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Jüdische Rundschau · 1913-09-05 · Heft 36 (5.9.1913) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 376 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 36 < gegen ihn aiitiscmitischen Ursprungs waren; ebenso erfreulich war cs, daß man dies auch liuumwunden zum Ausdruck brachte. Denn in der Tat, man mag dieses oder jenes an Lichtenstein mit Recht auszusetzen haben — wer ist denn fehlerlos und allen sympathisch? - - so viel ist klar, tlall, wenn Lichtenstein nicht Jude wäre, kein Mensch au seinen Mängeln und an dem angeblichen Umstande, daß er in einzelnen Kreisen keine besonderen Sympathien genießt, Anstoß genommen hätte. Auch die Konigsbcrger Zionisten Standen naturgemäß, da es sich uni eine jüdische Sache handeile, geschlossen hinter L i c 111 c n s t e i 11 4111d taten alles, was in ihren Kräften..stand, um seine Kandidatur tlurchzubringcn, ־ ־ obgleich Lichten- Stein, der anfangs dem Zionismus sympathisch gcgcnühcrgcslaiidcii und noch im l'ogiMinjalire 1905 sich sofort da/.u bereit gefunden hatte, die von uns Zionisten veranstaltete. Protest Versammlung gegen die Pogrome, die von dem Vorstand der Ciemcimlc aus Aengstlichkcit perhorrcs/.iert worden war, mit mir zusammen ein/uhertifeu und seihst zu leiten, was ihm damals sehr verdacht worden war; obgleich, sage ich, Lichtcsistcin in den letzten Jahren strammer Parteigänger der Vereinigung für das liberale Judentum (vielleicht infolge einer unbewußten Verquickung des Begriffs ״liberal“ im Judentum mit dem Begriff ״liberal“ in der Politik) und einer der Hauptfüluer der Konigsbcrger Ortsgruppe dieser Vercinigung b/w, ihr geistiges Haupt geworden war und seitdem den Zionismus und die Konigsbcrger Zionisten aufs energischste bekämpft hatte. Trotzdem zauderten die Konigsbcrger Zionisten keinen Augenblick, ihre Gegnerschaft innerhalb des Judentums zurückzustcllen und, wie gesagt, einmütig für ihn und für die gemeinsame jüdische Sache eiiizutreten. Was aber, wird man zum Schluß (ragen dürfen, werden die deutschen Juden aus dem so instruktiven Fall L i c 111 « n s t e i n lernen? Werden sie überIiaiipt daraus etwas lernen? Werden ihnen endlich die Augen über die Situationen aufgehen, in der sic sieh befinden und über die Erfolge, die ihnen ihre weitgehende bewußte Assimilation und die möglichste Zurückdrängung der jüdischen Eigenart und des jüdischen Lehens gebracht hat? Werden sie noch weiter durch den Mund ihrer ״berufenen“ Vertreter von ״dem bißchen Antisemitismus“ sprechen, der bald überwunden sein werde? Die Königsberger Juden wissen jedenfalls jetzt, daß der Antisemitismus auch in derjenigen Partei regiert und die Gemüter beherrscht, die früher als ״Judenpartei״ bezeichnet worden war, in der sie bisher all' ihr Heil gesehen hatten, und der die politisch tätige!! und tüchtigen Juden mit äußerster Hingebung alle ihre Kräfte gewidmet hatten. Nun, man läßt sich ihre selbstlose Arbeit sehr gern gefallen, ebenso wie man in den liberalen Stadtverwaltungen die unentgcltlichc Arbeit der unbesoldeten jüdischen Stadtriitc gern amiimmt, Aber wenn der Jude 11,׳ich demselben Kongreß-Ausgabe der ״Welt“ liegt in drei Excinplaren zur allgemeinen Benutzung aus. Wir erwarten einen regen Besuch des Stammtisches; auch die hitiführtmg von Gästen ist willkommen. AUS DEN 66M£IttD£rä Berlin. Herr Geheimer Justi/rai B. Timendort er, der verdienstvolle und rühmlichst bekannte Präsident der Groliloge für Deutschland VIII. U. O. B. B. feierte am M o 11 tag, d c n 1. S e ptember, seinen (10. Geburtstag. Spandau. Gegen die Errichtung eines Friedliofes an der Havel richtet sieh eine Denkschrift des Interessenten Vereins Weinmeisterhorn in Pichelsdort. Bekanntlich hat die jüdische Gemeinde zu Herliu die Absicht, auf der I lohe am westlichen Ufer der Havel hei Wciiuneistcrhorn, einen Friedhof an- /.!liegen. In der Denkschrift wird ausgeführt, daß man sieh gegen die Anlage eines Friedhofes wenden müsse, weil das Gelände durch die steten Leichentrausportc entwertet würde. Der Wert dieses Ge-!;indes .stecke mehr als irgendwo anders darin, daß es Gelegenheit bietet, zur gesiimlheitlicbemicn, frohsiunschnffcnden Ausübung des Wassersports im Sommer und im Winter, ln dieses Lehen hinein einen Friedhof setzen zu wollen, müsse eine Schädigung zur Folge haben. Auch für die AlDenieinheit sei die Anlage eines Friedhofs keinesfalls wünscheiiswert. Fs handele sich um ein Gelände von seltener Schönheit. Sichere schon die Nähe der 1 lavel den Anspruch hierauf, so würde der Reiz noch erhöht durch die von Schluchten durchzogenen Uferberge. Diese Gegend den Lebenden zu entziehen, um sie den Toten zu überantworten, könne für die Allgemeinheit keinen Vorteil bieten, Bei der Errichtung eines Friedhoks würde auch die Lust zur Ansiedlung weiterhin gering sein. Hcldcnbcrgen i. <1. W. Das goldene Jubiläum als Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde feierte kürzlich der dienstältcstc Volkssdmllehrer Hessens, I lerr Werthcimer. Da er vorher sichen Jahre in Lieh wirkte, so blickt er auf insgesamt 57 Dienstjalire zurück. Er ist 1835 zu Neustadt im Odenwald geboren und besuchte die israelitische Lchrerbiklungsanstatt zu Hannover. An der Jubelfeier nahmen auch die politische Gemeinde und sämtliche hiesigen Vcreine teil, die ilnn__ am Abend vorher einen Fackelzug darbrachten. Sie überreichten dem Jubilar pracht* volle Geschenke. Die israelitische Gemeinde bcwilligte dem Jubilar eine Jahreszulage von 500 M. Beim offiziellen Festakt überbrachte Kreisrat Schliephakc-Fricdherg eine Ordcnsauszcichnung vom Großherzog. Die ehemaligen Schüler, von denen der älteste 63 Jahre zählt, überreichten ein Ehrengeschenk, die politische Gemeinde durch Beigeordneten Goy einen Sessel, das Geschenk des israelitischen Lehrer- Vereins übergab dessen 2. Vorsitzender Rothschild- Worms. Die Glückwünsche des hessischen Landeslehrervereins sprach Obmann Fluff aus. Der körperlich und geistig sehr rüstige Jubilar gedenkt in drei Jahren sein W)jähriges Dienstjuhiliium leiern zu können. Donnerstag, um '/■/) Uhr abends, treffen. Auswärtige Gesinnungsgenossen und Freunde sind als Gäste stets willkommen. Schluß de• redaktionellen Teils. Geschäftliches Der Saftgewinming wird bei dem immer größer werdenden Bedarf an reinen Obst- und Früchts;!tun eine stetig wachsende Bedeutung beigemessen. Kein Wunder, daß die verschiedensten Apparate zur Gewinlumg von Säften im Handel erscheinen. Neben den bekannten Saftpressen werden Einrichtungen zur (i « w i n n u n g v <> n Saft c 11 d u r c h I);!!!! n. fen arige boten. Von den letzteren durfte;,her keine so einfach und billig sein wie der Weck sehe F r 11 c I» t s a f t s e i 11 e r. Der Saftgcwinmmgvprozcll ist denkbar einfach. Man füllt die Früchte je nach Bedarf und Geschmack, mit mehr oder weniger Zucker untermischt, in 11,רs mit einem Filtriertuch ausgck'gtc Seihergefaß, welches m einem prakti* scheu I )rahtgestell über einem Wcckschen Schussel- Sjlas oder einem anderen Gef.die stellt, welches den Saft, nachdem er durch die auf der Oeffiumg dev Gefäßes liegende Filtrierscheibc gelaufen ist, aufnimmt. Das ganze Gestell wird in den Wcckschen Stcrilisiertonf gestellt, in dem sich etwa 3—4 Liter Wasser befinden. Dieses wird auf lebhaftem Feuer zum Kochen gebracht und etwa l-hj Stunde kochend gehalten. Der Dampf dringt in die Fruchtschale und bringt die Zellenwiindc der Früchte zum Platzen, Der Saft wird frei und fließt ab. Da er schon durch zwei Filtertiichcr gelaufen ist, ist er für den Hausgebrauch genügend geklärt. Sollte aber ein vollständig klarer Saft gewünscht werden, ist cs ratsam, den Satt noch durch den Weckfilter laufen zu lassen. Jüdische Gemeinde, Berlin Gottesdienst 1 Freitag, 5. September, abends: in allen Synagogen 7 Uhr. Sonnabend, 6. September, vorm.: in der Alten Synagoge 81/2 Uhr, in der Kaiserstr.- und Rykestr.* Synagoge q Uhr, in den anderen Synagogen: Früligottcsdicnst 7!/ä Uhr; Hauptgottei• dienst 10 Uhr. Predigt: Synagoge Rykestraße: Rabb. Dr, Pe* ttichowski; Neue Synagoge: Rabb. Dr. Warschauer; Synagoge L i n d en s t r a ß c: Rabbiner Dr. Bergmann; Synagoge Lützawstr.: Rabb. Dr. Hacek. Jugendgottesdienst: Sy nag. Fasanen- Straße, nachm. 4 Uhr: Rabb. Dr. Hochield. Abende o tt c sdic 11 st: (Sabbatausgang) 7 Uhr 2f! Mm. (Miiulia ו/י Stunde vorher, in der Alten Synagoge 5 Uhr). t 11 י ׳, ih'1-1 II,וויו Sh 111mg in־gH11l, wir w 111 ni< hl jlhliti her Mltlii'wmbrr, dnnn whd er hi'ix 111■ ge• Behoben, Der Jud' hat seine Schuldigkeit getan, der Jud’ kann gehen. Ich glaube bestimmt, daß dieselbe Erscheinung auch in der sozialdemokratischen Partei, die vorläufig noch zahlreiche jüdische Abgeordnete und Juden in hervorragender Stellung innerhalb der Partei hat, in nicht allzu langer Zeit sich geltend machen wird, wenn erst ■die Sozialdemokratie zur Macht gekommen sein und über genügende lutelligenzen auch «lme die Juden verfügen wird. Werden die Juden aus alledem die Konsequenzen ziehen? Wird Justizrat 'Lichtenstein selbst die Konsequenz.cn aus den Erfahrungen ziehen, die er jetzt gemacht hat? Eins ist sicher. Das Judentum bietet heute Aufgaben und Probleme, die die hingehende Mitarbeit der tüchtigsten Köpfe unter den Juden erfordert, Aufgaben von einer Schwierigkeit und Kompliziertheit, daß ihre Lösung auch die Ehrgeizigsten reizen, und die tätige Anteilnahme daran ihren Ehrgeiz vollauf befriedigen könnte. Und wenn das jüdische Volk auch vorläufig keine großen Ehren und Ehrenstcllungen zu vergeben hat, wenigstens nicht solche, die in den Augen der maßgebenden Kreise einen wesentliehen Wert haben, nun, so würde die jüdische Nachweit sicher ihrer gedenken und vor allem das Bcwußtsein würde sie lohnen, dem jüdischen Volke in schwerer Zeit die wertvollsten Dienste geleistet zu haben. H. Hoppe. AUS HAMBURG־ ALTONA V/eReiriS-RUNDSCHAÜ Berlin. Zionistischer Verein West-Berlin, Am Montag, den 15. er., findet in den Augiista-Viktoria- Sälen, Martin Lutherstr, 31/32 (gegenüber dem Eispalast), eine Versammlung statt, in der die Herren Julius Berger und Dr. Julius Becker über die Verhandlungen des XI, Kongresses referieren werden. Wir bitten unsere vercbrlichen Mitglieder um recht zahlreiches Erscheinen. Gäste, Damen und 1 lerren, willkommen. Besondere Einladungen ergehen nicht. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 20 Pfg. erhoben. Berlin. Jüdischer Turnverein Bar Kochba. Am Dienstag, den 9, September, findet im Caf£• Tiergartenhof ein Vortrag für die Jugendsport• abteihing statt, Herr Georg Israel wird über den XL Zionistenkongreß sprechen. Beginn 8•/» Uhr. Einführung von Gästen gern gesehen. — Nähere Auskunft über die Jugendsportabteilung erteilt Herr Siegl). Buch holz, Wilmersdorf, Nassauischc Straße 23/29. Charlottenburg. Infolge der ungünstigen Witterung hat der Jüdische Jugendverein Charlottenburg seine Dampferpartie nach Rauchfangswerder au( Sonntag, den 7. September, verlegt. Wir bitten daher unsere Freunde, sich diesen Tag für uns zu reservieren. Abfahrt von Schillingsbrücke (Schics. Bahn* hof) präz. 1 Uhr, Billetts sind zum Vorverkaufspreise von 1,50 M, (für Hin- und Rückfahrt inkl, Kaffee) gegen Voreinsendung des Betrages (auch in Briefmarken) bei Herrn Georg Hoch, Charlottenbürg, Schillerstr. 51, zu haben. Die Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona unterhält während der Zeit des Kongresses einen dauernden Stammtisch im Alst e rpavillon. An einer besonderen Anschlagtafel werden zweimal täglich durch Telegramme die neuesten Nachrichten ,*״• Wien bekannt gegeben werden. Die tägliche rv ivnuuuvii. 4.1u11181cn treuen SICH jeaei abend um 9 Uhr!in Cafd Berliner Hof. München. Die Mitglieder der Zionistischen Orts* gruppe haben seit geraumer Zeit ihren Stammtisch im Cafe Lu!tpo»d, ßriennerstraße, wo sie sich jeden (4 II I I I« # 11 11'II ö t II l| 11 1' II W u V 11 V 11 t II g 1■ II t morgens'. In der Alten-, Kaiserstr.* und R> keiir.- Synagoge (|1/a Uhr, in den anderen Synagogen 7 Uhr. Abends: in allen Synagogen b IJhr. TT.7.7 Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Deutschland G«l41ct>dungen sind •11ttch1j«»«llch tu rictoen sn Herta M»»WellHf|#t» CkkrioSliBburi, Ro0dbcr*$tra(U1 S. »au ■״ .־ — _ — -__ Organisation der Nationalfonds-Sammlungen in Groß-Berlin Die räumliche Ausdehnung Berlins einerseits und die Notwendigkeit schneller persönlicher Erledigung aer Arbeiten für den N^F. andererseits haben die Einteilung der N.-F.-Organisation in Bezirke erforder* hell gemacht. Den einzelnen Bezirkskommissaren ist die Büchscnverwaltung übergeben, insbesondere liegt ihnen die Leerung ob, für deren zweimal jährliche Durchführung sic zu sorgen haben, Sic sind auch die für jeden Büchseninhaber zuständige Stelle, bei der Angaben über llüchscnvcrlust (M. 1,— Strafe an den N.-F,), Beschädigungen, Adressenveränderungen, An* gaben für neu aufzustellcnde Büchsen usw. zu richten sind. Sollte es dem einzelnen Bezirkskommissar nicht möglich sein, die Angelegenheit zu erledigen, so wird er sie zur Weitergabe der Zentrale dieser Or* ganisation, Herrn Otto Quth mann, Wcimarische atraße 11, übergeben. Bei den Bezirkskommisiareii erhfiltFch Wertzeichen, Telegramme, Flugblätter usw. <#

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