Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1914)
- Date
- 1914-04-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651869-2651886--09583-2666920- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 40 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14/1« Bas E־ ׳ \4׳X *rt f /יי 4#1 i 4 kJ des Jüdischen Nationalfonds im Jahre 1913*) (Fortsetzung.) Auch bei uns hat die durch die Bauiuspende zu bcwirkende Aufforstung eine doppelte Aufgabe zu erfüllen. Eine bloße Bereicherung der Landeskulturen mul des vcrnachlassij;lc׳n Bodens, wie dies schon durch frühere Siedlungsmethoden aiigebahiit ist, würde nur einem der zwei grundlegenden Koloiiisiilionsfaktoren zugute kommen: dem Lande. Ebenso wichtig wie das Land ist uns;;her der /.weite Faktor — derjenige, der das Land bepflanzen und bebauen soll. Unsere Hlnn/ungslH'triebe müssen nicht nur Baumschulen vorbereiten, sondern sozusagen mich ״Menschennchulen“ sein, Wenn nach den Worten Lloyd Georges ״die Aufforstung des schotti• scheu I iochlaiules einer groben Anzahl von Arbeitskräften Gelegenheitsarbeit" geben soll, so müssen wir unseren Eia- Wanderern neben der Gelegenheitsarbeit auch Arbeitsgelegen• heit geben. Unsere Pflanzlings wirtschafte» bieten dem neu• finwamlerndeii Juden die Möglichkeit, sich in allen Zweigen der Pflanzmigswirtschalt auszubilden. Die Beschäftigung mit Pflaiv/.ungsarbeit bildet auch ein Sprungbrett, auf dem der jüdische Städter am besten zur Landwirtschaft gelangt, da die Pflanzungen mehr Anforderungen an die Intelligenz, als an die physische Kraft stellen. Nach dem Zeugnis von Fach• männern "wären die Juden in der Pflanzuiigswirtschaft den deutschen Bauern in Palästina weit überlegen. Auf diese Weise eröffnet sich dem jüdischen Arbeiter, der in den Pflanziingsfarnicn des Nationalfonds seine Aus• Bildung erlangt hat, die Möglichkeit, eine dauernde Existenz in der Landwirtschaft zu finden. Der Kern der Arbeiterschaft kann in den Pflaiuungsiiomiincn des Nationalfonds selbst ständig beschäftigt werden. Sobald das administrative Stadium der Pi'laiizungswirtschaft vorüber ist, wird die Pflege der Pllauzungeii von den so ausgebildetcn Arbeitern selbst bc• sorgt werden. Hierbei wird ihnen ein Fonds zugute kommen, der immer mehr zu einem wichtigen Olicdc in unserem Ko• lonisationssyslem wird. Mit Hilfe des A rb e i t e rh c i in * s t ä 11 e 11 f o 11 d s wird der Nationr.lfo״cis denjenigen Arbeitern, die durch mehrere Jahre auf unseren Pflanzuiigsbctriebcn tätig waren und denen die ScUvstvc:\vuUung dieser Domänen anvertraut werden kann, Haus und Garten für ihre Familien zur Verfügung stellen. 1111 Umkreis unserer Pflanzungen werden Siedlungen von Erbpächtern des Nationalfoiuis entstehen, die ihre eigene Gartenwirtschaft pflegen und zugleich genossen• schädlich oder individuell die Pflanzungen des Nationalfonds bewirtschaften. Diejenigen Arbeiter, für die die Arbeit auf unseren Pflanziiugsdoimmen ein Durekgangsstadium gebildet hat, werden die Möglichkeit haben, auf and ereil Ländereien des Nationalfonds als Erbpächter einzeln oder in Genossenschaften angesiedelt zu ,werden. Der Anfang wurde bereits in K a s t i n j c h und im G a n S c 11 c m u e 1 gemacht. Wenn diese systematische und allseitige Ausbildung von jüdischen Städtern zu qualifizierten landwirtschaftlichen Ar• heitern die Baimmflanzttii;■ cn des Nationalfoiuis in den ersten Jahren höher belastet,;da dies vielleicht auf privaten, mit Nichtjmleu arbeitenden Pk.iitngen der Fall ist, so ist doch zu berücksichtigen, daß auch diese Mehrkosten keine dauern* den sein werden. Nachdem die Pflanzungen einmal ihre volle Ertragsi'ühigkeit erlangt haben, wird eben ein Teil des Ertriignisses dazu dienen, diese vom nationalen und Volkswirt• schädlichen Standpunkte unerläßlichen Erzichungskosten zu decken. Die Erträgnisse der Bntimpfianzungcn sind bekanntlich noch einem anderen hohen Zwecke zugedacht. Sie sollen dazu dienen, unsere KuUuraimuUen iss Palästina zu erhalten. Selbst wenn wir beim Durchschnitt von ca. 3 1־res. (Jahresertrag) pro Baum bleiben, so werden!unidei'ltauscnd bäume des llerzl- Waldes in voller Ertrag:.!;rafl so viel ergeben, als zur Erhaltung des neuerstaiulcneii hebräischen Schul werk» nötig ist, Der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, wo hunderttausend Bäume gespendet sein werden,. Nach zehn Jahren seit der Gründung der Baumspende ist für diesen Zweig des Nationalfonds ca. 540 (Miü M. für t’flü'JO Bäume aufgebracht worden, *) Vcrgl. Rundschau Nr, 10, 11,!2 ־and 13. sodafl wir am Ende dieses Jahres die vollen 100 000 Bäume erreicht haben werden. In diesem Jahre geht auch das Jahrzehnt zu Ende, seitden! Theodor llerzl von uns gegangen, dein wir in dein Hcrzlwahk' ein unvergängliches Denkmal zu schaffen unternommen haben. Diesei Gedenktag soll unsere Freunde und Vertrauensmänner ganz besonders an die Aufgaben erinnern, die die Banmspeinle zu erfüllen hat: Die aus dieser Spende angelegten Pflanzungen sollen die verwahrlosten Terrassen in den Bergen Palästinas wieder aufhaucn helfen. Sic sollen die Sümpfe und Moore austrocknen, das Kultur-!and vor dem Vordringen der Sanddünen schützen, das notwendige 1 lolz dem Lande wiedergeben, das Klima günstig beeinflussen und das schwierigste Problem, die Heranbildung von Städtern zu Landwirten, einer Lösung näherbringen und, rfach den! Worte Hcrzls, eine große Arbeitsgelegenheit für das jüdische Volk schaffen! Im Jahre 1913 hatten wir fast keinen Fortschritt in den Eingängen für die Bauiuspende zu verzeichnen. Und doch läßt sich für diesen Fonds mit großem Ertolg werben. Die eigenartige Sitte der ״Jahrzeitcn“, ein Wahrzeichen jüdischer Pietät und jüdischen Familiensinns, sollte auf diesem Wege mit der Erneuerung Palästinas dauernd verknüpft werden, Ebenso sollten die Gedenktage der Freude durch Teilnahme au der Arbeit verewigt werden, die Berg und Tal Palästinas mit blühenden Gärten und Wäldern bedecken und dein ver• wahrlosten Lande Wasser und Schatten spenden wird. IV. Arbeiterhelmstätten Die fortschreitende Entvölkerung des flachen Landes bc• schädigt unausgesetzt die Parlamente und die Presse der Kulturländer. Allmählich gelangt die Erkenntnis zum Durchbruch, daß die Landflucht nicht nur auf die niederen Löhne zurückzuführen ist, sondern auf die Aussichtslosigkeit, sozial «uSzusteigen und auf die ländlichen Wohnungsverhältnisse, die noch trostloser sind als jene der Arbeiter in den Groll- Städten. ln Palästina ist das Wohnungsproblem der jüdischen Arbeiter lange Zeit stiefmütterlich behandelt worden. Und doch ist diese Frage in Palästina, wo das bisher Niedagewesene unternommen wird, grolle Massen von Städtern dauernd mit der Scholle zu verbinden, unendlich schwieriger, als die Aul• gäbe, den Abkömmling vieler Baueriigenerationen aul dem Lande in Europa fest/uhalten. Dieser hat als bäuerlicher Tagelöhner in den meisten Fällen mindestens eine Lehmhütte und ein Stückchen Gartenland zur Verfügung. Der eiligewanderle jüdische Arbeiter in Palästina hingegen war in den meisten Fallen fast obdachlos. Er schlief oft in Ställen, elenden Baracken oder auch im Freien. Die Folgen waren Erkraukungen der Arbeiter an Malaria, Typhus tisw., die viele hinwegrafften und noch mehr aus dem Lande trieben. Erst der IX, Kongreß in Hamburg suchte diesem Zustände abzuhelfen, indem er folgenden Ifeseliluli faßte: ״Dei Nationalfoiuis wird beauftragt, bei Wahrung seiner statutarisehen Bestimmungen noch in diesem Jahre mit dem Bau w'11 Arbcitcrwolmungcn in allen denjenigen Kolonien zu beginnen, wo eine größere Anzahl von jüdischen Arbeitern schon voritandcn ist." Die Nationalfoiulsverwaltung ging auch im nächsten Jahre daran, den Beschluß auszuführcii, und errichtete vorerst’ in den grollen Kolonien Pethach-Tikwah und Gliedern zwei Arbeiterheime, die ledigen Arbeitern 7,11g,de kommen sollen. Ein weiterer Schritt aul diesem Gebiete var die Errichtung von Fläiisern für zehn ycmciiitisehe Filigranarbeiter des Bezalei in lknschenieu. Dem letzteren Versuche lag auch der Gedanke zugrunde, Hausindustrie und Garten- Wirtschaft zu verbinden. Eine weitere Förderung erfuhr die Aktion des Arbeiterliäuserbaues durch Angliederung des David- und Fanny-Wolffsohn-Fomls, aus dem bis jetzt etwa zwanzig einzelne Fnmilien-Fläwscr in verschiedenen Kolonien erbaut worden sind. Hierher gehören auch die aus dem Halperinfonds erbauten Einfamilien-Häuscr, (Fortsetzung folgt.) V#r&Dtwortl.E®dakt»1 Hugo G.1*.b.l£,B«1rli» W.U. Sruki WsixUi tMisl«■», B—