Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1913)
- Date
- 1913-10-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IS, SäthtUth* Straß« I, Tclepbo« 1 Aul Uhlaod MS, SurmhafoadeB t>icn«!af und Do*«ar»Uf $—4 Übt naJimitUffi. י"/ נ־־־ r\ ^ח ר־י"׳ r\ n /!״-׳ עג / . %. f .3 ן * :;! . > LJ U U w ui v.U Nummer 42 lerlin, cicri ftt AV-.vN.■ I w # w A wW w* י* ן ךץ ל" / ( ■j M Lj y XVIII. Jahrgang;X Ausweis '־ Sehekel« München 1,- , Münster 1,—, Berlin 1 VVjPrankfiirt. a. M. (), , Ansbach 1, —, Stuttgart 1 ,*־*,• «cumarkt I,--. Stra»burg i. E, 2,-~-, Cleve *צי,-, weinen 1,--. Cocsl 7, - , Cochem 2, —ilalle 1,- , Porchhcim 1,-■-. Stettin ft, ׳, Md/. 6,—, Alt• k lost er 1,-. - Für 101314: licrlin 2,—, llam• burg 10,—, Landcsorganisationsbeitriige: I. Ortsgruppen: Köln a. Rh. 12,—, Frankfurt a. M. 05,-־, Cleve 2,—, Bremen Berliner Zionistische Vereinigung 15, , Darinstadt 10,־-, Jarotschin 30,— , Halbcrstadt 30,־־,?.Einzelpersonen: N. N fiuttstadt, 10,-- Dr Emil Weiß, Birkentlial, 10,— , J, Boschwitz, Berlin, 1. Rate 50,-—, David Freund, Martin Zimt, Leopold Wertheimer, Halberstadt, je 10,--, Wolff Ooldsdnnidt, Jakob Ooldschinidt, Joseph Gold- Schmidt, Berthold (ioldschmidt, Hermann Cioklsehmidt, Hamburg, je 5, , Dr. Michael, Hamburg, 5, , Bertha Cohn, Pyrmont, 10, . Eingang vom 3. September bis 14. Oktober: Schekel 1012/13: 54 M., 1913/14:12 M. Landes- Organisation *beitrüge*. 335 JA Gesamteingang: Schekel 1012/13: 8877 Al., 1013/14; 14 M., Landesorga 11 isationsbei• träge: 12 284,37 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto! A, H. ilcynian« & Co., Berlin W 56, Hinter ocr Katholischen Kirche 1. Berichtigung, In Nr. 36 ist 1,— Schekel fälschlich aus Weimar statt aus Wismar ausgewiesen, — Ferner sind statt 1,— 5,*־ von Herrn Cosinan, Cleve, als Organisations• beitrag ausgewiesen. Die Addition ändert sich dem• entsprechend. Der Kampf um die jüdische Volksschule Immer mehr und mehr rückt die Frage der jüdischen Volksschule in den Mittelpunkt des jüdischen Interesses in Deutschland. Und das ist kein Zufall! Die Erfolge der jüdischen Schulen und Gymnasien in Erez Israel für die Aufrichtung des dortigen Judentums einerseits, die Taufbewegung und der Verfall in den Landern der Diaspora andererseits haben allen denkenden Juden die Ucber/ciigung beigebracht, daII eine jüdische Erziehung in j ü d i s e h e!! Schulen die einzige Möglichkeit bietet, die jüdische Jtigentl in der Diusporu vor der Assimilation zu rettest und dem Judentum zu erhalten. An leiteitder Stelle in der ״Welt“ hat Schmarja Lev in als seinen Rosclt-l losehoitoli-Wunseh hczeichnet: ״Geht dem jüdischen Kinde, was ihm zukommt, gebt ihm eine Schule, die von dem (!eiste s ei 11 es Gottes erfüllt ist und von der <jcscliichtc seines Volkes durchdrungen.“ Und der Ionduner Chicfrabbi Dr, Gaster benutzte die Tribüne des 11. Kongresses, um an die versammelten Tausende den Apoll zu richten: ״Schaffen Sie zu Hause jüdische Schulen mit jüdischem Geist, jüdischer Geschichte, Schulen, wo der Almensaal unserer Vorfahren unseren Kindern vorgeführt wird.“ Von diesem erhabenen Gedanken, der ,in zionistischen Kreisen seit Jahren gepflegt wurde, sind endlich auch die breiten Massen der deutschen Judcnheit jeder politischen Richtung erfallt worden,vor allem die jüdische Lehrerschaft, die, am besten die geistige Not der jüdischen Jugend zu erkennen vermag. Einmütig hat sich die Lehrerschaft auf ihrem letzten Verbundstage :3 irclstiritr.tta fa Aus Anlaß des Kiewer Beilis-Prozesscs erheben wir feierlich Protest gegen die ungeheuerliehe Beschuldigung, daß es Juden gäbe, die zu Rcligionszvvecken Menschenblut verwenden. Wir brandmarken es als einen Schandfleck unserer Zeit, daß man cs wagen kann, einen so[- eben wahnwitzigen Verdacht zu erheben gegen unser Volk, das drei Jahrtausende menschheitlieber Hodikultur durchlebt und das die Menschheit Nächstenliebe und Humanität gelehrt hat. 1111 Namen der Solidarität der gesitteten Menschheit fordern wir die ganze Kulturwelt auf, gemcinsnm mit uns den Kampf zu führen gegen die finstere Barbarei, und uns zu helfen, unsere geschändete Menschenwürde und verletzte Volksehre zu verteidigen und zu schützen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Rechtsanwalt Dr. Hantke-Bcrlin. Kurt Blumenfeld-Berlin. Rechtsanwalt Dr. Heymann-Berlin. Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin. Leo Motzkin-Bcrlin. Rechtsanwalt Dr. Ascher-Dessau. Dr. Julius Becker-Berlin. ׳ Justizrat Dr. Bodenhcimcr-Köln. L. Esterman11-Jerus.11em._ Dr. F'riedernann- Wiesbaden, Rechtsanwalt ׳ Gronemann-Berlin. Dr. Halperii-Hamburg. Dr. Jeremias-Posen. Dr. Kalmus-Hamburg. Rechtsanwalt Dr. Köllenscher-Posen. Rechtsanwalt Dr. Lesz.ynsky-Bcrlin. Richard Lichtheim-Konstantinopcl. Dr. Julius Moses-Mannheim. Dr, Pelz• Königsberg. Kurt Rosenbaum-Berlin. Dr, Sandler-Berlin, Zahnarzt Hugo Schachtel-Breslau. Julius Simon-Mannheim. Fritz Sondheimcr-Frankfurt a, M. Dr. Stein-Königsberg. Rechtsanwalt Dr. Straus-Miin* dien. Rechtsanwalt Dr. Weinberg-Dortmund, Arnold Wiener - Kattowitz, Max Wollsteincr- Berlin. für die jüdische Volkssehule und deren Eiririchtung besonders in den Urollgemcinden erklärt. Freilich war diese Kundgebung mit einer tlieordischen Liibeserklärung für die paritätische Schule verknüpft. Aber das ist ja gerade das Eigcnarligc der jetzigen Situation, daß weite Kreise des jüdischen Liberalismus endlich dugesehen haben, dal! bei der stetig zunehmenden Konfessionalisierung des deutschen Schulwesens das Judentum dem Untergänge verfallen muß, wenn es das nirgends dtirehgcführtc Prinzip der paritätischen Schule noch weiter ׳praktisch verfechten wollte. Mitbestimmend für die Stellungnähme der Lehrerschaft ist aber auch die traurige Lage der jüdischen Lehrer, die hervorgerufen ist durch den Niedergang und die allmähliche Auflösung der Volksschulen in den Klcingcmcinden, wahrend die stark anwachsenden Großgenjeinden mit ihren ,״liberalen“ Genteintfeverwaltungeu die Einrichtung jüdischer Volksschulen perhorreszieren, trotzdem das Schulunterhalüinpgesetz die Gründung solcher Schulen finanziell außerordentlich begünstigt. Mit Rücksicht auf diesen Widerstand der Großgemeinden wandte sich die Lehrerschaft an die freiwillige Organisation der jüdischen (kmeitideii Preußens, an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebtind, mit dein Anträge, die Frage der jüdischen Volksschule auf die Tagesordnung des nächsten Gemeindetages zu setzen. Der Ausschuß des D. I. G. B. erkannte die große Bedeutung der Frage an und verwies dieselbe zunächst an die Tagung der Provin/.ialverbände, den Gemeindeverbaiulstag, der am 22. Juni d. J. stattfancL Die Verhandlungen und Beschlüsse desselben sind bekannt. Mit der geringen Majorität von 7 gegen; 5 Stimmen wurde die These 3: ״Neue jüdische Volksschulen sollen in den großen Gemeinden nicht errichtet werden“ angenommen und damit die Praxis der üroßgemcinden zum Prinzip erhoben. Eine gewaltige Erregung bemächtigte sich der Lehrer- Schaft. Der D. 1. G. B. hatte ihre Wünsche nicht nur abgevviesen, sondern allen Bcstrebungen auf Errichtung jüdischer Volksschulen in den Großgemeinden ein entschiedenes Veto entgegengesetzt. In Rheinland und Wtstphalen war es mit vieler Mühe geglückt, auch in größeren Gemeinden jüdische Volksschulen einzurichten. Alle di esc Einrichtungen waren nunmehr gefährdet und die Existenz der Lehrerschaft aufs Spiel gesetzt. Die Erregung der Lehrerschaft machte sich in heftigen Prcßiiußerungen Luft. Der Redakteur der Lelirerzeitung, Herr Steinhardt, richtete am 17. Juli einen offenen Brief an den D. 1. ü. B., in dem er vor breiter Oeffcntliclikeit die Entfernung des Professor Blaschke, des Referenten in der Volksschulfrage, von der Leitung des Gemeindebundes forderte. Endlich beschloß der Vorstand des Lehrerverbandes am 7. September d. J., eine energische Agitation für Errichtung jüdischer Volksschulen bei allen hierfür in Betracht kommenden Instanzen in die Wege zu leiten und dem im I3czcmber stattfindemlen Lehrerverbandstag den Verzicht auf die Subvention des Gemeindebundes zu empfehlen. Wie bereits gemeldet, hat der Ausschuß des I), I, G. B. daraufhin, nach heftiger Debatte, beschlossen, die Beziehungen zum Lehrervcrbande als gelöst zu betrachten, sich aber im übrigen in der Volksselmlfrage für neutral erklärt. Damit müssen auch die von den Provinzialverbiiiulen Rheinland, Westphalen und Schicswig-Holstcin gestellten Anträge, die auf Besprcclumg der Volksselmlfrage auf dem Ge- 111ei1ulet.־!gc ah/ielten, als gefallen gelten. Soweit der Sachverhalt! Unsere Stellung in dieser Frage ist klar. Wir begrüßen cs, daß die Lehrerschaft endlich den Geist der Zeit •verstanden, und freuen uns, daß in der Voiksschulfragc eine einheitliche Mialanx aller wahrhaft jüdischen Elemente gebildet ist unter Ausscheidung der prinzipiellen Stellung des Ein/einen zur paritätischen Schule. Der Kampf gilt nicht dein jüdischen Liberalismus; er richtet sich gegen die rücksichtslose Assimilation. Wertvolle Teile des jüdischen , Libcralismus haben der Assimilation den Rücken gekehrt, die sich jetzt - - ungeachtet der Notlage der jüdischen Jugend und der Lehrerschaft — hinter das Programm der fortschrittlichen Volkspartei verschanzt. Wir haben es ja in der letzten Ausschußsitzung des D. 1, G. B. gehört, daß, wer sich für die jüdische Volksschule erklärt,