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Jüdische Rundschau · 1914-02-27 · Heft 9 (27.2.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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r I I ן Abonnements «uf die wöchentlich am Freitag erj scheinende ״Jttdiache Rtindachau1' | kosten bei der Ex|>e«IUion und bei ן allen Postämtern vierteljährlich 1,50 M., ן außerhalb Deutschlands und Oester- * reich-Ungarns 2,— M.| für Mitglieder י jüdischer Vereine int Snmmelbeuig | durch den Verein 1,— M, | JUdtach• Rundschau, G. m, b. 11• BERLIN Wa5t Säehaiache Straße 8. ״ Telephoni Amt Uhland 845, 846, 868. ■ Postscheckkonto! Berlin Nr. 17392. L~. __I . יייי״"| ||W% sw•! ״”■-- ,,•סד■ I | f J ~1 I i ' 1 j I V,_y->y I!!׳ % X \ j!11 A.9U Ü.uv;; /., ׳• r\ pj \ ז י ז\ L ^׳*•—־־^ I—J Ü Lmj V-J גי־׳/ s־־ f VJ Anzeigen kosten föf die •edi.fespeltene Petit• *eile oder deren Raum 40 Pf.ן Stellen- Angebote und •Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und »Kleine Anzeigen* O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto beiliegt, ateta lurückgetumdt. Kedaktionsachlufi! Mittwoch vormittag•. ItoAaktSon JÜdlach• Randsdiaa BERLIN W. 15, Sächaiache Straße 8. Telephon! Amt Uhland 845, 846, 868. Postscheckkonto! Berlin Nr. 17 392 I I I I I I I I I I I י " נ!־׳/ ב־ ) // Nummer 9 Berlin, den 27. Februar 1914 — 1. Adar 5674 XIX.Jahrgang. Ausweis Schekel: Annaberg 6.— M. Landcsorganisationsbcitrügc für 1913: Einzelpersonen: Heinrich Maier, Mül* hausen 6.—. Carl Levy, Berlin 5.— M. Landcsbeitriige 1914: Annaberg 3.— M. Propagandafonds 1914: Berlin: J. Ginsbnrg 6.—. Redakteur Anton Lewin 100,—, Dr. med. Münz S.-•, R. S. 100.—; Danzig: Dr. Landau 10.-•, Leopold Lach mann 10.—, Ludwig Zinicls, Königsberg 5.—, Heinrich Maier. Mülhausen 6.— M. Vcrscliii'deiu׳ Spenil cn: 1 lamburg 1.— M. Eingang vom 18. bis 25. Februar 1914: Sehek e t 6.—. L a n cl e s o r g a n i s a 14 o 11 s b e i t r it g e für 1913: 11.—. L a n d e s b e i t r ä g e 1014: 1׳. .' Propagandafn nds 1014: 212.— M. Gesamteingang•. Schekel: 313. , 1. an 11 es• o r g n 11 i s a t i o 11 s b e i t r ä g e 1013: 18715.27 M. L a n d e s b e i t r ii g c 1014: (»37—, P r o p a g a 11 d a fonds 1014: 3570.- M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Das jüdische Technikum Am 22. Februar hat in Berlin eine SiOnu׳; des Kuratoriums des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina stuttgefiindeii, die erste seit dem 26. Oktober, an dem man das Deutsche als Unterrichtssprache für die tech* nisch*natu wissenschaftlichen Fächer (Mathernatik war darunter mit verstanden) festgelegt und für die übrigen Gegenstände die Sprachenfrage in der Schwebe gelassen hatte. Diese An- Ordnung bezog sich auf die dem Technikum untergeordnete Realschule, und cs war nicht zweifelhaft, dali im Sinne jenes Beschlusses das T c c 11 n i k u m seihst rein deutsch geworden wäre. Zwischen dem 26. Oktober und dem 22. Fe* bruar liegen vier Monate eines schweren Kampfes. Die zionistischen Kuratoren hatten für die Realschule rein hebräischen Unterricht verlangt, für das Technikum Hebräisch wenigstens für ein oder zwei Fächer (sie hatten Mathematik und Physik vorgeschlagen). Nach dem das Hebräische enterbenden Beschluß traten sic aus dem Kuratorium aus; Palästina erhol) s>cl> gegen den Hilfsverein der deutschen Juden, dessen Schulen sicli dem Hebräischen zu verschließen begannen, die jüdische Presse nahm Partei für Hebräisch, für Palästina, für die Zionisten; auch die russischen und amerikanischen Kuratoren konnten sich der Macht dieses Volkswillens nicht entziehen und verlangten eine Re- Vision der Beschlüsse. Diese Revision hat nun stattgefunden; ihr Ergebnis ist: Die Realschule wird aufgegeben; sic hätte aus der Haifacr Hilfsvercinsschule entstehen sollen, die mittlerweile durch eine vom Mcrkas Hamorim geleitete und vom Actions- Comite erhaltene hebräische Schule ersetzt worden ist. Diese rein hebräische Schule wird nunmehr die einzige für das Technikum vorbereitende Schule in Haifa sein. Ain T c c h n i k u in selbst wird von Anfang an Mathematik und Physik in hebräischer Sprache unterrichtet; in vier Jahren soll das Technikum ganz hebraisiert werden. ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilieh •rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina." Baseler Programm. Der Wortlaut des nach der Sitzung ausgegebenen Conuiutniqii&i ist folgender: Den Mitgliedern des Kuratoriums des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina (Tech• nikuin, Haifa) lagen in ihrer Sitzung vom 22. Februar 1911 die Empfehlungen der amerikanischen Kuratoren vor. Auch auf Grund dieser Empfehlungen war cs nicht möglich, zu einer Einigung über die Realschule zu gelangen. Um nicht das ganze Werk zu gefährden, wurde beschlossen, den I laiiptstrcilgcgciisland zu beseitigen und von dem Plan, dem Technik 11111 eine Realschule vorztigliedern, überhaupt Abstand zu nehmen, f ür das Technikum waren größere Differenzen von vornherein nicht vorhanden, da nach Lage der Verhältnisse in der eisten Zeit für die eigentlichen teebui• sehen Fächer eine andere als die deutsche Sprache nicht in Frage kommen konnte. Es wurden mit bezug auf das Technikum unter anderen, bei Anerkennung der amerikanischen Empfchlungcn als Grundlage, folgende Beschlüsse gefaßt: § 1. a) Gleich von Anfang an werden Mathem a t i k und Physik in hebräischer Sprache unterrichtet; b) in neu abzuschliellenden Vertragen mit Lehrern wird ein Passus aufgetiouimcii, laut dem sie sicli verpflichten, vier Jahre nach ihrer Austeilung das Hebräische zu belierrsehen; c) nach dem Ablauf des ersten vierjährigen Kursus am Technikum wird das Kuratorium in Beratung treten, welche Gegenstände nach der derzeitigen Entwicklung der hebräischen Sprache und der hebräischen Unterrichtsmittel der hebräischen Sprache überwiesen werden können. § 2. Bei Anstellung von Lehrern müssen sämtliche Mitglieder des geschäftsführendeii Ausschusses befragt werden. Die Entscheidung fällt mit Majorität. § 3. Ins Kuratorium werden anstatt der drei ausgeschiedenen Mitglieder drei andere Zionisten kooptiert, von denen zwei dem geschäftsführendeii Ausschuß angehören. Diese Beschlüsse tragen den zionistischen Forderungen Rechnung. Per hebräische Charaktcr des Technikums ist für den Anfang und für die Zukunft siclicrgestellt. Wir hatten von vornherein so maßvolle Forderungen aufgestcllt, selbst ehe wir noch Widerstand zu finden glaubten, daß wir nicht um Haaresbreite von ihnen ablasscn konnten; wir sind uns andererscits unserer Würde und unserer Kraft zu sehr bewußt, als daß wir jetzt mehr gefordert hätten als vor dem Ausbruch des Kampfes. Die Römer der Republik hatten die Maxime, nach dem Siege dem Feind dieselben Bedingungen zu stellen wie vor der Schlacht. Es liegt uns fern, eine moralische Ucberlegcnheit auszunützen, um Triumphe zu feiern, Das Technikum wird eine Position des nationalcn Judentums in Erez Israel sein. Es hört auf, eine Frage und ein Kampfobjckt zu bedeuten: es wird wieder, was es nie hätte aufhören dürfen zu sein, eine Stätte fruchtbarer Arbeit für unser Volk. Der Streit hat uns zweierlei hinterlassen: ein wundervolles Feld verheißungsvoller Tätigkeit und eine schwere Verantwortung. Fünf neue Schulen sind in Palästina gegründet worden, die in voller Tätigkeit sind, an denen Lehrer und Schüler, die besten Lehrer und die begcistertsteri Schüler, für die Zukunft des Jischub arbeiten. Wir haben diese Schulen zu erhalten. Wir wissen, daß Zionismus nicht bedeutet: Siege feiern, sondern: im Felde stehen. Wir sind um einen Schritt vorwärts gekommen: wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln. H. Unsere Arbeit geht weiter! Der Kampf um die Unterrichtssprache am Tech* nikuin in I laifa ist beendet, und wir Zionisten freuen uns, daß wir so bald in die Lage versetzt worden sind, unsere Energien auf den Ausbau unseres hebräischeu Schulwerkes und die anderen dringlichen Aufgaben, die unser in Palästina warten, zu konzentrieren. Noch während sicli die Tätigkeit unserer Gegner in der Abfassung von Pressenotiz.cn, Broschüren und Inscrattcxtcn erschöpfte, haben wir einen guten Anfang gemacht und durch starke materielle Opfer den unerschütterlichen Ernst unseres nationalen Willens bekräftigt. Wir halten unsere Pflicht getan, als unsere von uns gewählte und von unserem Vertrauen getragene Leitung uns aufrief; wir wollen auch weiterhin leisten, was wir zu leisten haben. Die Leistung der deutschen Zionisten soll hier nicht in Vergleich gesetzt werden zu den Summen, die von unseren Brüdern in anderen Ländern ge* spendet wurden -- denn die Einmütigkeit und Tat* kraft der Palästinenser beschämt uns alle —, aber cs darf gesagt werden, daß sich der üpfersinn unserer Mitglieder 11ml die Stoßkraft unserer dcut* sehen Landesorganisation auch in dieser cntscheidenden Stunde bewährt haben, ist es doch letzten Eudes immer wieder die Landsmannschaft, die eine jede Initiative unseres Actions-Ooinites atifnchmcn muß, um sic in geeigneter Form an die einzelnen Gruppen weitcrzugebeii, und von der alle spezielleren Anregungen, geeignete Drucksachen, die Verteilung der Redner 11. ii. niisgelien. Es ist deshalb gewiß! kein bloß zeitliches Zusammentreffen, wenn alle Samnthingen für zionistische Zwecke in Deutschland einen starken Aufschwung genommen haben, seitdem cs gelang, die Finanzen unserer Vereinigung durch die Beschlüsse des Frankfurter und des Poseuer Dclegiertentages auf eine gesunde Grundlage zu bringen. Diese Zusammenhänge dürfen wir keinen Augenblick aus dem Gesichtskreis verlieren, wollen wir nicht alles Erreichte und auch zukünftige Sammlungen — für welche Zwecke auch immer — gefährden. Deshalb muß sich unser tätiges Interesse jetzt wiederum dem Propagandafonds der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ zuwenden, an den gerade die Ereignisse der letzten Wochen und deren unmittelbare Folgen hohe Anforderungen stellten. Wenn wir heute sagen, daß unsere Bewegung eine Zeit durchlebt, die für ihre Entwicklung und Ausbreitung in Deutschland auf Jahre hinaus entscheidend werden kann, und daß diese außergewöhn• liehe Zeit auch außergewöhnliche Opfer von uns fordert, so wird diese Feststellung bei keinem Zionisten Widerspruch finden. Das Interesse für unsere Bewegung ist durch die öffentliche Diskussion der palästinensischen Spraclienfrage von neuem angeregt worden, und unser entschiedenes Vorgehen hat uns die Sympathie manches Juden eingebracht, der uns bisher fernstand. Die Inscratcnkampagnc des anti/iouistischcn Komitees hat in weiten Kreisen eine Empörung ausgelöst, die sich u. a. in oft recht drastischen Schreiben an uns Luft machte. Die 83 Versammlungen, die wir in! Zeitraum weniger Tage in allen Gegenden Deutschlands veranstalteten, haben einer großzügigen Propaganda den Boden bereitet, und cs wäre ein schwerer Fehler und ein uneinbringlicher Verlust, wollten oder müßten wir auch nur einen Teil der großen Möglichkeiten, die sich uns jetzt bieten, ungenutzt vorübergehen lassen. Die Entscheidung darüber, ob diese

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