Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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״׳! 1 Abonnements *uf dl« wöchentlich «m FrciUg■ »r- I achtinrtitie ,,Jüdische Rundachau“ | kosten bei der Expedition und bet | a»!en Featmntem vierteljährlich 1,50M., ן «uflerliotb Deutschland• und Oester- ־ reich-Ungarn» 2,— M.J für Mitglieder jüdischer Verein« im Snmmclbcxug durch den Verein 1,— M. Jüdische Rundschau, G, m. b. II. BERUM W. 15, SüchsUche Straße». TeltpKtoni Amt Uhlnnd 8868 ,816 ,15־. Posfeieheckkonloi Berlin Nr. 17392. <»■״<״■■»׳ Aj i 1 v \ o fp p. n ־ r\ n \r ח חי ר c t ־ י Mi ■ י * ( י! כ.V ע־■'.. V ..ין(ך) c.)t. ..!> u Anzeigen lernten für die ■cchsgespalten« Petit- *cilo oder deren Raum 40 Pf.j Stellen« Angebote und •Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und «Kleine Anzeigen“ O O O 0 nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto Wdiegt, stets *urütkgrssndt. Redaktionsschluftt Mittwoch vormittags. Redaktion Jüdische Rundschau BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8. Telephon: Amt Uhland 8868 ,846 ,15׳. Postscheckkonto 1 Berlin Nf. 17392. crilll t'I . * , J7m * Nummer 6 Berlin, den 6. Februar 1914 — 10. Sch’bat 5674 XIX.Jahrgang. Ausweis Lanilcsorganisationsbeiträgc für 1913: Ortsgruppen: Cliemnit/ 3,—, Herl. Zion. Vereinigung 33,—, Lissa 15 -, Wiesbaden 25,— M. Schekel! Berlin 3,—, Halberstailt 5,—, Frankfurt a. M. 1(),—, Luxemburg 3,— M. Landesbcilriige 1914: Frankfurt a. M, 57,— M. Propagandafonds 1914: Chemnitz: l)r. W. Fraenkil :Ml,—, Jacob Pfeffer 10,- M. Berlin: Einzelbeitrag 3,—, Dr. Weilknberg 10,—, Leo Barth 5,—, Ilr. Salingcr-Bucli 5,—, Dr. M. Eriedliiudcr 5,—, Adolf Graupe 10,—, Gustav Domker 5, -, Referendar Carl Sternbcrg (K. Z. V.), Jastrow 20, . J. Wistinetzki, Alleiistein 10,—, Eugen Oelsner, Cmcscn 5,־-, Rechtsanwalt Dr. Meyer, Lübeck 10.—, Eil. Deutschliimler, Königsberg 5,—, .Dagobert Walter, Elberfeld 12,—, Dr, Albert Strand, Depeuau 25,. M. Eingang vom 31. Januar bis 4. Februar 1914: Landesorganisationsbeiträge 1913: 76,-— Mark. Schekel: 27, M. L a n 11 c s b c i t r ä g c 1914: 57,— M. P r o p a g a 11 d a f o n d § 1014: 170,— Mark. Gesainteinganß: Landesorga 11 isntionsbeitrüge 1913: 18 176,77 M. Schekel: 332,- M. Landesbeiträge 1914: 333,— M. Propaga n d :1 f o 11 tl s 1914: 2902,-- M. Berichtigung. In Nr. 4 sind unter Propagandafonds 16,— M. ausgewiesen, die nicht für diesen Fonds bestimmt waren. Die Addition ist dementsprechend geändert worden. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Dr. Nathans Rücktritt Bereits in der vergangenen Woche brachte die ״Häzephirah“ (Warschau) lind der ״Jewish Clironicle“ Meldungen von dem Austritt der Herren James Simon und Dr. Paul Nathan aus dem Kuratorium des Technikums. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, treffen diese Nachrichten zu. Der Rücktritt der beiden Führer des Hilfs- Vereins und Vorkämpfer im Kampfe gegen uns hat• große Bedeutung. Hatte Dr. Nathan keine Rücksicht darauf genommen, daß das ganze junge Palästina gegen seine Zumutungen Stellung nahm, hatte er es für nichts geachtet, daß die Judenheit aller Länder seine Haltung verurteilte, hatte er verhältnismäßig gleichgültig zugesehen, wie die Hilfsvercinssdiulen Lehrer und Schüler verloren und ein Werk von vielen Jahren in Brüche ging, so konnte er sich doch der Erkenntnis nicht verschließen, daß die Körperschaft selbst, deren Geschäfte er im Ehreuamte führt, ihm ihr Vertrauen entzogen hat. Die amerikanischen Kuratoren haben einen Konipromißvorschlug gemacht, der den berechtigten Ansprüchen des Hebräischen Reellnung trägt, Um aber deutlich kundzugeben, daß sie Dr. Nathans Auffassungen nicht teilen, verlangten sie, daß die zionistische Organisation um ihre moralische und materielle Unterstützung und die ausgetretenen Kuratoren, Dr, Tschlenow, Dr. Levin und Achad Haam um ihren Wiedereintritt ersucht werden sollten. Die russischen Kuratoren erklärten die verhängnisvollen Oktobcrbeschlüsse für sachlich und taktisch verfehlt und verlangten ihre Revision. Unter solchen Umständen blieb freilich den beiden Herren nicht viel anderes übrig, als ihre Aemtcr dem Kuratorium zur Verfügung zu ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina.״ Baseler Programm. stellen. Gleichzeitig gaben sie die telegraphisehe Anordnung nach Haifa, die Arbeiten am Technikum einzustellen. 65 jüdische Arbeiter wurden entlassen, das Technikum, das am 1. April eröffnet werden sollte, steht unvollendet. Herrn Dr. Paul Nathan wird es vielleicht jetzt etwas beklommen zumute sein. Er hat sein wohlerworbenes Ansehen arg geschädigt, sich selbst um die besten Früchte seiner Arbeit gebracht; die Hämmer, die er zum Segen des Judentums in Bewegung gesetzt, ruhen, da er seines Zwecks vergessen hat. Indessen geht die Arbeit derer rüstig weiter, die für die Neubclcbung unseres Volkes, unsorcs Landes, unserer Sprache cingctrctcn sind. Die neuen hebräischen Schulen sind im Gange, die besten Lehrer haben sich ihnen zur Verfügiing gestellt. (In Jerusalem sind von 41 Lebrern 13 dem Hilfsverein geblieben, in Jaffa einer von 10, in Haifa einer von 5.) Die zionistische Organisation hat im Gefühle der Verpflichtung, die neuen Schulen materiell zu unterstützen, einen Appell au die gesamte Judenheit gerichtet: und die Antwort hat selbst uns, die geborenen Optimisten, überrascht. In wenigen Wochen sind große Summe zusammengekommen; sechs Ausweise der ״Welt“ quittierten über fast 120000 M. Man sage nicht, dies sei bloß Geld: wer hier Geld gibt, zeigt, daß er mit uns empfindet. Für unsere Sache gibt niemand, weil andere mit großen Namen und Titeln geben, niemand, weil es zum guten Ton gehört, zu geben; sondern für unsere Sache geben selbst Gegner, die von der Kraft des auch in ihnen lebenden jüdischen Gefühls g e z w u!1 g c 11 werden, zu geben. Mancher unserer Gegner hat uns unsachliche, persönliche Kampfesweisc vorgeworfen, hat uns getadelt, daß wir so eminent verdiente und angesehene Männer nicht schonten. Dem Judentum in der Zerstreuung ist eine Auffassung menschlicher Dinge und allgemeiner Interessen in Fleisch und Blut übergegangen, die auch aus diesen Einwänden spricht. Zwar sagt man oft, die Juden seien ein demokratisches Eiement; in Wirklichkeit aber sind sie ganz erfüllt von unbesicglichein Autoritätsglauben. Das hat manches Gute; aber wenn ein ״Maßgebender“, eine ״Spitze“ zeigt, daß sie das Vertrauen des Volkes nicht oder nicht mehr verdient, erscheinen den meisten Juden diejenigen, welche die Tat- Sachen beim Namen nennen, als Revolutionäre, als Bilderstürmer, als zügellose grobe Flegel. Wenn Dr. Paul Nathan, statt sich sachlich mit den Prinzipien auseinanderzusetzen, die er bekämpft, einzelne Dinge, die ihm passiert sind, den Zionisten in die Schuhe schiebt, wenn er die ganze deutsche Presse auf die Zionisten losläßt und dabei mit scharfen, ja beleidigenden und schmähenden Ausdrücken nicht spart, so ist das doch immer der verdiente Dr. Nathan, der so viel für das Judentum getan hat, der, wie ein Blatt bemerkt, sogar der beste Kenner Palästinas ist. Wenn aber wir fcststcllcn, wieviel von Dr. Nathans Behauptungen der Prüfung standhält und wieviel nicht, sind wir respektlose Menschen, denen nichts heilig ist. Zum Glücke hat die Welt bereits entschic• den, auf wessen Seite das Recht ist und auf wessen Seite der erfolglose Wunsch, ein in Trümmer gegangenes .Ansehen zu benützen, um offenbares Unrecht zu decken. Die Niederlage Dr, Nathans läßt sich aber nicht mehr bemänteln. Auf die Meldung der ״Neuen Jüdischen Korrespondenz“ von dem Rücktrittc der beiden Herren hat James Simon der ״Vossischcn Zeitung“ eine Erklärung gesandt, die, so sehr gewunden sie ist, doch ein deutliches Bekenntnis bildet. Sie lautet: ״Die in der Sitzung der amerikanischen Kuratoren am 18. Januar gefaßten Beschlüsse erschienen Dr. Nathan und mir nicht annehmbar, insbesondere waren wir nicht geneigt, dem Ersuchen, ׳ mit den ausgeschiedenen zionistischen Kuratoren Dr. Schmarja Levin und Dr. Tschlenow aufs neue in Verhandlung zu treten, zu entsprechen. Wir hielten dies unvereinbar mit unscrcr Würde und Selbstachtung und gaben unserer Ansicht Ausdruck, daß unter diesen Verliiiltnisscn unser Rücktritt geboten sein würde. Darauf hat Herr Jacob H. Schiff seither dringend an uns appelliert, daß wir uns nicht zurückziehen möchten und ein Weg zur Verständigung gefunden werden müßte. Die für den 22. Febnuu unberufene. KuraU,1iamssit/ung wird Kairung schaffen.“ Wir wollen die merkwürdigen Widersprüche nicht betonen, die zwischen dieser und der wenige Tage vorher im ״Berliner Tageblatt“ erschieneneil Erklärung Dr. Nathans bestehen. Im ״Berliner Tageblatt“ erklärte Dr. Nathan auf Grund einer teilweise durch Uebersctzungsfchler ziistandcgekonimeucn Interpretation, der Bc- Schluß der amerikanischen Kuratoren ״entspreche durchaus den bisherigen Absichten des Kuratoriuins;“ in der ״Vossischen Zeitung“ erklärt James Simon, die amerikanischen Beschlüsse erscheinen ihm und Dr. Nathan nicht annehmbar. Im ״Berliner Tageblatt“ macht Dr. Nathan dem zionistischen Prcßburcau den schweren Vorwurf, daß es Herrn Jacob H, Schiff als Mitglied des Kuratoriums bezeichnet; in der ״Vossisclien Zeitung“ legt Herr James Simon den größten Wert auf eine Acußerung des Herrn Jacob H. Schiff in einer Sache, die eine interne Angelegenheit des Kuratoriums ist. Wir wollen auf all das keinen zu großen Wert legen. Wer seine Sache verloren gehen sieht, wehrt sich, wie‘ er kann. Wir wollen auch nicht hervorheben, daß es nicht Prinzipien-, sondern Personenfragen sind, die den Herren Simon und Dr. Nathan an den amerikanischen Be- Schlüssen am meisten wehtun. Wir möchten nur die Hoffnung aussprechen, daß Dr. Nathan auch in dieser Sache dereinst so denken möge wie er früher zu denken pflegte: freiheitlich, demokratisch. Und daß er die falschen Infonnationen, die vermutlich viel zu seiner Verblendung beitragen, erkennen lerne als das, was sic sind. Wenn er allerdings glaubt, seine Position stärken zu können, indem er sich ganz und gar den Antizionisten verschreibt, wenn er glaubt, es fördere seine Sache, daß er seine persönliche Meinung gegen alle positiv jüdischen Bestre״ bungen durchsetzen will, dann ist er im Irrtum. Die jüdische Geschichte kennt einen Großen, dessen Herz sich trotz aller Wunder nur immer verstockt hat; aber der Erfolg war nicht auf seiner Seite, H.