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Jüdische Rundschau · 1914-05-15 · Heft 20 (15.5.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r I I I 1 I Abonnements ך-ץ ך-*™--»— %■»» 1 ׳1 ׳;! 1 «uf die wöchentlich am Freitaff er• scheinende ״Jüdisch• Rundschau“ kosten bei der Expedition und bei allen Postämtern vierteljährlich 1,50 M., außerhalb Deutschlands und Oester- J reiih-Ungarns 2,— M.j für Mitglieder 1 jüdischer Vereine im Sammelbexug | durch den Verein 1,*- M. 2 jüdisch• Rundsdiaa, C. m, b. H. J * BERLIN W.15, SBchslsche Strnßc 8. *! Telephon t Amt Uhland.845, 816, 868. J Postsdieckkontoi Berlin Nr. 17392. j 1 f*~“ ^—, , ■) \ M 1 : i J 1!!!; lJ v_j lJ l. J V. ו—^ ף\tr ןן 3,.v \ y y' J כ. v ך <״ן ך׳ן י ך c'J U.;L L ' Nummer 20 Berlin, den 15. M j / ץ“'׳־־׳; H,..׳ ־ ר"׳* ץ" ^ך־־־"׳^ ךין O ל ) ־ : Lj lJ Anzeigen kosten (ür die sedtsgespsitena Petit- *eile oder deren Rsum 40 Pf.! Stellen- Angebote und •Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anxeigea* O O O O nur 30 Plennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto beiliefft, stets surückgesandt. Perinktionaacfalußl Mittwoch vormittags. I Rodnlctlon JUdlach• Rnndsdsnn ן BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8.! Telephon t Amt UM.ml 815, 846, 868. 1^ Postscheckkonto 1 Berlin Nr. 17392, j rר־׳/ 7״ י /;/ V.J» נ::. aumrwü'tnuMia^ ska— ׳-SlP ףי zi XIX. Jahrgang. Nationale Propaganda Zum Leipziger Delegiertentag. Von Isaak Feuer ring, Halberstadt. Die zwei Jahre, die seit dem Poscner Oelegiertentage verstriciien sind, bedeuten einen Zeitraum wichtigster Entwicklung für den deutschen Zionismus. Zwei Momente kcnnzeichnetc» die Beratungen und Beschlüsse der Posencr Tagung: Die starke Unterstreichung des nationalen Cluirakters unserer Bewegung, dessen klare, tmverfälschte und vor keiner schwächlichen Rücksicht zurückschrcckcndc Hervorhebung auch ganz hesonders in der Propaganda gefordert, und die Betonung der persönlichen Beziehungen zu Palästina, die vom einzelnen Zionisten verlangt wurde. Beide Momente waren die logische Konsequenz der gleichen Gedankenreihe, wie beide das Ergebnis derselben Entwicklung sind, die sich in immer stärkerem Maße unter den deutsehen Zionisten vollzogen hatte. War das aktive ideelle und materielle Interesse, das von jedem Zionisten für Palästina beansprucht wurde, eine logische Folge der zentralen Stellung, die sicli Erez Israel nach und nach auch im Gedankenkreise vieler Zionisten erwerben mußte, so war der entscheidende Wert, der der stärkeren Herausarbeitung des nationalen Prinzips 1111serer Bewegung beigelcgt wurde, nur das Resultat einer Verinnerlichung, die lediglich durch die größere Einwirkung Palästinas, des stärks t e n nationalen Faktors, auf den einzelnen herbeigeführt werden konnte. Die hier kurz skizzierte Erneuerung der zionistischen Ideologie hat —darüber herrscht nur eine Meinung — außerordentlich befruchtend auf die zionistische Arbeit gewirkt. Sie hat uns klarer und wahrer, konsequenter und darum freier gemacht. Der einheitliche Wille, der für alle positiven Arbeiten auf dem Kongreß geherrscht hat, die Geschlossenheit der Organisation, die im Sprachenkampf zutage trat, und vieles andere sind ein Beweis dafür, daß unsere Organisation bei dieser gedanklichen Konzentration nur gewonnen hat. Trotzdem hören wir ab und zu auch in den eigenen Reihen noch ein leises Bedauern über die ״Art unserer Agitation“, über die Schärfe unseres Auftretens. Manch einer glaubt eine bessere Zukunft für den deutschen Zionismus kommen zu sehen, wenn wir uns viel verbindlicher, in der Form wie in der Sache kon- Zilianter verhalten würden, und zweifellos gibt es noch eine — wenn auch nicht große — Anzahl von Gesinnungsgenossen, die der Phrase von der ״radikalen Leitung“, welche seit der vorjährigen Zentralvereins-Tagung modern ge- Worden ist, eine gewisse Berechtigung nicht absprechen wollen. Tatsächlich sollte auch bereits auf der letzten Sitzung der deutschen Landsmann- Schaft, die in den Kongreßtagen in Wien statt* fand, eine Besprechung über unsere Agitationsmethoden abgehalten werden. Sie wurde damals aus Zeitmangel verschoben, gut denn, daß wir in Leipzig Gelegenheit haben werden, sie nachzuholen. Allerdings sollte man annehmen dürfen, daß gerade die Erfahrungen, die wir während des Konflikts mit dem Hilfsverein gesammelt haben, mehr als alle theoretischen Erwägungen geeignet sind, Uns die Richtung für unser Verhalten zur organi- «Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. sierteu und nichtorganisiciten Assimilation zu weisen. Denn wenn irgendwo, so hat es sich hier gezeigt, daß nur die klare Entschlossenheit, nur die rücksichtslose, konsequente Verfolgung des äugestrebten Zieles zum Erfolg führen, nur ein Nimmer sich Beugen und Kräftig sicli Zeigen uns den Sieg bringen kann. Aber davon abgesehen, ist dieser Konflikt auch sonst für uns interessant, weil er für die Kampfcsart, die uns gegenüber immer angewandt wird, typisch ist: Man wirft uns immer eine Verletzung der Form vor, um uns gewissermaßen moralisch für eine Auseinandersetzung zu deklassieren und uns von vornherein ins Unrecht zu setzen; gleichzeitig läßt man sich selbst Vergehen in der Sache zuschulden kommen, die wahrlich hundertmal schwerer wiegen als etwaige Formfehler. Ist das Absprechen der patriotischen Gesinnung, die ' Beschuldigung, daß wir in andere Organisationen nur eintreten, um zu stören (siche die ״Erklärimg“ ries aiiti/.ionistischeu Komitees) nicht schlimmer, ist eine bewußte Irreführung der öffentlichen Meinung (siehe die seinerzeit iin ״Beil. Tageblatt“ erschienenen Notizen, speziell die Ucbcrsctzung der amerikanischen Beschlüsse) nicht unmoralisch und weit verwerflicher, als die Tatsache, daß irgendwo ein junger Zionist über die Stränge schlägt oder daß einem zionistischen Organ im Eifer des Gefechtes eine formale Entgleisnng passiert? Müssen wir uns da nicht kräftiger, als es vielleicht sonst nötig wäre, wehren, allein schon deshalb, weil wir sonst gegenüber der Offcnsiv-Stimmung, die seit der Zentralvcreinstagung und der Gründung des Antizionistischen Komitees gegen uns herrscht, durch schwächliches Kompromissein dazu kommen würden, Grundprinzipien um des lieben Friedens willen zu opfern? Aber ist diese verschärfte antizionistische Tätigkeit nicht gerade eine Folge der stärkeren Betonung des nationalen Prinzips, können wir sie nicht durch eine sanfte Propaganda wieder eindiimmen, wäre es nicht aus taktischen Gründen wünschenswert, möglichst mit allen in Frieden zu leben? Man kann diese Fragen m. E. nur stellen, wenn man für einen Augenblick das Ziel unserer Bewegung aus den Augen verliert, man kann die Antwort darauf nur finden, wenn man die Propaganda nicht losgelöst, sondern im vollen Zusammenhang mit dem ganzen Kornplex der zionistischen Fragen betrachtet. Wenn es unsere Aufgabe allein wäre, soviel Mittel als nur irgend möglich für unsere Palästina-Arbeit zu sammeln und soviel Menschen als möglich in den Rahmen unserer Organisation zu spannen, dann könnte man vielleicht darüber diskutieren, ob es nicht angängig wäre, den deutschen Juden die Annahme des zionistischen Programms leicht zu machen. Unsere Antwort kann jedoch nicht mehr zweifelhaft sein, wenn wir uns erinnern, daß wir eine Erneuerung erstreben, daß wir uns die Aufgabe gesetzt haben, alle diejenigen Teile der deutschen Judenheit für ein ganzes Judentum zu retten, die noch zu retten sind. Für etwas Ganzes können׳ wir nur durch Ganzheit gewinnen — dies scheint mir so klar zu sein, daß es keiner weiteren Begründung bedarf. Das Beste am Zionismus müßte verloren gehen, wenn wir von diesem Prinzip abwiclicn, wenn wir an Stelle der Erneuerungs-Idee etwa eine Sammelbüchse setzten. Gewiß hat uns die Erfahrung eins gelehrt: Es ist nicht leicht, Menschen, die im reifen Mannesalter stellen oder gar schon dem Alter zugehören, für unsere Idee zu gewinnen. Die ältere Generation ist noch zu sehr von kosmopolitischer! Ideen und von einem verschwommenen Religionsjudentum (nicht vom orthodoxen ist hier die Rede) erfüllt, als daß sie ohne Schwierigkeiten zu uns kommen könnte. Was wunder, daß nur einzelne dieser Generation den Weg zu uns finden? Zweifellos würden wir mehr von ihr bekommen, wenn wir nach der Art anderer Organisationen dem Einzelnen Kon- Zessionen machten, sicherlich würden wir mit Zugeständnissen in der nationalen Frage hier mehr erreichen. Aber die ernste Jugend, die zum Zionismus dort, wo nicht von vornherein ein reicher Schatz an nationaljüdischcn Werten aus der Erziehung mitgebracht wird, nur aus der Sehnsucht nach einem großen Ideal und aus dem Verlangen nach Ganzheit, nach einem Lebensinhalt kommt, könnnen wir nur mit dem Geschenk der reinen, unverfälschten nationalen Idee befriedigen. Deshalb wird sie sich auch nicht mit der Anerkennung der jüdischen Gemeinschuft als Nation bescheiden, was ja zur Erfüllung der Forderung des Baseler Programms genügen würde, sie wird vielmehr den Nationalismus als Lebensanschauung in sicli aufnehmen wollen. Möglich, daß wir auch von den Jüngeren mit geringeren Forderungen eine größere Zahl für uns gewinnen könnten. Die Besten aber würden dann mit der Idee nicht für immer vorknüpft sein und könnten die persönliche Erfiilliing des Zionismus nicht־ als ihr Lebensziel ansehen. Auf diese Besten muß es uns in erster Linie ankommen. Gewiß soll damit niciit gesagt sein, daß wir es etwa versäumen sollen, die Zahl unserer Anhänger zu erhöhen, gewiß kann sich unsere Agitation nicht auf die Besten allein beschränken. Aber wir müssen davon durchdrungen sein, daß wir nur mit ihnen das Ziel erreichen können, die deutschen Juden allmählich zu zionisieren. -Sie altein werden einst willens und bereit sein, über alle Rücksichten und Hemmutigen hinweg die Fahne des Zionismus hochzuhalten und voranzutragen, auch wenn sie in Positionen gelangen, in denen Kompromißforderangen schmeichelnd an sic herantreten. Sic allein werden auch das Mcnschenmaterial stellen, das wir für die Pionierarbeit in unserem Lande ' brauchen. Es ist einmal von einem Gesinnungsgenossen scherzhaft gesagt worden: ״Die Radikalen, die nach Palästina gehen, sind mir sympathisch, diejenigen jedoch, die ihren Radikalismus hier austoben wollen . . .“ Nichts ist falscher als diese Bemerkung, die scheinbar heute noch vielfach Zustimmung findet. Gerade der bewußte und konsequente Vertreter des jüdischen Nationalismus, der aus wirtschaftlichen, persönlichen oder anderen Gründen noch nicht nach Palästina gehen kann, wird es — darauf hat schon Calvary einmal hingewiesen — am schwersten haben. Er allein wird jedoch im Galutli in der Lage sein, den Zwiespalt zu überwinden, der sich aus nichtjüdischem Milieu und Sehnsucht nach jüdischem

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