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Jüdische Rundschau · 1913-11-28 · Heft 48 (28.11.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 ll V K L) CC 11 AU Seite 5.15 Duisburg fk־r' in London erscheinende ״Jewkh (;l!1־onick“ berichtet nun auch über die Sch in;ich von Duisburg, Er schreibt: ״Eine kleine Fraktion der liberalen Juden in Deutschland setzt ihren heftigen Kamp( j;ejfcn die russischen und galizisclien Juden, die iii! ׳Reiche leben, fort und ergreift die drastischsten Mittel, um sie in den Augen der deiitsdirn Juden und Nichtjudcti hcrab/usct/cn. Dieser Kampf führte /11 einer gerichtlichen Affäre, die zu uiigunsten der Liberalen ausging. Die liberale Minorität in l)״isliurg, wütend über ihre Niederlage bei den letzten (icmeindewaliien, beschuldigte die gali/ischc» Juden, (1.1h sie ihre Stimmen den Konservativen zu fünf Mark pro Mann verkauft hätten. D1־ das deutsche Dcsetz strenge Strafen für solche Handlungen vorsicht, ordnete der Staatsanwalt im Aufträge der Regieruiig eine Untersuchung der Angelegenheit an. Aber nach gründlichen Nachforschungen fand er, dad die galizischcn Juden nichts Unrechtes heg,11 וgen hatten, sondern ihrer Ueberzcugung gemäß gestimmt hatten, ohne im geringsten von den Koiwervativen heeiu (lullt zu sein. Darum stellte er nicht nur die Untersuchung ein, sondern schrieb den Führern der Liberalen einen Brief, der ihnen in unzweideutiger Sprache sagte, da fl sie keinen Sdiiniliier von Recht hätten, ihre Glaubensgenosse» eines solchen Verbrechens zu zeihen, und daii ein solches Vorgehen kein gutes Licht auf die Sache werfe, die sic vertreten; insbesondere dal! sie von den galizischen Juden, uin sic zu diskreditieren, gesagt hatte«, da 11 sie gegenüber den deutschen Juden minderwertig seien und da» sie zu der Sekte der Chassidim gehörten. Die Liberalen taten iltr Bestes, die Sache gelteün/.uhaUeii, aber sie wurde doch bekaimt, und jetzt tadeln die liberalen jüdische»! Zeitungen ihre Freunde, dall sie einen solchen Skandal iiervorgerufcn haben. Es bleibt noch ab/iiwarten, ob der ״Zeutralvcrcin deutscher Staatsbürger jüdisehen Glaubens“, der versprochen hat, die Interessen und die Ehre der ausländischen Juden zu schützen, den nötigen Mut aufbringen wird, das Vorgelten der Duisburger Liberalen zu verurteilen.“ In dieser Darstellung ist vor allem die Angabe über die Haltung der liberalen jüdischen ,Blätter zu berichtigen. Nur ganz .wenige von ihnen brachteil sehr spät und zögernd unsere Mitteilungen über die Duisburger Vorgänge, wobei sic sich cifrigst verklausulierten und erklärten, uns die Verantwortung für die Richtigkeit aller Angaben zu überlassen. Davon sind sic weit entfernt, ihre Freunde zu tadeln. Und ob der Zentralerem den Mut haben wird, den der ״Jewish Chroniclc“ von iiim erwartet, ist uns mehr als zweifelhaft. ✓ Dessauer Gemeindewalilen Am 16. November fand in Dessau die Wahl von fünf Geincindercpräsentantcii statt, dir ging ein lieftiger Kampf voraus, in dem der ״Neue jüdische Geineimlevcrdii“, geleitet von unserem Freunde Dr. Ascher, dem ״Moses Mendelssohn-Verein“ gegenüberstand. Der ״Neue jüdische Qemcüidcverein“ forderte eine mehr demokratische Führung der Gemeinde und eine schärfere Kontrolle der Baronin Colm-Oppenhcimschcn Stiftung. Da die Liberalen ihre Machtmittel auch für den Wahlkampf nutzten, unterlag der ״Gemeindeverein“; er erlangte 13 Stimmen gegen 56 der Gegner. Da etwa zehn Ausländer für die Liberalen stimmten — ein ganz merkwürdiges Verhalten — und da die Stimmen der 4 Genicindcbeamtcn nicht in die Wapchalc fallen, hat der ״Neue jüdische Gemcindcverein“ in Wirklichkeit die Mehrheit der Oemcinde hinter sich, und die erreichte Stimmen zahl i*< ein moralischer Erfolg, der die besten Aussichten für die Zukunft eröffnet. Eine Korrespondenz des Hamburger Israelitischen Familienblattes behauptet, daß die Zionisten ״nach der Dr. Kkcschen Berliner Art“ unter dem verhüllenden Titel eines ״Neuen jüdischen Gcmcindevcreins“ auftraten und den Kampf ״in der gehässigsten Art mit allerhand Entstellungen und Verdrehungen gerade gegen die verdientesten Männer der Gemeinde“ führten. Die Einsendung ist von Anfang bis zu Ende ״eine grobe Verdrehung der Tatsachen. Unsere Freunde haben den Kampf ungern geführt, aber mit ehrlichen Waffen. Und wir erwarten zuversichtlich, daß das seine Früchte tragen wird. Die Reinheit des Wollen», die sie auszeichnet, wird siegen; der Berkfiierstatter des ״Hamburger Familienblattes“ kann sich *darauf verlassen. Jü f * *־־/ * •9 סי" ׳ * י*'• ״ ־־ f% -l I ». , . ״', 1 ״ .. V (j i. a,»׳., e 1 c «.»!•> : r 1 dt t . r j t a 11 c r. i1׳an!ät.:t 11. AL, dc.1 Kl, Hovrmlcr 19111. Sofort!!:1 1, ,41 *'׳׳ k;L:' lir.t da>s jisdi ׳;diu :Vcru,.־i; r u.l'. al.־.r »Mnciit wieder eingesetzt. An יh! . .. a wird tka Guten fast zu viel ,׳;c’lieti 11, K'.i.i־,»״״ d1.״i;1 der BcimUi der ein- /einen V4-:'.‘;e zu i hlcu hat. Wie es auf dein Geböte 1k׳c Vv/1!״H.ni1׳;A-,.J1 hier!;dum versucht wurde, müßte man auch eine Zentralisation derjcnigeii V;־re1;’.e;ui' tr, ben, welche belelireiuU' Vortrüge vcr1;4!!;״iU:11. Die Themen der einzelnen Vorträge sind so Aui.iidi j.Tnra;;■., jahrein die gleichen, jedoch verbuchen die jüngeren Vereine, ihren Mitgliedern auch intensiveres ifL.idiuin zu cnnögiidicn. Es ist zu hoffen, daß die zionistische Jugendgruppe iFire im vergangenen Jahre mit großem Beifall aufgenonunenen Kurse in hebräischer Sprache und jüdischer Geschichte weilcrfüiirt. Der junge Turnverein scheint 1 ׳!eiwill zu finden, und die Jugendgrappe der Agud;1!» Jisroel liiertet wieder ein außerordentlich groile.-, I70;;ramm, das insbesondere auf Studium der A>i!dl;;n im kleinen Kreise Wert legt. Zwei neue Gründungen, die weiteres Interesse beanspruchen, sind aber auch schon zu verzeichnen. Auf Anregung des; Herrn Rabbiners Dr. Lazarus hat die Frankhut-Loye U. O, ll. 11. eine Toynbee- Italic eröffnet, deren Einrichtung ja auch in ander» Städten bekannt ii.t. Jede!! Dienstag Abend werden^ dort leichtvcrstäisdliche Vorträge gehalten, wobei die Gäste unentgeltlich mit Tcc und Gebäck bewirtet werden. Die zweite Gründung ist der ״Verein zur Förderting der Interessen der Israelitischen Re- 1 i g 1' o n s g e s c 11 5 c h a f t Ciiewrath Emctlt weschalont“. Der Verein bezweckt für die genannte Gemcinde Mitglieder zu werben, Aufklärung über die Bedeutung der sog. Austrittsgeincinden zu bringen und den Kampf gegen die ״Richtlinien“ zu führen. In der Eröffminjrsversaminlung hielt Rabbiner Dr. Salomon Breuer von der .Frankfurter israelitischen Rdigionsgesellscluit die Eröffnungsrede, während Rabbiner Dr, Rapliacl Breucr-Aschnffenhurg über die Aufgaben einer jüdischen Gemeinde sprach. Vorerst scheint der Verein noch nicht viele Mitglicder zu haben. Es erscheint auch nicht zweckmäßig, wenn ein Verein, der in erster Reihe den Kampf gegen die Richtlinien führt, den Schalom, den Friede», als charakteristische Bezeichnung führt, und durch die Bezeichnung Emctlt, Wahrheit, von von!- herein die andere Richtung als eine Unwahrheit hinstellt. Im übrigen scheint der ganze Streit um die Richtlinien schon längst erledigt. Es hat sich im Qcmcindclcbcn, wie zu erwarten war, nichts dadurch geändert, und es ist ebensowenig anzunehmen, daß Genicindemitgücder, welche bisher nicht einmal das von den Richtlinien geforderte Minimum religiöser Satzungen hielten, durch die Richtlinien konservativer wurden, wie der umgekehrte Fall, daß die Riehtlinicn den Abfall gefördert hätten. Die für das Jahr 1014 bevorstehende Eröffnung der Frankfurter Universität wird wohl auch auf das jüdische 'Leben Einfluß haben. Es wäre wohl am Platze, daß es sich die jüdischen Akademiker rechtzeitig vorher angelegen sein ließen, eine feste Positioi! j״ Frankfurt zu erhalten. Frankfurt könnte dann wohl leicht Mittelpunkt cir.cr kräftigen zionistischen Propaganda für ganz Süddeutschland werden. Die evangelische Synode, welche vor einigen Wochen tagte, hat sich auch mit der Universität belaßt, und die Errichtung einer cvangclisch-thcologischen Fakultät verlangt. Es ist hier nicht der Ort zu prüfen, ob die dabei geäußerte Ansicht richtig ist, daß die übrige־» Fakultäten nur unter dem Ein- (lull der theologischen Fakultät gedeihen könnten. Ganz abgesehen davon, daß ca siel! in diesen! Fülle um das Novum einer Sliflmigsunlversität handelt und die Stiftungen zum großen Teil von Juden gcmacht wurden, cd! einen auch in der Tat die bis jetzt in Deutschland vorhandenen cvaagclisch-theologischcn Fakultäten für die im Vcrldiliiiis nicht große Zahl der Theologie-Studierenden auszurcichon. Eine schöne Jubiläumsfeier beging dieser Tage eine der vielen Stiftungen der freiherrlichen Familie von Rothschild. Es!»?!!;leite sich um ,da» 25jährige Jubiläum der frc!’*crrlich Karl von Rothscliililsclien öffentlichen Bibliothek, welche 1888 von Freifräiilcia Louise von Roihüchild zum Andenken an ihren Vater Me kr Karl von Rothschild gegründet wurde. Durch ci.1 Ucb:reinketnn:cn mit den anderen ßibkcthKx;! bcscluLukt sieh dicgRollischilclsdic Bibliothek, die jedem zur freien Benutzung offensteht, in der Haup;röche auf die Sprachwiב.־cnschaften, Literatur, Kunst und Ku«t;1rgc:.caid׳.tc. Sie kt darin außerordentlich reichhaltig t:nd ihre Einrichtungen sind mustergültig, Die Jubiläumsfeier fand in An- Wesenheit der hiesigen Mitglieder der Familie Rothsciiild sL.it, TUE;:[»! und SPORT i>;r ״Jüdische Turnverein Bar Ko cli b a“ in Berlin eröffnet atu l. IX*zember diese• Jahre:; eine vierte Frauenabtciiung. Es ist da» die dreizehnte Turuabtcihing des Verein«, dessen Betrieb sich bisher wie folgt gliederte; 4 Männerabteilungcn {(!.׳«runter eine speziell lür Anfänger), 3 Fr.« uc11.1־btni1111g13 ,11׳ Jüiiglüigs.'iblcilungcn, eine Seliiik raliteiluiig und eine Madcliciiabtciliiiig. Die nette Abteilung will mm eine weitere Gruppe von 'furiieriiiiieii hcran/idicn, indem sie ilir Augciuiierlc in erster Linie der turnerischen Ausbildung und Fortbildung verheirateter Frauen widmet. Die Tumzeit ist nut Montag, 6 ■8 Uhr abends, festgesetzt und die tiirncrisehe Leitung in die Fländc von Frl. Sonja Lev in, der bewährten Tumieiterin des Bar Kochba, gelegt worden. Der Magistrat der Stadt Berlin stellte für diese Abteilung eine der schönsten Turnhallen, die am Schlcswigcr Ufer 13, zur Verfügung. IXr Turnbodeu ist bequem von den Stadtbahnliöicn Tiergarten und Bellevue zu erreichen. Da* ungemein starke Interesse, daß sieh für diese Abtcilung kundgibt, hat bereits in einer großen Anzahl von Anmeldungen seinen Ausdruck gefunden. Weitere Meldungen richte mau an das Bureau des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba, Gharlotteuburg, Bleibt reustraüe 25 (Fernruf: Steiuplatz 8183), Dort wird auch jede gewünschte Auskunft erteilt. Am letzten Montag veranstalteten Mitglieder der drei bereits bestehenden Frauenabteilungen in der für die neue Abteilung bestimmten Halle ein l*ropagandaschauturncn, an dem 55 Turnerinnen teilnahmen. Der flotte Betrieb, der sich unter Leitung de* Haupttuniwarts, Herrn Julius Hirsch, abwickclte, und die vorzüglichen Leistungen der einzelnen Turnerin neu, gaben den (iästen ein treffendes Bild davon, zu welch hoher Stufe sicli das Frauentum«! im Bar Kochba entwickelt hat. Es sei jedoch ausdnicklich bemerkt, daß in der neugegründeten Abteilung sowohl wie in allen anderen auch krasse Anfängerinnen die geeignete Unterweisung erhalten. Herr Rechtsanwalt Lire i f cnhag en, der Vorsitzende des Bar Kochba, hielt an die Turnerinnen und Gäste eine Ansprache, in der er Zweck und Ziele des Vereins und insbesondere der neuen Abteilung darlegte. Samtcr. Am 16, November veranstaltete der hiesige jüdische Frauenturnverein den ersten öffentlichen Tumabend. Unter Leitung des Herrn Schwarz vom Poscncr Neuen Turnverein hat die Frauemiege in der kurzen Zeit ihres Bestehens bercits Vorzügliches geleistet. Es wurden Freitibi’.ngen und Hebungen am Barren und Pferd exakt vorg'" * ■ .. , Vereins) den Wert des Frauenturnens und ermunterte die Turnerinnen zu weiterer Arbeit. Der Tanz hielt die Teilnehmer nod! einige Zeit gemütlich beisammen. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Wir sind in der Lage, unseren Gruppen Licht biiderserien jüdischer Künstler mit einem begleitenden Vortrage gegen mäßige Leihgebühr zur Verfügung zu stellen, und bitten, von diesem neuen Propagandamittcl regen Gebrauch zu machen. Bestellungen sind unverzüglich an unser Bureau, Sächsische Str. 8, zu richten. ■ JUGEND-BEWEGUNG München. Der neugegründete neutrale Jugendverein veranstaltete am 15, November eine Propaganda-Versammlung, in der Bankier Kriin er den Verein im Namen des ״Zentralver* eins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ begrüßte. Er feierte, vor allein das Neutrali* tätsp rinzip, das er dahin auslcgte, daß alle Richtungen, die orthodoxe, liberale, zionistische und konfessionslos«, zu Worte kommen müßten. Wenn Herr Dr. Alfred Apfel in einer Redc7״Selbstkritik“, die er am 25. Oktober In Köln gehalten hat, ausführte: ״Wir sind konfessionelle Vereine um dessentwillen, weil wir jüdische Erziehungsfragen nicht innerhalb der interkonfessionellen Jugend vereine behandeln . . , können“, wenn er lemr seinen neutraten Jugcndvercinen ans Herz legte, sie sollten eine Art von jüngerer Ausgabe oder Jugendgruppe de* ״Zcntralvcreins“ bilden, so müssen w i r lürditen, daß die jüdischen Erziehungsfragen schwerlich in s0 konfessionellen Organisationen gelöst wer-

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