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Jüdische Rundschau · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 394 Nr 37 J UEDISCH E RUNDSCHAU Entwicklung nach vorwärts konstatieren. Insbesondere wird die Anglo Palcstinc Company immer mehr der Träger der wirtscli.1 ftlichcn Entwicklung I aliislinas und einer der Hauptfaktoren zionistischer Palästinapolitik. Durch die Forderung der Genossenschäften auf Gegenseitigkeit hat sie sich ein aulicrordentliches Verdienst um die wirtschaftliche Hebung des Landes erwürben und dabei bisher fast keine Verluste gehabt. Ohne die Anglo Palcr-tinc Company wäre jede zionistische Arbeit in Palästina unmöglich. SchlulS der Sitzung nach 1 Uhr. Dreizehnte Sitzung Dienstag, am Nachmittag des 9• September. In der Nachmittagssitzung gedachte Herr Simon (Mannheim) der Verdienste, die sich Herr Friedensrichter Moser um das Aufblühen des hebniisehen Gymnasiums in Jaffa erworben hat. Er teilte mit, dali Herr Moser nunmehr die restlichen Haukosten im Betrage von 312015 Frcs. übernommen, sowie für fünf Jahre die Zeichnung von ic 5000 Frcs. zugesichert habe, falls auf dem Kongreß die gleiche Summe aufgebracht werde. Dies sei nun geschehen. Der Kongrel! ehrte den Mäzen durch eine spontane Ovation. Im weiteren Verlaufe der Sitzung gelangte eine grolle Anzahl von Resolutionen zur Verlesung, die sämtlich dem zu wählenden Actions-Coinite zur Durchfüimmg überwiesen wurden. Eine Resolution des Präsidiums, welche Justizrat Dr. Boden heim er beantragte, verlangte, dati seitens der beteiligten maßgehenden Faktoren bei der Neuregelung der Vcrhältnissc auf der Balkanhnlbinscl die kulturellen, nationalen und historischen Rechte der Juden noch vor Ratifizierung des Bukarcster Friedensvertrages sichergestellt würden. liebe und Humanität gelehrt. Im Namen der Solidaritat der gesitteten Menschheit, fordern wir die ganze Kulturwelt auf, gemeinsam mit uns den Kampf zu führen gegen die finstere Barbarei, und uns zu helfen, unsere geschändete Menschenwürde und verletzte Volksclirc zu verteidigen und zu schützen.״ Sodann erhielt Cliaiiu Nahum Bialik das Wort zu einer Ansprache, in der er die Gründung der jüd i s c h c n Universität in Jerusalem als den Bcginn einer neuen Acra (eierte. Ingenieur Syrkin, Kiew, dankte dem Präsidenten des Kongresses, David Wol ffsohn, für die umsichtige Leitung der Ver- Handlungen. Mit einem Schlußwort Wolffsohns und dein tausendstimmigen Gesang der ״Hatikwah" wurde der XI. Kongreß geschlossen. Sitzungen der Deutschen Landsmannschaft In den zweiten Sitzung, am Dienstag, den 2. September, wurden zunächst die Herren Leopold Landau, R.-A. Victor und Dr. Isak Straus in das Präsidium gewählt. Herr Dr. tialpcrn berichtete, daß das Zentralkomitee mit einer kleinen Mehrheit beschlossen habe, Herrn Dr. Tsehlcnovv zum Kongreßpräsidenten zu wählen. Es entspann sich hierüber eine eingehende Ikchattc. Auf Grund derselben wurde auf Antrag von Herrn Motzkin angenommen, dein Zentralkomitee den Wunsch zu unterbreiten, die ** Herren David Wolffsohu und Dr. Tschlcnow als gleichberechtigte Präsidenten zu wählen. Mitteln anfangen kann, um das Institut durch Fleiß und kluge Leitung allmählich zu bedeutendem Ansehen zu bringen. Die medizinische Fakultät in Beirut wurde 1883 mit vier Professoren und eil Sindenten eröffnet. Sie erhielt von der französischen Regierung einen einmaligen Kredit von 150001) Frcs. und eine jährliche Suhveiiliou von 3Ü000 Frcs. I8<M zählte die Fakultät 100 und beute über •U)t) Studenten, obwohl die ottomanische und die fraii/dsische Regierung erst I8')S die Diplome der Universitiit Beirut anerkannten. Professor W e i 1 mann legt auf Grund der bisherigen Vorarbeiten einen Kostenvoranschtag für eine medizinische Fakultät vor, der 1 210 000 Frcs. einmalige Autwendüngen und einen Jahresetat von 210 000 Frcs. vorsicht. Für eine juristiscli-staatswisscnschafthche Fakultät werden 100 000 Frcs. einmalige und 75 000 Francs jährliche Ausgaben erfordert. Als Lchrspvache j käme sowohl aus nationalen, wie aus praktischen Gründen nur das Hebräische in Betracht, das ein gemeinsames Band für die in sprachlicher Beziehung bunt zusammengesetzte Studentenschaft bilden würde. Der Referent erklärt am Schluß der Kongreß sei sich gcwiii der Schwere der Aufgabe bewußt, und er müsse sich auch hüten, Projekte in die Welt zu setzen, ohne materielle Grundlage zur Realisierung. Es sei aber an der Zeit, ernste Vorbereitungen zu treffen, mul wenn dann die Grundlagen geklärt seien, mit der Agitation und der Sammlung von Fonds für dieses bedeutsame Projekt zu beginnen. An das Referat Weiztitaim schloß sich die Kulturdebatte, die bis spät in die Nacht hinein dauerte. Es sprachen der Großrabbincr Dr. Gaster (London), Da ich es, Raffalavskv (Eknterinoslaiv), Dr. Mossinsolm (Jaffa), sowie Dr, Ycllin (Jerusalem). Die Sitzung, schloß mit der Wahl von sechs Generalrednern. Zwölfte Sitzung Dienstag, am Vormittag des 9. September, Beginn: 10(4 Uhr. Als erster Generalrcdncr in der Kulturdebatte kam Dr. Bendersky (Kiew), einer der Initiatoren der Universität, zu Wort. Der Redner gab einen Ucbcrblick über die Budgets der Universitäten in den verschiedensten Ländern und kam auf Grund derselben zu dem Schluß, daß die Gründung einer Universität in Jerusalem unbedingt möglich sei. Eine Reihe bedeutender jüdischer Gelehrter, mit denen er Rücksprache genommen habe, hätten sieh zur Fürderung der Sache schon zur Verfügung gestellt. Für das Zustandekommen der Universität müssen auch alle diejenigen cintrctcn, die die wachsende Taufbevvegung, insbesondere in Rußland, mit Unruhe verfolgen. Die Einrichtung einer Hochschule in Palästina sei nicht nur praktisch von höchster Bedeutung, sondern auch ein politischer Akt von größter Not- Wendigkeit. Rabbiner Reines (Lida) übt Kritik an dem bc• braischcn Gymnasium in Jaffa und insbesondere an dem dort gepflegten System der Koedukation, die er als dem jüdischen Geiste widersprechend bezeichnet. Hermann Struck (Berlin) fordert von der Leitung eine scharfe Stellungnahme gegen die zunehmende Zahl der Mischehen und eine Kontrolle der von zionistischen Organisationen herausgegebenen Literatur. Dr. Klausner (Odessa), Redakteur des ״Haschiloach“, betonte, daß alle großen Bewegungen und Gedanken durch Studenten verbreitet werden, lind daß die Gründung einer Universität in Jerusalem daher für die Ausbreitung des nationalen Gedankens durch die an ihr ausgcbildetcn Studenten außerordentlieh viel leisten könnten. Auch die ökonomischen Vorteile, die der Bevölkerung Jerusalems durch das Zustandekommen der Universität erwachsen würden, sei nicht zu unterschätzen, wenn man bedenke, was in dieser Hinsicht durch das hebräische Gymnasium in Jaffa erzielt worden sei. Erst, wenn' jüdische Gelehrte an einer jüdischen Universität lehren würden, würde die Welt erfahren, welche Ewigkeitswerte die jüdische Kultur hervorgebracht habe. Hier wurde die Kulturdcbattc unterbrochen. Dr. N. Katzenclsohn (Libau) erstattete sodann den Bankbericht. Die Jüdische Kolonialbank ist vor 15 Jahren gegründet worden und seit 10 Jahren aktionsfähig. Sie hat ihren Weg nur unter grollen Schwierigkeiten machen können, denn sic ist die einzige wirkliche Volksbank der Welt und hat mehr als 150 000 Aktionäre. Ihre Hauptgründung ist die Anglo Palcstine Company, die zionistische Palästinabank, die an der gesunden Entwicklung des jiklisehen Palästinas den größten Anteil hat und heute einer der größten wirtschaftlichen Machtfaktoren des Landes ist. Außerdem hat sie die Anglo Lcvantine Banking Co. in Konstantinopel eingerichtet. Die Jüdische Kolonialbank ist das wichtigste Kreditinstitut der zionistischen Institutionen geworden. Die Bank mit ihren Tochterinstituten hat über 10 Millionen Depositen, Das arbeitende Kapital der Bank verzinst sich mit 8,1 */#, natürlich leidet die Entwicklung des Mutterinstitutes darunter, daß der weitaus größere Teil ihres Kapitals zur Errichtung der Tochtcrinstitutc gegeben wurde, die seit Jahren 4Vs dis 43/* °/0 Dividende verteilen. Wenn auch die Fortschritte der Jüdischen Kolonialbank nur langsam vonstatten gehen, so kann man doch eine andauernde Die Schlußsitzung des Kongresses Dienstag, am Abend des 9• September. Beginn: O1! Uhr. 111 der letzten Sitzung wurde das von der Budgetkommission des Permancnzausschiisscs revidierte Budget beraten, das nuiiiiichr nach dem Bericht Dr. Ilcymaiins in Einnahme und Ausgabe mit 212000 M. abschließt, gegenüber dem Voranschlag des E. A.C., der mit 220 OtKI M. balancierte. Der Einspruch Cowens gegen einen Posten des Budgets wurde durch die nahezu einstimmige Annahme des Budgets erledigt. Die Vorschläge des Permancnzausschiisscs wurden dem Kongreß wieder von dem traditionellen Referenten dieses Ausschusses, Prof. Dr. Wcizmann, unterbreitet. Für das Engere Actions-Comite wurden vorgcsdtlagen: Prof. Dr, Otto W a r b u r g, Berlin. Rechtsanwalt Dr. Artur Hantkc, Berlin. Dr. Victor Jacobson, Konstantinopcl. Dr. Selunarja L e w i 11, Haifa. Nnhuni Sokolow, Berlin, jc/chiel T sclilcnow, Moskau. Die Liste wurde einstimmig cn bloc a n g c - nominell. In das Große Actions-Comite wurden auf Vorschlag des Permanenzaussclmsses gewählt: David Wolffsohn, Köln; Justizrat Dr. M. I. B o d c n h c i in e r, Köln; Jean Fischer, Antwerpeu; Dr. Frank, Altona; Dr. Friedemann, Wiesbaden; B. A. Go Id borg, Wilna; I)r. H. O. H e y in a n n , Berlin; Wladimir 1 d e I s o 11 n , Petersbürg; Jakobus Kann, Haag; Ingenieur Kessler, London; Rechtsanwalt Dr. Klee, Berlin; Ingenieur Krcrocnctzky, Wien; Dr. Alexander Marmor n k , Paris; Leo Motzkin, Berlin; N a i d i t s c 11, Moskau; I, P 0 d I i s ch e w sk i, Warschau; Dr. Leon Reich, Lemberg; Rosoff, Petersburg; Rechtsanwalt S. Rose 11 b n u m , Minsk; Heinrich Schein, Galatz; Julius S i in o 11, Mannheim; Adolf Stand, Lemberg; Oberingenieur Stricker, Wien; Ingenieur M. Ussischkin, Odessa; Prof. Dr. Chnim Wcizmann, Manchester. Prof. Warburg sprach danach dem Präsidium den Dank aus, begrüßte die Wahl Dr. Tschlenows in das Engere Actions-Cornitd und verweilte in warmen Worten bei der sympathischen Haltung der Wiener Bevölkerung und der österreichischen 1 *resse. Die folgende Resolution, die vom Rabbiner Dr. Osias Thon, Krakau, eingebracht wurde, fand debattclos die Zustimmung des Kongresses; ״Der Zioiiistenkongrcß als legitime Vertretung der grüßten jüdischen Organisation aus allen Ländern der Welt, erlicht aus Anlaß des Kicwcr Bcilis- Prozesses feierlich Protest gegen die ungeheuerliehe Beschuldigung, daß es Juden gäbe, die zu Rcligionszwcdkcn Menschenbild verwenden.‘ Wir brandmarken es als einen Schandfleck unserer Zeit, daß man es wagen kann, einen solchen wahnwitzigen Verdacht zu erheben gegen unser Volk, das drei Jahrtausende menschhcitlicher Hochkultur durchlebt hat und das die Menschheit Nächstenln der dritten Sitzung der Deutschen Landsmannschalt wurden die Herren Dr. Locwe in die Kulturkommission, Dr. Zlocist» und Davis Trictsch in die Palästinakommission und Kurt Blutnenfeld und R.-A. Grcifcnhagcn in die Kommission für Gegenwartsarbeit delegiert. Es fand eine eingehende Aussprache über die vom A. C. gestellten Anträge statt, an der sich insbesondere die Herren Lichtheim, Dr. Friede mann und Dr. H a n»k c beteiligten. Zionistische Frauen-Weltorganisation Auf dem XL Zionistenkongreß in Wien fand auf Anregung der Frau Rechtsanwalt Lachmann (Königshütte) und Fräulein Karp (Birezany) eine allgemeine zionistische Frarienvets a in תו lung statt, welche die Gründung einer zionistischcn Frauen - Weltorganisation zur Beratung brachte. Das Referat erstattete Frau La chm a 11 n. Fräulein Karp hat die dringende Notwendigkeit, die zionistischen f'raucnvereine der Welt zu organisieren und die zionistische Frauenarbeit auch auf das Gebiet der politischen Propaganda zu lenken, besonders betont. Vor einem sehr zahlreichen Publikutn entwickelte sich eine sehr rege Diskussion, an der die Delegicrten-Damen und auch andere Zionistinnen würdig teilitahrocn (u, a. Fr. Dr. Meireis, Palästina־, Fr. Simon, Mannheim; Frl. Loadon, Breslau; Fr. Grone mann, Berlin; Frl. K I i 11 g e r, Czernovvitz; Fr. Weiß, Wien; Frl. Spirt, Odessa; Fr. Tain, Prag). Der Kulturverband der Frauen hat mit seiner außerordentlich regen praktischen Palästina-Arbeit bcwiesen, wieviel die Frauen für den Zionismus geschaffen haben. Nun betreten sie ganz einst auch das andere Gebiet und werden gewiß auch hier rc* spektvollc Leistungen bringen. — Die Resolution, die eine sofortige Gründung einer zionistischen Frauen-Weltorganisation verlangte, wurde einstimmig und mit großer Begeisterung angenommen. Es wurde eine provisorische Kommission aus sechs Damen gewählt (Fr. Dr. Salz, Wien; Fr. Rechtsanwalt Lachmann, Königshütte; Frl. Adele Karp, Birezany; Fr. Fanny Weiß, Klosterneuburg; Fr. Dr. Klaus- 11 er, Odessa; Frl. Klara Tain, Prag), welchen das Arbeitsprogramm anvertraut wurde. Von diesem wird nächstens in der ״Well״ weiter die Rede sein. Ein paar interessante Zahlen ln der Kongreßnummer der Österreichischen Nationalfonds-Zeitung gibt Hugo Schachtel-Brcslau, an Hand des offiziellen Materials einige überaus lehrreiche Zahlen über die Betrüg«, die von den verschiedenen Organisationen und Institutionen für jüdische Zwecke im Laufe der letzten fünf Jahre in Palästina verausgabt worden sind. Wenn es auch nicht möglich ist, die Arbeit auf Grund der neuesten Zahlen zutreffend zu bewerten, Die produktiven Ausgaben der U. F. und die Unterstützungsgekfcr der Chalukah bilden da wohl die beiden Extreme, und

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