Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1914)
- Date
- 1914-02-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 70 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Nr. 7 Die Antwort der zionistischen Organisation auf die Erklärung der Antizionisten Als Erwiderung auf die Erklärung, die das Anti־ zionistische Komitee im Inseratenteil der größten /eitlinnen Deutschlands veröffentlicht hat, wird die Zionistische V e r e i 11 ig u n g für I > e ti t s c Iw land in den nächsten Tagen in allen Ortsgruppen öffentliche V e r s a 11111111111 g e n veranstalten, in denen der Zionismus zur allgemeinen Diskussion gestellt werden soll. In diesen Versammlungen wird den entstellenden und niiltdeiiteiulen Behauptungen der Antizionisten in der ausführlichsten Weise entgegengetreten werden, und cs wird in aller Ocffentlichkci! der Beweis geführt werden, dalt der Zionismus eine aufhauende Bewegung ist, die die Erhaltung und Neubelebung des jüdischen Volkes zum einzigen Ziel 11a». Bis zum Rcdaktionsschlull ist uns von 5'i Ver- Sammlungen Mitteilung gemacht. Die jüdische Turnbewegung in Deutschland (Jahresbericht 1UI3 des Deutschen Kreises.) Die Bedingungen, unter denen sich die Arbeit der jüdischen Turnvereine in Deutschland vollzieht, sind in erster Linie durch die Tatsache ggkeiinzeichnet, (lall die grolle Deutsche Tiirnersch.if! als solche nicht antisemitisch ist, und den Juden in ihren Reihen volle Gleichberechtigung gewahrt. Die Gründe für die Existenz jüdischer Turnvereine und für den Beitritt des einzelnen zu ihnen sind daher lediglich durch unsere besonderen jüdischen Zwecke bedingt. Aus dieser Sachlage ergehen sich zwei Folgeerscheinungen: Einmal ist unsere Werbearbeit dadurch eine besonders schwierige und mühsame, andererseits aber liegt darin die Gewahr, (lall jene Vereine und Einzelpersonen, die sich zu uns hekennen, auch tatsächlich unsere m 11 a t i o - naljüdischcn Programm b c d i 11 g 11 n g s - los ergeben sind. Nur solche Mitglieder sind aber für uns von Wert, und alle Versuche, die gelcgentlich einmal unternommen wurden, aus Rücksiebten der Agitation unsere Tendenz zu kaschieren, haben sieh als verhängnisvolle Irrwege erwiesen. Jene Vereine, die es mit der nationalen Erziehung der Mitglieder wirklich ernst nehmen, weisen im allgemeinen auch in turnerischer mul organisatorischer Hinsicht die besten Leistungen auf. Die Tatsache, dali jüdische Turnvereine in Deutschland mit nichtnationalcr Grundlage keine Existenzberechtigung besitzen, hat sich im Laufe der Jahre immer wieder an den Versuchen erwiesen, die mit tendenziösen jüdischen Turnvereinen gemacht wurden. Ein Teil dieser Vereine hat schlich* lieh in Erkenntnis der Sachlage einen jüdischen Inhalt gesucht und den Weg zu unserem Bunde gefunden. Andere haben sich aufgelöst oder vegetieren noch heute, ohne auch nur rein turnerisch Neniienswertes zu leisten. Diese Vereine trifft der Vorwurf der konfessionellen Absomler u n g , der uns 11 ä n f i g g e m a c 111 w 11 r d e , mit vollem Recht. Wer, wie sie, im Judentum eine lediglich religiöse Gemeinschaft sieht, der hat kein Recht, sich auf Grund dieser Definition von seinen Mitbürgern zu profanen Zwecken ahzusondern. Als Turner findet er seinen Platz in den großen und leistungsfähigen Vereinen der Deutschen Turnerschalt. Auch das Schicksal der Turnabteilungen, die neuerdings von dem sogenannten neutralen Jüdischen Jugendverhand gegründet wurden, kann nach dem Vorgesagten nicht zweifelhaft sein. Dennoch haben wir selbstverständlich unser Augenmerk ständig auf diese Entwicklung gerichtet und suchen zu gegebencr Zeit mit unserer Aufklärung cinzusctz.cn. Die Arbeit des verflossenen Jahres wurde zum großen Teil von zwei großzügigen Veranstaltungen absorbiert. Das waren unser Erster Kreisturntag im Mai und das Schauturnen vor dem Wiener Zionistenkongreli im September. So wertvoll diese großen turnerischen Zusammentreffen für die Vereine und den einzelnen auch sind, so läßt sich doch ■nicht leugnen, daß durch sic unsere Kräfte in inamiigfaclier Hinsicht von der ruhigen organisatorischen Arbeit abgelenkt wurden. Bei beiden Gelegenheiten bewährte sieh der persönlichc Opfersinn der Turner und Turnerinnen für unsere Sache in erfreulichem Maße und es stellt außer Zweifel, daß die Arbeitsfreudigkeit und der ideale Schwung in den Vereinen durch solche Zu* saminenkünfte einen kräftigen Stimulus erhalten, dessen •segensreiche Folgen — dem einzelnen oft kaum erkennbar - in der Arbeit des Alltags fort* wirken. Ucber dag Krcistumfcst und das große Hallenhinten, an dem etwa 500 Turner, Turnerinnen und Sportslcute tcilnahmen, ist in diesen Blättern ausführheh berichtet worden. Die Beschlüsse des Krei«- <11rut.1׳gcn liiihfii Midi 111 ihrer praktischen Durch* führtiiig liuiclmiis bewährt. Nur war es nicht immer möglich, den Vorstand in der statutarisch vorgestilliehciien Zahl »einer Mitglieder zu erhalten. Nachdein Herr Julius Hirsch im August sein Amt als I umwall niedergiicgl hatte, war es uns leider «lebt möglich, einen geeigneten Ersatzmann zu koopbcreii, so daß die Funktionen des Tumwnrtes vom *Kreissportwwi uiilverwnllel wurden, Beim Kongreß-Schauturnen war der Deutsche Kreis durch Turner, Turueriunen und Sportslcute aus Berlin (Bar Kochba, ifftus, Ivrin), Breslau, Hamburg, Heidelberg, Mündien, Königsberg und Posen vertreten. Unsere Turner und Turnerinnen leisteten nach gewissenhafter Vor- Bereitung sowohl hei den Oesamtübungen wie auch in ihren Riegen und bei den Sondervorführungen ihr bestes, lind ernteten reichen Beifall. Wir ergreifen gern die Gelegenheit, allen denen, die zu dem überaus schönen Gelingen des Festes und zu einer wiirdigen Repräsentation unseres Kreises innerhalb der Turiierschaft beigetragen haben, unseren Dank zu sagen. Unsere Bemühungen, uns noch fernstehende Vereine herniiziiziclien, und neue zu gründen, wurden auch in der Zeit nach dem Kreistnmtag vielfach von Erfolg gekrönt. So gelang es uns u. a. in Dan• zig und Frankfurt a. M. Turnvereine ins Leben zu rufen, die sich gut entwickeln. IXr Frauentumverein in Samtcr, der seit mehreren Jahren seinen Betrieb eingestellt hatte, wurde durel! die Bcmühmigen unserer Posener Freunde wieder ins Lehen gerufen. Die Jüdische Turiiersehnft ״M n 1111 a p 11 i a" in Göthen, mit der wir seit langem in Fühlung standen, trat unserem Bunde bei, und der jüdische Jiigeiidhimd in Kattowitz. trennte sich von dem neutralen Verbände und wurde bei uns Mitglied. Im Monat Januar PHI meldete der Jüdische Turnverein Halle seinen Beitritt. Schon auf dem Kreistnmtag wurde berichtet, daß die Tiiiiiabteilitiigeii des Bundes jüdischer Korporationen der Turnerscliaft beigetreten sind. Die Mitglieder des Kartells Zion i st ischer Verbind 1111 gen, des H c r z I * B ti n d c s und der llerzliali in Berlin turnen nach wie vor regelmäßig — teilweise in besonderen Riegen in unseren Vereinen. Gerade diese Erscheinungen beweisen, daß sieh in untioualjiidischcn Kreisen die Ucberzeugimg dmcligesetzt hat, daß eine wirkliche Erziehung der jüdischen Jugend zu unseren Idealen nur auf turnerischer Grundlage oder wenigstens unter Einbeziehung dieses bewährten Erziehungsmittels durdigeführt werden kann. 111 Ausführung eines Beschlusses des V. Jüdischen Turntages wurden in vielen Vereinen Kurse in jüdischer Geschichte und Literatur, sowie im Hebräischeii ahgehalten. Der Kampf, den unsere palästinensischen Freunde und Turnbrüder gerade jetzt um die Erhaltung unserer alten Sprache führen, wird auch die bisher noch säumigen Vereine an ihre Pflicht erinnern, die Verfechter dieses unseres Volksgutes wenigstens durch Kräftigung der hebräischen Position in der Diaspora zu unterstützen. An der ersten P a I ä s t i 11 a w a 11 d e r 1111 g jüdiseher Turner und Studenten, die unter Führung unseres Turnbruders Dr. Z 1 o c i s t i - Berlin in einer Stärke von 13 Manu zustande kam, beteiligten wir uns mit einer stattlichen Zahl, Audi in dieser Reise und ihrer gut turnerischen Durchführung sehen wir einen Erfolg der Ideen, die von unseren Vereinen seit 15 Jahren propagiert werden. Für das Frühjahr dieses Jahres ist eine zweite Reise geplant, die sich voraussichtlich einer mich weit größeren Beteiligung erfreuen wird. Ein weiteres Anzeichen für das Vordringen unserer Anschauungen ist die Begründung des Jüdischen Wniiderlnindes Blau-Weiß, der in seinen verschiedenen Gruppen Schüler und Schülerinnen allsonntäglich in die Natur hinausführt und so eine wertvolle Erziehungsarbeit leistet, die auch unsere Anerkennung verdient. in den letzten Wochen haben wir unsere Aufmerksamkeit auf die Ausgestaltung des Frauenturnens in besonderem Maße gewandt und Frl. Lene Cohn, die im Vorstände des Deutschen Kreises dieses Ressort verwaltet, ist den Leitern und Leiterinnen unserer Frauenabteilungen mit allgemeinen und speziellen Ratschlügen an Hand gegangen. Die Mitglieder des Kreisvorstandes hatten mehrfach Gelegenheit, in unseren Vereinen Vorträge zu halten. So sprach Frl, Lene Cohn in Dortmund und Breslau, Dr. Hirsch in Köln, Königsberg und Berlin, Abraham in Berlin. Auch Herr Greife n- 11 agen stellte sich uns zu Vorträgen in Danzig und München zur Verfügung und war auch bei seinem Aufenthalt in Nürnberg für unsere Sache tätig. Im Verkehr mit unseren Vcrbandsvcrcinen hatten wir die Freude zu beobachten, daß die Antworten auf unsere Schreiben vielfach mit dankenswerter Pünkt* lichkcit cingingcn, Allerdings gaben die Schriftführer an einzelnen Orten zu Klagen Anlaß, und wir möchten unsere mehrfach ausgesprochene Bitte wiederholen, doch mich In dieser Rirlilniig dafür zu sorgen, daß dir Aktionsfähigkeit unserer Organisation nicht durch Unterlassungen einzelner beeinträchtig( wird. Insbesondere bitten wir auch die Vercinstiirnwarte, In technischen (־'ragen sieh an uns zu wenden lind wir werden diiiin In jedem Falle, so weit es in unseren Kräften stellt, ihnen mit Rat und Tat zur Seite stellen. Das Jahr P)H, das in der allgemeinen jüdischen Entwicklung eine Verschärfung der Gegensätze gebracht hat, hat naturgemäß auch unseren Vereinen manche Anfeindungen eingetragen. Unter anderem hat die Jüdische Gemeinde in Köln, die sich ja seit einiger Zeit zmn Vorkämpfer der Assimilation in Deutschland berufen fühlt, unserem dortigen Verbandsverein ihre Subvention entzogen. Der ״Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“, der früher als Vertretung des gesamten deutschen Judentums iin Kampfe um die bürgerliche Gleich- Berechtigung angesehen wurde, hat auf seiner letzten Hauptversammlung in scharfer und denun/iatorischcr Weise gegen den nationalen Gedanken im allgemeinen und auch gegen unsere Turiierschaft im besonderen Stellung genommen. Wir sind die Antwort auf diesen Angriff nicht schuldig geblichen und haben in mehreren Orten in öffentlichen Versammlungen dagegen opponiert. Das Jahr 1013 hat uns manchen greifbaren Erfolg gebracht. Vieles ist vorbereitet und wartet der Erfülluug im Jahre 1011. Wir werden die Arbeit frohen Mutes auf den Wegen, die wir als richtig erkannt haben, fortsetzen. F. A. , Anzeigen als Anzeichen Klcbevignctte vom Fenster eines Berliner Vorortzuges. Hotel Kölner Hof Judenfrei in Frankfurt a. Main Oberschlesischer Brief ln dem einsamen Schwarzwaldtale brennt die Sonne, Tannen ragen aus dem Schnee und über allen Wipfeln ist Ruh. Da flattert ein Blatt herein, das meldet, Beuthencr Gesinnungsgenossen hätten 1500 Mark gespendet, die oberschlesische Reise von Dr. B i r a m sei von großem Erfolge gewesen. Ich denke zurück. Nur wenige Wochen vorher hatte die A. J. K. O. Versammlungen abgehalten. Von der Gründüng von Ortsgruppen ist Abstand genommen worden, trotzdem Einladungen an alle Gcmeiiulemitgliedcr versandt wurden, trotzdem die glänzendsten Namen dem Komitee angehörten. Die größten oberscbiesischeu Gemeinden sind Bcuthcn und Kattowitz. In diesen Orten haben auch der Zcntralvcrciu, der I lilisvereiit und der Zionismus die meisten Anhänger. Kattowitz hat auch seine historische Bedeutung, liier tagte vor ca. 30 Jahren jene Konferenz, die der Grundstein der heutigen zionistisehen Bewegung ist, hier wurde die Agudas Isroel gegründet, hier stießen schließlich die Weltnnschauungcn des Zionismus und des Zcntralvcrcins derartig hart aufeinander, daß daraus die bekannte Zentral vereinsresolut iou entstand. In Oherschlcsieii hat sich der Zionismus kräftig entwickelt, er verfügt über 0 Mandate zum Kongreß, Bcuthcn lind Kattowitz brachten im letzten Jahre allein ca. 31/2 ".<> des deutschen Einganges für den N, F. In Kattowitz bestehen außer der Ortsgruppe ein Turn-, ein Jugend- und ein Gemeindeverein, in Königshütte eine Frnueiigruppe und ein Mädchenturnvercin, Bcuthcn stellt im Begriffe, mehrfache Organisationen zu begründen. Hier muß es ausgesprochen werden, wir haben in Oberschlesien zu wenig führende Persönlichkeiten, zu wenig Mitarbeiter. So kommt es, daß Oberschlesien noch keinen Herzl-Klub, noch keine Wandergruppe des Blau-Weiß hat. Es mangeln nur die Organisatoren. Wir, die wir in den Ortsgruppen arbeiten, sind nicht in der Lage, allen diesen Anforderungen zu entsprechen, wir haben die Werbearbeit, den Natioualfonds, den Zentralfonds, den Schekel, wir können dies alles nur dann auf der Höhe halten, wenn wir unsere ganze Kraft dazu!!ergeben. Soll aber das werden, wozu wir auf dem Wege sind, Oberschlesien der mächtigste Teil der deutschen Organisation, dann müssen alle mitarbeiten. Gesinnungsgenossen: vor die Front. H. K., Bcuthen, z. Z. Todtmoos in Baden. -\-