Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 61 und kommt, wenn es nötig ist, auch durch berufene Vertreter /.um Wort. Man verträgt sich in diesem Kreise bei den anregenden Veranstaltungen und bclehrenden Vorträgen ganz gut. Hoffentlich bleibt es so, wenngleich der bisherige Leiter —- /u allgemeinem Bedauern — unsere Stadt verlassen hat. — Die z i o 11 i s t i s c h e J11 g e n d g r u p p e hatte ihre Weiterarbeit mit der groben öffentlichen ü o s I a r - Versammlung begonnen, über die schon bcrichtet worden ist, Line derartig gut besuchte und augeregt verlaufene Jugeudversammlung hatten wir seit Jahren nicht und sie hat eine nachhaltige Wirkuug!unterlassen. Die (iruppenleitung ist auf dem Posten. Wöcheutlieh ist eine Zusammenkunft, sei es im Kursus über ״Geschichte des Zionismus“ oder über ״die Juden der (legeuwart“. Die Mitglieder der Gruppe oder altere Freunde referieren über die von der Leitung abgegebenen Themata und cs gibt häufig interessante und belehrende Diskussionen. Die Jugcndgruppc kommt gut vorwärts in ihrem Streben, einen Stamm orientierter Zionisten heranzubilden. Unsere jungen Akademiker arbeiten in ihrer freien Zeit hier tüchtig mit und leisten uns durch ihre vorzügliche Schulung und Orieutiertheit gute Dienste. - Am 25. Dezember hatte die Distriktsleitung unsere Freunde aus Stadt und Provinz, zur Beratung zusammengenden und eine stattliche Zahl — sogar bis hoch von Westpreulien her — ist ihrem Rufe gefolgt. Heber die Tagung selbst ist schon ausführlich herichtet worden. I lervorgehohen sei aus der iuteressanten Debatte nur der Hinweis auf die prekären wirtschaftlichen Verhältnisse hier in der Ostmark, für deren Besserung immer noch wenig Aussicht besteht. Wie häufig kommt cs vor, dal! alt und grau gewordene angesehene jüdische Kaufleute in den Provinzstädtcu der Situation zwischen zwei Feuern nicht mehr gewachsen sind und, um ihre Familie zu ernähren, in die Großstadt gehen, um für einen spottniedrigen Lohn als Angestellte zu arbeiten. Der junge jüdische Angestellte hingegen findet weder bei den großen deutschen Bank-Instituten, noch bei den sich immer noch mehrenden Raiffeisen- und sonstigen Genossenschaften Stellung, von den polnischen Rolniks und Geschäften ganz .abgesehen, welche, wo sie nur irgend können, die Juden nach Warschauer System boykottieren. So wird das Judentum in den Kleinstädten ganz zurückgedrängt und früher große jüdische Gemeinden sind bis auf ein knappes Minjan zusammeng.,schrumpft. Hier tut Selbsthilfe dringend 110t und der von Goslar ausgegangeue Vorschlag der ״Wirts c h a f t s z e 111 ra 1 e“ müßte schon im Hinblick auf diese Kalamität hier im Osten mit tunlichster Schnelligkeit verwirklicht werden als Gesamtwerte aller jüdischen Organisationen, die hier tatsächlich etwas Großes und der gefährdeten Judenheit zum Heile Gereichendes schaffen könnten. Jot ha. Die kurhessischen Judengesetze Von neuem ist eine Petition der Judcnsehaft des trtiheren Kurfürstentums Hessen, jetzigen Regierimgsbezirks Kassel, betr. eine Besserung der k 11 r h e s s i s c It e 11 J ud e n ge s e t z e , dein Abgeordncteiiliaiisc überreicht worden. Sie wünscht eine Aciuleriing der kurhessisehen Judengcselzgelnmg dahin, daß 1. die Ae!teste 11 einer Synagogen-Gcmeiiule nicht wie seither von den Kreisvorstelicrn vorgeschlagen und von den Vorsteher-Acmtern ernannt, sondern von den Gemeinde-Mitgliedern auf Grund einer zu schaffenden Walilgesetzgebung g e w ä h 11 werden; daß 2. bei der Besteuerung der Gemeindeglicdcr nicht wie seither das System von 1833 zugrunde gelegt wird, sondern wie bei der Kommunal-Besteuerung die Staats-Einkommensteuer; daß 3. bei der Festsetzung des Haushalts- P I a n s der Provinzen eine Mitwirkung der Gemeinde- Vertretungen gesichert wird; daß endlich 4. die Pr o v i n z i a l - La s t e n nicht wie seither nach dem Eigen-Stcucrsoll der Gemeinden, sondern nach deren Steuerkraft umgelcgt werden, wie dies zum Beispiel bei den Land-Kirclienlasten geschieht. Die Petenten betonen, daß es sich hier nicht um reformjüdische Bestrebungen und überhaupt nicht um religiöse, sondern rein verfassungsmäßige Fragen handelt, und daß die Unterzeichner ebenso wie die kurhessische Judenschaft' überhaupt religiös zum weitaus größten Teil auf orthodoxem Standpunkt stehen. Es werde nicht eine Abschaffung der Organisation erstrebt, sondern lediglich die Besserung von Mißständen und eine Aenderung unhaltbar gewordener Bestimmungen, um die Organisation im Interesse der Religionsgemeinschaft funktionsfähig zu erhalten. AUS ALLER WELT Ausgrabungen in Palästina Aus Jerusalem vvirtl uns geschrieben: Die staatliche Zentralstelle für die Altertümer in Paliistina hat mm endlich gestattet, daß Baron Edmond de Rot 11 s eh i Dl von Paris auf Grund einer auf den Namen Anteby lautenden Konzession in der Nähe der Ortschaft Siloa bei Jerusalem Grabungen vornehmen lasse, Die he zeichnete Gegend wird von bedeutendsten Archäologen und Historikern als eine nahezu unerschöpfliche Fundstelle für palüstiiunsischc Altertümer bezeichnet. Z11111 Leiter der Ausgrabimgcn wurde Kapitän Weiß aus Paris ernannt, der in Begleitung eines Assistenten auch bereits in Jerusalem angekommen ist. Die türkische Regierung hat ihrerseits zwei Kommissäre, mul zwar den Direktor und den Vizedirektor der archäologischen Zentralstelle mit der Kontrolle der Ausgrabuugsarheiten und insbcsomlers mit der Registrierung der Funde betraut. Am 5. des türkischen Monats Tischrin wurde mit den Ausgrabungen begonnen, hei denen 120 Arbeiter, und zwar zum grollten Teil vemenitische Juden beschäftigt werden. Heber' ausdrücklichen Wunsch des Barons Rothschild werden die Arbeiten an Sabbaten und jüdischen Festtagen gänzlich unterbrociien,und auch die arabischen Arbeiter haben an diesen Tagen die Arbeit einzustellen, obgleich ihnen natürlich auch an ihren eigenen Feiertagen die Arbeitsruhe z.ugesichcrl wurde. Baron Rothschild hat in einem Gespräche die Ueherzctigung ausgesprochen, daß diese Arbeiten, welche grolle Summen vgrselilingen, sehr viel zur Aufhellung noch mancher dunklen Kapitel der Geschichte der Juden beitragen werden. Bau einer Wasserleitung in Jerusalem Im Widerspruch zu der Meldung, die wir in der vorigen Nummer brachten, stellt eine Nachricht des ״Orient“ der meldet: Die Stadtverwaltung von Jerusalem schreibt eine Anleihe von 21/3—״ Millionen Francs aus zum Zwecke der Errichtung einer Wasserleitung für Jerusalem. Diese Meidling scheint begründet zu sein, denn es wird ihr die Adresse beigefügt, an die Anträge eventueller Bewerber gerichtet werden sollen. (Btireau der ״Nachrichten für Handel, Industrie mul Landwirtschaft“, Berlin W. 8, Wilhelmstr. 74.) Es scheint, daß das so dringend notwendige Werk einer den modernen Anforderungen entsprechenden Wasser- Versorgung Jerusalems nun (loch in Angriff genommen werden soll, Ein russisches Symptom Di'e russischen antisemitischen Blätter veröffentlichten vor einigen Tagen einen offenen Brief von 72 jüdischen Studenten, die auf diesem Wege ihren Eltern miUeilteu, daß sie nicht imstande seien, den Kampf um ihre Existenz, unter den bisherigen Umständen weiter/ufülireu, iiiul daher beschlossen hätten, zur orthodoxen Kirche üher/.iüreteit. Sie fügen daran historische Betrachtungen Uariihcr, daß das Festhalten au der jüdischen Lehre eien Juden durch so viele Jahrhunderte nichts als Leiden gebracht halte und daß es nur eine vernünftige Konsequenz sei, daß sie aus dem Judentum aiistretcn. ZIONISTISCHE BEWEGUNG ־It i üGruppenvcrbandstagung Am '23, Januar fand in Chemnitz, eine Tagung des s ü e h s i s c h e 11 Gr u p p c trv e r b a n d e s statt, bei welcher die Ortsgruppen Dresden, Leipzig, Zwickau, Chemnitz, sowie der Verein jüdischer Techniker M i 11 w e i d a vertreten waren. Auch das L. A, C. sowie die Zionistische Vcrcinigütig für Deutschland hatten in der Person des Herrn Leo Herrmann, Berlin, einen gemeinsamen Vertreter entsandt. Die Tagung galt vor allem der Festlegung von Richtlinien für eine gemeinsame Arbeit aller beteiligten Ortsgruppen, in welchem Punkte auch eine Verständigung erzielt wurde, so daß nunmehr genügend Garantien für eine erfolgreiche Arbeit des Verbandes vorhanden sind. Der Frage der Jugcndabtcilungcii wurde in der. Debatte ein breiter Raum eingcriiuint. Im Laufe der Verhandlungcn wurde von Herrn Leo Herrmann ein Referat über den derzeitigen Stand des Sprachenkampfes in Palästina erstattet. 111 den Vorstand des Verbandes wurden Mitglieder aller beteiligten Ortsgruppen gewählt und als Vorort des Gruppenverbandes wiederum Chemnitz bestimmt. Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Wir sind in der Lage, den Ortsgruppen eine Serie von Lichtbildern über ״Jüdische Kunst und Künstler“ mit einem dazu gehörigen Vorträge gegen eine kleine Gebühr leihweise zur Verfügung zu stellen. Die bisherigen Vorführungen, u. a. in Königsberg und Posen, haben dargefan, daß diese Vorführung ein sehr gutes Propagandamittel darstellt, das wir allen Ortsgruppen aufs beste empfehlen können. Wir ersuchen die Ortsgruppen, Be- Stellungen so bald als möglich an uns gelangen zu lassen. * Vorträge. In Thüringen hielt Dr. Heinrich Loewe Lichtbihlervorträgc in den Städten Erfurt, Gotha und Eisenach, in Westfalen in einer grollen Bezirksversammlung des jüdischen Gcschichtsvercins in Gütersloh und Oelde, ferner in einer vom Jüdischen Jugendbund einberufenen Versammlung In Bielefeld. In Heid eiberg hielt derselbe Redner in einer vollbesetzten Studcntenversammluiig einen groß angelegten Vortrag über die Gründung einer hebräischen Universität /11 Jerusalem, an den sieh eine interessante Diskussion ansihloll, an der besonders die Herren Gold manu und Sehochetjnann außer dem Referenten tcilnahmcii. Mitteilungen der deutschen Landessammelstelle des J. N. F. Wir veröffentlichen m dieser Nummer die Statistik über die Eingänge für den Jüdischen Nationalfonds aus Deutschland im Jahre Id 13. Eine Besprechung der Ergebnisse folgt in der nächsten Nummer. Bezaiel-Teppiche Wir machen unsere Freunde darauf aufmerksam, daß es uns durch zweckmäßige Organisation des Betriebes gelungen ist, die Herstellungskosten derart zu reduzieren, daß unsere künstlerisch hochwertigen Teppiche dank der Ausschaltung des Zwischenhandels obendrein bereits billiger sind als gleichwertige Er- Zeugnisse anderer Herkunft. Die Qualität ist imübertrefflich. Ein hekauter Fachmann der Brauche äußerte sieh hierüber neulich: ״Ihre Teppiche sind j n f ii r Jahrhunderte berechnet, so a rbeit e n wir heute gar nicht mch r." In keinem gutjüdischen Hause sollte ein Be/aicl-Teppich fehlen. Erhältlich in allen Größen. Bei Aufträgen uns unbekannter Besteller erbitten wir eine angemessene Anzahlung. Adressen: Werkstätten ״Bczalel“ G. m. b. H., Jerusalem, oder Verein Bezalel (E. V.), Bcrlin W. 15, Bleibtrenstr. 31/35. Die Palästina-Fahrt Im Frühjahr Fiir die am 2. April stattfindende Palästina-Ocsellschaftsfahrt hat sieh bereits eine große Zahl von Teilnehmern aus allen Ländern gemeldet. Diese Reise ist eine allgemein jüdische und nicht auf T e i 111 e h 111 er ei 11 e s L a 11 d e s b c s c h r ä ti k t. Die Fahrpreise sind besonders ermäßigt (40״;״), und zwar: Schnelldampfer Triest Palästina und retour I. Kl. Kr. 551,02; II. Kl. Kr. 387,2(*; III. Kl. (ab Alexandrien II. Kl.) Kr. 217,10. Bei der Riiekfahrt wird ein dreitägiger Ausflug nach Aegypten arrangiert. Kosten des Aufenthaltes in Palästina: Kr. 400, , in Aegypten: Kr, 05, , Da die Zeit sehr vorgerückt ist, ist es erforderlich, daß diejenigen, die noch teilnchinen wollen, sieh ehestens anmcklcn. Die Anmeldung zur f ahrt erfolgt durch die Debcrweisung der Hälfte lies Schifffahrtspreises au den ״jüdischen Nation,*dfonds, Konto Palästina-Inforinatioiisbureaii, Wien II, Karmeliterplatz. I“, und die Anmeldung zum Programm des Aufenthaltes in Palästina mul Aegypten durch die Anzahlung von Kr. 100, als Angabe bei der ״Unionbank“, Wien, Konto Angln Palcstinc Go., Jaffa, für Sachs. Die restlichen Beträge müssen bis spätestens 10. März 101 I eingc/alilt werden. Auskünfte und ausführliche Prospekte beim Pa- Instina-Infoiinatioiisliiireaii des Zionistischen Actions• Comites, Wien II, Kanneliterplatz I. TURNEN und SPORT Berlin. Die IV. F r a u e n a b t c i I u 11 g des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba, die ihre Turnstunden au jedem Montag Nachmittag von 5-!/7״ Uhr in der städtischen Turnhalle am Schicswiger Ufer 14 (in der Nähe des Bahnhofs Bellevue) abhält, bietet in erster Linie verheirateten Damen Gelegenheit zu gesunder turnerischer Uebung- In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat sich die Abteilung ju erfreulicher Weise entwickelt; der Besuch der ,Turnnachmittage ist regelmäßig und der Eifer der Turnenden erfreulich. Weitere Anmeldungen werden jeweils auf dem Turnboden entgegengenommen. Auskünfte erteilt das Büro des Bar Kochba, Berlin W. 15, Bleibtrcustraße 25. Fernruf Steinplatz 83SI. Berlin. Der jüdische Ruder-Klub ״Ivria“ hat im verflossenen Jahre mit Eifer und Erfolg gearbeitet. Aus der Vereinsgeschichte 1013 heben wir die zweite jüdische Regatta und die Kongreßfahrt von Regensburg nach Wien hervor, deren Verlauf dem Sportsgeist der Ivria-Lcute alle Ehre machte. Im ganzen sind 22 368 km gerudert worden; die folgenden acht Mitglieder haben über 1000 km im Boot zurückgelegi: Rfdr. Hirschfcld 1622 km Mandclbautn 1 1575 km, S. Hirschfeld 1278 km Wolff Ul 1241 km, Hermann 1167 km, Dr. Schwabe 1111 km, R.-A. Exilier 1055 km. Die äußere Ent- Wicklung des Vereins ist befriedigend; unsere Fortschritte würden aoer noch weit erheblicher sein wenn der Gedanke der körperlichen Ertüchtigung■ in allen zionistischen Kreisen stärkere Resonanz fände. (Fortsetzung auf Seite 63.)! I ) | j fj || 1 I