Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1914)
- Date
- 1914-01-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Solle •8 Nr. a/8 ו RunancriAU ב:: 3■!kc!;;׳ r;;׳ gezeigt werden! u snüCica er. der Riclitigkcit und Gute der gev.uimie;; CivJüung' wuchgcrufcn werden; es müßte das Feste!;,;11, e;.geu v.׳ir es nur, auch Licbgewordcncs erschüttert werden. Wir mäiitcn zimüchct versuchen, in den schlafenden Madchenkazzui der! Sinn für Schönheit und Reinheit und für die Wi.kiiüikeit und die Aufgaben des Lebens und des Alcnschciium.s zu wecken. Dann werden diese faeimruhigtcn, lindäArdier.den Herzen auch die ganze abgrundtiefe Häßlichkeit unserer, ihrer jüdischen Situation erkennen und ein Schaudern, wird sie ergreifen. Es gilt, eine schwere Verantwortung -auf sich zu nehmen: Menschen die •Zufriedenheit zu rauben, die Sicherheit zu nehmen, bange Fragen wie Abgründe vor ihnen aufzureißen und quälende Zweifel zu wecken. Aber die Verantwortung müssen wir tragen. Denn wir glaube»! darar», daß dieses Suchen zu einem linden führen muß und daß die Trägheit als das Schlechte zu überwinden ist. * Nur aus dieser Zerrissenheit, aus dieser. Verzweiflung heraus wird die große Wiederaufriehtiuig möglich sein. ״Die Verzweiflung“, sogt Bubers Daniel, ״ist der höchste der Sendlinge Gottes; sie bereitet uns zu Geistern, die schaffen ״und entscheiden können.“ Wenn unsere jüdischen Mädchen es als Unmöglichkeit empfinden werden, in der alten Weise weiter zu leben, wenn sic die Not* wendigkeit der Befreiung nicht nur erkennen, sondern zu tiefst fühlen werden: dann sind sic reif für den Zionismus, dessen sittliche Idee sic hoch emporträgt und ihnen heilige Begeisterung zu geben ' vermag. Wenn wir glauben, daß aus der Assimilation, in der wir mehr oder weniger alle stecken, ein Weg zum Zionismus führt (und Schreiber dieser Zeilen meint sogar, daß nur über die Assimilation — natürlich immer cum grano salis zu verstehen — der Weg zum rechten Zionismus führt, weil, ganz grob gesagt, der Hunger um so größer ist, je weniger man im Magen hat — das ist aber natürlich eine höchst persönliche Ansicht —), so müssen wir auch den Mut haben, ganz offen diesen Weg zu gehen. Ich glaube, daß sehr viel bis jetzt mißlungen ist, weil man sich über die Tatsache der inneren Assimilation wegtäuschen wollte und daher mit der Erziehung auf einer falschen Stufe begonnen hat. Die Mädchen werden durchschnittlich noch weit stärker assimiliert sein als Männer; sie wissen gewöhnlich gar nichts von jüdischen Dingen (während bei manchem Mann doch etwas hängen bleibt) und bringen auch meist sehr wenig Interesse dafür auf, was bei ihrem Erziehungsgang füglich hcjgrcifiich ist. Ich glaube aber, daß sich aus allem Großen irgendwie Zionismus lehren läßt, auch aus Goethe und Schiller und Nietzsche und Hölderlin und der griechischen Tragödie; denn Zionist sein heißt vielleicht für einen Juden unserer Zeit nicht mehr und nicht weniger alicinganzerMcnsch sein. Darum müssen wir zunächst Allen Nachdruck auf dieses Allgemeine, das Qroße, Edle, Heroische im Zionismus legen; das ist noch wichtiger als die Pflege jüdischer Werte und die Kenntnis zionistischer Tatsachen, denn es ist das Primäre, und muß erst das Bedürfnis nach solchen Inhalten wecken. Man ging aber meist den verkehrten Wo; und gab diese Inhalte, wo das Bedürfnis noch nicht Vorhand,•a war; das halte zur Folge, daß alles rein äußerlich haftwi blieb. Was wir aber hcrbeifüliren müssen, ist nicht irgmd ein Wissen, sondern eine bestimmte O e in ü t s v t!. fassung. Wenn wir der jüdischen Jugend die brennen־; Sehnsucht nach ganzem Menschentum geben und ihnen 1; Augen für ihr Larvenlebcn öffnen, dann haben wir die stärk-! Kraft für die Realisierung des Zionismus. Es ist gar nicht ai, zudenken, welche Kraft durch ein ernstes und Verständnis volles Zusammenarbeiten von der Heiligkeit ihrer Aufgabe erfüllter, von einem mächtigen Lebenswillen beseelter Männer‘und Frauen ausgelöst werden könnte. Die jüdischen Frauen werden ihre Männer auf starken Schultern aus der Gefangenschaft in das gelobte Land tragen, wie einst die Weiber von Weinsberg ihre Männer in die Freiheit trugen Es ist wohl hoch an der Zeit, daß Einsichtige die Be deutung dieser Aufgabe begreifen. Wenn ich von der Ein richtung derartiger Mädchen vereine spreche, so meine ict durchaus nicht, daß durch diese schon eine so radikale Be einflussung der weiblichen Jugend möglich wäre; vielmehr sagte ich schon, daß das Wichtigste immer die individuelle Werbung persönlicher Beziehungen ist. Aber da man solche nicht künstlich hersteilen kann, soll n׳r Verein eine Sammelstellc sein; die Mädchen, die jft ׳ die Zwecklosigkeit all ihrer äußerlichen Bildung (Klavier, Französisch u. ä.l) und ein Gefühl des Ueberflüssigsims empfinden, sollen eine Stätte freier Aussprache über alles, was sie bedrückt, habet!; und sie werden dann, sobald ie nur erst nn dem Altgewohnten irre geworden sind und zu fragen beginnen, die Lebensaufgabe, die sich ihnen weist und ihrem Leben eine Richtung gibt, freudig begrüßen und die Verantwortung als eine Erhöhung ihres Lebens empfinden. Natürlich ist hier nur von den Besten der Mädchen die Rede, wie ja auch von den Männern nur wenige wirklicii ganze Zionisten sind; aber auf diese Besten eben komm! es an. Zionismus ist Auslese. Die Einrichtung solcher Mädchenvereine, die durchaus ernst genommen werden müssen, 6011 von Männern geleitet werden, schon weil die Kräfte der Frauen meist nicht ausreichen werden. Und ich weiß auch sehr wohl, wie schwer zu lösen diese Aufgabe ist und daß es schließlich nicht :•> sehr auf Programme, die sich nicht einmal ganz genau gebe״ lassen, sondern vor allem auf die Menschen ankommt, die sic aüsfiihrcn. An diese Menschen soll hier die Anregung ergehen. 1 Vtrtol wt r IL B «dtk C; Hugo Heramia, WUmtrtdori. Varia« 1 J&dUakaBaadaahaa(».»>.&,B**U» W■ U. Draaki Staftrlain-u-t«-, BaiUa-ISafcfatbtfi