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Jüdische Rundschau · 1914-05-08 · Heft 19 (8.5.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 19 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Telephon: Amt Uhland 845, 846, 868, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392« c״ 7 o־c ־ 1 f י׳ * - ' "|יי ג׳;! uv j ibJ Nummer 19 XIX.Jahrgang. Ausweis Schekel: Augsburg 1,—, Butzbach 1,—, Cliemniiz 107,—, Glogau 2,-־■. Gotha 8,—, Grünberg in Schlesien 3,—, Hnlberstadt 5,—, Jarotschin 20,—, Krotoschin 13,—, Mannheim 16,—, Pencun 1,—, Schön- Janke 10,-, Varel 7,- M. LandesorganisationsbeUräße für 1913! Dr. Aaron, Elberfeld, 5,— M. Landesbeiträge für 1914: 1 lalbcrstaüt 10,—, liohcnsalza 26,—, Jarotschin 30,—. Mannheim 40,—, Schönlanke 57,—, Varel 14, M. Propagandafonds,: Felix Schwarz, Augsburg, 5.—, H. Lob, Butzbach, 5, -, Refereiular A. Stein (V.J.St.), Märwalde, 1. Rate. 15,-, Dr. Sichel, Cliemnitz, 2. Rate, 5,—, Ferd. Bloch, Floß, 10,-•, Moritz Kristeller, Glogau, 10,—, Grünberg i. Seid,; Alfretl Hacek 5,—, Cnrt Pincus 5,-■-, Prediger II, Rosenthal 3, Frau Betty Ucilbrunti, Gotha. 5,—, M. Mark, Heidelberg, 2t),—. B. Baum, Pencun, 5,- , Apotheker' Felix Kassel, Penzig, 5,—, f. April Dr, Kassel, Posen, 20,—. Ref. David, Metz, 5, . Berlin (Ein/elbeitrag) 3,—, Leipzig (gclcgcntl. Spende) 10,— Mark. Eingang vom 30. April bis 6. Mai: Schekel: 103,—, Landesorga nisatio 11 sbeitrii ge für 1013:5,—, L a 11 d e s b c i t r ä g c 1014: 186,—, Pro• pagandafonds 1014: 138,— M. Gesamteingang: S c 11 e k e 1: 1162, L ,1׳ nilcsorganjsationsbeiträge für 1013: 18065,27, L a n d e s b c i t r ii g c 1014: 1517,50, Propagandafonds 1914: 4013,60 M, Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Strafte 8ל; Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Palästinensische Kolonien deutscher Juden Zum Leipziger De I cgic rtc n t a g. Ist es nur das allgemeine Verlangen nach neuem schöpferischen Zuzug oder sind ganz bcsondere Vorstellungen bestimmend, daß jeder PaIästinawanderer als Scheidcgruli von allen ernsten Kolonisten die dringliche Bitte mit auf den Weg erfährt: Sorgen Sic dafür, daß sieh recht viele deutsche Juden in Erez Israel ״besetzen“? Gewiß: der Wunsch, daß überhaupt neue Männer ins Land kommen, ist jetzt stärker denn je. Der Typus jener Kolonisten, die ihre ersten nationalen Impulse vergessend sich schließlich — als Opfer eines Systems! — nur noch als Objekte der Wohltätigkeit fühlten, ist selbst in Obergaliläa nicht mehr rein erhalten. Seitdem durch Achad Haams Mahnrufe, nicht zuletzt aber durch die historische Tat L e o M o t z k i n s״ sein Referat über den Stand der palästinensischen Kolonisation auf dem zweiten Zionistenkongreß, die Gefahr erkannt wurde, die in den Bevormundungsmethoden der früheren Administratoren Rothschilds lag; seitdem die Ica trotz heftigsten Widerspruchs müde gewordener Kolonisten das Werk des Barons auf eine wirtschaftliche Grundläge stellte und eine Selbständigkeit der Kolonisten erzwang, selbst derer, die das Vcrtrauen zu eigener Kraft und eigenem Mute verloren hatten, seitdem ist in die palästinensische Arbeit ein neuer Zug gekommen Die Selbständigkeit erzog das Verantworthchkcitsgefülil und die Lust am Pioniertum. Die neue Generation, die ins Land kam und die Kinder der Kolonisten* an denen sich die. Erziehung fürs Ausland nicht bewähren wollte, gaben eine neue ״Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Hclnnttiiie in Palästina." Baseler Programm. Freudigkeit. Vor allem hat aber die innere Wandlung des Zionismus - die Zentrierung des jüdischen Rcnaissaiicegcdaiikciis auf Palästina, die Arbeit zionistischen Kapitals und zionistischer Intelligenz im Lande —־ den jüdischen Kolonisten die Ueber/eugung gebracht, daß sie nicht in der Mühsal allein stehen als Scliauobjckte und als apologetisches Argument. Vielmehr, daß ihr Schaffen über das persönliche Interesse hinaus ein nationales Werk ist, Sic wußten nun, daß jede wirtschaftlich gesunde Kolonie eine Position der (iesamtjudcnheit ist. Sie erfüllten eine Pflicht. So bekam selbst die kleine Arbeit, die einst die besten Kräfte zerrieb und die Seelen schließlieh kleinlich machte, wieder die Beziehung zum ursprünglichen großzügigen Palästinagcdaiikcn. Jede Hufe wüsten Landes, das der Kultur erschlossen war, wurde Verwirklichung einer Idee, Das Verlangen, neues Land zu erwerben und jüdisches Neuland daraus zu .machen, steigerte sich zum Fanatismus. Und neue Menschen sollten das Land besiedeln, mit neuen Methoden, mit junger Kraft und frischem Mute, Jeder, der schalten wollte, war willkommen, nicht nur weil durch ihn die Zahl der Pioniere wuchs, sondern weil seine Entschlossenheit, Hand ans Werk zu legen, die Schwachwerdenden emporriß. Denn er war ein Träger neuer Hoffnung. Zudem bedeutete jeder neue Pionier eine Anregung wirtschädlicher Wechselwirkung, Und in diesem Zusammenhaiige, der zugleich das kulturelle Moment festhält: Der größer werdende Kreis verhindert zwar nicht die Kliqucnbildung, aber er nimmt ihr doch die Gefährlichkeit. Je mehr eine Anhäufung von Menschen den Charakter des Gemeinwesens annimmt, um so anregender und belebender wirkt die Differenzierung, Das Menschenmaterial des neuen Jischubs hat im wesentlichen einheitlichen Charakter: Osteuropa: alte Jüdischkcit, mehr oder weniger transformiert unter der ,äußeren und inneren Ein- Wirkung der Kultur und Unkultur der alten Heimat; politisch und sozialpsychologisch durch Ungercchtigkcit und Barbarei erzogen; der Wille zur Schaffung einer nationalen Existenz, die kulturcllcs und wirtschaftliches Eigenleben gestattet, gespannt — ,wenn aucli nicht geboren — aus der Bedrückung. Das sind Kräfte echten Pioniertums, das Unmögliches möglich macht. Das ist ein ungeduldiges Temperament; die Siebenmeilenstiefel der Stürmer und Dränger . . . Ohne diese Begeisterung, diese Opferfreudigkeit, diese Hingabe an eine Idee, ohne diese elementare Explosion nationaler Instinkte, ohne diese Freihcitsehnsucht aus aller Judennot wäre die Besicdelttng Palästinas durcii Juden heute — ein Programmartikel; im besten Fall ein Parteidogma. Der Idealismus osteuropäischer Juden hat eine Realität geschaffen. Und dennoch: die ernsten Kolonisten mahnen immer dringlicher, daß deutsche Juden beginnen müssen, sich durch eigene Arbeit praktisch an der Kolonisation Palästina zu beteiligen. Das muß gute Gründe haben. Sie im Negativen, in der Kritik der bestehenden Verhältnisse zu suchen, verführte zur Ungerechtigkeit. Sic iffl ״Wesen" des deutschen Juden zu suchen, wäre Torheit. Die ״Substanz“ der jüdischen Seele ist in allen Ländern die eine und die gleiche. Und der letzte seelische Antrieb, das Land der Väter wieder zu einem Lande der Gesittung und der Kulturschöpfungen innerer jüdischer Freiheit zu machen, ist in allen, denen er erfühlt und Lebensinhalt ist, die Treue, der Stolz und (bei aller persönlichen Umdeutung und Neuformulieruug) der Glaube an die prophetischen Verheißungen. Nicht also im ״Wesen“, sondern im Formalen, das freilich die Projektion des Wesens bestimmt, liegen die Gründe, Der deutsche Jude hat durch die Schule, den Staat, durch die ganze Organisation des Lebens, in dem er treibt, eine Erziehung erfahren, die ihn für die Entwickelung der palästinensischen Kolonisation zu einem wertvollen, zu einem notwendigen Element macht. Deutschland ist groß und stark geworden durch seine Ordnung, durch Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit, durch die Exaktheit, mit der die Räder all seiner Betriebe, der Staatliehen wie der privaten, incinnndcrgrcifcn. Gewill, wir sind weniger ideenreich, trockener, schwungloser. Aber planmäßig, hartnäckig, und lassen die Stimmung nicht den Weg der Pflicht verlegen. Vielleicht, daß die ״freie“ Individual!- tät auf Widerstände stoßt, aber der Wert des Einzelnen für die Gesamtheit wächst durch seine Einfügung in die soziale Gemeinschaft. Die Stärke selbst der revolutionären Parteien liegt in der Disziplinierung und Organisation, die gewollt oder ungewollt die militärische Disziplin des Staates sind, dem sie den Krieg erklären! Erst den Befehl des Vorgesetzten ausführen und dann sich beschweren: das ist der Geist eines Systems, die Seele einer sozialen Gliederung. Dieser Geist bestimmt auch das Treiben des deutschen Juden, Mag der Beschränkte hier von ״Assimilation“ reden (dem verworrensten Begriff unserer Ideologie), mag der Einsichtige in dein ״deutschen“ Geist nur die Prinzipien des genialsten Organisators Moscheh wiedererkennen — naasseh w'nischnah —; dieses ist gewill: Für die zum Orientalismus verführenden orientalischen Verhältnisse, für Aufgaben, die nicht nur nuffluckcrndc Begeisterung, sondern Geduld und Stetigkeit heischen, für Ziele, in denen der Einzelne, selbst der begnadete, nur ein Rädchen für sein Werk, nur ein Kulturdünger der Zukunft ist, bringt der deutsche Jude die rechte Erziehung mit. Es wird keine lärmende, es kann die reinste Dankbarkeit für ihr Vaterland sein, wenn deutsche Juden dies ihnen ״zur zweiten Natur gewordene“ deutsche Pflichtgefühl im deutschen Ordnungssinn nutzbar machen und weihen in der tätigen Arbeit für das Land, in dem die jüdische, zugleich nationale und universalistische Kultur gewachsen ist. In der Begründüng einer palästinensischen Kolonie deutscher .Juden erlöste sich unser westlicher Zionismus von den letzten Resten philanthropischen Wohlwollens für ״unsere unglücklichen Brüder“; würde er die Bejahung nationalen Lebenswillens, würde er nostra res, unsere Realität. Das wäre eine Tat, die reichen Segen brächte. Nicht zuletzt den, (daß das deutsche Volk erführe, der Idealismus der Juden ist nicht nur Geld geben. Dr. Theodor Zlocisti.

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