Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1914)
- Date
- 1914-07-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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*.1111• '1 IIS JIJ M) I ,'1 <; 11 V IUI N HfH! II A II Nr, 11־ 11,11 der Erklärung David Kimrlüs, gedruckt I IH'2 zu < inatlal.'ixmu. Weiter enthält dieser Raum die luMiicrkcuswerlesleii neueren hebräischen I }rucke vom j(>. bis 18. lahrlumdert. Mau sieht hier in den Glaskästen allerlei hebräische Eibcln, tirammatikeu, Wörterinieher, ein auf die Bewegung des falschen Messias Sabbatai Zwi sielt beziehendes altes deutsches Bingblatt, ferner Kalender, liihlnisse, herrliche alte Thorakrönen mul wertvolles Kullusgerät. Sehr lustig und originell sind die alten jüdischdeutschen Bilderbogen aus Neuruppin mit biblischen Darstellungen, die vor hundert Jahren den jüdischen Kindern viel Freude machten. Von der Ausbreitung des modernen Judentums sprechen Gebetbücher und Haggadas aus Indien, Argentinien lind Nordamerika. Von der so sorgsam arrangierten hebräischen Ausstellung aus begebe man sieh in einen bcuachbarten Raum der Kultushalle, in die Abteilung für ״Islam und christlichen Orient", wo man eine hübsche, eigenartige Kollektion in tunisisch-ar,!bischer Sprache, jedoch mit hebräischen Lettern, gedruckter Reklamezettel aus dem Judenvieriel von Tunis antrifft. Nach den historischen Reminiszenzen empfiehlt sich dringend ein Besuch beim Repräsentanten des modernen Judentums, beim Jüdischen Nationalfonds, dessen Ausstellung sich in der I laupthalle ״Deutsches Buchgewerbe“ im Mittelbau in der Nahe der Tiewcrkschaften befindet. In einem schönen Raum (Koje 575) liegen auf einem Tisch die beiden berühmten ״Goldenen Bücher“, von denen das eine bereits mit einer Million Mark Spenden abgeschlossen ist, und das ״Silberne Buch" aus, welch letzteres die Spenden zum Uedenken verdienter Zionisten aufnimmt. Die kostbaren Einbände erfreuen jeden Liebhaber moderner Buchkunst und entsprechen dem wertvollen Inhalt, der in seiner ideellen Bedeutung seinen Eindruck nirgends verfehlt. Lines der neuen geschmackvollen Spendenbiieher und zwei Sainmclbuchsen von edler Bezalelarbeit sprechen von der Opferfreudigkeit der Zionisten und von der mühsamen Kleinarbeit der Nalionalfoudskoinmissarc, Eintragungsdiploine fürs ״Goklne Buch“ und die Landspende zeigen, wie jedes Verdienst nach (iebiihr geehrt wird, Kcklamemarken, von denen die bekannte I lerzhnarke übrigens auch im!,avillon der Reklameinarke ausgestellt ist, beweisen die geschickte Verwendung moderner I’ropngnndnidecn und ein grobes Wandseliild berichtet von Zielen und Einriehtungen des Jüdischen Nalionalfomls, als der populärsten Institution der zionistischen Bewegung, Jüdische Zeitungen deutscher Sprache, darunter als zionistisches Organ die ״Jüdische Rundschau", gibt es im Lesesaal der Fachpresse, in der Stenographichalle lind moderne Jargonliteratur mul osljüdische Zeitungen findet man im Russischen Staatsnalast, in der Kollektion des bekannten jüdischen Verlags von Kletzkin in Wilna und im Lesezimmer der russischen!,resse. Den schon im Vorjahr auf der ״lba״ ausgestellt gewesenen Modellen des hebräischen Technikums mul der Mittelschule zu Haifa begegnet man diesmal auf der Veranda des Pavillons für das ״Deutschtum im Auslände“ wieder. So bietet denn die ״Bugra“, wenn man auch vieles, was über das literarische Leben des modernen Judentums informieren könnte, vermilit, ein an Ab- Wechslungen reiches Bild der jüdischen Vergangenbeit, wirkungsvoll ergänzt durch den tiefen Einblick, den des Nationalfonds Sonderausstellung in die mächtigste, jüdische Volksbewegung der Liegenwart, den Zionismus, eröffent. Für unsere Gesinnungsgenossen, die ja alle Mitarbeiter am Nationalfonus und mit Stolz auf die hebräische Tradition ihres Volkes erfüllt sind, wird daher ein Besuch der hebräischen Ausstellung und des Nationalfoiuls zu den schönsten Erinnerungen von der Bugra gehören. J. b. N. PALAE5TIN A- RU N DSCHAU Der italienische Konsul ln Jerusalem über die Entwickelung Palästinas Ein in Jerusalem lebender jüdischer Journalist hatte mit dem dortigen italienischen Konsul, Grafen Carlo S c 11 n i, eine Unterredung über die Eutwieklungsinögliclikeitcn Palästinas. Graf Senui äuiierle sich hierbei folgendermaßen: Auf Ihre Frage, ob ich an die Möglichkeit einer industriellen Entwicklung Palästinas glaube, muß ich Ihnen sagen, daß ich großes Vertrauen zu den natiirliehen Quellen des Landes habe. Das ganze Land ist voll von Bodenschätzen, die eine große Volksmenge glücklich machen können.^ Es genügt, die Hände auszustrecken, um solche Schätze zu finden. So sind z. B. unweit von hier, etwa fünf bis sechs Wagenstunden, ausgedehnte P h o s p o r I a g c r. Wohl gibt es auch in anderen Ländern diesen Stoff, wie z. B. in Florida. Tunesien, Spanien usw., aber bei den großen Bedürfnissen der modernen Agrikultur genügt das noch lange nicht. Ich bin überzeugt, daß sich bald das Kapital dafür finden wird, wie cs sich für die Ausbeutung der Petroleumquellen in der Nähe von Hebron gefunden hat. Die Amcrikaner machen dort Experimente, und cs ist wahrscheinlich, daß auf dem Markte nächstens palästinensisches Petroleum erscheinen wird. Was nun die Phosphorlager betrifft, so habe er sielt mit italienischen Kapitalisten in Verbindung gesetzt, vornehmlich mit dem ,.Agrar-Koiisorlmm" von Parma• Es sei ihm nach laugen Verhandlungen gelungen, das Konsortitiin zu bewegen, den Professor an der Universität Bologna, Slmouelli, mit Unterstützung der Regierung zur Prüfung der Sache hierher zu senden. Professor Simonclli habe leider bald nach seiner Ankunft wegen eines Unfalles Palästina wieder verlassen müssen. Aber er hoffe, daß die Angelegenheit wieder attfgeuointneit werde. Besonders die italienischen Juden hätten hier ein geeignetes Tätigkeitsfeld. Sie könnten ein Syndikat für die Ausbeutung der Bodenschätze bilden. Die italienische Regierung würde eine solche Initiative mit großer Sympathie' b c g r ü II c 11 und würde sie m i t großer Bereitwilligkeit unterstützen, Zum Schluß sagte der italienische Konsul dem Korrespondenten: Sagen Sie nur Ihren italienischen Brüdern, daß es hier auch für sie viel zu tun gibt. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Keine Judenausweisungen im Rheinland Die Nachricht, daß das preußische Ministeriuirt des Innern Ausweisungen aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet angeordnet habe, bewahrheitet sich nicht. Wie einem Vertreter des ״Reichsvereins der deutschen Juden“ im Ministerium des Innern erklärt wurde, ist eine solche Anordnung nicht ergangen und auch nicht beabsichtigt. Bekanntmachung. Am Donnerstag, dem 3. September, um 0 Uhr abends, findet im Bureau der Gesellschaft Berlin W. 15, üicibtrcustr, 31 35, die ordentliche Gcsellschaftcrvcrvers a nt m I u n g der lmmobiliengesellscliaft ״Palästina“ mit beschriinkter Haftung statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vorlegung iles Geschäftsberichts für 1013, 2. Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Verlustreehiuing für 1913, 3. Beschlußfassung über die Gewinnverteilung, 4. Entlastung der Geschäftsführer und des Verwaltungsrates, 5. Eventualia, Berlin, im Juli 1914. I m m o b i I i e n g e s c 11 s c h a f t Palästina mit beschränkter Haftung Prof. Dr. O. Warburg, Vorsitzender des Verwaltungsrates. A. A w a d i o w i t z, Geschäftsführer. ¥ Bekanntmachung. Am Donnerstag, dem 3. September, um 9V2 Öhr abends, findet im Bureau der Gesellschaft Berlin W. 15, Bleibtrcustr. 34/35, die ordentliche GesellsChafterver- Versammlung des Palästina Industrie -Syndikates mit beschränkter Haftung statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vorlegung des Geschäftsberichts für 1913. 2. Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrcchnung für 1913. 3. Entnahme des Betrages von M. 2150 aus dem Reservefonds. 4. Entlastung des Geschäftsführers und des Aufsichtsrates. 5. Neuwahl des Aufsichtsrates. 6. Eventualia. Berlin, im Juli 1914. Palästina- Ind ustrie-Syndikat mit beschränkter Haftung Prof. Dr. O. Warburg, Vorsitzender des Aufsichtsrates. A, Awadiowiitz, Geschäftsführer. AUS DEN GEMEINDEN Warnung Ein ca. 45 Jahre alter, sich Rappaport alias Spiclke nennender Unbekannter hat cs verstanden, in Frankfurt a. O. durch die Vorspiegelung, daß er das Amt t'lm׳» V<»rsltiiti(» in A111,1 »ויז«ווm \ci walle! timl tlititli die Schaustellung »einer tnlmiiilis.iicn Gelehrsamkeit einem wenig beiniilelieii Glaubensgenossen ein Darleiten von 150 M. zu entlocken. Erkundigungen in Amsterdam Itahen ergeben, daß die Angaben unrichtig sind, daß es sielt um einen Betrüger handelt, vor dem hiermit öffentlich gewarnt wird. Deutsche Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge, Berlin. München. Die jüdische Gemeinde in München hat durch den Tod des Herrn Raphael Landauer einen (׳roßen Verlust erlitten. Obwohl selbst streng orthotlox hat er allen Wohltätigkeitshestrebungen seine hilfreiche Hand geliehen, und Arme und Kranke betrauern in den Heimgegangenen einen warmen Freund. VEREINS-RUNDSCHAU München. Die Herzl-Gedcnkfcicr der Zionistisehen Ortsgruppe am 15. Juli verlief, bei zahlreicher Beteiligung, in erhebender Weise. Harmoniumvortrag, treffliche Gedenkrede von Arnold Zweig und Vortrag der ״Menoralt“ sowie des Psalm 12h bildeten das Programm des Abends. Mannheim. Die zionistische Ortsgruppe und der zionistische Sttnlenteuverein Hechawcr veranstalteten am 21. Juli eine äußerst stimmungsvolle Hcrzl- Feier. Die Feier war auf einem Grundton tiefer Sehnsucht gestimmt; der Redner des Abends, Schrift-, steiler Arnold Z w e i g - München, gab nicht die übliche Her/Ibiographic, sondern er faßte die Erscheinung Hcr/.ls vom ,psychologisch innerlichen Standpunkt aus, und zeigte, wie die edeln Gemütswerte in Herzt zum nationaljüdischcn Bekenntnis himlrängen mußten. Es war eine fein durchdachte Ehrung des großen Toten. Musikvorträge jüdischen Inhaltes umraukten die Reite; am Schlüsse brachte Frau Io h a 1111 a S i m o!! F r i e d b e r g in meistcrhafter Weise die leider immer noch so aktuelle, ununsterbliche Anklage ״Matts eitel‘ und das Hohelieil der Kindesliebe, den Schluß von ״Alt Neuland", mit tiefem Empfinden zum Vortrag. Der große Saal der La me v Loge war mit über 250 an- (1;H׳l1tigen Zuhörern gefüllt und, was jedem mit Freude erfüllen muß, es war fast lauter hoffnungsfrohe Jugend, die llerzls Alanen ewige Treue versprach. jüdische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst) Freitag, JE Juli, abends: in allen Svnagogen 7'.• Uhr. Son nahend, I. August, vormittags: in der Alten Synagoge 81.׳ Uhr, in der Kaiserstr.. und Rvkestr. Svnagogc 9 Uhr, in der Neuen, Lindcnstr.-, Lüt/ow, Fasancnstr.- und Levctzowstr.-Synagoge: Frühgottesdienst 7' .• Uhr, Hauptgottesdienst 10 Uhr. Abcndgottcsdicnst (Sabbathausgang): 8 Uhr 51 Min. - Minelia: in der Alten Synagoge 5 Uhr, in den anderen Synagogen 1 .׳ Stunde von Sabbath• ausgang. Gottesdienst an den Wochentagen: mor• getts: in der Alten, Kaiserstr.- und Rvkestr.-Synagoge 6'- Uhr, in den anderen Synagogen 7 Uhr. — Abends: in allen Synagogen 7 Uhr. Gottesdienst a m <). A b. Sonnabend, 1. August, abends: in allen Synagogen 8 Uhr 51 Min, Sonntag, 2. August, morgens: in der Alten. Kaiserstr.- und Rykcstr.-Synagogc 60׳ Uhr, in Jen anderen Synagogen 7 Uhr. Abends: in allen Synagogen 7 Uhr. Zentrale für Deutschland G«ld1endungen •tod •uiichlicollch iu richten an Herr» Max Wolle tat aer CharlotUobarrt Roaobar-Stra&a i. Das Hauptbureau des J. N. F. gibt folgendes bekannt: In der Nationalfondsbibliothek ist soeben erschienen: ״Gemeineigentum und Privateigentum an Grund und Boden“ von Dr. Franz Oppenheimer, Preis 30 Pfg. ln Vorbereitung sind: ״Erbpacht und Erbbaurecht“ von Dr. Kurt Nawratzki, ״Kreditgewährung an Erbpächter und Erbbauberechtigte“, ״Arbeiterheimstätten und Arbeiter- Siedlungen“, ״Landarbeiterfrage und Oenossenschaf t“.