Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1914)
- Date
- 1914-01-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 38 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 4 AUS ALLER WELT Die jüdische Universität In Jerusalem Ain (>. und 7. Januar hat der Arbeits-Ausschuß für die Universität iu Jerusalem im zionistischen Zen■ tralbureau zu Berlin seine ersle Sitzung ahgchnltcn. Der Arbeits-Ausseliuli besteht ans dem Engeren Acfions-Comite der zionistischen Weltorganisation und den Herren Ingenieur Ussischkin (Odessa), l>. W o 1 f f s o h 11 (Köln a. Rh.) und Prof. W e i 1 m a n n (Manchester). Es wurde Bericht erstattet über die Entwicklung der Vorarbeiten seit dem letzten Zioiiistenkoiigrcß, insbesondere über die Verhandlungen betreffs Aukaufs des Bauplatzes und die Propaganda in den verschiedenen Ländern. Als Ergebnis der Verhandluu* gen seien hier folgende Beschlüsse veröffentlicht•. Der Arbeits-Ausschuß beschließt zur Aufbringung der erforderlichen (ieldmittel die Bildung einer hesonderen Oescllschaft. Die Einzahlung der gez.eichliefen Beträge soll ratenweise erfolgen. Ucber den Bauplatz und die Statuten wurden keine endgültigen Beschlüsse gefaßt. Der Äusscluiß beschließt, schon jetzt Lehrkräfte für die Universität ausfindig zu machen, die neben ihrer wissenschaftlichen Befähigung auch den Anforderungen an dis Kenntnis des Hebräischen genügen könnten. Der Ausschuß hält cs für notwendig, sich mit der hebräischen Sprachkommission in Jerusalem ins Einvernehmen zu setzen zum Zwecke der Festlegung einer hebräischen Terminologie für die vcrschie־ denen wissenschaftlichen Gebiete. Es wurde beschlossen, die Vorarbeiten für die Universitätsbibliothek zu beginnen und schon jetzt in Aussicht gestellte Bücherspenden entgegenzunehmen. Es wurde ferner eine umfassende Propaganda in Wort und Schrift beschlossen. Die Zentralstelle für sämtliche Angelegenheiten der Universität bildet das Zionistische Zentralhurcau in Berlin, es sollen jedoch angesichts der verschiedenen Arbeitsbedingungen in den einzelnen Ländern Bureaus gegründet werden. Sämtliche Beschlüsse sollen der nächsten Sitzung des Großen Actions-Comites vorgelegt werden. Beiüs auf der Reise nach Palästina Der im Kiewer ftitualmordprozeß freigesprochene Mendel B e i I i s hat vorige Woche mit seiner Familic Rußland verlassen und ist über Galizien und Wien nach Triest abgercist, wo er sich nach Jaffa cinschiffen wird. Er gedenkt sich dauernd in Palästi113 als Landarbeiter niederzulassen. In einem Gespräch mit einem jüdischen Journalisten erklärte Beilis, die Nachricht, daß Baron Rothschild für ihn in Palästina ein Stück Land gekauft habe, sei falsch. Um Beilis vor Belästigungen zu schützen, wurde sein Aufenthalt in Wien geheim gehalten, und die Wiener Zeitungen berichteten darüber erst nach seiner Abreise. Dagegen wurde der bedauernswerte Mann in Galizien auf allen Bahnhöfen von großen Mensehenmassen umringt und konnte sich des Ansturmes der Gratulanten und ,Interviewer“ kaum erwehren. Aut den größeren Baunhöfen wurden ihm feierliche Empfänge bereitet. Audi im Eisenbahnzug, in dem die Familie Beilis fuhr, drängten sich die Mitreisenden, um Beilis sprechen und beglückwünschen zu können‘. Anzeigen als Anzeichen Aus der ״Breslauer M 0 rgc n •Z c i tu 11 g“ vom 8. Januar 1914: ♦ ♦ lg. Mann, ♦ ♦ 25 Jahre, ji'ul.. cliristl. Aussehen, w. sieh zu verheiraten. OlTorten unter 0 13!f Bxped. d. Ztg. ichkeit zu z auf zuso wie den Ueiiieiiuicseltttku .um! Wukeithäuseni der jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt werden soll, glaubt der Bar Kodiba ein Recht darauf zu haben, sieh an die jüdische Ocffehtl wenden, um die Mittel für seinen •Sportplatz a bringen. Seine Einrichtung gehört an sich ebenso wie die f'rrichltilgt von Turnhallen oder wie die von Krankenhäusern zu den Aufgaben der jüdischen Gesnmflieit. Da diese die Errichtung des Sportplatzes der Initiative eines einzelnen Vereins überlassen hat, ist sie vcipflichtet, diese wenigstens durch Hcrgabc von Mitteln zu unterstützen. Hier wird ein Werk unternommen, das von größter Bedeutung sein wird für die Stellung, die die Juden in Berlin im Sportleben und, bei der stets wachsenden Bedeutung des Sports, iu! öffentlichen Leben Berlins cimielimeii werden. Der Har Kochbii hat einen besonderen Sportplatzfoiuls gegründet, der bisher einen Bestand von ca. 2000 M. aufweist, aber etwa auf das Zehnfache dieses Betrages gebracht werden muß. Die Verwattung des Fonds hat der zweite Vorsitzende des Bar Kocliha, Herr Carl Sobersky, Berlin SW. 08, Hollmannstr. IS, 1 übernommen. Alle Spenden, die wir auf eins der beiden nachstellenden Konten zu überweisen bitten, werden vorerst durch die Mitteilungen des Jüdischen Turnvereins Bar Kocliha, Berlin, spater insgesamt öffentlich ausgewiesen werden. Bank-Konto: Dresdner Bank, Carl Sobersky, Depositenkas.se G, Lindenstr. 7. Postscheck-Konto: Carl Sobersky, Berlin 18 282. Berlin. Im ״jüdischen Ruderklub Ivria“ ist die Wiiiterarbeit im vollen Gauge: Jeden Montag ab 0 Uhr finden im Realgymnasium zu Groß-Licht erfckle-Wcst, Dr.ikcstraße, Basshirudernbende, jeden Donnerstag ab SV.׳ Uhr in der Turnhalle zu Charlottvnburg, Pestalozzistr. 80 (Balinhf. Savigiivplatz), Tummul Lcichtathletikabendc statt. Ein Zyklus von Vorträgen, die alle 14 Tage stattfinden, führt die Milglieder in die grundlegenden Fragen des Natiimaljiiilciitums und des Zionismus ein. Daneben kommt die Geselligkeit m sonntäglichen Aus- Bügen und gemütlichen Zusammenkünften zu ihrem Recht. Zuschriften werden an Herrn Arthur Hirschfeld, Berlin NW., Wikinger Ufer 1, erbeten. Woche vorher noch der Zentralverein da» I oka habt habe. Es ist jetzt schon längere Zeit gvver- AUS DEN A׳IC J״»i- TURNEN und SPORT Jüdischer Sportplatz Der jüdische Turnverein Bar Kochba, der jetzt!6 Turn- und Sport-Abteilungen mit ca. 750 Mitgliedern zählt, erstrebt die Erziehung der jüdisehen Jugend Berlins zu kraftvollen, selbstbewußten Menschen. Unsere bisherigen Erfolge haben viel zu der stetig wachsenden Achtung vor dem sportlichen Können der Juden beigetragen. Ein großer, gut eingerichteter Sportplatz soll der gesamten jüdischen Jugend Berlins die Möglichkeit einer weiteren, zielbewußten Ausbildung gewähren. Der Bar Kochba hat jetzt mit einer städtischen Körperschaft einen Pachtvertrag über ein Gelände abgeschlossen, das von allen Gegenden Berlins aus schnell und billig zu erreichen ist. Die Einrichtung des Platzes nach den Anforderungen des modernen Trainings erfordert erheblich größere ׳Geldmittel, als sie lediglich die zumeist im jugendlichen Alter stehenden Mitglieder eines Turnvereins beibringen können. Da der Bar Kochba die einzige Organisation ist, die den jüdischen Namen im Berliner Sportlebcn vertreten hat, und da der Sportplatz nicht nur eine Angelegenheit eines einzelnen Vereins ist, sondern auch anderen sporttreibenden jüdischen Jugendorganisationen ebe Berlin. Am 1. Januar fand in der Bezirksg r u p p e R o s e n t h a I e r Vorstadt- G c s 1111 d * bruiincn des N.J. G. V. eine C 11 a n u k a 11 f e i e r statt. Nachdem Herr Kantor Blitz in kurzer, begeisterte!• Ansprache auf die Bedeutung lies Clinmikalifcstcs itingcwieseii hatte, erstattete I lerr Rechtsanwait 11 e i I b r 111! 11 ein Referat über seine Wauderiing durch Palästina. An den Vortrag schloß sich■ ein gemütliches Beisammensein, Eine Anzahl neuer Mitglieder trat der Gruppe bei. Berlin. Die Moses M c nd c I ss oh 11-T 01c» r a n z -S t i f 11111 g au der Lehranstalt für die Wissenschaff• des Judentums hat im vorigen Jahre zwei Preise von 20011 M. und 1000 M. für eine Arbeit ״D er T 01 e r a n z g e d a 11 k c i 11 d er deutsche 11 Literatur zur Zeit Moses Mendelsso 11 us“ ausgesetzt. Die Verteilung der Preise ist jetzt erfolgt; den ersten [,reis erhielt unser Gesinnimgsgeiiossc Dr. Alfred Wolff, Berlin, den zweiten Preis Herr Professor Dr. Horowitz, Cliarlottciihurg. Berlin. Im Israelitischen Fortbiidungsverein Herr Rabbiner Dr. Lieberdem 28. Januar, pünktlich ״Mont cf iore“ wird mann;111 Mittwoch. ׳. ־-׳ ־־ I ".. 9 Uhr, im großen Saal des Burgliotels, Burgstr. 20, einen Vortrag über das Thema ״Die Ent wie kl u u g s l e 11 r e u 11 d d i c j ü d i s c 11 e T r a d i t i o n“ halten. Gäste, Damen und Herren, sind lierzlichst willkommen, Berlin. Der Verband für jüdische W o 111 f a 11 r t s p f 1 e g e veranstaltet am 29. jamiar, 8 Ulir abends, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4, seine 3'S. I)clegicrtc11vcrsa1nmlu11g, iu der ein Vortrag über: stattwillvon Frau Paula Ollcndorff aus Breslau 1>?) ü d i s c 11 e soziale H i I f s a r b c i t“ findet. Der Eintritt ist frei, Gäste herzlich kommen. Zabrze. Die Kämpfe im dcütstheu Judentum finden ihren Widerhall in der Provinz. Es sind da besonders die Bne-ltritli-Logeii, wo die Zionistenfeindseliaft ein ebenso zähes wie verschwiegenes Dasein führt. Die hiesige Veritas-Loge hat sieh letzthin neue KUibräume zugclegt, dazu gehört auch ein netter Saal, der für jüdische Veranstaltungen kostenfrei liergegebeii wird. Als dort jüngst der Zentralverein eine Versammlung abhielt, faßte sich auch die Zionistische Ortsgruppe ein Herz und bat um Ueberlassung des Lokals zur Veranstaltung eines Vorträges über den Wiener Zionislcnkongreli, welchen, nebenbei bemerkt, ein Logenbruder halten sollte. Diese kiiiffliche Angelegenheit wurde nicht von den! Präs(- deuten erledigt, sondern vom liaiiskoiiutee an einige Brüder abgegeben, welche die Zionisten davon verstiindigten, daß das Lokal für politische Zwecke nicht hergegeben werden könne. Diese politische Antwort hat unsere Ortsgruppe jedoch nicht znfriedengestellt, und wir wagten die Rückfrage, seit wann ’ dieser ..-.•v. ■״».» io» j v * *.» OHIO” U1"K‘1V *“Vll *Gl strichen, ohne daß eine Antwort cingelaufcn ist, sie wird wohl auch nicht koimnni, und unsere Angelegenheit scheint zu den Dingen zu gehören, welche durch Liegenbleibeu erledigt zu werden bestimmt sind. IWc Veritas-Loge trägt jedoch nicht Scheu, junge Akademiker und andere zahlungsfähige Leute, die kürz* lieh von auswärts hierher gezogen sind, zu crinutigen, sich ihrem Bruderbuiide aii/usclilicßcu, obgleich diese I lerren als gesinmiiigstrciie Zionisten bekannt sind. Wir sind überzeugt, daß sie damit kein Glück haben wird. VEREINS-RUNDSCHAU Berlin. Das Bureau der Berliner Z i 0 11 i s t i s c 11 e n Vereinigung befindet sich in Berlin SWfiS, Friedrichstr. 49. Uurcauzcit 9—5, Tel. Zentrum 11 289. Alle, Anfragen, Briefe usw., die Berlin betreffen, sind an das Bureau zu richten. Berlin. Junge Mädchen, die bei der zionistischen Arbeit in Berlin helfen wollen, werden gebeten, sich bei dein Bureau der B. Z. V., Friedrichstr. 49, zu melden. Berlin. Am Sonnabend, dem 24. Januar, 9 Uhr abends, wird Herr Handclsrcdakteur Flans Goslar im Verein ״Ihria 11", Hotel Frühling, Münzstr. 8, einen Vortrag über den wirtschaftlichen Niedergang der Juden in Deutschland halten. Nach dem Vortrag findet ein gemütliches Beisammensein mit Deklamationen und Vorträgen statt. Gäste, Damen und Herren, sind herzlich willkommen. Berlin. Am 25. Januar 1914, 4 Uhr nachmittag«, veranstaltet die III. Frauenabteilung des jüdischen Turnvereins Bar Kochba ihr zehnjähriges Stil• tungsfest in Ncumanns Festsälen, Rosenthaler Straße 36. Berlin. Der letzte Abend des Palästina- Kurses findet am 29. •Januar statt. Herr Dr. E. T schien« w spricht über ״Die moderne Entw i c k 1 u n g P a 1 ä s 1 i 11 a s.“ Berlin. Am Dienstag, dem 5. Februar 1914, findet in Havcrlands Festsälen, Neue Friedrichstr. 35 (nahe Bahnhof Börse), abends um 8'׳! Uhr, eine Mit* g I i e d e r - V e r s a m m I u n g der Berliner Z i o ־ nistischcuVcreinigung mit folgender Tages- Ordnung statt: 1. Vertrauliche Mitteilungen über den Stand des Sprachcnkoufliktcs in Palästina. Referenten: die Herren Dr. II a 111 k e und Dr.Goldbcrg, 2. Die Aufgabe« der B, Z. V. Referat und Diskussion. 3. Sta* tuteneiitwurf. — Der Eintritt ist nur Mitgliedern der B. Z. V. unter Vorzeigung der Einladungskarten gestattet. Berlin. Jüdischer Frauenbund für T ti rn e n und Sport: Der I f f t u s M a s k c 11 - hall findet am 28. Februar in den Gesamt-Festräumen des Brüder-Vercins statt. Die befreundeten Organisationen werden gebeten, über diesen Tag nicht anderweitig zu disponieren. Berlin. Der Jüdische Turnverein Bar Kochba veranstaltet seinen Purimball am 7. März, in den Räumen der ״Ressource zur Unterhaltung“, Oranienburger Straße 18. Der Reinertrag des Festes fließt dem Fonds unseres Sportplatzes zu. . Breslau. Sonnabend, den 21. Januar, 9 Uhr: Verein der zionistischen Jugend, Kursus: Jüdische Geschichte bis zur politischen Emailzipatioii in Deutschland. — Vorher, 8 Uhr, Ver- Sammlung der Fraueiigruppc. Thema: Lilien. Ort: Zimmer des ller/lklubs, Museiimsplatz. 15. Kattowitz. I)er Zionistische G r u p p e 11 verband Obcrsclilesicn veranstaltet am Sonntag, dem 1. Februar, nachm. I Uhr, in Kattowitz, Saal der Reiclishalle, eine große öl f entliehe Volksversammlung mit einem Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Thon aus Krakau: ״Der Pa■ z;1, 1 .״ ■;; n : v. 1 11er ciw.i 131m in, Grunds.Uz sieh m Geltung beimde, da doch die als Jahresbeiträge 11 e b r ä i s c 11 e S p r a c 11 e n k a m p f lästina“. — Die oberselilesisclien Gesinnung«• genossen, sowie die Zionisten aus den russischen und österreichischen Grenzdistrikten werden zur Teilnahme aufgefordert. — Gäste haben freien Zutritt. , Leipzig. Auf Einladung der hiesigen Zionistisehen Ortsgruppe sprach am 17. Januar 1914 Herr Dr. Schmarja Lcvin, Mitglied des Engeren Adions- Comites, iu der Aula der Höheren israelitischen Schule vor mehr als 1000 Personen über den ״Spraeilen kampf in Palästina“. Seine Ausfiuiruagen wirkten hinreißend auf das allen Gesellschaftskreisen entstammende Publikum. Zum Schluß durchbrauste ein gewaltiger Beifallssturm den mächtigen Saalbau. Eine Kundgebung für den zionistischen ücdanken ist hier zustande gekommen, wie sic Leipzig so wuchtig Und imposant bisher noch nicht gesehen hat. Im intimen zionistischen Kreise gab sodann der verehrte Redner noch einige wichtige Mitteilungen über die Zukunft des hebräischen Schul Werks. Die Sammlungen in Leipzig haben bereits begonnen und nehmen einen vorzüglichen Fortgang; cs wurden bisher etwa 1500 M, gezeichnet, der größte Teil davon Der bleibende Wert von Dr.