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Jüdische Rundschau · 1914-05-01 · Heft 18 (1.5.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 18 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 188 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 18 cim• problematische Sache sei, er ober wollte als IJnbedingter leben. Er suchte sich an das zu assimilieren, was mau heute jüdisches Volk nennt, das aber doch kein ״Volk“ ist - was schon Aehad Haan! einmal bemerkt hat. Und er mulStc empfinden, daß auch hier alles problematisch sei, und so blieb ihm nur der Glau b c an den jüdischen Genius und seine einstige Wicdcroffenbarung, Hier ist der psychologische Punkt, wo wir /ionisten Birnbaum, trotz aller heftigen und verbitterten Kritik, die er an unserem Werke übt, in einem tieferen Verstände als den Unseren arischen müssen. Was ihn seit je getrieben und was er seit je erstrebt - das treibt auch uns, das erstreben auch wir: Uns wie ihn treibt die Sehnsucht nach einem neuen, vollen, grollen Judentum, und wir wollen es bauen. Nur daß wir an unserer ersten Einsicht festhielten׳, int (ialnth ist alles problematisch (und dies nur ist der tiefere Sinn aller zionistischen Galuihverncinuug) was wir erstreben, kann nur in Palästina aufgebaut werden, so ״maskilisch“ wie Birnbaum sagt es auch sein mag, ein Lehen lang auf einer schmalen Schneide (zwischen der vollständigen Assimilation einerseits und dem noch stark von t ihettoriiekstämlen durchsetzten jüdischen (iegcinvartslchen andererseits) zu halanzieren. Birnbaum dagegen ist zu sehr von lieftigen Impulsen getrieben, als ilall er auf diesem Pfade hältl׳ verbleiben können. Er wollte realisieren, wollte das ganze, volle Judentum leben aber es kommt der Tag, wo er empfinden wird, (lall dies in der Diaspora unmöglich ist. Der maßlose Kampf gegen den Zionismus, den die Jiddiscliistcn mit Birnbaum an der Spitze fu der letzten Zeit zu führen pflegen, die höhnende, kränkende, im!nächsten Malle ungerechte Sprache, die sie gegen unsere Bewegung führen, soll dem grollen Manne heute nicht ungerechnet, an die persönlichcn Feindschaften, die ihm ein verbitterter, streitlustiger Sinn geschaffen hat, nicht erinnert werden. Ueher diese menschlichen Kleinigkeiten erheben wir unseren Blick zu einer verständnisvollen Würdigung des Mannes, der — mag er sich heute auch als unser Feind gehen — eine einzigartige Gestalt ist, die aus dem Judentum von heute nicht wegzudeukeu ist. Dies nicht nur wegen der Fülle von tiefsten Gedanken und reichen Wirkungen, die ihm zu danken sind, sondern vor allem deshalb, weil er durch sein innerstes Wesen dazu bestimmt ist, in seinem Schicksal an dem Grundgcbreehen des heutigen Judentums zu leiden: an seiner Problematik. Sein stürmisches Herz, sein ruheloser Geist streben nach dem Frieden eines ungebrochenen Seins, sie finden cs aber im Judentum von heute nicht. Vielleicht sucht Birnbaum aber doch noch einmal in Palästina nach den Ansätzen einer Entwicklung, die nichts Problematisches mehr an sich hat. Vielleicht wird dort sein unruhiges Herz, Frieden finden und sein suchender Geist, anstatt sich an Problematik zu quälen, die cs ja auch in Palästina gibt, die Ruhe, uns das grolle Werk, das er so oft versprach und zu dem er nie Mulle fand, zu schenken. Nichts Besseres kann ein Zionist an dem Tage wünschen, an dem Nathan Birnbaum sein fünfzigstes Lebensjahr vollendet. Hebräisch in Palästina Von Dawid F r i s c h m a n n*). Bevor icli nach Palästina ging, bemerkte ich oft: Es ist möglich, daß in Ercz-Isiael das Hcbräisch-Sprcchcn natürlich und selbstverständlich sei. Und das sage ich auch jetzt, nur daß sicli mir dieses ״möglich“ in ein ״gewiß“ verwandelt hat. ln Palästina fand ich das Hebräische im Gebrauch und dort ist es die denkbar natürlichste Saeiie. Die Magd spricht mit mir hebräisch, der Barbier spricht mit mir hebräisch, klein und groll spricht hebräisch, das Kind spricht hebräisch, und nicht allein das, sondern ich bin sicher, daß das Kind in seinen Träumen hebräisch träumt. Und I h r wollt, daß so etwas mir nicht gefallen soll und ich es bekämpfe! Und Ihr glaubt, daß Ihr unter solchen Umständen Kanonen nötig habt, um mich zu besiegen? Und wenn noch eine Kanone nötig gewesen wäre, seht, da kam eine N i c h t j ü d i n, eine Araberin, und gab den Ausschlag. Die Sache trug sich in Haifa, gleich bei meiner Ankunft zu: Ich ging durch eine Gasse der Stadt und kam zur deutschen Kolonie, wo ich die Wohnung eines Mannes suchte, den ich besuchen wollte. Ich gelangte bis zu dieser Wohnung, wußte aber nicht recht, ob ich wirklich am Ziel sei oder nicht. Neben dem Tore stand eine arabische Magd. Ich versuchte, sic nach der Wohnung, die Ich suchte, zu fragen. Ich probierte es mit Deutsch — sie verstand nicht, mit Russisch — sie verstand *) Au» der soeben erschienen Reiseschilderung: ״lrn Lande". Frischmann, der bekannte Schriftsteller, hat *ich als Oegncr des Hcbräischsprcchens in der Diaspora erklärt. nicht, mit :Französisch — sic verstand nicht. Kurz, ich versuchte es mit allen Sprachen, die ich kenne. Schließlich packte mich die Lust, einen Spaß mit ihr zu ׳machen und ich fragte in hebräischer Sprache. Wenn mir in diesem Momente passiert wäre, was dem Bileam mit seiner Eselin begegnete, hätte ich nicht erstaunter »ein können I Die Araberin antwortete mir hebräisch: ״Hier zur •rechten Hand, die erste Tür." Niemals werde ich die schlichten Arbeiter in Haifa vergessen, wie ich bei ihnen in ihrem Klub saß, und wir miteinaiuler sprachen, sie mit geläufiger Zunge, und ich, wie ein fauler Schuldner, der seinem Gläubiger das Gehl I1ellerwei.se zurückzahlt. Niemals werde ich die Kinder in «len Straßen von Jaffa und ihr Geplapper vergessen. Nie das kleine Mädchen in Jerusalem, als cs in Heth-Am vor einem großen Auditorium mein Gedicht ״I lamcHcliiach" vorlag. Mir seihst schien es, als ob ich mein eigenes Gedicht bei diesem Verlesen zum ersten Male verstehe. Beinahe kamen mir die Triiuen, als ich die Worte hörte, Und niemals werde ich die fröhliche Mädchenschar in Kischou Le Zion, die ich traf, als wir in der Palmenallee des dortigen Parkes spazieren gingen, und unser Geplauder vergessen. Sogar an dem Strauß von einfachen Feldblumen, welchen mir eines der Mädchen gab, fand ich Gefallen; die Blumen waren Einfach, wie ihre hebräische Rede. In all diesen Fällen, die ich hier erwähnte, bedeutete das Hebräisch- | sprechen keine Aufopferung mehr, sondern war ein | Teil des Lehens. Während außerhalb Palästinas das Hehräisdisprceheti längst den Schlußstein für die kulturelle Ausbildung der Redenden bildet, ist es hier ihr Anfang - - Jiier spricht das Kind hebräisch. Und wenn ich in dieser Beziehung etwas ausz.uset/cn habe, so trifft es die unbedingte Bestimmtheit, mit der man in Palästina ausschließlich die sephardisdie Aussprache gewählt hat. Ich habe nichts gegen die sepliartlische Aussprache, ebensowenig wie gegen die aschkenasischc. Die Aussprache ist etwas, was durch die Natur des Ortes gegeben ist. Es ist möglich, daß die Natur Palästinas (das heißt Judäas, denn vielleicht finden sich in Galiläa andere Bedingungen) die sephardisehe Aussprache bedingt, so daß das ״Kama/.“ in ein ״Pathach" verwandelt und das ״Mild“ durch das ״Milra“ ersetzt wird, docli auch das Gegenteil ist möglich. Aber da kommen Leute und wählen irgendeine Aussprache, suchen sic im vorhinein wegen ihrer Schönheit oder ihres Klanges aus, ein Beginnen, das — sagt, was Ihr wollt — ein wenig naiv ist. Denn wie, wenn die Natur des Ortes das Gegenteil verlangte? Und wenn tausend andere Bedingungen Euch zwingen werden, Eure Aussprache zu ändern? Schließlich ist eine Aussprache kein Handschuh, den sielt der Mensch nach Belieben wählen kann, Auch durch hundert Unterschriften erwählt ein Volk nicht eine Aussprache. Es ist möglich, daß Ihr erst nach einem Jahrhundert irgendeine Aussprache als die Eure erkennen werdet. Oder denkt irgend jemand, daß etwa das deutsche Wort ״das“ nur so im Handumdrehen zu einem ״dos“ in Litauen und gleichzeitig zu einem ״du»״ in Polen gemacht wurde? Aber all das kann nicht einmal ein bißchen meine große Freude trüben, die ich über das Hebräisch in Palästina empfand. Ich versichere Euch: Ihr hattet keine Kanonen nötig, um mich zu besiegen. Der Prozeß, durcii den ich aus einem ״Feind“ in einen ״Freund“ des Hebräisclisprechcns verwandelt wurde, war kein schwieriger. (Aus dem Hebräischen übersetzt von A. Bm.) Bisheriges Ergebnis der Schulwerksaktion l)ebersicht über die in Nr. 1—17 der ״Welt“ ausgewiesenen Bareingiingc für den Z i o n i s t i - sehen Zcnfralfontla mit der Abteilung ״F ü r das hebräische Schul werk“. Leistung der einzelnen Länder und der einzelnen deutschen Städte. Bis heute (Ausweis in Nr, 18 der ״Welt") sind eingegangen M. 273 550,12. Rußland M. 98 462.25 Deutschland 56179.98 Wcst-Ocsterreiclr. Böhmen M. 14 856.90 Inner-Oesterreich ,, 9191.62 Mähren-Schlesien 7864.90 ״ 1» 31 913.42 Südafrika 1) 14 400. üalizicn ff 13691.14 England U 8 576.30 Rumänien ff 6485.22 Amerika ff 6269.26 Türkei ff 5694.09 Canada ff 3057.60 Holland )> 2490.— Südslnvischc Länder ») 2 214.23 Ungarn fl 1 690.28 Bukowina ff 1 325.21 Bulgarien lt 1 120.07 Belgien ff , 860.- China ff 800.- Italien ff 576.70 Schweiz U 519.59 Griechenland |f 420.- Frankreich M 164.— Dänemark K 90.- Schweden fl 20.- Argentinien ff 10.- Deutschland Varel . . . Mainz . . . * 120.- 120. 1 icgnitz . . Neuwied . . 23.05 22.- Berlin . 8 3(10.60 Schönlanke , * 111 50 Oer.i-Rcnß 20. Breslau. 4 015.11 Beuel bei Bonn 110- Allenstein . . 20.— Hamburg .... 2 588,75 Winzenheim . HO- Crossen . . 20.— Frankfurt a. M, . . 2 381.00 Bremen . . 106.— Dcpcnau . . 20.- Königsberg i. Pr. . 2369.50 Alircnburg bei ־!am- Frankcnflial 20.- Elberfeld .... 2073.03 bürg . . . HK) — Gladbeck . . 20.— Mannheim . . . 1 959.50 Bromberg . . 100- Orünbcrg , . 20.— Beuthcn .... 1 790.50 Cottbus . . - ־ 160 Guben . . . 20.— München .... 1 713.97 Floß i, B. . 100. Kissingcn . . 20.— Lcipz.ig .... 1391,— Olfenburg 100.-' Kroiiaeh . . 20.— Kattowilz .... 1015.17 Goilub . . . 97.40 Lissa . . . 20.— Zwickau .... 1 000.- Fulda . . . 95.— Merzhausen 20.— Posen . 753.- Stettin . . . 93.- Nicolai . . . 20.— Karlsruhe .... 697.95 Bonn . . . 90. - Nordhausen 20.— Danzig. 640,— Marburg . . 87.10 Samter . . . 20.- Cöin ...... 625.- Eberswalde 75 — Tapiau.... 20.- Chemnitz .... 580,- Kosclttuin . •. 70.75 Woifenbüttel . 18.— Halberstadt , . . 497.50 Oels .... 68.— Berolzheinr 16.— Eydtkuhue» , . , 480,- Wronkc . . 60.~ Py ritz . . . , 12.— Düsseldorf . . . 470.- Rybnik . . . 64.50 Wanne . . . 12.— Ratibor ..... 457.- Emden . . . 60 - Wetzlar . . 12.— Straßburg .... 435.- Schlüchtern 60.- Neuß . . . * 11.— Hannover .... 428.— Freiburg , . 57- Wilhclmsbrück 10.70 Esse» , , , , . 400.— Gingau . . . 55- Ahrweiler 10.- Zabrze. 383.- Bamberg , . 54 — Qörlitz. . . , 10.— Tarnowitz. . , , . 370.-- Cöthcn . . . 53 — Hohenheim 10.— Magdeburg . , . 370.- Erfurt . . . 52- Kempen i. P. IO.— Nürnberg , . , , 309.71 Hameln . . 52.— Molsheim . . 10.- Lüneburg . . , . 3(10.- Escjiwcilcr 50,50 Penktim . . 10 — Heidelberg . , . 313.- Metz. . . . 50 40 Schiltigheim 10.- Konstanz ״ üoilingen 300.- Aachen . , . 50- Schivelbein 10.- Dessau. 287.- Bunzlnu . . 50- Sclnverscnz 10.— Memel . , , . , 271.- Gottesberg 50.— Wiesbaden 10.— Dortmund . , , . 223 — Göttingen . . 50- Wnlstein . . l * 10- Duisburg . , , . 200.— Mülhausen I. El». 50. ~ If Odesheim 10,- Gleiwitz . , . . 19().— Weinheim . . 50 — Koscl . . . 9.— Dt. Eylau . . . , 192.50 Stuttgart . . 49,15 Boitzenburg , 8.- Miütsch ■ Krotoschin 185.— Schrimm . . 48.50 Zduny . . . 8.— Goilia. 180,50 Myslowitz . . 43.50 Blciclirode 5.— Rcgensburg . . . 176.— Günzenhausen 40.— Brüssow . . 5.- Dresden , , . . 161,- Rees . . . . 40.- Gncscn . . . 5.- Kiel ...... 161.- Stnllupöncn 35.- Idar a. N. 5.- Lübeck. 130.- Ra witsch . . 30.— Aschaffcnburg 5.— Eschwcgc . . . , 122- Saarbrücken . 30.- Pforzheim 5.— Halle . 120, - Jarotschin , . 28.- Bischweiler 4.- Cassel. 120,- Hagen i. W. f 25.- Gießen . . . 1.— «t

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