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Jüdische Rundschau · 1914-02-13 · Heft 7 (13.2.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 7 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ausweis Schekel: I lalbcrstadt 5, - M. LandesorganisationsbeitrUge für 1913: 1. Ortsgruppen: Berliner Zionistische Vgr- «inigung 6,—, Hannover öl),— M. 2. Einzelpersonen: L. I'riedmann, Mainz, 5,—, Wilhelm Bacr, Karlsruhe, 5,- M. Landesbcitriige für 191♦: Halbcrstadt 10, M. Propagandafonds für 19H: Eugen Oelsner, Onescn, 15,—, L)r. Michael Hoffinann, München, 10,—, Rechtsanwalt Dr. H, Epstein, Duisburg, 20,—, Dipl.■Ing. Charles Abeles, Dortmund, 20, , Dr. A, Jacobsohn, Lüneburg, 30.--, Ratihor: Karl Steinfeld 10,—, Rechtsanwalt Steiner 5,~-, Julius Wohlfarth, Heidelberg, 1. Rate, 4, —, Rechtsanwalt Alfred Lesser, Beuthen, 15,— M. Eingang vom 5. bis 11. Februar 1914: Sehek e 1: 5,— M.; Lantlesorganisationsheitrage für 1913: 70,— M.; L a « d e s b c i't rä g e 1914: 10,— M.; P r o p a ga ״ da f o 11 d s für 1914; 129,- M. Gesamteingang: Sch ekel: 337,— M.; Lautl esorganisatio n sb eitriigef. 1913: 18 262,77 Mark; Landesbeiträge 1914 : 313,— M.; Prop a g a n d a f o 11 d s für 1914: 3111,— M. Berichtigung. Der in Nr. 6 für den Propagandafonds 1914 ausgewiesene Beitrag von Dr, Wtilknberg (10,— M.) war für 1913 gezahlt. Die Addition ändert sich dementsprechend. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W36, Hinter der Katholischen Kirche 1. Offener Brief an Herrn Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Hermann Cohen in Berlin Sehr geehrter Herr Oeheiniratl Als ich letzte Woche in Nr. 1 der Monatsberichte der üroßloge für Deutschland Ihren Artikel über die Bedeutung unseres Ordens für die Harmonisierung der religiösen, sozialen und internationalen Gegensätze las, war ich, wie immer, so oft ich Ihren Standpunkt in jüdischen, Dingen kennen zu lernen das Vergnügen habe, von der im besten Sinne des Wortes jüdischethischen Art, mit welcher Sie dieses Thema hehandelten, von dem Geist der Ihnen in Ihrer Eigenschaft als Philosophen wie als Juden gleich wohl anstehenden Toleranz, auf das Höchste erfreut. Um so bestürzter war ich, als ich tags darauf in einer größeren Tageszeitung Ihre Unterschrift, hochgeehrter Herr Geheimrat, unter der antizionistischen Eminziution oder vielmehr Denunziation las. Sollte man es für möglich halten, daß ein Mann von Ihrer Autorität seinen Namen unter ein Schriftstück setzen läßt, welches gegenüber der nicht jüdischen Ocffentlichkeit einen Teil der deutschen Judcnhcit mit Acht und Bann belegt, die Bande der Gemeinsamkeit mit diesen unseren Glaubensgenossen /.errissen haben will und auf den Gebieten, welche mit Politik nicht das Geringste zu tun haben, also in sozialen Fragen und jüdischen Kultusfragen eine gemeinsame Tätigkeit mit diesen unseren Mitbrüdern ausschließen will? Von Ihnen als Kenner jüdischen Wesens und jüdischer Ethik darf ich wohl voraussetzen, daß Ihnen der herrliche Grundsatz nicht fremd ist, wonach der Einheit Gottes die Einheit der jüdischen Gemeinschaft entspricht. Und w׳enn ich es wage ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffent« lieh > rechtlich gesicherten Hcimsiiiiie in Palästina." Baseler Programm. als Nichtzionist und lediglich in meiner Eigen- Schaft als Vertreter des positiven religiösen Judentums, als Ben Berith im weiteren und engeren Sinn, an Sie die Frage zu stellen, inwiefern Sie bei Ihrer Denkungsart und Ihrer Vergangenheit bei einer solchen Aktion tnitwirken können, so schöpfe ich den Mut zu dieser Frage aus der Ueberzeugung heraus, daß unter den Unterzeichnern dieser Kundgebung kaum ein einziger Vertreter des religiösen Judentums ist, insbesondere kaum einer, dessen religiöser Standpunkt auch mit in Erkenntnis unserer heiligen jüdischen Quellen wurzelt. Mögen einzelne fanatisierte Agitatoren im Zionismus rednerisch oder journalistisch auch entgleist sein, nichts durfte doch Ihnen die Hand bieten, einem so beträchtlichen und so begeisterten Teil unserer Glaubensgemeinschaft in der Ocffentlichkeit den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Eine derartige Verleugnung des obersten jüdischen Prinzips würde einen Fanatismus bekunden, dessen ein Zionist schon infolge der Blutsgcmcinschaft mit ailcu Glaubensgenossen niemals fällig wäre. Man hat zwar die Erklärung so abgefaßt, daß man sich im Notfall damit verteidigen kann, als ob nicht die Zionisten in ihrer Gesamtheit, sondern nur gewisse agitatorisch auftretendc Elemente unter ihnen getroffen sein sollen. Es wäre dies aber, wie Sie, hochgeehrter Herr Oehcimrat, sofort zugeben werden, eine plumpe Ausrede, denn man will doch nicht die niebtjüdisehe Oeffentlichkeit in allen großen Tageszeitungen gegen ein paar einzelne Personen verhetzen, sondern es ist ja deutlich zu lesen, daß der Zionismus als solcher der Gefährlichkeit geziehen und ihm gegenüber die Blutsgcmcinschaft verleugnet werden will. Dabei ist es fast unfaßbar, in welcher Weise praktisch von den Unterzeichnern des Aufrufs die Scheidelinie gezogen werden will? Will etwa die Hinaustreibung aus Synagoge und Gemeinde, die Ausweisung aus den Vereinen und Logen als Ziel des heiligen Krieges gepredigt werden? Und richtet sieh der Appell an die deutschen Glaubensgenossen, auch weiterhin ein leuchtendes Beispiel auf allen sozialen und kultu rollen Gebieten zu geben, im letzten Absatz dieser Kundgebung auch an diejenigen, mit welchen Sic die Bande ausdrücklich zerrissen haben? Es ist tief bedauerlich, solche Fragen aufwerfen und einem Manne wie Ihnen gegenüber noch besonders betonen zu müssen, daß man eine derartige Bloßstellung von Glaubensgenossen in alter Zeit als Mesiruth (Verrat) bezeichnet hat. Ich kann Ihre Stellungnahme nicht anders begreifen, als daß Ihnen doch in der Studierstube die Entwicklung der jtmgjüdisehen Ideen in den letzten 10 Jahren entgangen sein muß; sonst müßten auch Sic, von der Heberzeugung durchdrungen, daß die Zukunft des Judentums nur verbürgt wird von der Jugend, die entweder vom traditionell-religiösen oder vom zionistischen Ideal begeistert ist, die Zumutung einen solchen Aufruf mit Ihrem großen Namen zu decken, mit Entrüstung zurückgewiesen haben. Meine unbegrenzte Hochachtung vor Ihrer Person mag Ihnen wohl der Umstand beweisen, daß unter all den Unterzeichnern der Erklärung Sic der einzige sind, mit dem mir eine Auseiltandersetzung über diese von mir als Kat»- Strophe empfundene Publikation ein Herzensbedürfnis ist. München, den 11. Februar 1914. Ihr ergebenster Dr. Emil Frankel, Justizrat. Die Flucht in die Oeffentlichkeit Von unseren Gegnern wurde es uns immer wieder zum Vorwurfe gemacht, daß wir jüdische Fragen in der Ocffentlichkeit diskutierten. Wir begnügten uns nicht mit geschlossenen Sitzungen, in denen einige wenige hervorragende Personlichkeiten über die Probleme des Judentums berieten und über deren Ergebnisse im günstigsten Falle knappe Communiques der Ocffentlichkeit übergeben wurden; wir veranstalteten allgemein zugängliche Versammlungen, zu denen durch Anschlag von Plakaten, Versendung von Einladungen und Ankündigungen in der Presse leingeladen wurde, zu denen jedermann ohne weiieies Zutritt hatte und in denen unsere Redner die Schwierigkeit unserer Lage und die Mittel zu ihrer Behebung erörterten, ohne jede Scheu, ohne Rücksicht sogar auf etwa anwesende ,Nicht- Juden. Die westlichen Juden empfanden dies unser Vorgehen zuerst als eine Störung der tiefen Ruhe, die im jüdischen Leben herrschte, einer wahren Friedhofsruhe, und schrien Zeter und Mordio über uns. Aber sie gewöhnten sich daran, daß auch ins Judentum etwas Leben und Bcwegung kam; und heutzutage gibt es kein Leben, keine Bewegung innerhalb einer nationalen Gemeinschaft ohne Oeffentlichkeit. Nun aber tritt das Antizionistische Komitee, das uns noch vor wenigen Wochen den schweren Vorwurf machte, daß wir die MeinungderAndersgläubigengegen unsere eigenen Brüder zu Hilfe/ rufen, daß wir bei inneren Streitigk cit c n jene gegen unsere jüdischen Gegner a u f z u 11 e t z e n versuchen, nun tritt dieses Antizionistische Komitee gegen uns in einer Oeffentlichkeit auf, die wir nie gesucht haben, in dem Anzeigenteil der großen Tages- Zeitungen, und schleudert uns dort zwei Anklagen entgegen, die wohl geeignet sind, unsern nichtjüdischen Mitbürgern eine Meinung von uns beizubringen, die ebenso ungünstig wie unrichtig ist; es erklärt, wir seien Feinde der Religion und Feinde dos Deutschtums. Unsere Lehre und unsere Praxis seien so verderblieh, daß sic,'The wahrhaft guten Juden, mit uns nicht einmal auf neutralen Gebieten zusammenarbeiten können. Wenn wir uns picht allein gegen den lnhalt, sondern auch gegen die Form dieses Angriffes wehren: können uns da unsere Gegner nicht Vorhalten, daß sie doch bloß dasselbe tun wie wir? Daß sie unserem Beispiel folgen? Nein! Nichts sollte uns mehr freuen, als wenn sie uns folgten; aber sie tun in Wirklichkeit das genaue Gegenteil. Wir. haben es• fjir notwendig erkannt, daß Juden, die ihr Juden-

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