Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN W. 15, SScfeaUcfc« Straft« ft. i Telepbooi Ami Ubland 845. י- - •י -* rv•-.j r*-— י- - •י -* Ir*'--..J r»--A— ^י־י—׳^ \״f ( r; , \j r־•־־ Lj r, ^7־׳־» U 'V .) ח 1 1 י XVIII. Jahrgang Das Ergebnis;; $ t:׳r des Kongresses Wocllc״. vor der Abreise zum Kongreß^st liier als hauptsächliche Aufgabe der Wiener Tagung bezeichnet worden, ״daß jene Arbeitsmethode, durch welche die Berliner Leitung die Beschlüsse und 'Willensäußerungen des X. Kongresses zu verwirklichen suchte, als die richtige anerkannt und daß das neue E. A. C, mit der Aufgabe betraut werde, die Geschäfte auf Grund der gleichen Richtlinien weiterzuführen“. Wenn wir heute rückschauend das Ergebnis der Verhandlungen überblicken, so können wir freudigen Herzens konstatieren: Der Kong r e ß ist dieser Aufgabe gerecht ge* worden. Diese Feststellung stützt sich sclbstvcrständlieh nicht nur auf die beiden Resolutionen, durch die dem Actions-Comite und dann noch besonders dem Palästina-Amte Dank und Vertrauen votiert (wurde, sondern sie trifft den Geist der Verhandlungen, die beinahe cinhcitliehe Stimmung der Delegierten und das Ergebnis der Abstimmungen und Wahlen, die dem Kongresse oblagen. Das Wort von der ״Kontinuität der Arbeit“, das auf diesem Kongresse geprägt wurde, wird nicht nur auf die Tätigkeit des Actions-Comitös angewandt werden dürfen, sondern auch die Beziehungen des XI. Kongresses zu seinem Vorgänger finden in dieser Formel Ihren adäquaten Ausdruck. Und diese nüchterne Bezeichnung bedeutet einen Ruhmestitel, durch den sich der Kongreß in der Geschirmte des Zionismus für alle Zeiten einen ehrenvollen Platz gesichert hat. Die verstärkte Arbeit der letzten beiden Jahre, hat die Verhandlungen aus der Phase theoretischer Erörterungen herausgelioben und damit eine Plattform geschaffen, auf der die sachliche Kritik des Geleisteten und die Ausspräche über Einzelheiten der Arbeit um sö erfolgreicher geführt werden können. Neun Zehntel aller Delegierten waren sich einig darüber, was geschehen muß. Und diese Notwendigkeit, vor die das jüdische Volk in unserer Zeit gestellt ist, findet ihren Ausdruck in jener Forderung, die Professor Weizm ann im Rückblick auf frühere Meinungsverschiedenheiten einmal als die ״synthetische“ bezeichnet hat: Stärkung der jüdischen Position in Palästina als Basis jeder politischen Aktion, die die Stunde erfordern mag. Wenn selbst so scharfe Kritiker unscres E. A, wie die Herren K a n n und Jean Fischer, feierlich erklären konnten, daß sic nicht prinzipielle Gegner der kolonisatorischen Tätigkeit seien, so ist das gewiß ein vollgültiger Beweis dafür, daß jene Entwicklung, der wir die Ergebnisse des X. Kongresses zu danken haben, nunmehr zu einem Abschluß gelangt ist, durch den die Richtlinien unserer Arbeit zum mindesten für eine Reihe von Jahren fcstgdegt worden sind. ' Dieses erfreuliche Ergebnis haben wir —• vielleicht in höherem Maße als sich heute bcurteilen läßt — mit dem Umstande zu verdanken, daß die Wahlen zu diesem Kongreß mit einem Ernst und einer Sachlichkeit durchgeführt worden sind, wie niemals zuvor. Auf keinem früheren Kongreß mag der demokratische Charakter!״Des• 2faal==3t:3 erstrobt für das JSdiscJio WöEx c’Jo Cz’j.rS cSacr CUeat» I KcIi-rcc'J1־'M1 Elchastr.tS* In ן Pe^.c,.־׳ .׳/ Eל" ״^־ er Pr0f;:־;:r״:a. unserer Schekel-Institution mit der gleichen ungetrübten Klarheit zum Ausdruck gekommen sein. Schon die Lage der Kongreßstadt erleichterte es den zionistischen Massen, die Erwählten aus ihrer Mitte zu entsenden. Das ungelieure Interesse, das man allerorten den Verhandlungen entgegenbrachte und die Opferwilligkeit der einzelnen Delegierten, taten das Ihre, um eine wirkliche Vertretung der Zionisten aller Weltteile zustande zu bringen, So kam cs, daß man im Gegensatz zu früheren Gelegenheiten, auf den Bänken der Delegierten eine besonders große Anzahl solcher Leute erblickte, die sich erst durch die zionistische Arbeit der letzten Jahre ein Anrecht auf ihr ehrenvolles Mandat erworben haben. Andererseits aber hatten wir auch die Freude, alte zionistische Kämpfer der ersten Jahre, die den letzten Kongressen ferngcblieben waren, in unseren Reihen zu begrüßen, so daß neben den jungen Kräften, die wir immer brauchen werden, auch Leute vertreten waren, die mit dem Kongreßzionisiuus hcrangcrcift sind und seine Traditionen hochzuhalten in besonderem Maße berufen sind. Besonders stark wraren diesmal die hebräisch sprechenden Delegierten vertreten. Hatte sich schon die Wcltkonfercnz der ״Histadruth“, die dem Kongreß voranging, zu einer gewaltigen Demonstration unserer altneuen Sprache gestaltct, so legte erst recht ein jeder der Vorhandlungstage Zeugnis dafür ab, welche Fortschritte das Hebräische innerhalb der zionistischen Reihen gemacht hat. Noch auf dem X. Kongreß hatte man es für angezeigt erachtet, eine besondere ״Hebräische Sitzung“ einzuschieben, deren demonstrativer Bedeutung wir vieles zu danken haben. Diesmal hatte sich unsere Sprache die volle Gleichberechtigung neben dem Deutschen als Kongreßsprache errungen. Die lange Reihe der Uebersetzer für sämtliche neuzeitlichen Sprachen, war von der Tribüne verschwunden und selbst bei den wichtigsten Anträgen begnügte man sich mit der deutschen und der hebräischen Wiedergabe. .Wenn ein U ssisch k i n, ein- Mossinsohn, oder Bialik das Wort er-v griff, lauschte der Kongreß in angespanntester Aufmerksamkeit, und auch diejenigen, deren hebräische Studien noch nicht sehr weit gediehen sind, bemühten sich, zu folgen. Vielleicht bietet die Ausbreitung der Sprache im zionistischen Lager einen der sichersten Prüfsteine für die Intensivierung der zionistischen Gesinnung über* haupt. Auch in der Bankfrage wurde eine Einigung erzielt, und wir scheuen uns nicht, für den Beschluß, der zustande kam, die Bczeichnung ״Kompromiß“ zu brauchen, die׳ bei vielen in so geringem Ansehen stellt. Dennoch glauben wir, ׳ daß die ziomHicä.e Gesamtheit unseren leitenden Männern Dank wissen wird, dafür, daß sie nicht auf ihrer Forderung bestanden haben, als die Herren des damaligen Direktoriums meinten, die• Verantwortung für die Geschäfte nicht mehr tragen zu können, falls das Große Actions-Comite die Verfügung über die Bank erhalte. Die vorhergehenden Verhandlungen hatten die weitgehende Ueberein- Stimmung aller Zionisten in den Grundfragen der Bewegung erwiesen, und überdies war der Einfluß der Leitung auf die Bank durch die neu geschaffenen Direktoriumsstdlen verstärkt worden. Da war cs denn gewiß eine weise Beschränkung, wenn man darauf verzichtete, die Frage zum Austrag zu bringen und in erster Linie das Augenmerk darauf richtete, alle Kräfte, die zur Mitarbeit an unserem Werke berufen sind, der Bewegung als tätige Helfer und Beratcr zu erhalten. Auch darin bedeutet der XI. Kongreß eine Fortsetzung und Steigerung des zehnten, daß er im eminenten Sinne palästinensischen Charakter trug. Nicht nur, daß sich die spezielle Palä unadebatte, der man fast zwei Tage einräu ntc, auf einem hohen Niveau bewegte — aucl ein jedes andere Thema, das zur Sprache kam, die Kulturdebatte, die politischen und organis -torischen Fragen, sie alle wurden unter einem ausgesprochen palästinensischen Gesichts- Winkel b:handelt. Das von ernster Sachlichkeit und einem zielsicheren Willen getragene Referat unseres Dr. Ruppin, das wir in dieser Nummer in extenso wiedergeben, bedeutete einen Höhepunkt des Kongresses, der nur in jener anderen Nachtsitzung sein Gegenstück findet, in der nach dem Referate Professor Weizmanns, das Universitätsprojekt mit einmütiger Begeisterung aufgenommen wurde. Der Kongroß hat damit dem jüdischen Volke ein neues Ziel schöpferischer Arbeit gezeigt, bei der sicht alle zusammenfinden können. Unsere engeren Gesinnungsgenossen sind vorangeschritten und haben auch materiell durch Aufbringung eines ansehnlichen Betrages aus ihren Reihen den Anfang gemacht. — Die Größe der Idee, die es zu verwirklichen gilt, rechtfertigt die Zuversicht, daß alle, die noch ein jüdisches Ideal im Herzen tragen, uns folgen werden. Ussischkin hatte in seiner Diskussionsrede zum Rechenschaftsbericht die Gefühle des Kongresses rum Ausdruck gebracht, indem er, zu den Sitzen des E. A. C. gewandt, die schlichten Worte sagte: Wir danken Euch! Bei dieser Grundstimmung war es sclbstvcrständlieh, daß der Entschluß der bisherigen Mitglie* der des E. A. C., sich wieder zur Wahl zu stellen, mit Begeisterung aufgenommen wurde. Damit ist eine geradlinige Fortsetzung unserer Arbeit gesichert. Die gleiche, Gewähr aber liegt auch in dem Umstande, daß unser verehrter Dr. Tschienow in die Leitung eingetreten ist. Erst unlängst gab ein Gedenktag Gelegenheit, daran zu erinnern, daß Tschienow in Rußland als einer der ersten für den Paliistinagcdanken gewirkt hat, und seine Verdienste um die mssische Landsmannschaft, den ״Jüdischen Natio* naifonds“ sowie die gesamte Bewegung, sind unseren Lesern zu genau bekannt, als daß es nötig wäre, an dieser Stelle die Persönlichkeit und ihr zionistisches Wirken noch einmal zu würdigen. Mit ganz besonderen! Danke aber muß das große Opfer anerkannt werden, das Dr. Tschien ow uns zu bringen gewillt ist, indem er noch in verhältnismäßig späten Jahren seinen Wohnsitz nach Berlin, dem Sitze der ge* samten Leitung, verlegt. Dieser Kongreß war reich an wirksamen äußeren Demonstrationen des zionistischen Ge-