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Jüdische Rundschau · 1914-03-13 · Heft 11 (13.3.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 11 (13.3.1914)
Date
1914-03-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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1 Nr. 11 Struktur der heutigen Judcnhcit bekanntmachen. Am .Schluß eines jeden Vortrages rezitierte Fräulein Meyer in formvollendeter Weise ganz frisch eingeiroffene Originaljargongedichte, wobei besonders die neueste Transkription angenehm auf fiel. Der rührige Verein für jüdische Geschichte und Literatur hatte die Wahl der Qual, als der bekannte Liebig*, Körner-, Brahms-, Schiller-, Edison-, Goethe-, Mendelssohn!- und Helmholt/forscher Dr. Kuhaut seine Vortrags- Vorschlagsliste cinsandte: ״Friedrich I., Friedrich Wilheim 1., Friedrich II., Friedrich Wilhelm 11., Friedrich Wilhelm 111.. Friedrich Wilhelm IV., Wilhelm I., Friedrich 111., Wilhelm II. — — — und die Juden (nicht Gewünschtes zu durchstrcicheii).“ Bei aller Harmonie stimmte jedes Vereinsmitglied, seiner eigenen kraftvollen Individualität folgend und abhold jedem Herdentrieb, für einen anderen Souverän und die Juden, bis endlich das Los entschied. Als der berühmte Dr. Kuhaut, dessen Heldenbrust mit Recht das eiserne Kreuz und das allgemeine Ehrenzeichen schmückte, vor uns stand, hatte jeder das sichere Gefühl, daß der Redner einen andern Herrscher und die Juden nicht minder trefflich behandelt. haben würde als den vorliegenden. Die in den Zeiten des Wehrbeitrags und Sprachenkampfes völlig verarmten Mitglieder der zionistischen Ortsgruppe wurden vom Verein ״Esrath Kfufim“ in der Herberge zur Heimat untergebracht. Nur ein leiser Mißton stört das friedliehe Idyll: Die Liberale Vereinigung hat sieh gespalten. Die nach dem Mondjahr lebenden Zieglerleute wollen den Christbaum am 24. Kislew auf- ZIONISTISCHE BEWEGUNG Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 111 einer Stadt in der Mark finden ein praktitisch er Arzt und ein Tierarzt gute Niederlassungsmöglichkeitcn. Auskunft erteilt die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Vom Jüdischen Verlag Chad Gadja, Das Pcßachbuch, herausgegeben von Hugo Herrmann, ist erschienen. Adresse des N.-F.-Hauptbureaus. Vom 12, März. d. J. ab befindet sich das Hauptburcau des Jüdischen Nationalfouds im Hansahaus, Köln. Die nunmehrige Adresse für alle Briefe und Geldsendungen lautet: Hauptburcau des Jüdischen Nationalfonds zu Händen des Herrn Justizrat Dr. M. 1. Bodcnhcimer, Köln, Hansahaus. Die Palästina-Fahrt im Frühjahr Für die am 2. April stattfindende Palästina-Gesellschaftsfahrt hat sich bereits eine große Zahl von Teilnehmern aus allen Ländern gemeldet. Diese Reise ist eine allgemein jüdische und nicht auf ־ Teilnehmer eines Landes beschränkt. Die Fahrpreise sind besonders ermäßigt (40 0/0), und zwar: Schnelldampfer Triest—Palästina und retour 1. Kl. Kr. 551,62; 11. Kl. Kr, 337,26; 111. Kl. (ab Alexandrien II. Kl.) Kr. 217,16. Bei der Rückfahrt wird ein dreitägiger Ausflug »ach Aegypten arrangiert. Kosten des!«)tägigen Aufenthaltes in Palästina: Kr. 400,—, in Aegypten: Kr. 65,—. Da die Zeit sehr vorgerückt ist, ist es erforderlich, daß diejenigen, die noch teilnehmen wollen, sich ehestens anmelden. Die Anmeldung zur Fahrt erfolgt durch die Ueberweisung der Hälfte des Schifffahrtspreises an den Jüdischen Nationalfonds, Konto Palästina-InformationsDurcau, Wien II, Karmeliterplatz 1", und die Anmeldung zum Programm des Aufenthaltes in Palästina und Aegypten durch die Anzahlung von Kr. 100,— als Angabe bei der ״Unionbank“, Wien, Konto Anglo Palestine Co., Jaffa, für Sachs. Die restlichen Beträge müssen 'bis spätestens 10. März 1914 eingczahlt werden. Auskünfte und ausführliche Prospekte beim Palästina-Informationsburcau des Zionistischen Actions- Comites, Wien 11, Karmelitcrplatz 1. Bekanntmachung. Die diesjährige Verlosung der Reiseprämien der Palästina -Reise-Ges eilschaft e. V. in Hamburg findet am Sonntag, dem 19. April a. c, statt. Voraussichtlich werden diesmal zwei Reiseprämien zu je 500 M. zur Verlosung gelangen. Die Mitglieder werden höfl, gebeten, um Unkosten und Arbeit zu ersparen, die Beiträge mögliehst umgehend an Herrn Rechtsanwalt Dr. Bruno Tannenwald, Hamburg, Kaiscr-Wilhdmstr. 110, einzusendeu. Beiträge, welche bis 15. Februar noch nicht eingegangen sein werden, werden unter Anrechnung der Kosten per Postnachnahme eingezogen. Anmeldungen zu der nächsten Gesellschaftsreise nach Palästina, an welcher unser vorjähriger Preisträger, Herr R.-A. Meyer-Bonn, teilnimmt, nimmt die unterzeichnete Stelle gern entgegen. Neu hinzutretende Mitglieder nehmen an der diesjährigen Verlosung teil. Palästina-Reise-Gesellschaft e. V. in Hamburg. Der geschäftsführende Ausschuß i. A.: Dr. A. Chwolles, Bahrenfeid, Mozartstr. 34. JUED1SCHE RUNDSCHAU stellen, die dem Soimenkaiender huldigenden Makowcrmänner dagegen am 24. Dezember. Hoffen wir, daß es der aus beiden Richtungen gewählten Rabbinerkoinmission, die einige hervorragende Führer der Agudas Jisroel kooptiert hat, bald gelingen wird, Richtlinien aufzustellen, die die Lehre dem Leben und den Erfordernissen des Zeitgeistes anpassen. War doch gerade die Liberale Vereinigung stets ein Muster harmonischsten Zusammenlebens mit allen andern. Hat sie doch dem antizionistischen Komitee im Hause Mauerstralle 49 in Berlin bereitwilligst die Beiwohnung gestattet. Den Höhepunkt alles jüdischen Lebens bildete in dieser Saison die am 29. Februar stattgehabte große Kirmes, veranstaltet von sämtlichen jüdischen Organisationen. Von schönstem Wetter begünstigt entwickelte sich schon vom frühen Morgen an auf den taufrische» Rheinwieseii und in Brands Jnpps blitzblank gescheuertem Tanzsaal ein heiter bukolisches Treiben. Als die jungen Paare innig umschlungen unter den lustigen alten Weiden am Leinpfad miteinander schäkerten, da war keine Scheidelinie sichtbar zwischen Liberalen und Orthodoxen, Zionisten und Antizionisten. Aus den umliegenden Orten Lank und Latum, Strunk und Stratum erschienen auf kleinen zweiräderige» Fuhrwägclchcn frohe Gäste. Und als man auf dem silberglänzenden Rhein das bewimpelte Boot bemerkte, das die Duisburger Zionisten zur Kirmes brachte, erscholl. am Ufer aus dem Munde der Festgeiiossen unter Führung des Parnes von Wittlaer begeistert die Hatikwah mit blauweißgewür- Generalsekretär-Stelle in Hamburg Das Hamburger Zentralburcau des B i k u r - C h o 1 i m - H o s p i ta 1 s in Jerusalem sucht einen Generalsekretär. Näheres in der Annonce. TÜRNEN UND SPORT Ein Sportplatz für die jüdische Jugend Berlins Bei den Bemühungen, die neuerdings von den verschiedensten Seiten gemacht werden, die Jugend zu körperlicher Uebung bei Sport und Spiel anzuhalten, stößt inan immer wieder auf die Schwierigkeiten, sobald es sich darum handelt, ein geeignetes Gelände im Wcichbiklc der Stadt oder in ihrer unmittelbarer Nähe ausfindig zu machen. Wie Spielplatzfrage wird besondere für die Vereine Groß- Berlins von Jahr zu Jahr dringlicher, da von einer Bodenpolitik, die dieser Entwicklung entgegenwirken könnte, bisher keine Rede sein konnte. Dem Jiidisehen Turnverein Bar-Kochba, Berlin, ist es nun nach langem Bemühen gelungen, sich in Lichtenberg- Friedriclisfekle ein geeignetes Terrain zu sichern und so die Entwicklung seiner Sportabteilung und des volkstümlichen Turnens in seinen Reihen sicher■ zustcllcn. Der Platz, der schon im Frühjahr dieses Jahres durch ein groß angelegtes Turn- und Sportfest eingeweiht werden soll, wird aber auch in weitherziger Weise den anderen jüdischen Jugendvereinen Berlins zur Verfügung gestellt werden, Walt reml mm die Pnchtxtimmc für den Platz ntw bleu lautenden Einnahme» des Vereins gedeckt werden kann, bedarf es zu einer sportgerechten Einrichtung noch recht erheblicher Ausgaben, die durch einen besonderen S p o r t p I a t z f o 11 d s aufgebracht werden sollen. Der ״Bar-Kochba“, dessen Verdienste um die Jugendpflege allgemeine Anerkennung finden, wendet sieb nun an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte, ihn durch finanzielle Beihilfe zu diesem Fonds in seinen Bestrebungen zu unterstützen. Großtcntcils aus den Reihen der Mitglieder des Vereins sind bisher etwa 3000 M. für diesen Zweck tauf• gebracht worden, so daß seihst für eine bescheidene Ausstattung des Platzes noch etwa der gleiche Betrag benötigt wird. Spenden richte man an die Verwaltung des Sportplatzionds, Herrn Carl Sobersky, Berlin S.W.68, Holhnannstr. 18, Postscheckkonto Carl Sobersky, Berlitt IS'282. Berlin. Es ist vielfach als Ucbclstand empfunden worden, daß unsere Vereine geselligen oder turne rischen Charaktere nicht in der Lage sind, bei der zeitlichen Festsetzung ihrer Zusammenkünfte auf die besonderen Verhältnisse der verheirateten Frauen Rücksicht zu nehmen. Häusliche Pflichten hindern bekanntlich die Ehefrau nur allzu oft, an irgend einer Veranstaltung in den Abendstunden feilztmeh men, so daß sie Gefahr läuft, bei allen!solchen Gelegenheiten ausgeschaltet zu werden. Auch dem Vorstände des Jüdischen Turnvereins Bar-Kochba in Berlin war es zu Ohren gekommen, daß ׳,viele Damen, die den Nutzen des Turnens gerade für das weibliche Geschlecht sehr wohl erkannt haben, durch die Festsetzung der Turnstunden in den drei bestehen den Frauenabteilungen des Vereins während der Abendstunden von der Teilnahme abgchaltcn wurden. Seite 115 fcltem Tüchcrsehwcnken, und der Vertrauensmann des antizionistischen Komitees ließ die Duisburger spontan in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eintragen. Abends kam der Tanz zu seinem Rechte, und auf der Musikemporc im Saale von Brands Jupp spielte ein liberaler Bläserchor die schöne Weise: ״Menschen, Menschen san mer alle.“ Alles stimmte fröhlich ein. Nur der Parnes saß still auf der Bank an der Wand. Vor ihm auf dem sauberen Eichcntisch stand ein halbes Glas Kölsch Bier. Sein Haupt sank auf die Brust. Er murmelte allerlei unverständliche Worte: ״Apagc, Nathanas!“ ״Gleiches Recht für alle“, ״Seid einig, einig, einig, einig, einig — — einig — ~ einig.- ei -־•׳ — ei — —", Schließlich nickte er in den Armen des Chassidäcrs, den er umschlungen hielt, mit einem seligen Lächeln ein. Zur Beachtung! Da uns über den Ton des ״Schic in i e 1“, noch bevor er erschienen ist, bereits zahllose Klagen von gesinnungsgenössischer Seite überniitteit worden sind, müssen wir, so leid es uns tut, von der weiteren Herausgabe desselben absehen und vön nun ab wieder die ״Jüdische R u ndsc 11 a u“ gegen Zionisten und Antizionisten loslassen. Die Redaktion des ״S c lt 1 e m i e 1.“ Durch die Gründung einer vierten Frauenabt e i 1 u n g, die jeden Montag Nachmittag von 5 bis V7״ Uhr in der Turnhalle am Schleswiger Ufer 14 ihre Ucbungen abhält, ist nun diesen Klagen abgehoben worden und der rege Zuspruch, den die Abteilung findet, zeigt, daß man damit in der Tat einem Bedürfnis entgegenkam. Die Abteilung hat auch insofern ihre besondere Bedeutung, als in ihr hauptsächlich Anfängerinnen in geeigneter Weise angeleitet werden. Die Halle ist von den Stadtbahnhöfen Tiergarten und Bellevue leicht zu erreichen. Anmeldungen erfolgen am besten auf dem Turnboden. Auskünfte erteilt das Bureau, Berlin W. 15, Blcibtreustr. 25. Fernruf: Steinplatz 8381. Berlin. Int j ü d i s c h e 11 Ruderklub ״l v r i a“ sind die Vorbereitungen für den Sommer in vollem Gange. Das Bassinrudern wird noch diesen und den Monat April hindurch fortgesetzt, um dann durch die Ucbungsabendc in Niederschöneweide abgelöst zu werden; der Turnbetrieb wird noch bis Ende März durchgeführt. Alle Anfragen und Gesuche sind zu richten an Herrn Arthur Hirschfeld, . NW., Wickinger Ufer 1. Im Mai begeht der Club mit dem diesjährigen Anrudern die Feier seines fünfjährigen Stiftungsfestes. AUS DEN GEMEINDEN Kattowltz. Wir erhalten mit der Bitte um Aufnähme folgende Zuschrift: Die Nr. 10 des ״Hamburger Israelitischen Famiücnblattcs‘‘ bringt einen Berieht über die hiesigen Repräsentant c n - wählen, der einer Ergänzung und helleren Beleiiehlung bedarf, Es ist richtig, daß die zionistische Organisation zum erstenmal in den Wahlkampf eingriff und neben sieben der ,bisherigen Rcpräseutauten gemeinsam mit dem Geiuciiideverdii und dein Handwerkerverein sechs Kandidaten nominierte, die sich zu je zwei auf die zionistische Ortsgruppe und den (iemeindeverein, zu je einem auf den Handwerkerverein und die zur hiesigen Gemeinde gehörenden Landjuden verteilten. Es ist ferner richtig•, daß nur zwei dieser Kandidaten gewählt wurden, aber der Herr Einsender vergißt in seinem Siegesrausch die nicht unerhebliche Tatsache, daß diesen beiden Männern des positiven Blocks zwei der hervorragendsten Liberalen weichen mußten, von denen der eine mehr als 15 Jahre der Repräsentanz angchörte und der andere die beste Arbeitskraft der Liberalen war. Die Zionisten haben nie behauptet, daß sie die Majorität der Gemeinde bilden, sie haben immer mir gesagt, sie seien eine sehr ansehnliche Minorität, auf die bei der Zusammensetzung der Repräsentanz Rücksicht genommen werden muß. Diese Behauptung ist durch die Wahl glänzend gerechtfertigt worden. Der zionistische Kandidat Dr. Weißinunn hat 134 Stimmen auf sich vereinigt, während der liberale Gegenkandidat Sauitätsrat Dr. Glogauer 152 bekam. Ist die Differeu/, zahlengemäß schon gering, so wird sie sachlich bedeutungslos in Berücksichtigung der Tatsache, daß dem zionistischen Kandidaten nur dadurch Stimmen entzogen werden konnten, daß einige in ihren ehr- geizigen Hoffnungen enttäuschte Mitglieder des Gemeindcvercins der antizionistischen Beeinflussung unterlagen. Auf seiten des positiven Blocks ist zwar gewissenhafte Wahlarbeit geleistet worden, aber der sogenannte ״letzte Mann“ wurde sicher von denen aufgeboten, die durch das Gespenst der zionistischen Invasion Leute zur Urne bringen konnten, die das Weichbild der Synagoge zum ersten Male bei dieser Gelegenheit betraten. Die Wahlarbeit der Zionisten war wesentlich dadurch erschwert, daß ihre Anhänger, die zum größten Teil den erwerbstätigen Schichten angchörcn, die Teilnahme an dem sehr zeitraubenden t* I 1 1 j «*.

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