Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1914)
- Date
- 1914-03-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651869-2651883--09541-2666875- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kr. 18 JUED1SCHE RUNDSCHAU 861t« 85 angelegt und gepflegt werden, wird verstehen, wie sehr der Unterricht im Gartenbau an unseren Mädchenschulen geeignet ist, das jüdische Kolonisationswerk zu fördern. 3. Kindergärtnerinnenschule. Diese Schule hat einstweilen nur eine einzige Klasse, die von 20 Mädchen aus Jerusalem und den jüdischen Kolonien besucht wird. Nach dem Peßach-Festc soll eine zweite Klasse und im Anschluß daran ein hebräischer Kindergarten eröffnet werden. 4. HebräischesMädchen Waisen hei in. Dies ist eine Erziehungsanstalt für jüdische Waiseumädchen aus Jerusalem und aus den russischen Städten, in denen vor einigen Jahren Pogrome stattfauden. In dein Mädchenheim sind 20 Waisenmädchen untergebracht, die die hebräische Mädchenschule besuchen. Dem Mädchenheim stehen zwei Erzieherinnen vor, die für die leibliehen und geistigen Bedürfnisse der Zöglinge Sorge tragen. 5. Hebräische Knabenschule. Diese Anstalt umfaßt in 6 Klassen mehr alf! 100 Schüler. Nach dem Peßach-Feste sollen zwei weitere Klassen eröffnet werden. Die Schule ist dem hebräischen Lehrerseminar angcschlossen und wird von dem bekannten Pädagogen und Schriftsteller Ch. L. Suta geleitet. 6. Hebräisches Lehrerseminar. Das Seminar umfaßt in 5 Klassen 70 Schüler. In einigen Wochen werden die Abgangsprüfungen für die Schüler der obersten Klasse stattfimlcn, die zum größten Teil bereits Stellungen als Volksschullehrer gefunden haben. Das Lehrerseminar ist berufen, Lehrkräfte mit jüdischer und allgemeiner Bildung für alle hebräischen Schulen in den Städten und Kolonien Palästinas, sowie in den anderen Städten des Orients heranzubilden. Die Leitung des hebräischen Lehrerseminars ruht in den Händen des Herrn David J e 11 i n. Im Anschluß an das Lehrerseminar sind auch Handelsschulkursc in mehreren Klassen eingcrichtet. Das hebräische Lehrerseminar ist die wichtigste unter den neuen hebräischen Erziehungsanstalten Jcrusalems und wird zweifellos für die nationale Erziehung der Jerusalemer Jugend von hervorragender Bedeutung sein. Das Ergebnis des Jüdischen Nationalfonds im Jahre 1913*) (Fortsetzung.) Die Okkupationsgenossenschaften in Palästina sind zwar nicht unbeeinflußt von der Propaganda für die Siedlungsgenosscnschaft, aber doch aus der palästinensischen Praxis selbst hervorgegangen. Es ist dies dieselbe Erscheinung wie in Italien, wo gleichfalls aus der Mitte der Arbeiterschaft Genossenschaften entstanden sind, die Okkupations- und Atneliorationsarbcitcn großen Stils für Staat und Gemeinden und sodann auch für den Großgrundbesitz um Hunderte von Millionen mit größtem Erfolge durchgeführt haben. Zehntausende von Hektaren Landes sind der Kultur erschlossen worden, und es ist darum begreiflich, daß heute Staat und Privatgesellschaften darin Wetteifern, diese Genossenscliaften mit dem erforderlichen Kapital für Inventar usw. zu versehen und ihnen immer größere Ländereien in Pacht geben. In Palästina haben bereits private Landgesellschaftcn erkannt, daß die Besitzergreifung und Sicherung neu erworhenen Landes am besten durch Okkiipationsgenosscnscliaften von jüdischen Arbeitern erfolgen kann. So wurden Dagania, Mcrchaviah, Hulda, Kfar-Uriah, Karkur usw. von Gruppen genossenschaftlich organisierter Arbeiter in Besitz genommen. Diese Form der Okkupation ist die unerläßliche Voraussetzung für den Erwerb neuen Bodens in Palästina, da derselbe infolge der bekannten Verhältnisse nach dem Ankauf sofort unter den jüdischen Pflug genommen werden muß» j Die volle Ausnützung dieser Okkupationsmethode wird jedoch durch Schwierigkeiten zweierlei Art gehemmt; Einerj seits muß die Landerwerbsgesellschaft nicht nur die Mittel für ו den Bodenerwerb besitzen und der Genossenschaft die Löhne sichern, sowie das Risiko für die in der Vorbereitungsperiode unvermeidlichen Betriebsverluste tragen, sondern sie ist auch gezwungen, die Genossenschaften mit allem erforderlichem toten und lebenden Inventar auszurüsten. Dazu reichen gewohnlich die Mittel der Bodenkäufer in Palästina nicht aus. Anderseits hat diese Methode auch den Nachteil, daß sie die Genossenschaften in zu große Abhängigkeit von den I Bodeneigentümern bringt. Während die Arbeiter in Italien I zumeist eigenes Inventar, ja mitunter beträchtliches genossen- J schaftliches Vermögen besitzen, wodurch das Verantwortlich- ] keitsgefühl und die Verwaltungsfähigkeiten der Genossen- | schaftsmitglieder ungemein gesteigert werden, sind die pa- | lästlnensischen Arbeiter in Ermangelung dieser Vorteile mehr | Lohnarbeiter mit größerer oder geringerer Gewinnbeteiligung, j Es würde sich nun darum handeln, den landwirtschaftlich ausgebildeten Arbeitern Palästinas durch Ausrüstung mit Inj; ventar die Möglichkeit zu geben, jederzeit neu erworbenes *) Vergl, Rundschau Nr. 10, 11 und 12. Land in Bewirtschaftung zu nehmen. Das würde eine Entlastung der Bodencigentümer bedeuten und überdies die Bcwegungsfreihoit dieser okkupierenden Gruppen erhöhen und es ihnen ermöglichen, nach Erfüllung ihrer Aufgabe an einem Platze neue Ländereien zu erschließen. Es läßt sich nicht von vornherein bestimmen, wie sich diese Okkupationsgruppen (in Palästina Kwuzoth Kibusch genaimt) in der Folge entwickeln werden. Gehört der erworbene Boden dem Nntionalfonds oder einer anderen gemeinnützigen Gesellschaft, so haben diese Gruppen die Möglichkeit, auf dem von ihnen okkupierten Boden sich als ländliche Erbpacht- Genossenschaft dauernd niederzulassen. Bei einem Boden, der sich ini Privatbcsitz befindet, kann die Okkupationsgenossciischaft, wenn sie nicht weiterzieht, in ein ähnliches Arbcits- und Pachtverhältnis zu den Besitzern treten, wie sich dies in Italien auf den Gütern der Großgrundbesitzer herausgebildet hat. In einem solchen Falle könnte ihnen der Nationalfonds durch die /Anlage einer Arbeitersiedlung aus den Mitt e 111 des A r b c i t c r h c i in s t ä 11 c n f 0 n d s zu Hilfe koinmen und ihnen durch ein kleines Anwesen in der Nachbarschaft des Privatbcsitzes eine Stütze schaffen. Wie immer sich diese Genossenschaften entwickeln mögen, das eine steht fest, daß der Nationalfonds ihnen gegenüber, wie schon erwähnt, dieselbe Funktion erfüllen kann, wie sie in anderen Ländern vom Staate ausgeübt wird. Arbeitsfähige und bewegliche Okkupatioiisgenossenscliaften sind die wichtigstc Voraussetzung für eine Erweiterung des Bodenbesitzes, sowohl des Nationalfonds wie der Privatgesellschaften. Der Genossenschaftsfonds wird sic fördern, da er in letzter Linie durch diese Kwuzoth den Stamm von Erbpächtern heranzieht, die die Verwertung und Besiedlung des Nationalfonds-Bodens ermöglichen werden. Die bisherige Kolonisation hatte die Tendenz, die bestehenden Siedlungen zu erweitern und ihnen neue anzugliedem. So wünschenswert und zweckmäßig die schrittweise Konzentricrung auch sein mag, so dürfen nicht jene großen Gebiete übersehen werden, die, innerhalb der Grenzen des historischen Palästinas liegend, von unabsehbarer Wichtigkeit für die vvirtschaftlichc Aufnahmefähigkeit des Landes sind, Sie haben die Vorzüge einer äußerst dünnen Bevölkerung, der Billigkeit des Bodens und der mangelnden Konkurrenz. Vor etwa einem Jahrzehnt konnte durch einen kühnen Vorstoß der lea in Untergaliläa fuß gefaßt werden. Auch jenseits des Jordans im Hauran-Gcbiete wurden von Baron Rothschild beträchtliche Ländereien erworben. Derartige Landstriche jenseits des Jordans in Gilead, Golan, Hauran usw. nicht nur zu kaufen, sondern auch zu sichern und besiedlungsfähig zu mache«,