Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Abonnements auf die wuchfnlltch «m Freitag erscheinende ״J(ldi*dhe Rundschau kosten bei der Expedition und be allen Postämtern vierteljährlich 1.5QM auUerhslb Deutschlands und Oester rsieh.Ungama 2,— M,{ für Mitglied, jüdischer Vereine im Sammclbcxug durch den Verein 1,—• M. JUdtadi• Rundschau, G. m. b. H, BERLIN W. 15, Sttchaltdi« Straße 8. Telephon« Amt Uhland SIS, 816, 868. Postidüeckkon’.o* Berlin Nr. 17392. י * •יי■ ״״■ ׳״ ״״״״'-״“״י» * י .. *J Anzeigen kosten für die ■echsgfspaitene Petitseile oder deren Raum 40 Pf.} Stellen- Angebote und -Gestnhe sowie Vereios- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen“ OOOO nur 30 Plrrmg. O O 0 O Manuskripte v, rrdrn, wrim Porto beiliegt, stete *urütkg׳*«s«ru!i, RedaktioniachluQ; Mittwoch vormittags. Redaktion Jüdische Rundacliau BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. Telrphnn: Amt UhUml 845, 8<6, ¥& Poststheckkontoi Berlin Nf. 17392. ™J €:,ע «... ■ j Nummer 22 Sslwan 5674 XIX. Jahrgang, XIV. Delegiertentag am l-l. und 15. Juni in Leipzig, Kristall• palast.Wintcrgartcnstraßc. Tagesordnung: Sonntag, den 14. Juni: Vo r in i 11 a g s s i t z u n g (gi/, lihr präzise). 1. Bericht des Vorsitzenden ür. Arthur Hantkc. 2. Begrüßung durch das Engere Actions-Comitd. 3. Begrüßungsansprachen. I, Wahl des Präsidiums. 3. Allgemeine Debatte, Nachmittagssitzung (3 Uhr). Fortsetzung der allgemeinen Debatte. Abendsitzung (9 Uhr). Referat Leo Motzkin: ״Das neue Palästina.“ Montag, den 15. Juni:, Vormittagssijzung (Q1/a Uhr präzise). 1. Referat Dr. Zlocisti: ״Eine deutsche Acliusa.“ 2. Debatte über die beiden Palästina-Referate. 3. Initiativanträge der Delegierten. 4. Wahl a) des Geschäftsführenden Ausschusses, h) des Zentralkomitees, c) der deutschen Mitglieder des Zentralkomitees der Gcsanitorganisation. Sonstige V c r a 11 s t a 11 u 11 g c 11. Sonnabend, den 13. Juni, abends 8';.׳ Uhr, im Tlicateisaale des Kristallpalastes: Vorführung des Pakt•• tim l'iim;,. ,Montag, den 15. Juni, nachm. 5 Uhr: Zusammen- Lmm der Vertrauensleute des j, N.-F.; abends 8',., Uhr: Große «»fientliehe Versammlung. Dienstag, den 1(1. Juni, vormittags: Führung durch die Internationale Buchgewerbe-Ausstellung. Für die Delegierten und Gäste sind in folgenden Hotels in Leipzig Zimmer reserviert worden: Hotel Fürstenhof (ohne Frühstück M. 5,—), Hotel Bayrischer I lof (mit Frühstück M. 6,—), Hotel Monopol und Parkhotel (mit Frühstück M. 5,—), Hotel Terminus (mit Frühstück M. 4,50 bis M. 5,—) Hotel Fröhlich (20 Betten, M. 3,— mit Frühstück). Alle Hotels befinden sich in der Nähe des Kristallpalastes. Alle Hotels sind der Ausstellung wegen über* füllt, die Preise stark erhöht. Es ist notwendig, sofort Quartier zu belegen. Für Bestellungen, die nach dem 1. Juni bei Herrn Rudolf Schick, Leipzig, Zentralste 7/9, eintreffen, kann keine Gewähr für Erledigung übernommen werden. Am 14, mul am 15. Juni findet mittags D .. Uhr ein gemeinschaftliches Mittagsessel) im Hold de Pruss’e statt. (Kein Weinzwang.) Das trockene Gedeck kostet 3 M. Es können infolge der besonderen Verhältnisse in Leipzig nur solche Anmeldungen berücksichtigt werden, die bis zmn 0. Juni bei Herrn Schick eingegangen sind. Tribünenkarten. Für Gäste werden Tribünenkarten zum Preise von M. 0,50 ausgegeben. Dieselben berechtigen zur Teilnahme an allen Sitzungen. Bestellungen sind unter Einsendung von M. 0,00 (inkl. Porto) an die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, zu richten. Zur Uebernahme von Mandaten haben sich bereit erklärt: Dr. Walter Fischer, Berlin; Walter Gottheil, Weißenfels in Sachsen; Hans Goslar, Berlin; Fräulein Martha Bukofzer, Königsberg; Dr. Raphael Straus, München; Nathan Jacobi, Halle a. S.; Leopold Jacoby, Chemnitz; Dr. Wollstein, Berlin; Ehepaar J. Boschwitz, Berlin; Fräulein Victoria Strauß, Marbürg; Ludwig Schwarz, Chemnitz; Heinrich Margulics, Berlin; Apothekenbesitzer Boschwitz, Jeßnitz 1. Anh.; Emil H. Lipstadt, Hamburg; Louis Tumgiwski, Wilhelm Fuchs, Wilhelm Dubiner, Leipzig; r. Eliasberg, Berlin; Ing. Winkclsberg, Chemnitz; Martin Salinger, Hamburg; J. Chodorow, Dessau; Dr. Curt Nawratzki, Berlin. Gemeldete Delegiertenwahlen München: R.-A. Dr. E. Straus, Dr. Ludwig Wassermann, Delegierte; R.rA. Dr. Ambrunn Dr. Raphael Straus, Ersatzdclegierte. Köln: Berthold H a 11 e n s t e 1 n - Köln, Dr Franz Öppe nheim er- Berlin, Delegierte; Han! Goslar-Berlin, Ersatzdelegierter. ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilieh-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. Halberstadt: Isaac F e u e r r i 11 g - Halberstadt, Bankier Leo R e i c h e 11 h a c h - Thale, Delegierte; Frl. Gusta S t r 11 m p f -1 lalberstadt, Frl. Mary Sternbcrg-J lalberstadt, Ersat/ilelegierie. Chemnitz: l)r, Sichel, Dr. Fraenkel, Delegierte; Leopold Jacoby, Ludwig Sclnvadt, Ersatzdelegierte. •Land and Geist (Z u 111 Leipziger D e 1 c g i e r t e n t a g) Land und Geist also — das ist die Lösung tles Sozialismus. (Gustav Lan- (lauer: ״Aufruf zum Sozialismus“.) Land und Geist ist auch die Lösung des Zionismus, und hei Verwirklichung der zionistischen Aufgabe müssen die Forderungen des Landes und des Geistes erfüllt sein,, gleichgültig ob cs sich um Aufgaben der Gesamtbewegutig oder um Aufgaben einer I;ü1lcrat1,m handelt, lind da glaube ich dieses: auf der '1 agesonlmmg des Leipziger Delegieiteutages fehlt etwas, und das ist ein Referat über die Kultur• (rage, Danken wir der Leitung, daß sie zwei Palästina-Referate fesiset/.te nach den beiden Seiten der menschlichen Seele, der orientierenden und der realisierenden. Motzkin wird uns berichten, wie weit unsere Arbeit drüben steht, und Zlocisti wird uns zur Tat, /ur neuen Aufgabe ermahnen. Und dies ist das Land: Wedtiper admatho amo. Wir hätten erwarten sollen, daß auch in Leipzig ein Referat über unsere nächsten geistigen Aufgaben gehalten würde. Andere Landsmannschaften wie die kanadische oder böhmische halsen die Bedeutung der Frage erkannt, und die Resolutionen, die auf ihren Tagungen gefaßt wurden, bildeten die Basis der so wichtigen Gegemvartsarheit. Und für die Notwendigkeit des Referates, auch auf dem deutschen Delegiertentage sprechen so viele Umstände. Da ist zunächst die ״Sprachcnfrngc“. Die Einheitlichkeit fehlt, Die 31istatinith hat noch immer nicht in Deutschland das erfüllt, was man erhofft hat, und aus diesen, aber auch aus anderen Gründen muß die zionistische Landesorganisation die Arbeit selbst verrichten. Und ich meine dieses: Es geniigt nicht, daß in den einzelnen Städten Kurse zur Erlernung der hebräischen Sprache :!!!gehalten (oder auch nicht abgclialteu) werden, sondern cs muß in jeder Gemeinde eine Gelegenheit vorhanden sein, Hebräisch zu lernen und zu pflegen, Wir müßten es eigentlich aus dem Sprachenkampf wissen, daß cs in unserem Interesse nicht liegen kann, ein Out wegen seines traditioneilen Wertes und seiner nationalen Bedeutung zu verteidigen, das wir gar nicht kennen. Es ist dies mit unserem Streben nach Würde mul Inhalt unvereinbar. Es genügt nicht, daß ״unsere Brüder in Palästina“ licbräisch sprechen und wir in Unkenntnis der Sprache verharren. Wir wissen aber auch, daß eine wirkliche Rückkehr zum Judentum das Wissen der hebräischen Spruche bedingt. Und wenn cs in unseren Reihen noch so wenige gibt, die der hebräischen Sprache mächtig sind, so liegt das daran, daß die Systematik in der Erlernung fehlt und die deutschen Juden haben doch gerade einen ’ guten Sinn für Systematik und Ordnung ... Die deutsche’ Landesorganisation hat also die Pflicht, liier einzugreifen und für eine Systcmatisicrupg der hebräischen Arbeit zu sorgen': Vom hebräischen Kindergarten angefangen bis zu den Abendkursen der Vereine und den Stunden der einzelnen. i Die Z. V. f. D. muß neue Arbeiten übernehmen, damit kein Stillstand im deutschen Zio* nisinus entsteht, ich meine kein geistiger Zum 10. Todestag Theodor Herzls Zehn Jahre sind am 20. Tamus vergangen, seit Theodor Herzl uns entrissen wurde. Aber die Erinnerung an den grossen Toten lebt in uns fort. Wir ehren sein Andenken durch treue Hingabe an sein Ideal, das er uns als teuerstes Andenken hinterliesi. Unser ganzes Sinnen und Schaffen ist auf das eine hohe Ziel gerichtet, das Werk der Befreiung unseres Volkos, das er begonnen, zu gutem Ende zu führen. Trotz aller Romantik seines Wesens war er ein Mann der Tat. Sein kühner Geist, sein scharfer Blick sahen alle Notwendigkeiten unserer Organisation voraus. Jede bedeutungsvolle Einrichtung, die uns zu Erfolgen führte, hat er geschaffen oder angeregt. Er träumte von einem starken, freien Volk auf fruchtbarer Scholle. Er wies uns den Weg, den Traum der Verwirklichung nahezubringen. So trotzten Söhne inseres Volkes im Lande der Vätor in heissor Heimatliebe allerorten dem 80 lange vernachlässigten Boden die alte Fruchtbarkeit ab. Sie schufen blühende Gärten und legten die Keime zu stolzen Wäldern. Sio pflanzten auf den Bergen Judas den Herzlwald, ein ragendes Denkmal ewigen Dankes, ein Zeugnis unvergänglicher Treue. Wir fühlen, zumal am Todestage Theodor Herzls, die Pflicht, dieses schöne Werk der Treue und Dankbarkeit zu fördern. Auch wir wollen helfen, dass dieses Donkmal unseres Führers immer würdiger seiner Grösse werde. Darum ergeht an alle Juden, die zu unserer Fahne stehen, die Aufforderung: Jeder pflanze zum 20. Tamus einen Baum Im Herziwald! Bezeuget durch diese Spende die ewige Dankesschuld an den Mann, der euch das jüdische Lebensideal gegeben. Stillstand, Iin deutschen Zionismus, von der Literatur (das Chadgadja-Buch bildet eine Ausnähme, vielleicht einen Anfang) über die Presse und die Broschüren bis zu den Studentenkorporationen und den lokalen Organisationen vermissen wir schon seit langem eines: nämlich, daß es etwas Natioleres, etwas mehr national Ausgcbikletcs und Fortgeführtes gibt als die Agitation. Nach außen sind wir nationaler geworden, nach innen aber nicht. Deshalb muß die Zentrale aller zionistischen Arbeit in Deutschland, die Z. V. f. IX, den Beginn der Weiterentwicklung und vor allem der Vertiefung der nationalen Idee machen, d. h. ein jüdisches Kulturprogramm schaffen. Es kommen wieder in den letzten Jahren viele sehr junge Leute zu uns, die auf Grund der ״radikalcren“ Agitation Zionisten geworden sind, und wir wissen, außerhalb der jüdischen Gemeinschaft ist in der Jugend ein Ringen und Kämpfen um eigene Werte, vor allem um die Form, in der sie leben und lernen will; und wir wissen auch, viele jüdisdie Jungen und Mädchen, die bisher nicht den Weg zu uns geftmdcn haben, sind unter den Suchern da draußen; und wir sind daher verpflichtet, der jüdischen Jugend, die sich um Herzls Fahne geschart iiat, und aber auch denen, die noch nicht bei uns sind^ wirkliehe, jüdische Werte zu geben. Wir müssen ein jüdisches Jugendprogramm, ein jüdisches Erzichungsprogramm schaffen. Ich meine hier nicht das Erziehungsprogramm für das jüdische Kind, sondern für die, welche vor der Entscheidüng ihres Lebens stehen; also die Besten unserer Gemeinschaft, die Träger unserer Zukunft.,