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Jüdische Rundschau · 1914-01-01 · Heft 1 (1.1.1914) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 1 (1.1.1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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BEIBLATT •Nr. 1 ר־־׳✓ n ר". ר־־/ u j I W»*1 s» Z --1 □□□□□□DD□□ INHALT' 1 0 0 fl , . -ג . Zwei Epochen. Die letzten Ursachen des Spractionkonflikts. Von Dr. Schmarja Lcviit. — Zweihundertjährige Sykomore in Tel Awiw. t Zwei Epod!'**־5־t ץי־׳י/ ך"־׳ Die letzten Ursachen des Spradicaikonfllkts Von Dr. Schmarja Lcvln Viele werfen jetzt, anläßlich des heftigen Kampfes, der in Palästina wegen der Unterrichtssprache in den bestehenden und den neu zu eröffnenden Schulen enthrannt ist, mit gutem Grund die Frage auf: Wie kommt es, daß der Hilfsverein, dessen Verhalten viele Jahre indurch einwandfrei war, der als erste unter eien nicht- '׳onalcn Organisationen die hebräische Unterrichts- -;»rache in seinen palästinensischen Schulen auch für die meisten wissenschaftlichen Fächer cinfiihrte — wie kommt es, daß gerade dieser Hilfsverein mit einem Male seine ganze Vergangenheit verlcugncte, seinem bisherigen System untreu wurde und die erste palästinensische Hochschule, bevor sie noch eröffnet wurde, in ihrer Existenz untergrub I׳׳ Wie kommt es, daß die Männer, die an der Spitze des Hilfsvereins stehen, und die selber von Stadt zu Stadt, von Gemeinde zu Gemeinde zogen und nicht müde wurden, zu verkünden, daß ihnen allein die eiazige Lösung für den Bestand und die Entwicklung der Schulen in Palästina geglückt sei, da die Notwendigkeit der hebräischen Unterrichtssprache keineswegs bloß aus irgendwelchen nationalen Forderungen, sondern aus rein pädagogischen Erwägungen abzuleiten sei, — daß gerade diese Leiter des Hilfsvereins heute dasjenige schmähen, und in den Staub zerren, was sie erst gestern in allen Tonarten gelobt haben? Haben sic sich in den Jahresberichten des Hilfsvercins nicht vor der ganzen jüdischen Öffentlichkeit der bewußten Förderung des Hebräischen stolz, gerühmt? Haben sie nicht selber die anderen Organisationen, die ebenfalls auf dem Gebiete des Erzichungs- \ wesens im Lande tätig sind, scharf kritisiert, indem sie hcrvorlieben, daß diese Organisationen nur Verwirrung tragen in das neue Leben, das sich dort bilde, daß sie ihren Unterrichtsanstalten künstlich eine fremde Sprache aufpfropfen, ohne der öffentlichen Meinung und den wahren Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung zu tragen? Haben die Herren des Hilfsvereins nicht selber den französischen Geist öffentlich verurteilt, ״der wohl Blüten, aber keine Früchte trage“, und den die Alliancekreise gewaltsam ins Land verpflanzten, indem sic die Schulkinder aus den ärmster! ßevölkerungskreiscn, die keine andere Wahl hätten, zwängen, um armseliger, inatericller und geistiger Vorteile willen auf ihren eigenen Willen zu verzichten und sich in der Gestaltung ihres׳ Lebens und ihrer geistigen Ausbildung dem Diktat verständrtüloser ״Wohltäter“ zu unterwerfen?_ Und schließlich, was man auch sagen möge, die Leiter des Hilfsvereins haben sich ja nicht mit bloßen Worten, mit Lohsprüchen auf das Hebräische begnügt. Sie waren es ja, die fast in allen palästinensischen Städten ein Ngtz. vor» rein hebräischen Kindergärten schufen, welche Tausenden zarter Kinder zugute kamen; sic waren es ja, die Elementarschulen, Mittelschulen und ein Lehrerseminar gründeten, Anstalten, denen zwar fast ausnahmslos die wahre volkstümliche Wärme, der belebende Geist fehlte, der die zarte Seele des Kindes umfängt und sic zu einem festen, harmonischen Gebilde formt, die aber immerhin doch hebräisch waren, in deren Lehrbetrieb die hebräische Sprache Herrscherin war, während die anderen Sprachen nur die Rolle von nachgeordneten Dienerinnen spielten. Vorträge in Geometrie und Algebra, in Botanik und Physik hörte ich in hebräischer Sprache, zum ersten Maie im Lehrerseminar des Hilfsvereins in Jerusalem, und ich erinnere mich des starken Eindrucks, den diese'Vorträge auf mich und auf die anderen Besuchcr Palästinas übten, die in die Unterrichtsstunde des Lehrerseminars gekommen waren, um zum ersten Male einen Hauch des ״heiligen Geistes“ in sich aufzunehmen, der den Quellen der nationalen Wiedergeburt entströmt. Woher kommt nun der plötzliche große Umschwung in den Anschauungen der Leiter des Hilfsvereins? Wie konnte aus dem Fürsprecher ein Ankläger werden, wie konnte man die Dienerin an die Stelle der Herrin setzen, weshalb wollen die Herren mit ihren eigenen Händen zerstören, was sie mit soviel Mühe und Hingabe aufgerichtet haben? Ueber große Fonds verfügte der Hilfsverein niemals, er erhielt sich immer aus den Jahresbeitragen seiner Mitglieder und vermaß sich bisher nicht, die öffentliche Meinung rücksichtslos mit Füßen zu treten, wie sich dies einige andere Organisationen erlauben, die im Besitze eines ״Kapitals für die Ewigkeit“ und genügender ״Zinsen für das Diesseits“ sind. Der Hilfsverein betonte im Gegenteil immer, daß er selbst in Palästina, wo die ״Verschwender“ auf die öffentliehe Meinung■ nicht zu achten pflegen, sich in seinen Handlungen nach den Anschauungen und Forderungen des jungen Geschlechts richte. Hieraus folgt doch, daß die Leiter des Hilfsvercins diesmal ihr System nicht nur in bezug auf die Unterrichtssprache, sondern auch hinsichtlich ihres allgemeinen Verhaltens zum palästinen- _&ischen Kolonisation«werk total geändert haben. Sie

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