung des I n v a I i dc n d an k den im Felde stehenden Truppen 100 000 Zigaretten zur Verfügung gestellt. Die Versendung erfolgt in der Weise, daß die Firma Weinsdici IV Katz, wenn ihr eine Feldadresse mitgctcilt wird, dem betreffenden Soldaten sofort eine Zigarclleitscndung ziistcllt. Wir bitten unsere Gesinnungsgenossen, die von diesem Anerbieten hoffentlich recht zahlreich Gebrauch machen werden, ihre Mitteilungen an I lernt Weinschcl, Inhaber der Zigarettenfabrik Weinsdiel T« Katz, mit Nationalfondsmarken zu verseilen, Prag. Unser Gesinnungsgenosse Herr ing. cand, Julius Stukhardt, Fähnrich im k. u. k. Infanterie- Regiment Nr. «)3, ist in der Schladit bei Krasnik gefallen. Die Prager zionistische Organisation betrauert in ihm einen tatkräftigen Gesinnungsgenossen, der allgemein beliebt und angesehen war. Ehre seinem Andenken. Von den in Künig.sbcrg lebenden russischen Juden haben sich 32 junge Leute als Kriegsfreiwillige zum deutschen Militärdienst gemeldet und sind auch angenommen worden. N£:cl2‘״:־chten Berlin. Der Vater unserer Gesinnungsgenossen Dr. Eduard Leszynsky mul Dr. Rudolf Les z y 11 s k y, Herr S. I. Leszynsk y, Subdirektor der ״Viktoria“, feierte am Sonntag, dem 20. September, seinen 70. Geburtstag. Herr Direktor Leszynsky hat immer eifrig am jüdischen Leben teiigenommen und bringt auch heute noch allen jüdischen Fragen lebhaftes Interesse entgegen. Berlin. Eine Volksspeise 11 alle ist am 0. d. M. in der Grenndicrstr. 37 eröffnet worden liauptsächlich für die bedürftige jüdische Bevölkerung, die auf rituelle Kost reflektiert. Ihnen wird Gelegenheit geboten, für wenig Geld (10—40 Pfennig) ein gutes, Kräftiges Mittagbrot zu bekommen, (Suppe, Gemüse, Fleisch, Kartoffeln, Brot). Die Halle steht unter der Leitung des hiesigen Vereins ״Haclmassath Qrchiin“ (Dr. Meier Hildesheimer) und der ״Frauengruppe der Fr. Vgg.“ (Frau B. Oalcwski), von denen eine große Anzahl von Damen und Herren in aufopfernder weise sich in den Dienst dieser Einrichtung gestellt und auch die erforderlichen Mittel gespendet haben. Berlin. Der jüdische Ruder-Club ״Ivria“ hat von seinen 39 aktiven Mitgliedern 31 im Felde stehen, Drei weitere kriegsfreiwilligc Mitglieder werden in nächster Zeit folgen. Berlin. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat sich am 21. August an das Kricgsministcrium mit der Bitte gewandt, dahin zu wirken, daß jüdische Soldaten, die m deutschen Lazaretten ihren Wunden erliegen, auf einem jüdischen Friedhofe ihre letzte Ruhestätte finden können und darauf hingewiesen, daß er sich in gleichem Sinne an die jüdischen Gemeinden gewandt habe. Unterm 9. September hat das Kricgsministcrium den Bescheid erteilt, daß die Möglichkeit^ der Beerdigung von Heeresange■ hörigen jüdischen Glaubens auf jüdischen Kirchhöfen für die im Heimatsgebiet Verstorbenen insofern ge geben ist, als die Verwaltung der Rcservclazarette nach den Bestimmungen der Fricdens-Sanitätsordnun, zu erfolgen hat. Diese schreibt im § 137,6 vor, da 1914 Wochenkalender 5675 תרע״ה September תשרי Thiichri Freitag 25 ה 5 Sonnabend 26 ו 6 שבת Sonntag 27 ז 7 Montag 28 ח 8 Dienstag 29 ט 9 Mittwoch 30 י 10 Oktober Donnerstg. 1 יא 11 Freitag 2 יב 12 Sonnabenc 3 יג 13 שבת Wajülech, 8' Schubah וילך, שבת שובה Nacht 6,40 Ho*e»!4,1 — Hl שובה ישראל Jofil 2,15-57 תקעו שופר Micha 7,18—30 מי אל כמוך עשרת ימי תשובה ערב יום כפור Ver*öbnung«fe«l יום כפול■ Totenfeier הונית נשמות Nacht 6,80 Jeeajah 57,14-58,14 ואמר סלו סלו «11 Mincha: Jona /,!-¥,ll דד,י דבר ה׳ אל יונה Micha 7,1«-20 מי אל כמוך Haaamu, האזינו Nacht 6 43 II. Samuel 22,1—5! וידבר דוד Jüdische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst) Freitag, 25. September, abends• in allen Synagogen 6*/4 Uhr. Sonnabend, 26. September, vormittags; in der Alten Synagoge 81/5 Uhr, in der Kaiserstr.- und Rykcstr.-Synagoge 9 Uhr, in der Neuen, Lindcnstr.-, Lützowstr.-, Fasancnstr.- u, Lcvctzowstraßcn-Synagoge: Frühgottesdienst 71/3 . Ulir, Hauptgottesdienst: 10 Uhr. *