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Jüdische Rundschau · 1914-09-11 · Heft 37 (11.9.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 37 (11.9.1914)
Date
1914-09-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r s I 1 I I I I 1 I I ך׳""■ f*׳ Abonnements •uf die wöchentlich am Freit«; erpeheinende ״Jüdische RuncUrJiftu1* koaten tai der Expedition und bei allen PoilhmUrn vierteljährlich J.50M., außerhalb Deutschland• und Ooaterreich*Un;arn» 2#׳־־*־ M.j für Mitglieder jüdiadier Vereine im Sammelbezug durch den Verein 1,- M. Jüdische Eundachaa! G. ra. b. II. BERLIN W. 15, SflchaUdie StraBe 6. Telephon! Amt UhUmi 845, 846, 868. PoaUcheckkonlot Berlin Nr. 17392. ץ■ - 3 -j W *־*־.״׳^ ך—f ךי״ץ ( y״.. ך-ין ״J v. l . J 1 koaUo für die •*dhsyesspalten• Petii״ | iftH« oder deren R4muq 40 Pf,ן Stalisn* | Angtbot« und •CWuch« sowie V« eiaa- ן MiUedungea und *Klein« ArtxcijfW* I O O O o nur 30 Pfennig. OOOO i Manuskript? werden, wenn Porto bdlieft, * •ULs turüdgeaandb RedaktionaadrluSt 1 Mittwoch vormittag«. ■ Redaktion jüdlfcha Saadidaaa I BERLIN W. 15, Slchaleebe StraB« 8. 1 Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868. ^^PosUchecklumtöi Berlin Nr• 17392. / (־"r ו .34/v\i V Nummer 37 XIX. Jahrgang, Zur neuen Le;כ״ Cr ״Zur neuen Lage“ iiat der bedeutende deutsche Geschichtschreiber Karl Lamp recht einen Vortrag genannt, der, am 23. August in Leipzig gehalten, jetzt gedruckt vorliegt (Verlag S. Hirzel in Leipzig). Auch für uns Juden ist eine neue Lage als Folge des europäischen Völkerkrieges im Entstehen, und wenn wir als politisch denkenden Juden bereits jetzt darauf ausgehen, uns in ihr zu orientieren, so wollen wir ־ einiges beachten, was Lainprecht zu sagen hat. Noch nie, das hat wohl jeder erkannt, ist ein Krieg aus so bewußt nationalen Motiven 'entstanden und mit einem so starken nationalen Idealismus geführt worden, wie dieser Krieg. So sieht auch Lamprccht in dem Kriege die Entladung des nationalen Geistes, den das 19. Jahrhundert reifen ließ. ״Noch die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts hat das, was unsere Väter, und Großväter Nationalbewußtsein nannten, kaum gekannt; noch für einen der großen Dichter und Denker dieser Zeit war es eine heroische Schwachheit. Seitdem ist dieses Nationalbewußtsein zu der außerordentlichen Höhe, die es in der Gegenwart erreicht hat, gestiegen. Fragen wir uns, warum, so liegt als tiefster Grund der Entwicklung eine große Wandlung des nationalen Seelenlebens vor, die sich bei den Völkern höchster Kultur immer wieder verfolgen läßt und die darauf hinausläuft, dem einzelnen ein weit höheres Bewußtsein seines Zusammenhanges mit den geschichtlichen Eie* menten, sowie mit den nationalen Kreisen der ihn umgebenden lebendigen Umwelt zu ver* leihen...Dieser Vorgang gehört aber keineswegs bloß der deutschen Geschichte an. Es ist etwas, das allgemein die europäische Geschichte bewegt, ja über sie in seinen letzten Aeußerungen selbst in die Geschichte der hochzivilisierten asiatischen Völker hinausgreift, wie es natiirlieh erst recht die neue Welt der amerikanischen KoloniaJvölker ergriffen hat. M a n d a r f sagen, dieser Nationalismus ist heute die größte bewegende Kraft der Weltgeschichte überhaupt. Diese nationalen Instinkte haben heute zu der kriegerischen Entladung geführt, weil sie sich mit Macht- und Herrschaftsfragen vorhinden. Ihre reinen und segensreichen Ergebnisse werden erst dann zutage treten, wenn diese einander feindlichen Bestrebungen ihr Gleichgewicht gefunden haben werden. Daraus aber, daß wir dann in einer Welt leben werden, die von einem klaren und tiefen Nationalismus erfüllt ist, werden sich für uns Juden entscheidende Konsequenzen ergeben. Wir denken zunächst an das Schicksal der für den Zionismus besonders wichtigen Juden des deutsehen Kulturkreiscs. Wir alle glauben bestimmt, daß Deutschland aus diesem Kriege als Sieger hervorgeht. Leicht kann man erkennen, daß dieser ungeheuren Leistung ein ebenso ungeheures Wachsen des nationalen Selbstbewußtseins entsprechen wird. Die Bewegung gegen alles Fremdländische, die jetzt mit Macht alle Deutschen ergriffen hat, ist nicht nur, ja nicht einmal vorwiegend, dem augenblicklichen Haß gegen die Feinde entsprungen, sie ist vielmehr der Ausdruck der Selbstbesinnung, die über Deutschland gekommen ist, sie ist der Anfang der deutschen Autarkie, »iaiaoaiMai-errw- ...... ■יאייייייייי*«■■ w)>׳:r Z'onfx.rar. ersirei•! für das jüdische Volk iJe LrlicL'aa[) clucr ö«cnt- Hcb-rc״'־F״cIi!*cifcbcrlcn Ileliasfliitc In Pallfcllza.״ Baseler Programm. die der Krieg — selbst wenn er unglücklich verliefe! — zur Folge haben muß. Wie wird die deutsche Judcnheit in ihrer Mehrheit auf diese deutsche Erhebung reagieren? Unfällig, eine Situation, an der sie selber beteiligt ist, mit historischem Blicke zu erkennen, bar aller inneren Kräfte, die sie befähigten, sich gegen starke äußere Einflüsse zu behaupten, wird sic ihre Assimilationsbcstrcbungen nur verstärken und ihre Seligkeit in der Hingabe des eigenen Selbst finden. Aber man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, daß diesen Assimilationsbestrebungcn ein noch kläglicherer Erfolg als den bisherigen bcschiedcn sein wird. Das deutsche Volk, dem, trotz Bismarck, das volle Selbstgefühl bis jetzt vielleicht noch gefehlt bat, kehrt siegreich aus diesem Kriege, dem Kriege um die Zukunft des Deutschtums, als ein Herrenvolk zurück. Jede jüdische Selbst- Preisgabe muß heftigste Abwehr hervorrufen und wird einen Antisemitismus erwecken, wie wir ihn noch nicht gesehen haben. Die einzig richtige Judenpolitik ist und bleibt die, die wir Zionisten seit Jahren betrieben haben. Wir brauchen nicht zu dementieren und nichts zu verleugnen. Nur durch absolute Ehrlichkeit, durch freies Bekennen unseres jüdischen Volkstums könneu die Juden sich im n e u d e u t * sehen Volke eine würdige Stellung schaffen. Mit unserem Blute haben wir erwiesen, daß es uns ehrlich ist mit unserer Hingäbe an das Deutsche Reich, dem als Bürger anzugehören wir uns zur höchsten Ehre anrechnen. Man wird keinem unserer jungen Zionisten nachsagen können, daß er an Körper oder an Geist ein schlechterer Soldat gewesen sei als ein anderer, lin Gegenteil! Unsere idealistisch erzogene Jugend, die auch den Körper zu pflegen gelernt hat, um ihn in ־den Dienst des Volkes stellen zu können, gerade sie hat den Geist dieses Krieges in tiefster Seele mitempfunden und ilvm entsprechend gehandelt. Um so mehr dürfen wir jetzt, da wir unsere Probe als treue und wertvolle Bürger des Reichs abgelegt haben — wir wollen uns dessen gar nicht besonders rühmen und nicht gleich eine Rechnung über die ,erwarteten Gegenleistungen präsentieren —, um so eher dürfen wir betonen, daß wir, unbeschadet dieser Solidarität (die sich wie alles Moralische von selbst versteht) im Frieden unscrer zionistischen Arbeit leben wollen. Die geistigen Auseinandersetzungen werden mit der gleichen Intensität betrieben werden müssen wie vorher. Es kommt darauf an zu zeigen, daß wir ein Anrecht darauf haben zu verlangen, auf die Art selig zu werden, wie cs uns unser Blut und unsere Geschichte vorschreiben. Unsere Hingabe au das deutsche Vaterland werden wir niemals deshalb in das rechte Licht rücken, um Gegenleistungen zu verlangen, sondern weil wir erweisen wollen, daß wir unbeschadet unserer national-jüdischen Bestrebungen wertvolle Glieder des Staates bleiben. Diese Bestrebungen aber, sind nötig, weil wir auch unser jüdisches I Volk vor dein Untergang zu retten haben. Wir müssen und werden bei dem deutschen Volke gerade nach diesem Kriege volles Verständnis dafür finden, daß wir auf unsere Art um die Erhaltung unserer Gemeinschaft kämpfen. Die Klarheit und Ehrlichkeit unseres zionistischen Programms kann uns im deutschen Volke nur Sympathienverschaffcn. Innerhalb des Judentums aber werden sich alle einsichtigen Eiemente weniger als je seiner Berechtigung und Notwendigkeit verschließen können. Dies wollen wir als die entscheidenden Gesichtspunkte festhalten. So fordert die ״neue Lage“ von uns nur eine Fortsetzung und Ausdehnung dessen, was wir in der alten begonnen haben. ec. Hilfe für Palästina (Eigener Drahtbericht.) New York, 3. September. Auf Veranlassung des Herrn Dr. Schemarjah Lewin hat sich in New York ein Komitee zur Aufrechtcrhaltung und Förderung der palästincnsischcn Institutionen während des Krieges gebildet. Mr. Brandeis, ein Freund des Präsideuten Wilson, der bekannte amerikanische Politiker, den Herr Sokolow bei seiner vorjährigen Anwesenheit in Amerika für die zionistische Idee gewonnen hat, steht an der Spitze dieses Komitees. Das Bestehen dieses Komitees ist für die ungestörte Entwicklung des zionistischen Kolonisationswerkes in Palästina von hoher Bedeutung, zumal auch die Möglichkeit besteht, Geldsendungen aus Amerika nach Palästina gelangen zu lassen. Ausweis Schekel: Berlin 11,—, Jüdisch-Nationale Frauen- Vereinigung Berlin 110,—, ilochum 6,— Breslau 150.—, Duisburg 21,—, QötlIngen 2,— Görlitz 1.—, Halbe 8׳ staät 1,—, Kempen 7,— Lissa 16 —, Magdeburg 16 — Münster 10,—, Worms 20,—, Zabern 14 — Mark. Landesbeiträge: Berlin 1,—, Beuthcn 3,—, Bres* lau 100,—, Duisburg 6,— Kempen 10,—, Lissa 48,—. Magdeburg 48,—, Straßburg 82,— Mark. Propagandafonds: Dr. Münz, Berlin (außerordeqtlicher Beitrag) 20,—, Zahnarzt Falk, Bresk lau, 5,—, Heinrich Auerbach, Essen. 5,—, Dr. Landau, Danzig, 10,—, Görlitz (Einzelbeitrag) 4,—, Halberstadt: David Freund 10,—, Otto Lcvy 6,—, Rüben Samson 10,—, Jakob Hoffmann New York, 10,—, Paul Löwenstein 6,— Frau Aronbeim, Köln, 12,— Leon Fricdmann. Nümberg, 5,— Dr. Hofstein, Oppeln, 10,— Dr, Wolf Obertshausen, 20,—, Edgar Weiß, Molsheim, 10—, Worms: S. Münzer 5,—, Ignatz Ziegellaub 5,— Mark. Verschiedene Spenden: Berlin 126,— Mark. Eingang vom 25. Juli bis 7. September 1914: Schekel: 384,— Mark, Landesbeiträge: 298!— Mark, Propagandafonds: 279,— Mark. Gesamteingang: Schekel: 3608,— Mark, Landesbeiträge: 5831,90 Mark, Propagandafonds: 6130,10 Mark. ' * Adresse für Geldsendungen: Zionistische Ver- StrairifUr Deutschland> Berlin W15, Sächsische Postscheckkonto: A. H. Heymann & Co Katholischen Kirche 1. Berlin ,8091. Bankkonto: .! Berlin w 56, Hinter der 1, ■s

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