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Jüdische Rundschau · 1914-08-21 · Heft 34 (21.8.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 34 (21.8.1914)
Date
1914-08-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 Seite 351 Hielte Streich der ,,echten“ Russen!1׳•,Kai die ms;!, sehen Juden und sein kläglicher Ausgang ist noch in aller Gedächtnis. Die Beschränkung der Juden auf besondere Ansiedltmgsbczirke galt bisher als eines (Ui wichtigsten Hillsmittel der russischen Regierung /ur Reinhaltung echtrussischer ״Kultur“. Daneben die Pogrome, Keine Schändlichkeit gab cs, die Rull- Innds Regierung nicht nur unbedenklich, sondern gerade/u mit widernatürlicher Bosheit an den russischen Juden auszuühen sich bemühte. Und jetzt, in der Sehieksalsstundc des vertierten Moskowitcriums, riehu der Zar, der ״Vater der Lüge", einen Hilferuf an dieselben Juden, deren Knechtung und Unterilrinkting bis heute das A und O *arischer Gewaltpniiiik war." Das Amsterdamer ״Handelsblad‘‘ bespricht die Meldung, daß der Zar eine Proklamation ״A 11 in eine lieb e n Jaden“ erlassen habe, und bemerkt, dali es 1111■ glaublich erscheine, daß die russische Regierung giwagt habe, ein solches Dokument zu verbreiten; denn indem man diesen Aufruf vernehme, trete eia Muck Geschichte vor das geistige Auge, das in maneher Hinsicht ein Schandfleck f ü r d i e Kultur sc.•!, nämlich die Judenhetzen, die Pogroms, die moralischen und körperlichen Mißhandlungen und die• Aechtung der Juden und ihre Ausstoßung aus dem Kreise der gebildeten Menschheit. Seitdem Rußland!,,den annektiert habe, habe den Juden der Zutritt /um Boden des heiligen Rußlands nicht mehr verwehrt werden können, denn sic waren cs, die in Polen Handel und Industrie trieben. Rußland habe also die Juden mit in den Kauf nehmen müssen, habe sie aber als Parias und Vogclfreic behandelt. Man habe ihre Dienste gebraucht und benutzt; sic aber unter eine Gesetzgebung gestellt, die eine ununterbrochene Drohung und Schikanicrung mul ein Hindernis für ihr moralisches und iutellek- 1 nelles Leben bedeutete. In der Dtiina sei öffentlich ausgesprochen worden, daß die ganze Polizei von erpresserischer Aussaugung der Juden lebe; sogar der Vizegouverneur von Cliarkmv bekomme jährlich 6000 Rubel von diesem ״Jmlcngdd“. Wie könne da die Rede sein von ״Woldtaten“ und von ״Liebe" des Hauses Romanow. Durch die letzte Revolution hätten alle Völker ge- \10nneu, nur die Juden nicht. An den Beilis-Prozeß erinnernd, schreibt das ״Hamlelshlad“: ״Nein, vielmehr ist der Hall und die Abneigung des Slawenwdkes gegen die Juden immer genährt und künstlich erhalten worden. Wie war also jetzt eine solche Proklamation des Zaren möglich?" AUS ALLER WELT Jüdische Flüchtlinge aus Belgien in Prag Dieser Tage passierten hunderte galizischer Juden, die aus Belgien geflüchtet sind, Prag, um in ihre Heimat weiterzureisen. Die Flüchtlinge, die fast durchweg kein Gepäck und kein Geld haben, sind, wie die ״Holu inia“ berichtet, in jämmerlichem Zustande. Viele weisen blutige Striemen und Verwundungen auf; auch Frauen und Kinder zeigen die Spuren von Mißhandlungen, denen sie in Belgien a us ge se t z t waren; die Kleider sind zerrissen und beschmutzt und die meisten haben seit zwei Tagen und mehr mir das Notdürftigste geiiüsscii. Die Flüchtlinge erzählen, daß in g a!1 z Belgien blutige Judenverfolgungen *usgebrochen sind, daß der Pöbel, von Iranzösisclien Agitatoren geführt, die Juden, auch solche, die belgische Bäder zimi Somincraufcnthalt aui'gesucht hatten, in ihren Wohnungen überfallen, auf die Gasse gezerrt, ausgeraubt und mißhandelt hätte. Wer sich widersetzte, s c i c r s 10 c 11 e n oder erschossen worden. Der Pöbel soll unerhörte Grausamkeiten verübt und auch Säuglinge und Greise nicht geschont haben. Uebcr tausend Familien mußten '1זי Hab und Gut zurücklassen und unter den größten Mühseligkeiten flüchten. Die Flüchtlinge passieren Prag zum größten Teile auf den Vorortbahnhöfen. Sic «erden dort, so weit die Mittel reichen, verköstigt. PALAE5TINA-RUND5CHAU Yemenitcnwanderung (Vom ständigen Berichterstatter der ״Welt“.) In den letzten Wochen sind wieder zwei Gruppen v°n ycmcnitischcn Juden nach Palästina eingewandert. Eine dieser Gruppen ist aus Sanaa, der nördlichen Residenz im Ycmen, in der seit vielen Jahrhun- Werten eine große jüdische Gemeinde besteht und das ^horastudium eifrig betrieben wird. Eine Grupp® Von Familien, die noch in Aden weilt, wird in den Sadisten Wochen eintreffen. Uebcrhaupt scheint es, J U E D» 1 ■׳',CII £ f< U II DSC HAU daß die Yemenikiicinwaiidenmg noch mehrere Monate anhalteii wird, Wledere»״׳cli.-i11c11 des ״flaor" I ierr B tu - J e 1111 d a h gibt jetzt nach einer Unterbrcclumg von inehr als einem Jahr den ״Haor“ wieder heraus. Vorläufig omheifit die Zeitung zweimal wöchentlich, nie;u'i .;her sobald als möglich wieder als Tata׳.;z.׳ii11t:g hvraurgegeben werden. Die vorliegenden iiinf nt 1,1;dien keinen schlechten liimlruck. Kampf für!■,eluäir.che Sprache und curopäisclu! Kultur sowie Unterrichtung des Lesers über die allgemeinen politische■11 Vorgänge bilden den Hauptinhalt der Zeitung. Bemerkenswert ist das Bestreben, den imicrpnrtoiliciien Kämpfen nicht näher zu treten. Sprachlich vertritt die Zeitung natürlich den extremen Standpunkt Ben - Jehtidahs. Alle Fremd- Wörter sind mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Selbst ein so unschuldiges Wörtchen wie ״Telegramm“ ist durch ein hebräisches Wort jüngster Prägung ersetzt. Organisierung der Jerusalemer jüdischen Gemeinde 111 letzter Zeit ist ein neuer bemerkenswerter Versuch unternommen worden, um einen organisatorischen Zusammenschluß der Scphardim und Asclikeiiasim herbeizuführen. Wie wir bereits mitgeteilt haben, ist es den rastlosen Bemühungen des Herrn Josef Mejuhas gelungen, einen Vorstand der scphardischeii Gemeinde zu schaffen. Der neue Vorstand hat seine Tätigkeit bereits aufgcnomnien und sich die Sympathien weiter Kreise erworben. Jetzt geht mau daran, aus Delegierten dieses Vor- Standes sowie aus den Delegierten des aschkenasisehen Waad kol Hakolelini eine Körperschaft zu bilden, die von der Regierung ermächtigt werden soll, in Angelegenheiten, die die gesamte Jerusalemer Judenlieit angehen, die jüdische Bevölkerung zu vertreten. Verschiedene Vorfälle der letzten Zeit, insbesondere die Streitfragen bezüglich der den Juden gehörenden städtischen Grundstücke von historischer Bedeutung, haben den zersplitterten Jüdischen Gemeinden die Notwendigkeit des Zusammenschlusses nahe gelegt. Diese Bestrebungen verdienen auch in Europa im allgemeinen Interesse von allen jüdischen Organi• sationen, ohne Unterschied der Richtung, gefördert zu werden. Nachrichten Berlin. In den nächsten Tagen wird im Zentrum der Stadt eine streng koschere Volksk ü c h e für arme Kinder errichtet, ebenso eine Samniclstelle für Kleidungsstücke aller Art, Die Jüdisch, nationale F r a u c n v e re i n i g u n g bittet, daß sich jetzt schon freiwillige Hilfskräfte melden. Meldüngen nehmen entgegen: für Berlin: Frau Lina Wagner, Uliiandsir. 116/117; für Schöneborg: Frl. Schna Jacobus, Kaiscrallec 172; für CI1 a r I o 11 e 11 b 11 r g: Frl, Lina Jonas, Waitz* straße 13; für Wilmersdorf: Frau Dr. Ziegel, Berliner Str. 18, und für Moabit: Frau Dr. L 0 e w e , Flemingstr. 12. Berlin. Eine außerordentliche Sitzung der Repräsenlaiiteiiversammiung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin beschäftigte sich am 16. d. M. mit den Kriegsbeiliilfen. In seiner Eröffnungsansprache führte der Vorsitzende der Versammlung, Stadtverordneter Louis Sachs, aus, daß die Gemeinde bereit sei, zur Ltnderung der durch den Ausbruch des Krieges hervorgerufenen Notlage beträchtliche Opfer zu bringen. Direktor Dr. Minden berichtete über die Haupt- Vorlage, nach der bewilligt werden sollen 23 000 Mark dem Roten Kreuz von Berlin zur Pflege der im Felde verwundeten Soldaten, 60000 Mark den Kommunen Groß-Berlins zur Unterstützung von Angehörigen der zur Fahne Einberufenen, und schließlich 20 000 Mark zur Verfügung des Gemeindevorstandcs für dringende Anforderungen, die aus Anlaß des Krieges an die Gern ei mle hcrantreteii. Alle Deutschen ohne Unterschied des Bekenntnisses wetteifern in bezug auf Vaterlandsliebe und Opferfreudigkeit. Deshalb wolle auch die jüdische Gemeinde ihre Hilfe ohne Unterschied des Bekenntnisses gewähren; die Not der Mitglieder der Gemeinde solle darüber nicht vergessen werden. Die Vorlage wurde einstimmig mit großem Beifall angenommen. Geheimer Sanitätsrat Dr. Bluinentlial referierte über Bcwiiligungen für die Renovierung des der Militarihchörde zu Laz.arettzwccken zur Verfügung gestellten alten Krankenhauses und Schwesternheims, über Ausgaben für Armemmtcrstützungen, Wagenpflege, Fürsorge für Durchreisende, sowie für die Herausgabe eines Feldgcbeibuelies für die jüdische Mannschaft. Auch diese Vorlagen wurden einstimmig genehmigt. Berlin. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat eine Sonderkommissio.i eingesetzt, welche die Aufgäbe hat, Gemcindcmitglicdern, die durch den Eintritt ihres Versorgers in den Kriegsdienst oder infolge sonstiger unmittelbarer Einwirkung des Krieges in Not geraten sind, mit Rat und Tat beizustchcn. Die Kommission hält im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Str. 29, I, taglieh von 11--1 Uhr, Sprechstunde ab. Geeignete freiwillige Hilfskräfte, die Erfahrungen in sozialer Hilf«• arbeit haben, werden gebeten, sich Oranienburger Straße 29, UI (Zentralbureau) zu melden. Köln. Auf Grund des von der Führerschaft des jüdischen Wamlerbundes ״Blau-Weiß“ erlassenen Aufrufs meldeten sich 5t) Wanderer und 38 Wandcrinrien zur Teilnahme an der freiwilligen Hilfgarbeit. Die Knaben schlossen sich als selbständiger Bezirk der Kölner Jugend wehr 1<)14 an. Durch diese erhalten sic regelmäßig Arbeiten /»gewiesen; einige sind als Depeschcnbotcti der Tclcgraphcnvcrwaltung, einige als Offiziersordonanzen beschäftigt, ein Teil arbeitet an der Fortifikation mit, wieder ein anderer erweist durchreisenden Truppen Liebesdienste an den Bahnhöfen. Die Mädchen ziehen in zwei Gruppen mehrmais in der Woche aufs Land und helfen dort auf zwei großen Gehöften den Bauern bei der Ernte. — Von den Führern sind drei zu den Waffen einberufen, drei haben sich, zum Teil leider vergeblich, freiwillig gestellt. Die übrigen treffen sich täglich mit den Jungen in einem zu diesem Zwecke von der Schul- Verwaltung überlassenen Raum. Allwöchentlich werden in der Umgegend von Köln Kricgsspiele veranstaltet, die sich einer leicht begreiflichen Beliebtheit erfreuen und einen Ersatz für die Wanderfahrten abgeben müssen, welche für die nächste Zeit natürlich eingestellt sind. Prag. Der ״Klub jüdischer Frauen und Mädchen“ in Prag hat gleich in den ersten Tagen der Mobilisicrung eine Aktion für die ihres Erhalters beraubten Kinder der cinbcrufcncn Reservisten eingeleitet; es wurden bisher 321 Kinder mit Mittagessen versorgt, davon wurden 70 in Familien ständig aufgenommen. Außerdem wurden an zahlreiche Bittende, die nicht mehr zur ständigen Versorgung aufgenommen werden konnten, einmalige kleine Unterstützungen und Marken für die yolksküche verteilt. Hoffentlich wird die ganze Aktion bald einer zentralen Organisation, deren Mangel sich empfindlich geltend macht, angegliedert werden können. Von den bisher versorgten Kindern sind 15 jüdische, 306 christliche. Die Möglichkeit einer Er- Weiterung wird von der Meldung neuer Hilfsarbeiter abhängen. An den Prager Stadtrat wurde ein Gesuch um Erlaß des Brückengeldes für die aus den Vororten tjiglich in die Stadt zum Essen gehenden Kinder gerichtet. Jüdische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst) Freitag, 21. August, abends: in allen Synagogen yh Uhr. Predigt: Synagoge Lindcnstr.: Rabb. Dr. Warschauer. Sonnabend, 22. August, vormittags: in der Alten Synagoge 8'/* Uhr, in der Kaiscrstr.- und Rykcstr,- Synagoge 9 Uhr, in der Neuen, Lindcnstr.-, Lützow- Straßen-, Fasancnstr.- und Lcvetzowstr.-Synagoge: Frühgottesdienst 7</a/Uhr, Hauptgottesdienst 10 Uhr. Predigten: Alte Synagoge: Rabb. Dr. tschelhacher. Sc h r i f t c rk la rung: Neue Synagogc: Rabb, Dr. Weiße; Synagoge Levetzowstr.: Rabb. Dr. Lewkowitz. Jugendgottesdienst: Nachmittags 4 Uhr. Sonnabend, 22. August: Synagoge Kaiserstr.: Dr. Dinkel; Synagoge Fasancnstr.: Rabb. Dr. Hoch* fcld. A b e 11 d g o 11 e 8 d i c n s t (Sabbatausgang) 8 Uhr 4 Min. — Minchn in der Alten Synagoge 5 Uhr, in den anderen Synagogen ג/* Stunde vor Sabbatausgang. Gottesdienst an den Wochentagen: Morgens: in der Alten. Kaiserstr.- und Rykestr.-Synagogc 6!/a Uhr; in den anderen Synagogen 7 Uhr, Abends: in allen Synagogen 7 Ohr. HH4 Wochenkalender 5674 תרע״ד Freitag August 21 אב Ab כס 29 ערב ר״ח Sonnabend 22 ל 30 Roöh,8. Roscb Chodeach שבח Sonntag 23 אלול Etil 1 M ראה, ש׳ ראש חודש 1, Neumondtag Nacht 8,4 Jtmjah 66, 1—54 בה אמר ה׳ השטים כסאי 8. Noumondtag Montag 24 ב 2 ב׳ דראש חודש Dienstag 25 ג 3 Mittwoch 26 ד 4 Donnerstg. 27 ה 5 Freitag 28 ו 6 Sonnabend 29 ו 7 schophtim, שופטים שבת Nacht 7,49 J««ajah 4/, 15—52,1» אנכי אגני הוא טנחטבם

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