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Jüdische Rundschau · 1914-07-24 · Heft 30 (24.7.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 30 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I Abonnement. ן nuf tlie W0d1ent)i«h •m Freitag er* »cheinende ״Jüdl.che UuruUchuu"!tonten bei der fefpeditlor» und bei allen PostümUm viertel jährlich 1,50 M-, «uÜffhalb Deutschland* und Oester• I reidh-Ungftrn« 2,— M.j für Mitglieder | jüditdter Vereine im Snmmelbexug | durch den Verein 1,— M. I jU1H»ch® Raadadian, G. m. b, II. I B1RUN W.l.', SSclisUdie Straße 8. I Ttltphoni Amt Uhlen«! 845, 846, 868. I’onudieckkontoi Brrlin Nr. 17392. ךוי■«)^ ^׳«/1" «1i.^ ן1יייזו׳^!*"™#ן ץ-; ' 1 A ץ״׳״יו V ך־ין V, J ׳Anzeigen koatee für die •ecliagrupeltene Petiiteilt uder deren Raum 40 Pf.ן SUlien• Angebote und ״G««<b* •«wie Vereint• Mitteilungen und »Kleine Ameigen* O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto beiUegt* •tet• turCcJc gesandt RedaktionMchltt•* Mittwoch vormittag«. Redaktloit Jtitllgch• Reodiclia« BERLIN W. 15, StfehaiwJie Str.ß« I. Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868. Poafichtckkoßtos Berlin Nr. 17392. ין} f \ ־״״׳/ ף y 'j v;. V , c. ו־"/ ח ח נ"/(־־*־r ג■;; ן v E J .J u ü v J Nummer 30 lerl 4 XIX. Jahrgang. Ausweis Schekel 1 Alsfeld 2,—, Berlin; Verein ״Hutikwall" 33,—, Buchsweiler 1,—, Herxheim 1,—, Lcipzip: Verein Zinn. Akademiker 18,—, Loslau 7,—, Met/ 22,., München 31,—, Nordhausen 2, •, Rees g_ , Werben 1,— M. l.andesbciträgc: Alsfeld 2, , Berlin; Verein Hatikwah" 3,—, Herxheim 2,—, Nordtiauscii 8,90 Werben 1,- NV Propagandafonds: Berlin: Rechtsanwalt Alfred Fischer 90,--, Dr. Maierc/ik 10,—, Lazarus Barth 5,—, Dr. Gcrson 5,—, N. N. 5,—, Referendar Ernst Pinner 5.—, Buchsweilcr (Einzclbcitrag) 4,—, Simon Straub, Cassel, 25,— , Dipl.-Ing. I. Landau, f>resden, 10,—, R.-A. Dr. Westfeld, Essen, 5,—, Berta Colin, lllowo. 5,—, Köln a, Rh.: Aron Hofmann 10׳—, Saloinon Homuum 5. Apotheker Bernstein, Königsberg, 5, . Bruno Wolf, Leipzig, 10,— Max Steinberg, Meiningen, 5,—, Dr. Jutkowski, Militscli, 15,— Frau Helene Galewski, Pieschen, 10,—, J, Bocliner, Schönlaiike 10,—, Zahnarzt E, Hausmann, Strallburg im Elsaß, 5,—, Bankier Leo Rciclienbach, Thalc, 10,-־. G. BleiiveiB, Wandsbek, 5,— M. Eingang vom 9. bis 22. Juli: Schekel: 129,—, La nd e s b c it rä g c: 16,90, Propagandaf 011 d s: 259,— M. Gesamteingang: Schekel: 3224,—, Landesbeitrage: 5533,90, Propagandafonds: . 5851,10 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vcrcinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße ff. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. * II e r I c h t i g 1111 g, In Nr, 28 sind unter Propagaiiilafouds 2(1, M, von Dr, W״ll, ()l>1•! islumsrii, ausgewiesen, die für einen andern Fonds bestimmt sind. Die Addition iindert sich dcincntspreclicnd. Radikalismus Antwort auf den offenen Brief von Herrn Richard Lichtheim Sehr geehrter Herr! Vor mir liegt das Manuskript meiner Rede vor dem Leipziger Delegiertenfage, so wie ich es wörtlich verlesen habe. Die Stelle, über die Sie sich beschweren, lautet verbotenus: ״Herr Lichtheini hat im ״Programm des Zionismus“ ja auch bereits Deutschland als ״Wohnland“ und ״Land des Aufenthalts“ bcz.cichnet.“ Das ominose Wörtchen ״nur“, das, wie Sie angeben, in dein Berichte der ״Jüdischen Rundschau“ vom 19. Juni enthalten ist, habe ich mithin nicht im Zusammenhang mit Ihrem Namen gebraucht. Ich habe demnach Ihre Aeußerung völlig riditig zitiert, Und damit fallen alle die An• griffe und die Schlüsse daraus in sich zusammen, die Sie aus der vermcintlidien Tatsache des falsdien Zitats ziehen. Aber ich habe Sie freilich falsch verstanden, wie idi ohne weiteres zugebe, und wie auch aus einer späteren Stelle meiner Rede hervorgeht, wo ich noch einmal, nicht zitierend, sondern kritisierend au'f Ihre Aeußerungen zurückkomme und allerdings das Wort ״nur“ hinzusetze, freilich, ohne Ihren Namen zu nennen. Idi habe Sie offenbar falsch verstanden, da es mir nicht in den Sinn kommen kann, die Deutung anzuzweifeln, die Sie Ihren Worten geben. Ich bin redit froh, daß meine Aeußerung diese authentische Auslegung hervorgerufen hat. Man wird sich darauf berufen dürfen, wenn später dnmal Freund oder Feind ähnliche Dinge mißverstehen sollte. ■HMir »ar י. - -» ».n-jui■ ■ ■— —hmi—■ ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schcffun׳‘ einer öffentlieh •״rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. Das aber ist möglich, nur allzu leicht möglich. Die Ausdrücke ״Wohnland“ und ״Land des Aufenthaltes“ waren merkwürdig ungeschickt gewühlt, wenn sie weiter nichts bcdeuten sollten als die Tatsache, daß 600 000 Juden in Deutschland wohnen oder sich aufhalten. Ebenso ungeschickt, wie der gleichzeitig von mir angeführte Ausdruck des Herrn Wassermann, daß ״kein Jude deutsches Nationalgcfühl haben könne“. Vielleicht erklärt demnächst auch dieser Herr, er habe ja nur die harmlose Selbst- Verständlichkeit aussprechen wollen, daß ein Jude kein germanisches Abstammungsbewußtsein haben könne. Ich meine, jeder Schriftsteller hat die Pflicht, seine Worte so zu wählen oder so zu erklären, daß Mißdeutungen unmöglich sind; wenn aber Schriftsteller in Kampfzeiten und auf Kampfboden so zweideutige Ausdrücke brauchen, so liegt darin eine gröbliche Ungeschicklichkeit. Und mm zur Sacite. Sie erklären mir, ich ״sei zwar noch ein Zionist im Sinuc: des Parteiprogramms“, wenn ich die Heimstätte in Paläslina nicht für mich und meine Nachkommen wünsche, aber ״das sei ein Zionismus, der sich seihst iiiifiiebe, deiiit er bleibe in der .Sphäre der l'roinmeii Wünsche“, Schön! Es gibt also zwei Zionismen, einen Minimalzionismus im Sinne des Parteiprogramms und einen Maximalzionismus mit neuen Inhalten. Ich gehöre dem ersten an, Sie dem zweiten. Es fällt mir nicht ein, Sie in der Propaganda des Ihren stören zu wollen — ich bin nicht der Schulmeister erwachsener Leute: aber ich darf protestieren, wenn Sie und Ihre Gcsiiinungsgenosscti den Maximalzionismus für den Zionismus schlechthin ausgeben, die offizielle Presse der Bewegung in Ihrem Sinne redigieren, Beamte Ihrer ausschließlichen Richtung anstellcn und in Ihrem Sinne agitieren lassen usw. Dadurch machen Sie die Minimalzionisten für Ihre Riehtu »ff mit verantwortlich; ihre Richtung prätendiert. die Gesamtheit zu vertreten, und das paßt uns nicht, das werden wir nicht länger dulden. Verschieben Sie doch die Streitfrage nicht; es handelt sich um nichts anderes als darum. Der Pose ne r Beschluß war eine solche Ausschreitung der einen Gruppe gegenüber der Gesamtheit, zustande gekommen durch Ueberrumpelung, in Hurrah-Stimmung, leider auch durch unsere eigene Lässigkeit; überall siegen ja leider die Extremen, weil sie eben als Extreme rührig, ganz und gar von ihren Ideen und Idealen erfüllt sind, während den Mittelparteilern auch noch andere Dinge wichtig sind. Wenn Sie ehrlich Vorgehen wollen, so müssen Sie den Versuch machen, das Baseler Minimalprogramm durch Ihr Maximalprogramm von dem nächsten allgemeinen Kongreß ersetzen lassen. Versuchen Sie es doch! Sie werden ja erleben, was die französischen, englischen, vor allem die amerikanischen Gesinnungsgenossen Ihnen antworten werden. Dringen Sie durch, so werden wir wissen, was wir zu tun haben; dringen Sie in der Allgemeinheit nicht durch, so haben Sie einfach kein Recht dazu, die deutsche Landsmannschaft auf ein Mehrprogramm zu binden. Sie dürfen nicht vergessen, daß wir nur ein dienendes Glied im internationalen Ganzen sind. Damit wäre ich eigentlich am Ende. Aber ich will doch noch sagen, warum ich p e r s ö 0lieh Ihr Maximalprogramm nicht akzeptieren könnte, selbst wenn icli nicht, horribile dictu, deutscii so sehr assimiliert wäre, daß ich es nidit anders ausdrücken kann als ״in der öden Terminologie der deutsch-jüdischen Patentpatrioten“, wie Sie sich geschmackvoll ausdrücken, oline zu bedenken, daß unter diesen greulichen Kreaturen sich doch noclt Leute genug finden mögen, die ganz ebenso eitrlich und ungebrochen ihr Deutschtum empfinden wie ich selbst. Setzen wir also den Fall, idi hätte gar kein deutsches Staats-, Volks- und Kulturbcwußtsein. Selbst dann müßte idi Ihren Maximalzionismus ablelinen, und zwar, weil er mir trotz Ihrer langen Auseinandersetzungen nach wie vor, um Sie zu zitieren, erscheint ״als ein unreifer, immer zum Extrem drängender, die tatsädilichcn Verhaltnisse und die geschichtlichen Bedingungen übersehender Chauvinismus“. Hier stehe ich, ich kann nicht anders! Ich vermisse in Ihrer Stellungnahme die klare ErkamtiiP von den Notwendigkeiten des Zionisinus, d. 11. von seinen Zielen ־ und vor allem von seinen Mitteln. Der ZioiiisnttiH will das jüdische Volk n I Volk crliaileii, I killt das, daß er danach streben muß, alle jetzt nodi vorhandenen Juden der Volkheit zu erhalten? Keineswegs! 3g Millioucn Deutsche sind nach Amerika ausgewandert und anglisiert worden, ca. 13 Millionen leben in Oesterreich, ein paar Millionen in der Schweiz, in Luxemburg, sogar in Italien einige: hat das das deutsche Volk in seiner Lebenskraft erschlittert? Keineswegs! Hunderttausende von Juden sind durch die Taufe dem Judentum verloren gegangen: kann es dem jüdischen Volke sdiaden, wenn noch Hunderttausende verloren gehen oder wenigstens in ihren Wohnländera bleiben? Keineswegs! Sie selber müßten, wenn Sie logisch dächten, den Abfall der Assimilierten wünschen, utn für das neu nt schaffende Volk eine homogene Grundlage zu haben. Wenn wir wollen, daß im künftigen Konzert der Nationen Judas Harfe nicht fehle, so haben wir danach zu streben, daß eine geschlossene starke Masse von Juden einer Sprache, Sitte und Kultur im ei genen Lande nach eigenem Gesetze lebe. Wer das erstrebt, ist Zionist; es ist durchaus nicht erforderlich, daß er selbst den Wunsch hat, jener Masse anzugehören, und es ist nicht wahr, was Sie sagen, daß ״ohne solches Streben der Zionisten der Zionismus unausführbar ist“ 1 Im Gegenteil: gerade dieses Streben wird den Zionisinus schwer ausführbar, vielleicht unausführbar machen. Denn unser Erfolg hängt, wie Sie selbst richtig angeben, davon ab, daß ״sich genügend Juden finden, die ihre Arbeit, ihr Geld und vielleicht noch mehr für Palästina einzusetzen gewillt sind“. Mit Ihren idealen Forderungen aber machen Sic es unzähligen Juden unmöglich, Zionisten des Minimalprogramms zu werden. Wir brauchen zahllose Philozionisten, wenn Sie so wollen, um die Masse ins Land, das Land zur Masse zu bringen. Zahllose Leute wie ich, die ״ihre Arbeit, ihr Geld und vielleicht mehr‘* aus höheren oder niederen Motiven für das vielleicht Unerreichbare einseben.

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