Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1914)
- Date
- 1914-06-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 5× ep/1046078
- Haifa 3× ep/1047930
- Banat 1× ep/1272623
- Beirut 1× ep/1047833
- Lod 1× ep/1045074
- Tiberias 1× ep/1048138
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Nr. 24 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 255 fri1־di;:1mg ztirückzublicken. Die Kolonisationsarhcit des Nationalfoiuls in Palästina nimmt aber unsere Geldmittel so sehr in Anspruch, dal! wir nicht gemig •/11 ihrer stetigen Vermehrung aiispornen können’. Durch den Bericht des Palästina,amtes auf dem Wiener Kongreß liat jeder Jude die Bedeutung der Tätigkeit des Nationulfonds und seiner Leistungen in Frcz Israel erkennen können. Unsere Fremule aber bi!te 11 wir, uns in Zukunft in noch höherem Malte die Mittel zur Verfilm״!}! zu stellen, deren wir für die Verwirklichung unseres Ideals bedürfen. Die neue Jugend. Von Anne Salomou, stud, mal.• I >ie ״Jüdische Rundschau" hat in Erkenntnis der ״einigsten Lebensfrage einer jeden Bewegung ihrer Jugend eine Nuuinier gewidmet. Dort würdigt Herr ln. Paul Michaelis die deutsche Jugendbewegung, du sich unter der geistigen Leitung von Dr. Gustav Vwicken machtvoll entfaltet, mit warmen Worten. Line Frage kristallisiert er heraus: Warum halten sich die jüdischen Mitarbeiter des ״Anfangs“ von (Ur jüdischen neuen Jugend fern? Oder weiter g!•f,iltt: Welche Faktoren haben die Macht, in vielen jungen Juden eine so enge Bindung zur ״Jugendkuliiirbewcgung“ zu erzeugen, dali sie alle, aber am 11 alle latenten Kräfte in ihnen zur Betätigung bringen, hei Negierung des speziell jüdisch-jugendliehen Problems. Diese ernsthafte Frage sollte jeder als an sieh persönlich gestellt betrachten. Ich will versuchen, sie /u beantworten, weil ich in beiden Bewegungen organisiert und inehr als einmal zum Nachdenken darüber gezwungen bin. Der Artikel von Heinrich Margulies in der gleichen Rundschau-Nummer ״Hin Organisationsplan für die zionistische Jugend" gibt das beste Material •zur Antwort auf diese Frage. Sie lautet: Die zionistische Jugendarbeit übersieht das Z c n t r a l p r o b 1 e m des j u g e n d - lieh e n Da sein s. Das muH begründet werden. Heinrich Margulies schlägt einen Verband aller zionistischen Jugendorganisationen vor, führt weiter aus, wie dessen Vertretung einen starken Linflull im geschäftsführenden Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erhalten soll und gelangt zu dem Schlüsse, daß hier der Bewegung eine neue Waffe von unerhörter Einmütigkeit und Stoßkraft gegeben wird. Dieses Resultat ist zweifellos richtig. Woher sollte wohl eine stärkere Waffe erwachsen, als aus der Jugend in ihrer empfänglichen Biegsamkeit und ihrer üherströineiulen Kraft! liier liegt aber auch der fundamentale Zwiespalt. Margulies sagt selbst (in bezug auf die Turnerschaft): ״Eine Masse wie die zionistische Jugend in einer Fachgruppe zusammenzuschließen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.“ Und Ich fahre fort: Jene Lebensform, deren besondere Struktur wir endlich erkannt haben, die nicht mehr ausschließlich ״Vorstufe und Zurichtung“, sondern ״Gipfel und Vollendung“ ist -־ die wir ״Jugend“ nennen jene ״Masse“ meinetwegen in den Dienst eines Parteiprogramms zu stellen, um ״einen jährlichen Nachwuchs von einigen Hundert vorgcschultcn Zionisten" zu erhalten, ist nicht nur ein Ding der Unmöglichkeit — im ideellen Sinne —, sondern stellt den polaren Gegensatz zur ״Jugendkultur“ dar. Dies eine Beispiel kann genügen, denn es charakterisiert den bekauntpn propagandistische« Betrieb der jüdischen jugcndaYbcit. Doch ein zweites füge ich hinzu: In den Statuten des ״Blau-Weiß" iinden sieh die Sätze: ״Kein Schüler darf als Scholar aufgenoitmicii wer- «Rn, der in seinen Leistungen unter dem Durchschnitt der Klasse steht. Ein Scholar, der in seinen Leistungen unter den! Durchschnitt der Klasse zurückbleibt, wird zeitweise >011 den Veranstaltungen des Vereins ausgeschlossen.“*) Hier findet sich nicht die Eingliederung in ein Parteiprogramm, sondern die Verbeugung vor der Oberlchrerschaft, — eine Geste, die als ebenso jugendfeindlich zu bezeichnen ist. Ich kenne und liebe den jüdischen Wanderbund als ehemalige Mitbegrün• *) Vgl. hierzu die Aeußerung der BI a u - W c i ß - Blätter (Maiheft): Im Märzheft des ״Jung-Wnndervogels“ veröffentliclit einer unter der Spitzmarke ״Wandervogel" den längst durch die Praxis überholten § lf> der Statuten, die der Breslauer Wanderverein 1007 für seine Jugendgruppe errichtete: ״Wanderer, die in der Schule unter dein Durchschnitt ihrer Klasse stehen, werden zeitweilig oder ganz von den Veranstaltungen der Gruppe ausgeschlossen“ und sagt in einer hämischen Bemerkung dazu, wir würden uns dadurch wohl die ״geneigte Unter- Stützung der jüdischen Herrn Oberlehrer erwerben. Nun, wir können dem lieben Jungwandcrvogcl sagen, daß uns die ״geneigte Unterstützung“ der!üdisclicii deriu und Führen». Ich bedauere, daß ich aus diesen Sätzen ersehen muß, wie er von seinen früher wirklich jugendlichen und mutigen Grundgedanken ahweicht. Denn Kompromiß ist der Tod einer jeden Jugendlichkeit. Darum wird die Antwort aus jenem Lager nicht so lauten, wie Dr. Michaelis sie voreilig konstruiert: ״Wir wollen keine Trennung von unseren deutschen Kameraden, die jüdische Idee ist uns zu klein im Vergleich zu der allgemein-menschlichen, wir sind Kosmopoliten." ü nein. Es liegt keine Wertung der Ideen vor, sondern eine Wertung der Systeme. Vielen unter uns ist die Idee einer jüdischen Renaissance in Erez Israel so groß wie jede nationale Begeisterungstal, manchen ist sie blutvoll und heilig. Eine Idee aber ist in unseren Köpfen und Herzen lebendig geworden: Die Idee der Jugend. Zu dieser gehört aber nicht nur die Sehnsucht nach einer neuen Schule. Die Freie Schulgemeinde ist nur die letzte Konsequenz dieser Gedanken. In ihrem Zentrum stehen der Wille und Wunsch, in einer ihrem Wesen gemäßen Gemeinschaft zu leben, ihr Lehen sieh autonom - nicht willkürlich, sondern gesetzmäßig - zu formen und zu gestalten, unter selbst gewählten Führern. In ihrem Wesen liegt die Liebe zur U11bediugtheit, zu wahrhaft absoluten Werten. Damit komme ich zum Zionismus zurück. Es ist an sich durchaus denkbar, daß eine so lebende Jugend- . gemeinde zionistisch gerichtet ist, und schon gibt es unter 1ms welche, die an eine solche Verwirklichmig denken. Diese werden den heutigen zionistisehcn Jugendorganisationen so ähnlich sollen wie ein Gemälde einer Karikatur. Und zwar, weil Ton mul Wert stets auf ״Organisation" und nie auf ״Jugend" liegen. Es liegt mir fern, den neutralen Jugeudvcreiueii und ähnlichen das Wort zu reden, Reiches Material für zionistische Arbeit bietet das Prötaliüll 1138 XL llonorssses Zu beziehen vom jüdischen Verlag, Berlin W 18, Sächsische Straße 8. Preis gewöhn!. Ausgabe Mk 1.50, gebunden auf holzfreiem Papier Mk. 3.—. Porto 20 Pfg. die vor lauter Angst um ihre Neutralität eben nur neutral, richtungslos sind. Es ist gut und bereichernd, wenn dem Ideengehalt der Jugendbewegung ein neues Somleridcal augefügt wird, und ein ״in jüdischen Sachen jüdisch“ kann von einer Jugendgemeinschaft konzipiert werden. Aber; Dies kau« nur geschehen, solange der Zionismus als Idee aufgefaßt wird und als großer Gedanke dem Ideengehalt eines jungen Menschen Ungegliedert wird, wobei er natürlich auch die praktischen Verwirklichungsmöglichkeiten kennen lernen mag. Eine ״neue Jugend“ kann nur geschaffen werden, solange Jugend das primäre, Zionismus das zunächst sekundäre bleibt. Damit die Jugend erwachse, um sich — vertraut mit jüdischen Mögliehkciteii zu entscheiden. Die heutige Taktik ist umgekehrt, sicht immer und nur im Zionismus das primäre. Sie ist darum kurzsichtig, denn um, ' mit Margulies zu reden; 1. eine starke jiigendorganisation zu haben, 2. der Z. V. f. D. einen starken Nachwuchs zu schenken, 3. für die Turnersdiaft Mitglieder mul Bedeutung zu gewinnen, vergißt man, daß man ja eine Neue Jugend schaffen wollte! Allerdings: Hier schaltet der Scheideweg aus. So ein zionistisch Dressierter wird zweifellos Zionist bleiben; nur ist er nie jung gewesen, der Rausch der Freiheit, der selbständigen Wahl, der doch die einzige Gewähr für innere Anteilnahme'ist, war ihm ferngehalten. Wir Zionisten aber sollten der Jugend den Scheideweg nicht ersparen. So lange wird die jüdische Gefolgschaft des ״Anfangs“ und Gustav Wvnekciis der zionistischen Jugendarbeit fern bleiben, bis man ihr wahre Jugendlichkeit und freie Wahl /«erkennt. Selbst auf die Gefahr hin, den einen oder anderen zu verlieren, Denn es gilt ״Knaben zu opfern, um Männer zu gewinnen“. Herren Oberlehrer sehr angenehm wäre. Wir können ihm noch weiter verraten, daß wir Breslauer sogar einen leibhaftigen jüdischen Oberlehrer als Führer zu haben uns glücklich schätzen. Was aber den S lü betrifft, so hat der Tadler recht. In einem Wandervogel sollen auch die schlechten Schüler stark und frisch werden, um bessere Schüler werden zu können. Gerade ihnen sollen unsere Führer Freunde sein, zu denen sie kommen, wenn sie in der Not sind. So hoffen wir, werden wir der Angst vor der schlechten Zensur nbhclfen können. Ein Blau- Weißer tut seine Pflicht. Geht sie aber über seine Kraft — was schuldlos jedem begegnen kann—, so trägt er sein Los mit würde und kann dennoch bei uns seiner Jugend froh werden. Nicht auf das Zeugnis, auf den Menschen kommt cs an. Ein amtlicher Bericht Die Berliner ״Nachrichten für Handel und Industrie“ veröffentlichen folgenden einem Berichte des Kaiserl. Vizekonsuis in Haifa entnominellen Bericht aus der Türkei über ״Die Wirtschaftliclu׳ Lage des Kasa Safed unter besonderer Berücksichtigung der jüdischen Kolonien“: ״Das Kasa (Kreis) Safed gehört vcrwaltuugsrcchtlieh zum Saiidscltak (Regierungsbezirk) Akko und zum Wilajet (Provinz) Beirut. Es zieht sich vom Nordstraud des Sees Tiberias bis zu der Ebene von Merdsch Ajtm und wird im Osten von dem oberen Jordan durch/ogcn, der sich im Safedcr Gebiete zum Mcrom-(Hulc)see erweitert. Es liegt in Obergaliläa hinter dem Küstenstreifen von Akko und Tyrus und bildet das wirtschaftliche Hinterland dieser beiden I lafciiplät/c, die ungefähr 50 b/w. (10 k!tt von der Hauptkreisstadt Safed entfernt sind. Das Kasa Safed hat eine Oberfläche von 1080 qkm. Die Angaben über die Einwohnerzahl gehen sehr auseinander. Sie schwanken zwischen •10- und 70 000 Einwohnern, von denen etwa 20- bzw. 30 000 auf die Kreisstadt Safed entfallen. Die 838 111 hoch gelegene Stadt Safed hat bisher keine besondere wirtschaftliche und politische Bedcutung gehabt. Sic bildete mir zur Kreuzfahrerzeit durch ihre hohe und gut geschützte natürliche Lage einen wichtigen strategische״ Beobachtungs- und Vertcidigiiiigspnnkt Als solcher soll Safed auch jetzt mit der *strategischen Landstraße verbunden werden, die vom Flauran bis zum Meere nach Akko über Bosra (Eskischam)-.Es Sweda — Scheich Meskin - Nawa — Scheich Sad — El Cliuschnije (bei Teil cl Faras) -- Er Riisanijc - Dschisr Banat Jakub — Rosch Pinnall gebaut wird. I« Saled sollen 12(KM) Juden (40״״) wohnen. Für die Jtideumission hat sich in -Safed eine englischt* Kolonie mit stattlichen Hospital- und Schulgebäuden gebildet (London Jew Socieiv und Scotch Presbyterian Mission). Die englische Sprache ist da- 11er in Safed verbreitet. In einer Schule der Alliance Israelitc wird Französisch und in der Esra-Mittelschule, die einstweilen zwei Klassen hat und achtklassig ausgehaut werdet! soll, wird Deutsch als Hauptfremdsprache gelehrt werden. Die meisten Juden in Safed neigen zur Anknüpfung von Gcschäftshc- Ziehungen mit Deutschland, weil sie den deutschjüdischen Jargon sprechen und hochdeutsch verstehen. Die Deutsche Palästina-Bank ist in Safed durch den jüdischen Agenten Trowitz vertreten. Bei der natürlichen Abgeschlossenheit von Safed und den schlechten Verkehrswegen ist der Handel ein geringer. Wenn Safed — wie beabsichtigt -- mit dem Weltverkehr durch die fraiizösischerseits geplante syrisch-ägyptische Bahn von Rajak Safed — Lydda — El Arisch verbunden wird, dürfte eine Belebung des Handels eintreten. Die Einfuhr nach Safed wird auf durchschnittlich I Million Eres, im Jahr geschätzt. Die Kaufkraft der arabischen ßcvölkcrutig, die fast ausschließlich der Landwirtschaft obliegt, ist noch gering. Sie würde sich wesentlich heben, wenn die Eingeborenen sowie die neben ihnen wohnenden jüdischen Kolonisten sich bemühen würden, die Ertragsfähigkeit des Landes mit modernen Mitteln voll auszunützen. Bei Safed befindet sieh nämlich die jüdische Kolonie Rosch Pinnah und fünf andere jüdische Ackcrbaukolonicn. Rosch Pinnah ist eine der ältesten jüdischen Ansiedlungen. Sie wurde im Jahre 1882 von Baron Edmund Roth- Schild gegründet und bildet eines der drei Koionisationszentren der Jewisli Colonization Askociation (J. C. A.) in Palästina (die beiden anderen sind Sichron Jakob bei Haifa und Kischon el Zion bei Jalta). Ihre zum Teil schmucken Hauser, Gärten, breiten Straßen und gepflegten Fehler heben sich günstig von ihrer arabischen Umgehung ab. Die Lage der jüdischen Kolonisten hat sich besonders in den letzten sicdien Jahren gebessert, seitdem sie sich mehr dem Obstbau, vor allem der Orangen-, Oliven- und Mandelkultur gewidmet haben. Gemüsebau und Viehzucht kommen neuerdings auch mehr auf. Die jüdische Kolonisation in Palästina bildet ber e i t s einen beachtenswerten Faktor im dortigen Wirtschaftsleben. Sie wird immer mehr dazu beitragen, die Landwirtschaft und auch den Handel zu heben und zu fördern. In Palästina bestehen bereits vierzig jüdische landwirtschaftliche Ansicdlungcn mit einem Gesamtbesitze von etwa 40000 11a. Hiervon liegen sechs bei Safed (Obergaliläa), acht beim Tibcriasscc (Untergaliläa), fünf in der Jesrcelcbcnc (Untergaliläa), neun zwischen Haifa und Jaffa (Saronacbenc), zwölf südlich von Jaffa (Judäa). Die meisten Kolonien gehören dem Baron E. Rothschild. Er hat in den dreißig Jahren zwanzig Kolonien mit einein Besitze von 24 000 11a und mit 8255 Einwohnern gegründet und zu diesem Zwecke bisher 100 Milk Frcs. ausgegeben. Die Ansiedlung erfolgt im allgemeinen in der Weise, daß einem jüdischen Kolonisten durdischnittlieh 250 döiiiim 23 ha Land im Werte von ungefälir 5000 Frcs., ein Haus mit Stallung im Werte von 7500 Frcs., Inventar im Werte von ungefähr 6000 Frcs., Bargeld im ersten Jahre 10000 Frcs., zusammen 18 500 Frcs., gleichsam ein Kapital von 18000 bis 20 000 Frcs. gegeben werden, das der Kolonist sich verpflichtet, in 50—70 Jahren mit 1 —3 °/0 Zinsen zurückzuzalilen. Die Auslagen für Synagoge, Schulen und Arzt werden von der Jewish Colonization Association bestritten.“ *