Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1914-03-27 · Heft 13 (27.3.1914) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 13 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651869-2651883--09542-2666876
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 38 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 13 dazu gehört ein Pioniergeist, wie er in den Okkupationsgcnossensehaften und in unseren Wächtern glücklicherweise immer mehr zu Tage tritt, Was ihnen bisher fehlt, ist ein finanzieller Rückhalt, der wie gesagt, nur von einer volkswirtschaftlich und national weitaussciiaueiideii Institution geboten werden kann. Diesem Ziele soll nunmehr der erweiterte Oenossen• schaftsfonds dienen,' der zu einer ständigen S[>cncJenrubrik in den Nationalfondseingängen werden muß. in. Die Eaumspende in einer seiner jüngsten großen Reden über die Landreform in England sagte der Schatzkan/.lcr David Lloyd George: ״. . . ta gibt Unternehmungen, die den Kapitalisten keinen unmittelbaren Nutzen bringen, Zu diesen gehört die Aufforstung, die durch zwanzig dreißig! vierzig oder fünfzig Jahre keinen Nutzen abwirft. Einem einzelnen Grundbesitzer kann nicht zugcimitet werden, Aufforstung int großen Stile zu treiben, die vielleicht erst seinen Großenkeln zugute kommen wird. Aber dreißig und fünfzig Jahre in dem Leben einer Nation sind bloß eine Jahreszeit in dem Leben eines Menschen. Und eine Nation, die Großes zu unternehmen im Begriffe ist, niuft die Voraussicht haben, über Generationen hinaus zu blicken. Die grollen Nationen auf dem Kontinent ernten jetzt, was die Vorsorge ihrer Väter geschaffen hat und cs ist Zeit, daß wir in unserem Lande dasselbe tun . . Diese bedeutsamen Worte gelten in noch höherem Maße von unserem Lande Palästina als von England und dem schottischeu I lochland. Etwa ein Drittel der Bodenfläche Palästinas besteht aus kahlen, unhepflan/.k׳n BcrgabUängcn. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Berge einst reiche Waldungen aufwjesen, die das Land zur wein- und Oclkammer des vorderen Orients machten. . Noch heute sieht man die Spuren von Terrassen auf den Bergen Juda und Ephraim, die von einer großartigen Baumkultur und dem Fleiß der Bewohner in alter Zeit erzähle״, Durch den Verlust dieser Wälder und Pflanzun• gen sind dem Lande nicht nur wertvolle Frucht- und Nutzbäume verloren gegangen, sondern dies hatte auch zur Folge, daß der Feuchtigkeitsgehalt der Luft und des Bodens immer mehr schwand, das Land an ■Flüssen und Bächen verarmte, die Wanderdünen immer weiter ins Land vordrangen und stellenweise verderbenbringende Sümpfe in den Ebenen überhantl nahmen. Dieser Zustand veranlaßt« die vom VI. Kongreß eingesetzte Palästina-Kommission, der Frage der Aufforstung Palästinas ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuvvenden. Im Jahre 1904 wurde die ״Oel b a u m s p c n d e" als hesoliderer Zweig des Nationalfonds ins Leben gerufen und die Höhe der Spende für die Pflanzung eines Baumes mit 6 M. festgesetzt, Die Gründe, warum dem Oelbaum der Vorzug vor aßen anderen Baumarten gegeben worden war, ist wiederholt in Abhandlungen, Flugschriften usw. auseinandergesetzt worden. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß dieser Baum keiner Be- Wässerung bedarf daß seine Pflege eine einfache ist, und daß cr.au! allen Bodenarten, sogar auf nackten Felsbergen gedeihen kann. Seine Lebensdauer übertrifft die aller anderen Bäume, denn er erreicht ein Alter von drei- und vierhundert Jahren. Nach dem fünfzehnten Lebensjahre erlangt erdie volle Ertragfähigkeit, die von der Palästina-Kommission seinerzeit auf 2,40 M. (3,— •Frcs.) jährlich geschützt wurde. Diese Schätzung ist durchaus nicht zu hoch gegriffen. So berichtet z. 0. Friedrich v. Vincenz aus Smyrna kürzlich in der ״Frankfurter Zeitung“ über die Olivcnwiildcr auf der nunmehr griechisch gewordenen Insel Mvtiienc: In guten Jahren kann die Ernte ans Oliven auf nicht weniger als 25 Millionei! Mark veranschlagt werden. Dabei ist Mvtiienc eine Insel von nur 1310 Quadratkilometern mit einer Einwohnerzahl von 130 000 Köpfen, und die Oelbaumkultur bildet nur einen Teil, wenn auch den bedeutendsten der Pflanzungen. Der Durchschnitt des Ertrages eines üclbaumcs auf Mytilene ergibt 18 M. pro Jahr! Der Berichterstatter betont, dal) der Bauer auf Mytilene seine Oelbiiume nach veralteten Methoden pflegt, sodafl hierdurch dem Lande noch Millionenwertc verloren gehen. An Stelle des auf der Insel vorherrschenden altberühmten lesbischen Weines ist nunmehr der anspruchslose Oelbaum getreten, ״der absolut wettersicher ist, dem Spätfröste und die böse ׳Phyloxcra nichts anhaben können und dei einen sicheren Ertrag abwirft“. — Der Oelbaum hat auch die Entstehiing einer Seifenindustrie ermöglicht, die > Millionen Kilogramm Seife pro Jahr produziert. Wenn die Palästinakomniission mit Bezug auf die Schätzung der Oelbaumertriigc demnach eher zu niedrig als zu hoch gegriffen hat, so sind in den letzten Jahren anderseits Zweifel darüber entstanden, ob die Kosten eines Oclbaumes mit א M. bis zur Ertragfähigkeit nicht zu gering veranschlagt wurden. Da die volle Ertragfähigkeit erst nach 15 Jahren emtritt, entstand der Eindruck, daß die bloße Anpflanzung von Oelbäumen ohne Zwischen- und andere Kulturen in den ersten Jahren zu kostspielig sei. Ein endgültiges Urteil über die Höhe der Kosten eines Baumes läßt sich deshalb noch nicht feststellen, weil die Gutachten der Fachleute über die Pflanzungsmethoden sehr weit auscinandcrgehen. Die Verwaltung des NationalPuds ist jedenfalls in den letzten Jahren zur Erkenntnis gelangt, daß es aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht zweckmäßig erscheint, sich auf den Oelbaum allein zu beschränken, sondern möglichst viele Baumartcn auf den Ländereien des Nationalfonds anzupflanzcn. Vor allem gibt cs eine Anzahl von Fruchtbäuinen, die ähnlich dem Oelbaum keiner Bewässerung bedürfen und auch auf minder gutem Boden gedeihen. Zu diesen gehören der Feigen-, Graiatapfel-, Johannisbrot-, der Mandclhaum usw. Manche dieser Baumgattungen haben auch den Vorzug, daß sie früher ertragfiihig werden. Bei der Jahrcskonfcrenz 1912 wurde denn auch die Konsequenz gezogen und die Oclbaumspcndc zu einer allgemeinen Baum spende erweitert. Dies ermöglicht der Nationalfonds- Verwaltung, die Spendenhöhe von 6 M. für einen Baum aufrecht zu erhalten, ohne die Oclbaumpflanzungcn allzusehr cinz.uschränken. Es gibt eine ganze Reihe von Baumarten, die nicht einmal die Hälfte dieser Summe erfordern, sodaß der Durchschnitt der Pflnnzungskosten für einen Baum jeder Sorte keineswegs א M. zu übersteigen braucht. Zu diesen billigen, aber nicht minder wertvollen Baumarten gehört in erster Linie der Eukalyptus, den bekanntlich die Juden zum erstenmal aus Australien m Palästina cinhihrten tmd heimisch machten, weshalb er von den Arabern der ״Judenbäum“ genannt wird. Sein Hauptvorteil besteht darin, daß er viel Feuchtigkeit in sich aufnimint und dadurch vorzüglich zur Austrocknung von Sümpfen und Mooren geeignet ist. Die Sanierung der Kolonie Gliedern durch deren Sü rupfe viele Juden von der Malaria hinweggerafft wurden, wurde allmählich durch die Anpflanzung eines von Baron Rothschild angepflanzten Eukalyptenwaldes cingcleitct. Der Eukalyptus sowie alle anderen Nutzhölzer dienen aber nicht nur dazu,’ Sümpfe trocken zu legen und den Wanderdünen Halt zu gebieten, sondern sie werden dem Lande Palästina das verloren gegangene Brenn- und Bauholz wiedergeben. Der Mangel des Nutzholzes ist besonders durch den Aufschwung der jüdischen Siedlungen in Stadt und Land fühlbar geworden. Nach dem Palästina-Handbuch von 'l'rietsch ist der Holzimport allein im Hafen von Jaffa von 320 000 Frcs. im Jahre 1902 auf fast eine Million Francs im Jahre 1908 cmporgcschnellt, ln der Zwischenzeit ist der Bedarf au Nutz« holz infolge Erbauung neuer jüdischer Stadtviertel und bcsonders der Ausdehnung des Orangenexportes, der eine ganze Holzkistcnindustrie hervorbrachte, sicherlich bedeutend gewachsen. Diese Millionen, die jetzt ins Ausland wandern, würden im Lande bleiben, wenn cs mit Hilfe der Bamnspende gelänge, das notwendige Holz im Lande selbst hervorzubringcn. Weiche Bedeutung der Frage der Aufforstung in Volkswirtschaftlicher l!insicht zukommt, kann auch aus den weiteren Acußcrungen ersehen werden, die der britische Schatzkanzler in der bereits erwähnten Rede machte: ״Durch die Aufforstung können wir auch jene Gegenden mit Feuerungsmaterial versorgen, die so weit von den Kohlcngchictcn ab liegen, daß der Kohlcnnreis zu hoch wird, und was noch das wichtigste ist — durch die Aufforstung können wir auch Land in landwirtschaftliche Benutzung nehmen, das bis dahin zu abgelegen war. Wer in den Bergen gelebt hat wie ich, weiß, was das heißt. Wir werden das schottische Hochland wieder bevölkern, indem wie die Bergrücken aufforsten und damit die Täler schützen und damit aber auch eine neue Bevölkerung in das Land ziehen, die sich im Winter in den Wäldern beschäftigen kann, und die im Sommer die Felder in den Tälern bebaut . . . Die Holzvorräte der Welt gehen mehr und mehr zur Neige und die Werte, die wir durch Aufforstung schaffen, werden von Jahr zu Jahr enorm vergrößert werden,“ (Fortsetzung folgt.) VanafewortLBsdakhi Hugo Homaann,WU1Bi»«dorf. V»rI»a14adl»el>«B011d»«k*o0.».fc.H,B«rli« W.ia Dra*k1SUgfcte4B«fc*U»,B**l>a*■•*****•«* ו¬ ו• 1; 1 ■oet&n׳

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.