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Jüdische Rundschau · 1914-04-17 · Heft 16 (17.4.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 16 (17.4.1914)
Date
1914-04-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Amt UHUml 845, 846, 868. PuaUchackkontoj Berlin Nr. 17393. <״/ ח m p rv כ""־fl c ר ״ ־ ■יעי) ־, ׳■“ ו! LJ G c < Jd XIX. Jahrgang. Ausweis Schekel 1 Frankfurt a. M. 1,—, Massow 1,— Halberstadt וי,- , Löbau, W.-Pr. 1,— Gera, RriilS 1,-, Bechhofen 1,—, Sdiwcinfurt 1,—, Wroukc 28, M. Landesbeiträge für 1914: Wroukc 81, M. Propaßandafonds 1914: Lehrer Leopold Sclupiro, Beclifiofcn 5,—, Johannes Mendelsohn, Schweinfiirt 5,~, Dr, ined. Bamberger, Bad Kissingcn 5, , Edgar Meyer, Emden 5,— , Dr. Alfred Sclireuer, Glngaii 10,--, Fritz Baer, Karlsruhe 5, , Leopold Kristeller, Fraustadt 5,—, Dr. Fritz Miillerhcinv, Stolp in l’omin, (1,—, Apotheker H. Heinrich, Neufahrwasser (>,- , Dr. Jacobsolm, Erfurt 15,--, Zahnarzt A. Lichtwit/, Guben 5,—, S. 1 leiuemann, Nürnberg 0,—, Simon Seherek, Posen 1(),— Richard Kauffmann, Mannheim 11),—, Leipzig; Jacob Neumann 5,—. 2 Einzclbciträgc 6,—, Breslau; Dr. Hermann Falk 6,—, Dr. Walter Stcinitz 10,—, Dr. Schwarz 25,—, Ignatz Fürst 20,--, Hamburg: A. Calmann 10,—, J. Bjelouss 5,—, Dr. Viktor, Wandsbek 50,—, Königsberg i. Pr.: Dr. Pelz '30,—, Dr. Seiimar Berlowitz 10,—, W. Perli« 10,—, Berlin; Walter Riess 5,—, Leo Förder 10,—, Julius Berger 10,—, Dr. med. Goldberg, Berlin- Neuenahr 15,—, Max Braunthal, Frankfurt a. M. 10,- M. Eingang vom 2. bis 8. April 1914: Schekel: 39,— M.; Landesbeiträge: 84,— M.; Propagandafonds: 335,— M. Gesamteingang: Schekel: 870,— M.; Laudesorganisationsbei träge 1013: 18938,27 Mark; Landesbeiträge 1914: 1234,50 M.; Prop a g a ndafonds 1914: -1533,60 M. Berichtigung.!)er in Nr. S ausgewiesene Beitrag von B. Wolf, Leipzig, von 10,— M., war nicht für 1913, sondern für 1914 gezahlt. Die Addition ändert sieh entsprechend. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto! Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Prophezeiungen Von Schmarjah Levin Eine bewährte Methode: Wenn man eine Arbeit durchaus angreifen will und die Gegenwart keine Anhaltspunkte bietet, nimmt mau Zuflucht zur Zukunft. Sie wird von der (lege״- wartsstimnning der sic Heraufbcschwörenden gefärbt und kann sich schwerer verteidigen. So treten im Ansturm auf die Zukunft an die Stelle motivierter Einwendungen Prophezeiungen und Weissagungen, die Ereignisse in der Zukunft werden mit mathematischer Genauigkeit geschildert, als ob sie bloß das Resultat eines festen * Theorems waren. Eine so konstruierte Zukunft, die zum Kampf gegen die Gegenwart verwendet wird» läßt sieli nicht durch Argumente widerlegen, es sei denn, man trete mit entgegengesetzten Weissagungen auf. Für den tmbeteiligten Dritten bleibt dann nur die Stichwahl zwischen Behauptungen und Behauptungen, und dann wäre es' immerhin doch schon konscquenter, sich für die Zukunft zu entscheiden, die als natürlicher Ausbau der Gegenwart betrachtet werden kann. Allerdings können auch in diesem I all lenlei nicht vermieden werden. Doch die andere Methode entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage, und deswegen kann sie nur an Kühnheit de! Phantasie, nicht an Zuverlässigkeit mit der auderen Methode verglichen werden. Wie oft hat man die zionistische Bewegung angegriffen, indem man ihr unüberwindliche ״Der Zionismus erstrebt für das I jüdische Volk die Schaffung einer öäTent« lieh-rechtlich gesicherten Helmsiüitc in Palästina." Baseler Programm. Schwierigkeiten und verderbenbringende Gefallren prophezeit hat, die für die gesamte zionisüsche Tätigkeit in der Zukunft enthalten sind und mit eiserner Notwendigkeit früher oder später hereinbrechen müssen! Wie oft hat man den Zionismus zur ewigen Ruhe geführt! Wimderrabbis. orthodoxe Rabbiner, liberale und reformierte Prediger haben ihm in wunderbarem Verein das letzte Geleit gegeben und das Kaddischgcbct für ihn verrichtet, ganz- oder halbgetaufte Publizisten, Professoren und Geheiiuräte haben formvollendete Grabreden gehalten.und siehe da: Wieder sind einige Jahre verflossen in gesteigerter Arbeit und weiterem Ausbau des Zionismus, und dieselben Totengräber, dieselben Professoren, Prediger und Publi/istcu sehen sich gezwungen, gegen den so entschieden totgesagten Zionismus mit neuer Kraft aufzutreten. Man kann für einen Toten Knddisch sagen und Verstorbenen Grabreden halteil: aber man k׳־nn, wie es scheint, doch nietnaiid durch Kaddischsagcn und Grabreden den Tod bringen. Auch in der letzten Zeit haben wir ähnliches erlebt. Diesmal aber mußten wir mit Bedauern konstatieren, daß die Propheten, die Schwarzscher und Weissager, aus unserer eigenen Mitte auferstanden sind. Zweimal haben sie jetzt versucht» ihre warnende Stimme erschallen zu lassen, indem sie alle Gefahren des Mißlingens unserer Arbeit in der Zukunft grau iri grau malten. Zum ersten Male war es, als der Kampf um die hebräische Sprache ausbrach. Das Leitmotiv der Warnung war: Wir sind zu schwach, und der Gegner ist groß, Seine Positionen sind fest, und wir können nicht gegen sie aufkommen. Dies klingt fast wie eine Wiederholung des Berichtes der ersten Kundschafter: ״Hohe Mauern, Riesenmenschen einerseits — kleine, schwache und schlecht gerüstete Kämpfer auf der anderen Seite. Vier Monate sind verstrichen, und die Tatsachen haben den Beweis geliefert, wer überschätzt und wer unterschätzt worden ist. Die Schwarzseher aber beruhigen sich nicht. Es genügt ihnen nicht, neue Prophezeiungen für eine weitere Zukunft auszustoßen, sic versuchen sogar, das Klare und Unanfechtbare in der nahen Vergangenheit durch Sophismen zu bestreiten, indem sie jeden Erfolg als Mißerfolg deuten und die Acußerung des festen Willens als eine Anstrengung im Rauschzustände darsteiien. Hier werden nicht mehr einzelne Personen einer streugen Kritik unterzogen; hier wird ein Urteil über eine ganze Weltorganisation gefällt, und wahre Begeisterung wird als Leichtsinn, ziclhewuUtcs Verhalten als hypnotischer Zustand charakterisiert. Das sind Auffassungen, die nur durch die Unterschätzung der Opferwilligkeit und Leistuugsfäliigkcit der Zionistischen Organisation dort, wo der Kampf den besten Gütern des Volkes gilt, erklärt werden können, und auf der vollständigen Verkennung der Bedeutung, die der Hebräismus für die zionistische Bewegung darstellt, beruhen. Und Hebräismus bedeutet nicht etwa die Sprache allein. Es handelt sich in diesein Kampf, den unsere Organisation so wohl bestanden hat, darum, dem ganzen neuen jüdisehei! Leben in Palästina den hebräischen, den eigenen jüdischen Charakter zu sichern. Die den Kampf aufgenommen haben, wollten nicht ein jüdisches Leben in Uebersctzung. Es war und ist ein Kampf um die Freiheit. Sogar unsere palästinensischen Pioniere wurden mit Vorwürfen überhäuft. Sie belasten angcblich durch ihre eigene Politik die Zionistische Organisation. Man betrachtet, wie es scheint, in manchen Kreisen Palästina nur als Objekt ihrer Tätigkeit. Palästina möge sich ruhig verhalten, seine Kuratoren würden ihm schon die Richtlinien seines Lebens zur rechten Zeit verschreiben! Diese Trennung der Sphären kann der zionistische Gedanke nicht ertragen. Palästina ist für die gesamte Bewegung und Organisation nicht nur Objekt, sondern auch Subjekt, und ohne lebendige Wechselwirkung zwischen Palästina und der Organisation ist ein Fortschritt nicht möglich. In demselben Maße, wie die Organisation für Palästina arbeitet, sorgt Palästina seinerseits für die innere Kräftigung und den weiteren Ausbau der Zionistischen Organisation. Nur die den Zionismus nicht durchdacht haben und für die Palästina auch jetzt nur eine Abstraktion bedeutet, können in diesem hochmütigen Ton von dem neuen Palästina sprechen. Sie stecken auch gedanklich noch in der Knechtschaft, •md es bedeutet sogar maneher Philanthrop ohne Millionen für sie mehr als der nationale Wille eines Volkes. Eine dritte Behauptung trägt den Stempel der Wjllkürlichkeit allzu deutlich an der Stirn, als daß sich die Kenner der Verhältnisse mit ihrer Widerlegung befassen müßten: Durch das zielbcwußtc Vorgehen Palästinas und der Zionistischen Organisation ist kein Freund dieser Organisation, dessen Freundschaft auf innerer und dauernder Verwandtschaft mit unseren Grundprinzipien beruht, abgestoßen worden. Vielleicht mußten manche, die im zeitweiligen Zusammengehen mit den Zionisten ihre besonderen Zwecke verfolgten, den Rückzug antreten, als sie einsahen, daß Palästina es mit der Renaissancebcwcgung zu ernst nahm und in Fragen des Prinzips keine Konzessionen machte. Andere aber, die sich auf halbem Wege zum nationalen Gedanken befinden, sind uns durch unsere Haltung viel näher gekommen, als*wir es je durch Kompromisse und Verwässerungen unserer Grundsätze erreicht hätten. Beweise dafür haben wir ja zur Genüge in der Unterstützung unserer Arbeit erhalten, die in sehr vielen Orten Nichtzionisten uns zukommen ließen. Daß der Zionismus Gegner iiat, ist keine Wahrheit von heute, Wir würden aber die Zukunft des jüdischen Volkes wenig beeinflussen, wenn wir uns in unserem Verhalten durch die Furcht vor den Gegnern bestimmen ließen, die die Verwirklichung des Zionismus scheuen. Das sind neue Ratschläge, die der Zionismus immer zu bekämpfen suchte. Erstaunliche Wandlungen müssen die neuen Ratgeber durchgemacht haben! Wir wollen nicht in den Fehler verfallen, unsererseits die Zukunft in glänzenden Farben zu malen. Prophezeiungen solcher Art, die nicht ihre Wurzein im Fühlen und Wollen des Volkes haben, bauen nicht die Zukunft auf und beeinflusscn nicht ihren Charakter. Eine lebensfähige Organisation kann und darf sich aber nicht von Angstgefühlen leiten lassen. Der Zionismus darf und soll mit Zuversicht in die Zukunft blicken!

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