Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1913)
- Date
- 1913-11-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnements j auf dia wöduintlich am Freita? er* I »eheinend« ״Jüdlidi« Rundachau“ | koaten bei der Eipedition und bei ן allen Poitämtern vierteljährlidi J.50M., i auBerhaib Deutschland• und Oester- " reieh-Unjarm 2,— M.| für Mittlieder I jüdischer Vereine im Sammelbczu? 1 durdi den Verein 1,— M. JUdlarli« Itunilachnu, C. in. b. II. BERLIN W.1S, Sttcbeiecbe Straße 8. Telephon! Amt Uhland 815, 840, 868. Foatadiedckanto 1 Berlin Nr. 17 3». I יי יי• «■ «■ "י “■ •יי• ■»» mm mm mm mm mm *aJ ץי*־׳׳״י r ף ס/ r\ /y י■,*־. )3L36-M ר"/ Nummer 47 i Svu יי?m »v y * J י' v. } y... D"׳׳z י." rs. ר 1 1 1 t j L i ־׳01 r1 4״U •ז? €ü J ע. Anzeigen ko*b»o für dl# ■rcla*ge«p«!len• Petit- *eilt ©der deren Raura 40 Pf״{ Steilen- Anjp'Uot« und -Griurh# *owl© Veftin»* Mä!f׳’ilmt״en uni »Klrir»• Anrcigeo" o 0 O O nur 30 Pienmg. O O O O Manuskript« werden, wrmi Portobeilitgl* stet• *urüakjfr.־u»mit Rr(l«kU01***cbiuif Mittwoch vormittag•• 1 I Redaktion JQ<IU<la• Rundichui D ERL IN W. 15, SJLchaUeh• Straße I. י Trkphont Amt Uhland 845, 846, 868. I’ostirLeckfcootot Berlin Nr. 17392. ף kS 4 «יןf. %ß XVIII. Jahrgang Ausweis Schekel für 1913/14■ Zionistische Jugcndgriippc Posen 5,—, Ologau 1,— M. Landcsorganisat lonsbcitrügc: 1. Ortsgruppen: Stuttgart •15,—, Elberfeld 89,—, Dresden .10, , Qnesen 39.—. Herxheim (Einzel* beitrag) 3,— M. 2. Einzelpersonen: Heinrich Auerbach, Essen 5,—, Dr. Witkowsky, Berlin 10,- Moritz Kri* steiler, Glogati (2. Kate) 10-, aus Posen: I>r. Manasse 10,—, Eugen Marnlock 10,—, Dr. Kollenschcr 20,—, Dr. Schinuhl 20,—, Zahnarzt Läufer 20,—. aus Breslau: Zahnarzt Bacr 20,—, Ludwig Bncr 10—, Dr. Jakobsohn 5,— M. 3. Gelegentliche Spenden: Rybnick 2,40 Mark. Eingang vom 12. bis 19. Novemdcr 1913: Schekel 1914: 6 M. Landesorganisations* beitrage: 348,40 M. Gesamteingang: Schekel 191314: 20— M., Landesorganisationsbeiträge; 13 002.77 Mark. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Die Schmach von Duisbürg Von Dr, Gustav Witkowsky, Der Beilisprozeß ist zu Ende. Er hat dem unglücklichen Manne die ersehnte Freiheit gebracht, die Juden Rußlands atmen auf. War es bisher int Interesse des Angeklagten ein Gebot der Vorsicht, zu schweigen, so haben wir jetzt die Pflicht, die gesamte jüdische Öffentlichkeit auf den schmachvollen Vorgang hinzuweisen, daß in dieser kritischen Zeit d e u t s c 11 e J u d e n — sie nennen sich ״liberal“ — die Verleumdungen des ״Schwärzen Hundert“ sich zu eigen gemacht und so, wenn auch ungewollt, sich den Anklägern im Kiewer Lügenprozeß und ihren Gesinnungsverwandten an die Seite gestellt haben. Was in Duisburg geschehen, ist wohl der tollste Ausdruck jener seelischen Korruption, die wir immer wieder mit schmerzlichem Empfinden bei unseren Assimilationsjuden feststellcn mußten; und weil die Ungeheuerlichkeit dieses Vorganges von Uneingeweihten kaum begriffen werden kann, soll an dieser Stelle das ganze bisher nur zum Teil bekannt gewordene Tatsachenmaterial aufgedeckt werden. Die jüdische Oeffentlichkcit soll sich dieses Schandfleckes in der Geschichte der deutschen Juden bewußt werden. Es ist bekannt, daß in Deutschland tausende jüdischer Ausländer leben, darunter viele —־ bei der rigorosen Handhabung der Natura* lisation — in zweiter, ja sogar dritter Generation; es ist bekannt, daß ohne den Zustrom aus dem Osten die deutschen Juden dem Unter״ gange geweiht wären, und cs ist ebenso bekannt, daß heute kaum ein Drittel aller deutschen Juden sich mehrerer in Deutschland geborener Ahnen rühmen kann. Die Namen östlicher Herkunft, deren Trägern wir in der jüdischen Oeffentlichkeit gerade an leitender Stelle so haufig begegnen, beweisen das zur Evidenz, *er "!ו.:,יי‘.!.;•ס c.v.iLxcL»; f“r da• '..בי Vü'.'i Clo!:.!• :;//»x.ff 0,'ücr EÜTeiii• .'.'”!11;י a 2IaL^!3tCo ia Die ununterbrochene jüdische Einwanderung vollzieht sich seit mindestens einem Jahrhundert und ihr hat auch die Ju d en p׳c s c t z. gcb<u n g der deutschen Staaten insofern Rechnung getragen, als sie in allen innerjüdischen Angelegenheiten keinen Unterschied zwischen In-undAusländern macht. — Diese Gleich- Stellung haben die deutschen Juden im ganzen respektiert. Blickten sie auch vielfach mit lädierliehem Dünkel auf den östlichen ״Glaubensbruder“ hinab, so hatten sie doch keinen Anlaß, ihm seine Rechte in der Gemeinde zu schmälern. Das wurde anders, als die Zionisten in die Gemeinden einzudringen begannen und als sie, die den Gedanken der nationalen Einheit bctonten, von den Ausländern unterstützt, dem überalen Klüngel in den Gemeindestuben gef ährlieh zu werden drohten. Nun zeigte sich plötzlich der aus der Assirnilation geborene H a ß gege na 11 es J ü d i sehe. O, man hatte noch Mittel, um gegen unbequeme ״Glaubensgenossen“ vorzugelien. Wozu war man denn mit dem Bürgermeister, dem Kreishauptmann, dem Landrat bekannt? Das Schreckgespenst der Ausweisung wirkte aber nur vorübergehend, selbst der Acngstlichste durchschaute bald die eitle Wichtigtuerei. Jetzt mußten schon stärkere Mittel herhalten. Den ersten, allerdings bald zurückgcschlagenen Vorstoß unternahm der ״liberale“ Rechtsanwalt Falk in Köln mit dem Antrag, den Ausländern das Wahlrecht zu nehmen. Er ahnte damals wohl selbst nicht, wie schnell er Schule machen sollte. Die Gemeinde Bochum fühlte sich auf einmal durch einige wenige Ausländer ״bedroht“. Sie nahm ihnen 1912 das Wahlrecht; der natürlich ch ri s11 i c h e Oberpräsident aber versagte unter Hinweis auf die klaren Be* Stimmungen des Jndengeset7.es seine Zustimiiuiiig. Nun kamen die Bocliumer Liberalen mit einem Memorandum, in dem sie ihre ״Glaubensbrüder“ maßlos beschimpften und fügten ihm noch ein ad hoc verfertigtes Gutachten des Rechtsanwalts Michaelis aus Hamm hinzu. Dieser hatte inzwischen mit ״,wissenschaftlicher Gründlichkeit“ nachgewiesen, daß die Ausländer überhaupt keine G e me i nd e m i tgl äeder seien, folglich auch keine Rechte hätten. Das half, die Bestätigung wurde erteilt. Was Wunder? Schließlich müssen die Juden ja ihre Brüder am besten kennen! Dem edlen Beispiel folgten ,bald die ebenso liberalen Männer von Duisburg. Dort hatten bei den Rcprasentantcnwahlcn die Zionisten im Bunde mit den Gesetzestreuen über die Liberalen gesiegt. Die Ausländer — 45 unter 320 Wählern — stimmten gegen die liberale Liste. Dafür sollte Rache genommen werden. Am 24. Dezember, S Tage vor Ablauf der Amtsperiode, änderten die alten Repräsentanten, die also die Mehrheit der Gemeinde nicht' mehr hinter sich hatten, noch vor Toresschluß das Statut, so daß nunmehr nur die Mitglieder wählfähig sein sollten, die ,,die deutsche (1) Staats- Zugehörigkeit!(■die ca noubene ga rnicht gibt) besitzen.“ Zur selben Zeit bestritten die Liberalen unter Führung zweier Anwälte, die wissen muß» teil, was sie taten, in einer Angabe an die Regicrung die Giltigkeit der Wahl, indem sie einen langjährigen Repräsentanten beschuldigten, er hätte den Auslä n dern 5 Markfürjede abgegebene Stimme gezahlt. Darauf» hin wurde von der Staatsanwaltschaft das Ver» fahren wegen Wahlbestechung eingcleitet, aber bald wieder eingestellt, da die Beschukligung sich als völlig grundlos herausstellte. Damit aber gaben sich die Herren nicht zufrieden, sie wiederholten ihre Beschuldigung immer wieder und wandten sich besonders gegen unseren Freund Rechtsanwalt Epstein, der sich schließlich gezwungen sah, die Verurteilung des schlimmsten Schreiers wegen Beleidigung zu erwirken. Die Urheber dieser unerhörten Aktion sind Vorstands- und Ausschussmitglieder der ״Verei״ nigung für das liberale Judentum in Deutschland“ und des ״Ccntralvcrcins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens". Daß diese Leute nocli im Besitze ihrer Acmter sind, müssen die betreffenden Vereine mit sich selbst abmaclien. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, ihnen Belehrangen über parlamentarischen Takt zu erteilen. Leider aber handelt es sich um viel mehr, um etwas, das alle deutschen Juden angeht. In der an die Regierung gerichteten Anzeige wird neben einer Fülle von Beschimpfungen von galizianischcn Juden gesprochen, ״die der von den rechtgläubigen Israeli» tenals ketzerisch angesehenenSekte der Chassidäer angehören.“ Wie? War von dieser ״Sekte“ nicht schon im Xantener und Konitzcr Prozeß die Rede gewesen? Haben wir nicht in diesen Tagen in Kiew aus dem Munde der Sikorski, Pranaitis usw. dieselben Worte gehört? War dort nicht tagelang die Rede von den Chassidim, die Christenblut brauchen, und die man in einen Gegensatz zu den übrigen Juden zu bringen vergeben» sich bemühte? Und nun stellen sich die ״liberalen“ Juden aus Duisburg, an ihrer Spitze zwei Akademiker, die sich der Tragweite ihrer Worte bewußt sein mußten, als Kronzeugen unserer gefährlichsten Feinde ein! Soll man ernstlieh auf den Unsinn einer ״ketzerischen Sekte“ im Judentum cingehen? Oder sich empören über die Unverfrorenheit, mit der ״liberale“ Juden im Namen der ״rechtgläubigen Israeliten“ zu reden sich erdreisten? Soll man sich wundern, daß einer dieser protestierenden Anwälte aus Pinne stamme, und also doch wissen müßte, was Chassidim sind? Soll man erstaunt sein, daß der Rabbiner der Gemeinde, gleichfalls aus Posen gebürtig, ein Anhänger der ״Richtlinien“, (freilich ein Milderangsgrund), nichts unternommen hat, um diese Schmach 2u verhindern? Von der Kanzel herab hat er die ״liberale“ Sache zu fördern gesucht. Kurz, nach der vorletzten mit der Niederlage der Liberalen endende« Wahl hatte er eine Predigt gehalten, die der Vorstand unter dem Titel: ״Die Bürgschaf tspflicht. Ein Mahnruf an die Gemeinde" veröffentlicht hat. Sie ist ein Dokument! Es heißt da unter anderem: ״Zu einer sittlichen Gemeinschaft edelster, Art ist die jüdische Gemeinschaft geworden, indem sie zu ihrem Wahlspruch den Satz gemacht hat: Ganz Israel muß füreinander bürgen.“ Aber noch nicht zehn Zeilen weiter bedauert er den Wahlausfall und spricht von dem durch *