Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651869-2651905--09811-2667167- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 35 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 355 (1 e n Aufstieg der Menschheit zu (1! ii c k und Gesittung! Daran gemessen bedeuten Blut, Tod und Armut seihst Hundcrttauscndcr nur wenig. Ein Menschengeschlecht ist nur e i n Laubklcid am l'ichenstanmic des Volkes: der Frühling bringt cs, der Spätherbst wirft cs welk zu Boden. Was will es von diesem Ewigkeitsstandpunkt aus bcdeuten, wenn ein Teil der Blätter und Zweige (huch einen Sonunersturm vor der Zeit herab-;:!,rissen wird? Wenn nur der Stamm, der ewige 11 neuerer, durch den gleichen Sturm der Tod-!rinde ledig wird, die seine Wurzeln benagten, die ihn getötet hätten und mit ihm die Laub-!.leider aller zukünftigen Lenze? Drum wollen wir dem grollen Moment kein kleines Geschlecht zeigen. Mische sich immerhin die dumpfe Totcnklagc in den Siegesjubel, aber der Siegesjubcl übertöne die Klage! Heil atclt, ihr Toten, ihr seid auf dem letzten gewaltigen Schlaehtfcldc der Menschheit gefallen! Und ihr seid als Sieger gefallen! Wir wollen sie nach Kriegerart und mit Kriegerehren hestatten. Auf dem Wege zum Grabe ertöne Trauergesang; aber auf dem Heimwege lasset fröhliche Fanfaren erklingen: ״Das Land ist ja frei, und der Morgen tagt, wenn sie’s auch nur sterbend gewannen.“ Seit zwei Jahrtausenden glaubt die Welt, ihre Erlösung könne nur durch jüdisches Blut gewontten werden. Das edle Blut, das auf Golgatha flott, hat nicht ausgereicht, denn im Namen des Liebevollsten wütet der Hall, im Zeichen des Gerechtesten tobt der Frevel, Aber jetzt ist die Zeit erfüllet: Ströme jüdischen Blutes mörteln die Quadern des Tempels der Erlösung. Heil den Blutzeugen! Heil uns, daß wir das Grolle erleben durften! Heil uns, daß sie die Unseren sind! ZIONISTISCHE BEWEGUNG Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat ein Hilfs-Komitee begründet, das sich die Erleichterung der Lage unserer durch den Krieg hierher verschlagenen Brüder, sowie der aus den Ostprovinzen hierher geflohenen, zur Aufgabe gemacht hat. Zu diesem Zwecke ist ein reiches Adressen-Material für den Nachweis billiger Wohnungen und Pensionen gesammelt worden. Reflektanten wollen sich deswegen an das Bureau der Zionistischen Vereinigung, Sächsische Str. 8 wenden. Spenden und Beiträge für obige Zwecke nimmt Herr Max Wollsteiner, Rescherstr. 5, entgegen. * Auswärtige Gesinnungsgenossen, die sich zur Zeit in Berlin aufhalten, werden gebeten, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Wir würden uns bei den jetzigen Zeitläuften doppelt freuen, unsere Gesinnungsgenossen persönlich aufsuchen zu können. Sprechstunden unseres Bureaus täglich — außer Sonnabend —- 9 bis 1 Uhr. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Berlin W 15, Sächsische Str. 8. Telephon: Uhland 815. Vom Jüdischen Nationalfonds Mitteilungen der Zentrale für Deutschland in den letzten Wochen sind NationalfoiuBaus- "'1'be mit Rücksicht auf den beschränkten Raum unseres Blattes nicht erschienen. Wir werden »ms ׳',ucli in Zukunft vorläufig Vorbehalten müssen, die Nationalfondsauswcisc in größeren Zwischenräumen ab früher zu bringen. Der erste Ausweis erscheint in 37 .'יא vom 12. September. Spenden, die in diesen Ausweis aufgenoinmen werden sollen, müssen bis zum 7. September bei Herrn Max Wollsteiner, Charlottenburg, Roscherstr. 5, Postscheckkonto 3817־, eingegangen sein. Unsere Gesinnungsgenossci! Italien die Möglichkeil, unser» Freunden, die im Felde stellen, ihre (miß« zu ülurmuldn, da wir denjenigen Abonnenten der ,Jüdischen RmuLcliai!“, die zum Heere eiligezogen sind, das Blatt ohne Erhöhung des Bezugspreises imdiseliicken, wenn uns die Feklpostadrcsse aufgegeben wird. Sclirnr'.rja Levlfi in Amerika Das Mitglied den Engeren Actions.Coniites, Herr Br. Schmarja Levin, befindet sielt bekanntlich seit zwei Monaten in Amerika, wo er eine rege Propagandatäligkeit für unsere Bewegung und insbesondere für das hebräische Sehulwerk in Palästina entfaltet. Herr S3r. Levin hatte die Absicht, seine Tournee Ende Juli zu beenden und nach Europa zurikkzukehren. Er hatte sieh auch bereits auf dem Dampfer ״Kronprinzessin Cecilic“ des Norddeutschen Lloyd eingeschifft, der am 28, Juli die Falirt nach Europa aiitrat, Die (iesehichte dir Ausfahrt dieses Dampfers mul .seiner Rückkehr nach Amerika ist aus den Be. richten der Tagespresse bekannt. Die ״Kronpriuzessin Cecilic“ hatte eine größere Goldsentlitng nach Deutschland an Bord und befand sich bei Ausbruch des Krieges zwei Tagereisen von Southampton entfernt. Von englischen und französischen Kriegsschiffen verfolgt, gelang es ihr, unter grollen Fiihrlichkeiten auf Umwegen die nordamerikanische Küste wieder zu erreichen. Wie uns aus New York berichtet wird, ist Dr, Levin an Bord der ״Kronprinzessin Cecilic“ wieder in den Vereinigten Staaten cing.etroffcn. Die Tournee Dr. Levins gestaltete sielt, wie wir den Berichten der jüdischen Presse in Amerika entnehmen, zu einem außerordentlichen Erfolge für die zionistische Sache. Kurz vor seiner Einschiffung veranstaltetc die Federation of American Zionists eine Massenversammlung in dem Seebade Arvorn, Long Island, in der unser bekannter Gesinnungsgenosse Mr. Nathan Straus den Vorsitz führte und Dr, Lev in eine zündende Rede itn Interesse des hebräischen Sehuhverks hielt. Mr. Straus verlas einen Brief seines Bruders Mr, Oscar Straus, in welchem der bekannte Politiker und ehemalige amerihämische Botschafter in Konstantinopcl sich als warmherziger Freund des jüdischen Koionisationswcrkes in Palästina bekennt und seinen Sympathien für die zionistische Bewegung Ausdruck gibt, ln dem Briefe von Mr, Oscar Straus heißt es unter anderem: ״Palästina ist der Mittelpunkt nicht nur der religiösen Welt, sondern auch deriEmpfiiidungsweit der gesamten Judenlveit. Jede nutzbringende Arbeit, die dort geleistet wird, beleuchtet das jüdische Firmament in allen Ländern der Zerstreuung, Das Heilige Land ist gleichsam der Horizont nicht nur der historischen Erinnerungen, sondern auch der Zukunftshoffnungen aller Juden.“ Mr. Nathan Straus wies in seiner Ansprache darauf hin, daß bei der gegenwärtigen Lage des jiidischen Volkes alle Meinungsverschiedenheiten zurücktreten müßten und daß es Ehrenpflicht aller jüdischen Organisationen sei, die Bestrebungen des Zionismus, durch die der Fortbestand des jüdischen Volkes gesichert werden soll, zu fördern. Mit einer deutlichen Anspielung auf den bekannten Brief von Mr. Jacob H. Schiff an den ״America״ Hcbrew“ hob Mr. Nathan Straus hervor, daß auch diejenigen Juden, die sich aus irgendwelchen Gründen an der zionistischen Arbeit nicht aktiv beteiligen wollen oder können, gleichwohl Respekt vor dem ehrlichen Wollen der Zionisten empfinden mul sich sehr in acht nehmen müßten, die Anhänger der zionistischen Sache zu entmutigen. Hierauf hielt Dr, Schmarja Luv in einen von stürmischen 'Beifallskundgebungen begleiteten längeren Vortrag üher das Thema: ״Der Orient und die Judenfrage“. Auch Dr. Levin kam in seiner Rede auf die Angriffe Jacob 11. Schiffs zurück, die er in sehr geislvoller und vornehmer Art widerlegte. Es sprach noch der amerikanisch - jüdische Journalist Mr. Samuel Straus, der ebenfalls in sehr begeisterten Worten die jüdische Oeffcntlichkeit Amerikas zur Förderung des hebräischen Schulwerks in Palästina aufforderte. Eine nach Schluß der Ver- Sammlung eingeleitete Sammlung für das Sehulwerk ergab den Betrag von 1500 Dollar. Am 27. Juli veranstalteten die Zionisten von New York einen Abschiedsabend für Dr. Levin im Ricsensaale des National Theater, Das Meeting war von über 3000 Personen besucht, den Vorsitz führte auch diesmal •Mr. Nathan St ra u s, ׳Ansprachen hielten unter anderen Mr. Joseph Baron des, der Vorsitzende der amerikanischen Zionistcnföderation Mr. Louis Li p s k y und Mr, Samuel St ra u 8. Der Haupt, mlner des Abends war selbstverständlich wieder Dr, Levin. Er sprach seine Befriedigung aus über das Verständnis und die herzlichen Sympathien, die die amerikanischen Juden allen wirtschaftlichen und kulturellen Palästina-Bestrebungen cntgegcnbrjngcn. Er appellierte au das nationale Empfinden der jüdischen Massen Amerikas, von denen er noch großes für das Werk der hebräischen Renaissance in Palästina erwarte. Audi in dieser Versammlung wurde ein stattlieber Betrag für das hebräische Sehulwerk gesammelt. Nachrichten Max Nordau vermißt Mehrere deutsche Zeitungen berichten, daß der Aufenthalt Max Nord a u s seit Ausbruch des Kriege» unbekannt ist. Nordau soll sielt nach einem fraitzösischen Seebad begehen haben, um seine Familie nach der Schweiz ah/uholen. Seither fehlt jede Nachrieht \<m ihm. Alle unsere Bemühungen, seinen Aufenthaltsort zu ermitteln, sind leider erfolglos geblieben. Ein Aufruf der Jüdisch-Nationalen in Oesterreich Die Exekutive der jüdisch-nationalen Organisation in Oesterreich veröffentlicht folgenden Aufruf: A 11 das jüdische Volk in Oesterreich! In diesen schicksalsschweren Tagen, in denen unser Vaterland um seine Ehre und Zukunft kämpft, erfüllen die Söhne unserer, der jüdischen Nation, mit Begeisterung und Hingabe ihre patriotischen Pflichten. Ihnen, die eingedenk sind der zahllosen Heldentaten, welche ihre Almen für unser Vaterland in früheren Kriegen vollbracht haben, und die voll Eifer sind, es ihren ruhmreichen Vorgängern gleich׳■ zutun, gilt unser erster Gruß, Wir Juden Oesterreichs sehen in diesem Kampfe, welchen die Feinde in Nord und Süd freventlich herauf beschworen halten, nicht nur ein Ringen um unseres Vaterlandes Größe. Wir sind uns dessen klar bewußt, daß der entscheidende Schlag dem Zarismus, der Macht eines Staates gilt, in welchem unsere Volksgenossen unter dem entsetzlichen Druck' der Barbarei unsäglich zu leiden haben. Es ist unsere feste Zuversicht, daß der Sieg der österreichischer* Waffen diesem größten Teil unseres Volkes Freiheit bringen muß. Mit dem ,Einsatz all unserer Kraft wollen wir österreichischen Juden diesen Sieg erringen helfen. Dieses unser heißes Streben ist der Ausdruck der Gefühle, die uns seit je für Kaiser und Reich beseelt haben. Mit tiefster Dankbarkeit und unerschütterlicher Treue sind wir unserem Kaiser ergeben. Er, der alle seine Völker mit gleicher Liebe umfaßt, ist auch unserem Volke ein Hort der Gerechtigkeit. In unserem Vaterlande hat die nationalgesinnte Judenschaft seit jeher die Bürgschaften für eine kraftvolle Entwicklung des jüdischen Volkstumes gefunden. Der Völkerstaat Oesterreich ist berufen, allen seinen Nationen freie Entwicklung zu sichern, also auch dem jüdischen Volke. Mit dem Bestände und der Zukunft Oesterreichs ist das Schicksal unserer Nation innig verknüpft. Jüdische Mitbürger! Mag sich in diesem Wcltenkriege Schmerz und Not noch so hoch türmen, harret aus in zäher, begcistcrungsglühcnder Pflichterfüllung! Streitet für das Heil Oesterreichs! in seinem Unglück liegt unser Unglück, sein Heil ist unser Heil! Wien, 18. August 1014. Die Exekutive der Jüdisch •nationalen Organisation. * Ratibor. Unser Gesinnungsgenosse Zahnarzt Block schreibt der Z, V. f, I). unter dein 12. d. M.: Wir sind glücklich, unserer lieben Organisation heute einliegend 100 M. übersenden zti können. Unter den Fahnen stehen folgende Mitglieder unserer Ortsgruppe: 1s. P i 11 c z 0 w c r, Einjährig- Freiwilliger, Leo G r ü u be r g e r, Walter Zernik (2. Vorsitzender der Ortsgruppe), Rudolf Obersehitzki, Max Tock 11 s, Max Jacobowitz, Willi: Benjamin, Max Böhm, Max Pinczower (Natioiialfouds-Kommissiir), Josef Elias (Vorstandsmitglied), Gurt Warten berge r, Alex H c i I b r u n n , Isidor T i c 11 a u e r, Ludwig Frohlieh, Otto T o t z e k aus Czernitz (O.-S.), sowie zahlreiche Söhne hiesiger Mitglieder. Lemberg. Unter der bewährten Leitung unseres Gesinnungsgenossen Dr. Fiscitel Waschitz hat sich mit Genehmigung der hiesigen hohen Militärbehörden ein jüdisches Schützenkorps, das bereits gegen 300 waffenfähige Jünglinge in seinen Reihen zählt, gebildet, Es wurde vom Militärdepot bereits mit entsprechendem Waffenmaterial ausgerüstet und wird nach vvenigen Wochen ins Feld ziehen, Der erwähnte militärische Verband, dessen Kommandosprache zwar hebräisch bleiben wird, vorerst jedoch — lediglich aus praktischen Rücksichten — tioluisch ist und der als jüdisches Abzeichen weißblaue Aufschläge trägt, erregt in allen gutgesinnten jüdischen Kreisen große Sympathie.