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Jüdische Rundschau · 1913-10-10 · Heft 41 (10.10.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Kongreß war von echter Palästinaliebe und glühender nationaler Begeisterung beseelt; so zeigte sich, wenn es galt, wichtige Beschlüsse zu fassen, jene schone Einheit in unseren Reihen, die unsere Organisation zu einem Körper von gewaltiger Stoßkraft macht. Der Kongreß hat, vielleicht mehr als irgend ein früherer, nach außen gewirkt; er fand lauten Widerhall in breiten Volksschichten, er erweckte und verstärkte uns die Sympathien großer Teile des Volkes, die bisher nicht unsere Mitkämpfer waren; diese Schichten werden, müssen zu uns kommen. Der Geist des Kongresses war vorzüglich; der hohe Idealismus aller Teilnehmer, die lebendige Wirkung Palästinas, vor allem das hell in Erscheinung auftrctciidc Aufblühen der hehriiischen Sprache haben ihm besonderen Glanz verliehen. Was den Inhalt anlangt, so ist es das Wichtigste, daß dieser Kongreß das Bestehende so einhellig bestätigt und sanktioniert hat. Die zionistische Organisation tritt in das siebzehnte Jahr ihrer Arbeit ein. Sie ist im Laufe der Jahre gereift, ihr Wille hat sicli geklärt, ihr Programm ist fest und scharf Umrissen. Die gleichmäßige energische Tätigkeit auf politischein, kolonisatorischem, kulturellem und organisatorischem Gebiete, die in den letzten zwei Jahren das Bestreben der Leitung war, soll auch weiterhin die Losung sein. Es hat sielt wieder bestätigt, daß cs Täuschung wäre zu glauben, daß die Schärfe der Diskussion und die Gegen- Sätze in den Anschauungen über Ein/.clfragcn einer tieferen Entmutigung oder Verdrossenheit entstammen. Sie sind bloß die notwendigen Folgen der auf breiter demokratischer Basis und freier Kritik beruhenden, urteilenden, prüfenden, sichtenden und beschließenden Volksvertretung in unserer Organisation. Aus der einhelligen Bestätigung der Grundsät«; der bisherigen Tätigkeit äst es begreiflich, daß der Kongreß nach Feststellung der großen | ״Der Zlonf.eraua erstrebt für das 5”-21150״ Volk 13® Schaffiuig׳ einerö.fcnt• jj i .r>rcclitl2cli £cdte!tt>rfcca Heimstätte in £ ״—*י• Easolor Projyrsuara» fjjß> mm wn*■! r!4» irriiff•־־n-rrn^ •rrrmrnrin^■״^ -mmrm Richtlinien unserer Arbeit, der allgemeinen Wcisung für die Leitung, nicht das Bedürfnis fühlte, noch viele ins Einzelne gehende Beschlüsse zu fassen. Eine Reihe von reifenden Problemen unserer Palästinaarbeit wurden in die erste Reihe gerückt, ihre Lösung aber nicht zum Gegenstand einzelner Entschließungen gemacht, da der Kongreß dem ernsten Willen der Leitung vertraute und die Durchführung der nötigen Arbeiten ihrem Ermessen anheimgeben konnte. Nur auf dem Gebiete der Kulturarbeit wurden einige spezielle Weisungen erteilt: cs wurde der Kulturfonds ״Kcdem“ sanktioniert und der begeisterte Beschluß auf Schaffung einer hebräischen Universität in Jerusalem mit großartigem und spontan in Erscheinung tretendem Opfersinne besiegelt. Nun ist der Kongreß vorüber. Er hat uns und der jüdischen Allgemeinheit neuen Schwung gegeben; das jüdische Volk wird immer reifer für den Zionismus. Diese Stimmungen, diese Anlagen müssen in richtiger Weise gefördert und unserer Bewegung nutzbar gemacht werden. Immer größer werden die Pflichten und die An- Sprüche, die an die Organisation gestellt werden; es gibt nur e i n Mittel, alle Schwierigkeiten zu überwinden und der uns erteilten Parole — auf den bisherigen Wegen planmäßig und zielbewußt vorwärts zu gehen und zu führen — gerecht zu werden; dies Mittel heißt: arbeiten. Aber die Leitung ist nur der Mittelpunkt der arbeitenden Kräfte. Soll Dauerndes geschaffen werden, so müssen die Kräfte überall in intensive Tätigkeit treten, so muß die Leitung der emsigen, zähen, unermüdlichen Mitarbeit aller Zionisten sicher sein,'vom ersten bis zum letzten. Zu dieser Mitarbeit fordern wir auf! ' Noch nie war der Zionismus so aktuell im jüdischen Leben wie in diesem Augenblicke; die Zukunft scheint mit eiligen Schritten heranzukommen, der Orient mit seinen großen Problemen erwacht. Unser Volk soll den ihm gebührenden Platz in dieser Entwickelung einnehmend und das Leben des Volkes soll unter dem Zeichen des Zionismus stehen. ' Das gesamte Judentum wird unser Streben um so sicherer würdigen, je einmütiger alle Zionisten an der Arbeit sind. Wenn uns der Geist innigen Zusammenwirkens erfüllt, sichern wir die Verwirklichung unseres großen Ideals, Unsere Losung ist: durch Arbeit zur Einheit, durch Einheit ־zur Erlösung! Das En׳;ora Actlons-Comltö der Zioiilä.hclien Organisation WerSurg Tschlcnow H&ntko Jacobson Levln Sokolow Oie Macht der Tatsachen Mehr als irgend etwas früher hat der XI. Kon• greß in Wien ge/e.gt, daß der Zionismus aus dem Reiche der Hoffnungen und Wünsche in das der Wirklichkeit getreten ist. Eine starke palästinische Delegation hatte sich eingefunden, das Hebräische war zur /weiten ‘Verhandlungs- und Umgangssprache geworden. Und allen Zweiflern zum Trotz, die die im Zionismus herrschende Richtung als Philanthropie, Kleinkoloiiisation, als einen zweiten Aufguß des alten Cltowewe-Zionismus bezeichnen, haben wir bewiesen, daß wir große Politik uneben. Ein kleiner Zionismus hatte Bauern ansetzen, Bäume pflanzen, hätte zur Not Stadtviertel anlegen und Schulen gründen konneu: den Plan einer Universität zu fassen, war« für den Ciiowewc-Zioiiisinus, wäre für den Hilfsverein, wäre für lea und Alliance eine nicht ernst zu nehinende Ueberhebung und Selbsttäuschung gewesen; für uns ist es die notwendige Konsequenz unserer Arbeit. Es wäre töricht, die Schwierigkeiten der Durchführung zu übersehen, uns durch billige Begcistcrung über die Erkenntnis hinwegzusetzen, daß noch viel Wasser den Jordan hinabfließen wird, ehe wir die Universität haben (nämlich eine wirkliehe Universitas liitcraruin); aber wir werden . sic haben, während jede philanthropische Gesellschaft, die vielleicht die materielle Schwierigkeit viel leichter überwinden könnte als wir, an der inneren Unmöglich• keil scheitern müßte. Wir können wieder zu allen Juden, die noch Sinn für (irölie haben, sagen Kommt zu uns, wenn ihr Teil haben wollt an dem Größten, was im Judentum und vom Judentum« geschliffen wird; wir erbitten nichts von euch, wir bieten euch viel! Wir haben immer gesagt: Zionismus ist Er* Ziehung. Den Juden• im ,Westen, die dem Judentum in erschreckender Weise entfremdet sind, soll der Zionismus w ieder den Weg zum Judentum weisen. Der Kongreß hat bewiesen, daß der Zionismus diese Aufgabe erfüllt. Und so ist cs gekommen, daß einer unserer heftigsten Gegner plötzlich sein Herz für den Zionismus entdeckt hat, weil ״der Zionismus sich jmlaisierc“. Wir sind weit entfernt davon, über den Gewinn einer Seele zu frohlocken. Wer im Zionismus nicht von Anfang an eben die Jitdawieruttg des Westjiulentums als notwendige Folge' sah (״Der Zionismus ist die Rückkehr zum Judentum , . .“). der versteht den Sinn unserer Bewegung nicht. Es ist leicht, jahrelang eine Bewegung zu beschimpfen und dann, wenn sie erfolgreich gewesen ist, erfolgreich allen Gegnern zum Trotz, sie zu loben und zu sagen: ja, Michel, das ist was andres. Es beweist nichts für die Bewegung, so wenig wie der frühere Tadel, aber cs beweist viel gegen den Gegner. Und daß dieser Uns nicht verstellt, beweist er, indem er gleich darauf wieder den Zionismus wegen mancher Dinge allgreift, die eben noch nicht zum Erfolge gediehen sind. Man ist eben entweder ein Bejaher, ein Mann von Schwung und Willen, oder ein Verneiner, ein ״unabhängiger“ Beobachter. Herr Dr. Bloch, der Herausgeber der ״Oestcrr. Wochenschrift“, wird Wohl immer zu den Neinsagern gehören. Einer, der nur Nein sagt und mit einer gewissen fanatischen Beschränktheit jedem Eindrude unzuganglich bleibt, ist uns fast lieber. Herr Prof. Ludwig Geiger wird w׳ohl seine restlos feindliche Stel• hing gegen uns nie aufgeben; und das freut uns. Aber um so mehr staunen wir, daß wir in der letzten Nummer seiner ״Allgemeinen Zeitung des Judentums‘1 einen Aufsatz finden, der unser« Be- Strebungen rnit viel Verständnis und Wärme bespricht. Martin Philipp so n schreibt über ״Eine jüdische Universität im Orient“. Er schildert den Mangel jüdischer Schulen in Vorderasien und die Notwendigkeit, solche Schulen zu begründen. Dann fährt er fort: ״Zum Glück haben zwei große jüdische Körperschäften diese Tatsache in vollem Maße begriffen und sind mit rühmlicher Tatkraft an ihre Beseitigung

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